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Bundesnetzagentur will verordnete Möglichkeit zur Stromdrosselung

Iris MartinzbyIris Martinz
1. Februar 2023
Lesedauer: 2 Minuten
Iris MartinzbyIris Martinz
1. Februar 2023
Lesedauer: 2 Minuten

© Abbildung(en): shutterstock / 1975010111

Home Elektroauto laden

Es klingt wie Hohn: Elektromobilität und emissionsfreie Heizungssysteme werden als Schlüsseltechnologien der Energiewende gesehen – und die Stromnetzbetreiber wollen die Stromversorgung dafür begrenzen. Eine entsprechende Möglichkeit zur temporären Stromrationierung ist Teil des Entwurfs der neuen Netzzugangsverordnung, die die Bundesnetzagentur vorgestellt hat. Unternehmen wie Tesla oder Heizungshersteller Viessmann kritisieren scharf.

Elektroautos und Wärmepumpenheizung brauchen Strom. So weit, so bekannt. Die Netzbetreiber scheinen jedoch vom Boom der letzten Jahre in beiden Technologien völlig überrascht. „Wenn weiter sehr viele neue Wärmepumpen und Ladestationen installiert werden, dann sind Überlastungsprobleme und lokale Stromausfälle im Verteilnetz zu befürchten, falls wir nicht handeln„, verteidigt der Präsident der Bundesnetzagentur seinen Plan im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Seine Strategie besteht jedoch nicht etwa im Ausbau der Netze oder der Integration smarter Lastverteiler, man möchte vielmehr eine Möglichkeit schaffen, die Stromversorgung in den Niedrigspannungs-Verteilnetzen vorübergehend zu drosseln. Elektroautos könnten dann an der heimischen Ladestation nicht mehr mit voller Leistung laden, und Wärmepumpen könnten nicht mehr die volle Heizleistung erbringen.

Gegen diese Brems-Strategie laufen sowohl Elektroautohersteller als auch Wärmepumpenlieferanten Sturm: Am Mittwoch ging bei der Netzagentur in Bonn ein gemeinsamer Brief von zehn Unternehmen ein, in dem das Vorhaben scharf kritisiert wird. Unterzeichner sind neben Tesla auch Viessmann sowie die VW-Tochter Elli. Die geplanten behördlichen Eingriffe würden die Akzeptanz für Schlüsseltechnologien der Energiewenden gefährden. Statt abzuriegeln müsse man Lösungen finden, die für eine Flexibilisierung der Stromnachfrage sorgen würden. Man fürchte außerdem, dass die Stromrationierung mancherorts zum Normalzustand werden könnte, wo die Netze schon länger zu schwach ausgelegt sind. Die Cheflobbyistin der deutschen Autohersteller, Hildegard Müller, fordert, dass die Bundesnetzagentur von dieser „verbraucherfeindlichen Idee einer zentral gesteuerten Drosselung“ Abstand nimmt.

Dass das gleichzeitige Laden von vielen Elektroautos und der Betrieb von Wärmepumpen die Netze belasten können, ist unbestritten. Ein Ausbau braucht Zeit und ist in vielen Fällen auch gar nicht notwendig. Technologien für das smarte Verteilen von Lastspitzen gibt es genug, die VW-Tochter Elli und der ostdeutsche Stromnetzbetreiber Mitnetz haben erst kürzlich in einem Piloprojekt bewiesen, dass eine intelligente anreizbasierte Lenkung der Stromnachfrage möglich ist. Diese Methoden seien außerdem „mit moderatem Aufwand und verfügbarer Technik rasch umsetzbar„. Kunden wären außerdem bereit, freiwillig zu bestimmten Zeiten zu laden, wenn ihnen dafür Anreize geboten werden. Darüber müssten die Netzbetreiber aber aktiv nachdenken, eine verordnete Drosselmöglichkeit ist jedenfalls die einfachere Variante.

Wie ungerne die Bundesnetzagentur über solche Anreizsysteme nachdenken möchte, zeigt die Reaktion des Netzagentur-Chefs Klaus Müller auf die Vorschläge: man sei offen, diese weiter zu prüfen, seiner Behörde seien aber derzeit „keine umsetzbaren Modelle bekannt„. Die Briefunterzeichner fordern daher, dass die Netzbetreiber zumindest binnen zwölf Monaten die von einer Drosselung betroffenen Netzteile technisch aufrüsten müsse. Andernfalls sollten Strafzahlungen verhängt werden.

Quelle: Frankfurter Allgemeine – Mit Anreizen gegen die Stromrationierung

Iris Martinz

Iris Martinz

Iris Martinz ist Unternehmens- und E-Mobilitätsberaterin in Österreich, mit langjähriger Erfahrung im Recycling und Second Life von E-Mobilitätsbatterien. Fährt sowohl rein elektrisch, als auch V8, und möchte die beiden Welten etwas näher zusammenbringen. Nachzulesen unter www.mustangsontour.com.

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27 Comments
Carlos Seins
Carlos Seins
3 Jahre zuvor

Statt sich selbst bei der Nase zu nehmen und falsche Planung einzugestehen will man die eigene Dummheit mit Beschränkungen und Regelwerk ausgleichen! ******************! [Edit: Bitte Netiquette beachten, keine derben Schimpfworte, danke. / Michael]

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Philipp
Philipp
3 Jahre zuvor

Warum ist das so ungeschickt?
Wer ohne Einschränkung laden/heizen will, zahlt einfach mehr (z.B. doppelten Preis).
Diejenigen die zeitlich das Anpassen lassen zahlen entsprechend weniger.

Wer dann so blöd ist seine Lade-/Heizinstallation nicht anzupassen ist selber schuld.

Ging früher genauso mit Nachtspeicheröfen: Die hatten einen eigenen Zähler und die Netzbetreiber definierten wann die „beheizt“ wurden und hatten entsprechend billigeren Strom.
Wollte man sofort heizen, mußte man regulären teureren Strom nehmen.

Da gab es auch kein Gejammer oder Unverständnis…

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Frank
Frank
3 Jahre zuvor

Tausende Hochspannungsleitungen und Transformatoren nützen nichts im Ortsnetz, wenn in einer Straße nur drei Wallboxen installiert werden können, gehen 95% der Anwohner leer aus. Ab 2024 will man alle neuen Ladestationen ab 3,7kW abschaltbar machen, dann können mehr Anwohner ein BEV laden. Die Wärmepumpen werden ja auch bis zu 6 Std. am Tag abgeschaltet. Die Leitungen und Transformatoren die in den letzten 100 Jahre verbaut wurden kann man nicht in 5 Jahre erneuern, soviel Kupfer, Aluminium, Eisen… gibt es noch nicht.

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Jan
Jan
3 Jahre zuvor

Wie soll das gehen? Die EVU können doch keine Kleinverbraucher selektiv abschalten. Das geht nur, wenn man einen smarten Zähler hat, der auch noch fernsteuerbar ist.

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Martin
Martin
3 Jahre zuvor

Das Problem ist nicht die Elektromobilität! Der durchschnittliche Tagesbedarf pro BEV kann mit etwa 10 kWh angesetzt werden, großzügig aufgerundet. Wenn die ganze Republik in x Jahren einmal nur noch elektrisch fährt, macht dies einen Mehrverbrauch von ca. 20% aus, zudem sehr gleichmäßig übers Jahr verteilt. Da x eine Zahl zwischen >5 und 15 sein wird, können Netze und Erzeugungsleistung durchaus mitwachsen, zumal ein BEV auch netzdienlich eingesetzt werden kann.

Mit Wärmepumpen sieht es ganz anders aus. Sparsam im Verbrauch…wenn die Außentemperaturen jetzt nicht so extrem sind. Aber wehe, wenn im Winter nach Schneefall ein Hoch mit Ostwindlage kommt. Dann sind eben auch -10°C Tageshöchsttemperatur drin, nachts gegen -20°C. Das kommt nur alle paar Jahre vor. Aber dann benötigt eine Wärmepumpe etwa 100 kWh pro Tag.

Für diesen zugegeben seltenen Fall wird dann mal eben das doppelte des „Normalverbrauchs“ benötigt, eine flächendeckende Ausstattung mit Wärmepumpen angenommen.
Ergo: Wenn alle ein BEV fahren, ist das unkritisch. Aber wenn alle mit Wärmepumpe heizen, können wir eben im Winter französische Verhältnisse bekommen…

Eine Stromdrosselung ist hier die günstigste „Lösung“. Notstromaggregat, Batteriespeicher, Teelichter…? Aktuell gibt es nichts, was wirklich überzeugen kann. Da werden noch viele Diskussionen geführt werden. Es gilt eben auch hier das Pareto-Prinzip: 80% der Aufgabe erfodern 20% des Aufwandes…

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Horst
Horst
3 Jahre zuvor

Die richtige Lösung ist der norwegische Stromversorger Tibber. Abrechnen nach Börsenstrompreis, dann regelt sich alles von selbst.

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Robert
Robert
3 Jahre zuvor

„ungerne die Bundesnetzagentur über solche Anreizsysteme nachdenken möchte“ ist ja logisch solche Anreizsysteme würden ja bedeuten wenn viel Strom im Netz dann Strom billig ansonsten so teuer wie jetzt kann ja nicht angehen das die total überzogenen Gewinne der Strom und Netzbetreiber geschmälert werden war ein hartes Stück dahin um die teuersten Strompreise weltweit zu bekommen
(Achtung ironie)

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Daniel W.
Daniel W.
3 Jahre zuvor

Es gibt etwa 48 Mio. Pkws in Deutschland, für mich muss sich diese Zahl in der Zukunft kräftig reduzieren und nicht, wie sich viele Leute vorstellen, durch E-SUVs ersetzt werden. Für jedes neue E-Auto sollten 2 Verbrenner stillgelegt werden, so dass wir bis 2040 nur noch rund 16 Mio. E-Autos haben.

Dafür muss der ÖPNV und der überregionale Schienenverkehr massiv ausgebaut und deutlich pünktlicher werden, damit die Fahrt in Bus und Bahn ähnlich angenehm und planbar wie mit dem Auto wird. Durch die Verlagerung auf Bus und Bahn sowie auf Pedelecs (mit und ohne Dach) wird der Stromverbrauch im Verkehr massiv sinken, vor allem im Niederspannungsnetz, so dass mehr Strom für Wärmepumpen bleibt und der Ausbau des Stromnetzes sowie von PV- und Windkraftanlagen leicht zu bewältigen ist.

32 Mio. E-Autos zu je 2 Tonnen weniger bedeuten auch viel weniger Resourcen an Stahl, Alu, Kunststoff, Chips, Akkupacks usw., was wiederum weniger Strom für deren Produktion bedeutet und deshalb werden auch weniger PV- und Windkraftanlagen benötigt, um in Deutschland energieautark zu werden.

Weniger Arbeitsplätze in der Autoindustrie bedeutet weniger Fachkräftemangel, so dass es dann endlich genug Leute im Bereich PV, Windkraft und Wärmepumpen gibt, damit die Energiewende vorankommt. Zudem brauchen wir auch weniger PV- und Windkraftanlagen, um Alle mit Ökostrom autark zu versorgen.

In der Stadt bleibt mehr Platz für die Menschen und das Stadtgrün in einer Welt des Klimawandels mit vermehrten Dürren, Überflutungen und Hitzesommern, wenn 32 Mio. Autos und viele breite Straßen wegfallen.

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Kona64
Kona64
3 Jahre zuvor

Die ggf. mögliche Drosselung ist eine sinnvolle Maßname, um das Netz zu stabilisieren. Es ist ja nicht gesagt, dass es dazu kommt und die längste Drosselung würde 2h dauern. In der Zeit stünden immer noch 3,7kW zur Verfügung. Das würde immer noch reichen den Tagesbedarf in der Zeit zu laden. Praktisch gibt es für BEV Fahrer keine wesentlichen Einschränkungen. Die Industrie soll dass nicht aufbauschen. Auch bei Wärmepumpen dürfte das kein Problem sein. Mit einer Arbeitszahl von 3 liefert die dann immer noch 10kW Wärme.

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Reinhard Wenzel
Reinhard Wenzel
3 Jahre zuvor

DIe netzabhängige Abschaltung bestimmter Verbraucher ist keine Idee dieser Zeit, sondern uralt : Wärmepumpen, Nachtspeicherheizungen und andere große Verbraucher können seit Jahrzehnten vom Netzbetreiber temporär abgechaltet werden.

So gesehen nichts neues und nur der Aufschrei der üblichen Verdächtigen, der noch lauter wird, wenn die Kosten eines schnellen Netzausbaus auf die Strompreise umgelegt werden…

PS: ich habe mit den Netzbetreibern nichts zu tun, außer mich regelmäßig mit ihnen, teils mit anwaltlicher Hilfe, zu streiten…

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Niko8888
Niko8888
3 Jahre zuvor

Ich fahre, wie die meisten, Max 20 Tkm um Jahr. Da kann man meine Wallbox gerne stundenweise abschalten- juckt mich und die meisten anderen überhaupt nicht.
wenn das dann noch durch einen finanziellen Vorteil versüßt wird ist das ein intelligentes Konzept und spart nachhaltig Ressourcen.

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Tom 1
Tom 1
3 Jahre zuvor

Ihr habt Alle Recht mit eurer Meinung,aber schnellerer Ausbau der regenerativen Energien ohne Bürokratie ob Privat oder Wirtschaft, Speichersysteme,Energiegenossenschaften wo sich auch der Bürger beteiligen kann,usw. .
Was aber auch vergessen wurde,ein riesiger Stromverbraucher das ,, Internet,,
Wer verzichtet da rauf????

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Norbert Seebach
Norbert Seebach
3 Jahre zuvor

Das ist doch wohl ein absoluter Hohn gegenüber Allen, die die Energiewende voranbringen wollen und auch privat erheblich investiert haben: erst alles elektrifizierten wollen (was ich gut und richtig finde wenn es sich um regenerativ erzeugten Strom handelt) – und dann den Strom bei Bedarf einfach abschalten/reduzieren. Ist ja auch einfacher als Ausbauhemmnisse für EE endlich ernsthaft auch gegen Widerstände von Fossil-Lobbyisten, vermeintlichen Umweltschützern und ewig Gestrigen zu beseitigen, Genehmigungen für Windräder erheblich zu beschleunigen und Einspruchsmöglichkeiten gesetzlich zu begrenzen. Vor allem gilt es, den Bau von Stromtrassen endlich massiv voranzutreiben, damit nicht wie bisher jährlich Strom im Wert von fast einer Milliarde Euro zwar von den Stromkunden bezahlt werden muss, aber mangels Leitungskapazitäten nicht genutzt werden kann. Gleiches gilt für den Ausbau von Speichern und Eletrolyseuren bis hin zur Einbindung von E-Autobatterien in das Energiesystem (V2G, V2Home). Bürgerbeteiligung darf sich nicht auf Einsprüche und Verhinderung von Projekten beschränken, vielmehr müssen die Menschen vor Ort (und nicht wenige Großkonzerne) an dezentralen, regionalen Energieprojekten partizipieren und auch finanziell unmittelbar profitieren. Auch im Bereich der Fotovoltaik sind längst nicht alle Potenziale ausgeschöpft. So wurden in der unsäglichen Ära Altmeier extra noch massive bürokratische und steuerliche Hindernisse auf den Weg gebracht, um Privatleuten die Erzeugung ihres eigenen Stroms so unattraktiv wie möglich zu machen! Zu dumm auch für unsere Politiker-Kaste, dass die Zeit der Energie-Monopolisten sich nun offenbar ihrem Ende zuneigt: schlecht für Großspenden an wohlgesonnene Parteien und lukrative Jobs zur „Anschlussverwendung“ – aber gut für alle Übrigen!

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