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Habeck eröffnet Plattform Klimaneutrales Stromsystem

Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
23. Februar 2023
Lesedauer: 3 Minuten
Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
23. Februar 2023
Lesedauer: 3 Minuten

© Abbildung(en): Penofoto / Shutterstock / 2017541138

Home Elektroauto News 2023

Bundesminister Robert Habeck hat vor wenigen Tagen die Plattform Klimaneutrales Stromsystem (PKNS) eröffnet. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft soll im Rahmen der Plattform diskutiert werden, wie der Strommarkt fit gemacht werden kann für das Stromsystem der Zukunft – das weitgehend auf erneuerbaren Energien beruht und durch Elektroautos und Wärmepumpen zusätzliche Verbraucher mit Energie versorgen muss.

„Bei der Arbeit am klimaneutralen Stromsystem können wir einiges aus der Krisenerfahrung des letzten Jahres mitnehmen“, so Habeck. „Der europäische Strommarkt war einer dreifachen Krise ausgesetzt: den hohen Gaspreisen nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die gesamte Ukraine, der niedrigen Verfügbarkeit französischer Atomkraftwerke und der Dürre. Wir können jetzt sagen, dass sich der Strommarkt als außerordentlich resilient erwiesen hat“, so der Wirtschafts- und Klimaschutzminister. Europa habe einen der am besten funktionierenden Strommärkte der Welt. „Die positiven Errungenschaften müssen wir erhalten, während wir den Markt fit für die Zukunft machen. Entsprechend müssen wir das Stromsystem immer europäisch denken. Was wir an unserem Strommarktdesign ändern, hat direkte Auswirkungen für unsere Nachbarländer.“

In der Diskussion gelte die Prämisse, dass sich Deutschland klar dem 1,5 Grad-Ziel verpflichtet hat und bis 2045 klimaneutral sein soll, so Habeck. Die Stromversorgung der Zukunft werde sicher, nachhaltig und bezahlbar sein, sagt er. Wind und Sonne sollen zukünftig das Stromsystem tragen. Grundlage für alle Planungen sei, dass der Anteil der erneuerbaren Energien im Jahr 2030 auf 80 Prozent der Stromversorgung ansteigen und danach weiter anwachsen soll, dass der Kohleausstieg möglichst auf 2030 vorgezogen werde und dass im Zuge der Sektorkopplung der Stromverbrauch steige, etwa durch Elektroautos und Wärmepumpen.

„Von 550 Terawattstunden heute rechnen wir mit einem Anstieg wegen E-Mobilität und Wärmepumpen bis auf 700, 750 Terawattstunden bis 2030. Das können dann 2045 gut und gerne 1000 Terawattstunden sein“, sagte Habeck während der im Internet übertragenen Auftaktsitzung der PKNS. Weite Teile der Mobilität, der Wärmeversorgung und Industrie würden künftig mit Strom geführt werden. Die Hauptlast der Erzeugung soll künftig durch Wind- und Solarenergie getragen werden. Aktuell machen erneuerbare Energien fast die Hälfte der Stromversorgung in Deutschland aus.

„Wir müssen günstige Strompreise sicherstellen“

„In der Debatte über das klimaneutrale Stromsystem werden wir uns jetzt damit beschäftigen, wie wir günstige Strompreise sicherstellen; wie wir die richtigen Investitionssignale setzen, damit in erneuerbare Energien und in Wasserstoff-Kraftwerke investiert wird, und wie das System flexibel wird. Wir brauchen ergänzend zum Netzausbau die regionale Steuerung von Erzeugung und Lasten wie Elektrolyseuren in der Nähe von Offshore-Gebieten. Außerdem sollte erneuerbarer Strom vor Ort genutzt werden können, anstatt aufgrund von Netzengpässen abgeregelt zu werden. Ich freue mich auf die Debatte der nächsten Monate – mit klugen Köpfen, die ihre unterschiedlichen Perspektiven einbringen“, führte Habeck aus.

In den kommenden Jahren wird sich unser Stromsystem sehr stark verändern. Das Ziel ist eine klimaneutrale Stromerzeugung, die fast vollständig auf erneuerbaren Energien beruht. Bereits 2030 soll ihr Anteil bei 80 Prozent liegen. Um dieses Ziel zu erreichen, muss sich der Strommarkt grundlegend wandeln. Die Plattform Klimaneutrales Stromsystem soll in vier thematischen Arbeitsgruppen Optionen zur Weiterentwicklung des Strommarktdesigns ergebnisoffen diskutieren und fundierte Vorschläge erarbeiten. Dabei sollen in einem partizipativen Prozess die verschiedenen Sichtweisen der Akteure im Strommarkt genutzt und zusammengeführt werden.

Eine Gruppe soll sich auf effiziente Investitionsanreize für erneuerbare Energien fokussieren, eine zweite auf steuerbare Kapazitäten, um die Versorgungssicherheit jederzeit zu gewährleisten. Weitere Arbeitsgruppen behandeln die Flexibilisierung der Stromnachfrage sowie die Nutzbarmachung netzdienlicher Marktsignale. In einem Plenum sollen die Vorschläge zusammengeführt werden.

Die Plattform werde die aktuellen europäischen Vorschläge zu einer kurzfristigen, zielgerichteten Reform des europäischen Strombinnenmarkts in die Diskussionen einbeziehen. Eine eventuelle grundlegendere Reform des europäischen Strombinnenmarktes benötige eine vertiefte Analyse. Dazu könne die Plattform wichtige Beiträge liefern. Insofern sei zwischen der kurzfristigen Perspektive (aktuell laufende EU-Debatte zum Strommarktdesign) und der eher mittelfristigen Perspektive zu unterschieden. Letztere soll jetzt vertieft und mit genauen Analysen in der Plattform Klimaneutrales Stromsystem geführt werden.

Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz – Pressemitteilung vom 20.02.2023 / Frankfurter Allgemeine Zeitung – Habeck: Mehr Strom ist nötig

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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12 Comments
Birger
Birger
3 Jahre zuvor

Von heutigen 550 Terawattstunden auf einen Anstieg beim Stromverbrauch durch Wärmepumpen und E Mobilität im Jahr 2045 auf 1000 Terawattstunden ist doch echt sportlich und ich hätte einfach nur gern die Frage beantwortet, wo soll der Strom herkommen? Wir erreichen heute grade 50% grünen Strom und die Nordländer sind schon echt gut voll gestellt mit Windrädern, Solar ist auch schon gut verbreitet, aber ausbaufähig. Aber mal ehrlich, wo sollen die anderen 50% grüner Strom heute schon her kommen und dann noch mal das gleich bis 2045 dazu? Bitte beantwortet mir die Frage, wo soll der ganze Strom herkommen? Mit einigen Windrädern mehr und Solarpflicht auf jedem Dach wird diese Ziel nicht erreicht werden. Von den deutschen Wintermonaten mal ganz abgesehen. Vernünftige Speicherungen für Strom gibt es auch noch nicht und einen Puffer für Spitzenleistungen braucht es ja auch noch. Also bitte, woher nehmen wir diese Zuversicht, dies zu schaffen? Es muss, wenn so ein Plan aufgestellt wird, ja auch gesagt werden wie er in die Wirklichkeit umgesetzt werden kann! Ich kann auch genau so sagen, im Sommer werde ich mein 1,5 Tonnen Auto mit beiden Händen komplett in die Luft heben. Wenn ich sowas behaupte, musss ich einen Plan haben, wie ich es mache. Sonst weiß ich jetzt schon, es endet im Desaster und ist einfach nicht möglich und stehe wohl als Depp da.

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Birger
Birger
3 Jahre zuvor

Es gebe ja vielleicht auch die Möglichkeit, Hal Harvey mal zu fragen, wie er sich das alles so vorgestellt hat, nachdem er die Regierungen der Welt mit diesem Thema und seinen weltweiten Stiftungen ins Leben gerufen hat. Schließlich sind seine weltweiten Stiftungen und die Regierungen, sagen wir man sehr miteinander verbunden.
https://www.mittellaendische.ch/2022/08/18/hal-harvey-der-gr%C3%BCne-lobbyist-den-niemand-kennt/#gsc.tab=0

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Daniel W.
Daniel W.
3 Jahre zuvor

„Von 550 Terawattstunden heute rechnen wir mit einem Anstieg wegen E-Mobilität und Wärmepumpen bis auf 700, 750 Terawattstunden bis 2030. Das können dann 2045 gut und gerne 1000 Terawattstunden sein“, sagte Habeck

200 TWh bis 2030 mehr – das wäre 2 mal die jetzige Windstromproduktion zusätzlich, das dürfte bei dem geringen Windkraftausbau derzeit also kein Problem sein.

450 TWh bis 2045 mehr – d.h. 4 mal die jetzige Windstromproduktion zusätzlich, auch kein Problem.

Dazu gibt es noch viele leere Dächer, tausende Kilometer an den Autobahnen und viele Flächen auf Lkws und Autokarosserien, um mit PV-Modulen noch reichlich Ökostrom zu produzieren.

Sonne und Wind schicken keine Rechnungen.

Die Poliker sollte keine weiteren Plattformen, Arbeitskreise oder sonstiges Medien-Blabla verbreiten, sondern endlich mal die überbordende Bürokratie bei PV- und Windkraftanlagen sowie lokalen Ökostromverkauf abbauen, damit die Bürger die günstige Energiewende von unten voranbringen können.

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