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Wo sind eigentlich die kleinen Elektroautos?

Hannes DollingerbyHannes Dollinger
4. März 2023
Lesedauer: 4 Minuten
Hannes DollingerbyHannes Dollinger
4. März 2023
Lesedauer: 4 Minuten

© Abbildung(en): A. Aleksandravicius / Shutterstock / 465762503

Home Elektroauto News 2023

Die New York Times hat sich in einem kürzlich veröffentlichten Artikel gefragt, wie umweltfreundlich elektrisch betriebene SUV- und Pickup Trucks sind. Besonders in den USA kommen immer mehr dieser riesigen Fahrzeuge auf den Markt. Aber auch in Europa sind die meisten E-Autos zu groß und zu teuer.

Elektrisch betriebene Fahrzeuge sind energieeffizienter. Da sind sich die Experten einig. So argumentiert die New York Times in dem Artikel, dass ein Ford F-150 Lightning bis zu 50 Prozent weniger Treibhausgase produziert als ein vergleichbarer Pickup mit Verbrennungsmotor. Natürlich kommt es dabei auch darauf an, wie der Strom hergestellt wird. Energie aus erneuerbaren Quellen ist natürlich viel umweltfreundlicher als Strom aus Kohle oder Gas. Die Produktion der Batterie wird häufig gerne als Argument gegen elektrische Fahrzeuge genutzt. Wird die hohe Energie in der Produktion der Batterie im Lebenszyklus des Autos durch die Einsparungen beim Fahren wieder ausgeglichen? Und was ist mit den ethischen Bedenken bei der Förderung benötigter seltener Rohstoffe? Eine schwierige Diskussion, in der die Batterie zwar in den meisten Bereichen die Nase vorne hat – an der sich die Experten noch lange reiben werden. Hier geht es aber vor allem um ein anderes Problem.

Zurück in die USA. Bis 2025 prophezeien Experten, wird der Markt in den USA zu 78 Prozent aus den beliebten und beleibten SUVs und Trucks bestehen. Neben dem Ford F150 Lightning und dem Rivian R1T kommen immer mehr elektrische Pickups auf den Markt. Zuletzt hat Dodge den Ram 1500 REV vorgestellt. Der Hummer EV stellt mit seinen Leistungs- und Fahrzeugdaten sowieso alles in den Schatten. Bis zu 1000 PS in einem Fahrzeug, dass über 4 Tonnen wiegt, verlangen natürlich ordentlich Energie. Alleine die verbauten Batterien mit mehr als 200 kWh Kapazität wiegen um die 900 kg. Der ADAC gibt für diesen Wahnsinn auf Rädern einen Verbrauch von 36 kWh auf 100 Kilometer an. Bei meinem aktuellen Ladetarif von 0,60 Euro würde mich der Hummer EV auf 100 km locker doppelt so viel kosten wie ein Audi A6 3.0 TDI mit 7 Litern Diesel an der Zapfsäule. Die negativen Effekte der elektrischen Antriebe kommen in diesen großen, schweren Autos besonders zum Tragen. Oder andersrum gesagt: Elektromobilität ist in kleinen leichten und sparsamen Fahrzeugen am effizientesten. Doch wo sind die?

Wo bleiben Stromer fürs Einstiegssegment?

Damit sind wir wieder in Europa. Natürlich gibt es kompakte Elektroautos mit kleinem Akku. Der Renault Zoe war lange Zeit ein Vorreiter in diesem Segment. Auch Fiat 500 Elektro, der Dacia Spring oder mein geliebter VW e-up! gehören dazu. Doch im Vergleich zum Verbrenner ist die Auswahl um einiges überschaubarer. Viele Hersteller lassen noch die Finger von dem Segment. Und die vorhandenen Fahrzeuge kosten im Vergleich zu ihren benzinbetriebenen Zwillingen um einiges mehr. Denn die Batterietechnik ist eben noch teuer. Damit sind Autos für viele Menschen nicht attraktiv.

Deshalb stecken die Hersteller ihre Entwicklung lieber in ein Fahrzeug, das ohnehin hochpreisig ist und bessere Margen verspricht. Diese Premium Modelle wiederum sind größer und schwerer. Da hilft auch die beste Aerodynamik eines Mercedes EQS nur bedingt, wenn er einen 108 kWh Akku und 2,5 Tonnen mit sich rumschleppt. Tesla hat diese Strategie von Anfang an verfolgt. Gestartet in der Oberklasse mit dem Model S will man die Erfolge der Firma und Fortschritte in der Entwicklung nutzen, um kleinere Fahrzeuge für den Massenmarkt zu bauen. Weiter als bis zur Mittelklasse ist man mit dem Model 3 bisher aber noch nicht gekommen.

Eine Studie von Bloomberg NEF (aus dem Jahr 2021) besagt, dass ab 2027 die Produktion eines batterieelektrischen Autos günstiger wird als die eines Verbrenners. Als Gründe wird die fortschreitende Entwicklung in der Batterietechnik genannt, die Batterien in den kommenden Jahren um mehr als die Hälfte günstiger machen werden. Auch Synergieeffekte in der Produktion und höhere Stückzahlen werden die Preise senken. Diese Entwicklung beginnt laut der Studie ebenfalls bei größeren Fahrzeugen. Vans und Transporter werden zuerst kosteneffizienter zu produzieren sein, dann die Mittelklasse bis schließlich auch Kleinwagen mit Batterie billiger sein werden als der Verbrenner.

Wir beobachten also eine logische und nachvollziehbare Entwicklung. Für die meisten Menschen mit dem Wunsch, sich auf ein elektrisches Fahrzeug einzustellen bedeutet das allerdings: Vielleicht ist die Zeit noch nicht reif. Vom langsamen Ausbau der Ladeinfrastruktur wollen wir jetzt gar nicht erst anfangen. Für uns Fans von Elektromobilität bedeutet das vor allem, dass es weiter spannend bleibt. Die Meinung in den USA übrigens ist gespalten.

Die New York Times schließt mit dem Fazit, dass es viele Experten gibt, die davon ausgehen, die E-Auto-Revolution sei ein Grund, das Konzept von Mobilität grundsätzlich zu überdenken. Andere sagen, es sei wohl das beste, dem Markt einfach das zu geben, was er wolle: Den Hummer EV und seine Mitstreiter.

Quellen: New York Times – Just How Good for the Planet Is That Big Electric Pickup Truck? / Transport & Environment – EVs will be cheaper than petrol cars in all segments by 2027, BNEF analysis finds / ADAC – GMC Hummer EV: Testfahrt im Elektro-Pickup der Superlative

Hannes Dollinger

Hannes Dollinger

Hannes Dollinger schreibt seit Februar 2023 für Elektroauto-News.net. Profitiert hierbei von seinen eigenen Erfahrungen aus der Welt der Elektromobilität.

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14 Comments
Jakob Sperling
Jakob Sperling
3 Jahre zuvor

Sehr interessant. Solche Artikel mit etwas mehr Hintergrund und Umblick erhöhen m.E. die Qualität und den Nutzen dieses Mediums deutlich.

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Marc
Marc
3 Jahre zuvor

Der Verbrauch des elektrischen Hummer muss fairerweise mit dem Verbrauch des benzinbetrieben Hummers, verglichen werden. Dann wird man feststellen, er ist deutlich günstiger. Zudem ist es bei einer realistischen Reichweite von 500 km relativ unwahrscheinlich, dass die Nutzer unterwegs nachladen müssen. Das ist ja kein Langstreckenfahrzeug und sein wahrer Luxus ist der selbst im Vergleich mit dem echten Verbrauch ungewöhnlich große Akku. Höchstwahrscheinlich wird so ein Fahrzeug bei tatsächlichen Kunden jeden Abend zuhause aufgeladen, was in den USA gerne für 16c die Kilowattstunde gemacht ist. Das kostet dann selbst volltanken nur $32.

Wo ich der New York Times absolut zustimme ist, dass saftige Preiserhöhungen eine Änderung im Denken der Nutzer bewirken. Wer sich bisher einen Kleinwagen neu gekauft hat und jetzt deutlich mehr ausgeben müsste, wird genauer überlegen, ob er nicht sein Verhalten ändert. Finde ich wunderbar.

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Mark Mahoon
Mark Mahoon
3 Jahre zuvor

Ich denke, das die grossen Autofirmen diesen Markt ganz bewusst den Chinesen überlassen werden, da man hier keine Marge erzielen kann, die den Aktionären zusagt.

Im Moment sind solche Kleinstwagen entweder von Startups zu Liebhaber Preisen zu haben, oder halt demnächst von Chinesischen Firmen.

Mal sehen, ob Renault ihren Twizynachfolger zu einem vernünftigen Preis anbieten wird. Nachdem wir hier schon einen Twizy haben wäre das eine nette Ergänzung. ^_^

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Viva
Viva
3 Jahre zuvor

Die angaben dass ein 200kwh akku und mehr, 900kg wiegen soll ist deutlich falsch….
Ich habe bereits einige solcher akkus erneuert welche aber 94kwh bis 110kwh enthalten und dabei schon die 800kg knacken!
Ich muss das gewicht deutlich beachten da ich diese mit einem stapler mit eigener hebevorrichtung umheben muss . .

Ein akku einer elektro b klasse mit nur 28,8 kwh wiegt bereits 460 kg!! Und das ohne crashrahmen!
Also wie soll ein akku mit 200kwh und mehr nur 900kg wiegen!?
Komplette schönung und falschangabe!
Ich schetze hier ein gewicht von 1300-1600kg ein! Und das ist nich eher niegrig angesetzt….

Ein hybrid wird schlechtgeredet weil er so biel gewicht mitschleppen muss…
Wie will man das dann beim bev gerecht fertigen!?

Und auf die frage wesshalb noch keine kleineren e autos am markt sind kann ich dazu sagen, die hersteller wollen das nicht.an treibt mit dem bev bewusst das durchschnittsgewicht der verkauften fahrzeuge in die höhe um dann die milderen flottenverbrauchswerte erreichen zu können.
Verkauft man im schnitt schwerere autos, sind die Grenzwerte automatisch höher!
Zusätzlich fallen bei teuren fahrzeugen deutlich bessere gewinne ab…
Also schlägt man mehrere fliegen mit einer klappe!
Ist doch im endeffekt nichts anderes als mit den abgasmessungen beim tüv oder paragraf 57a.
Die meisten hersteller versuchen doch nur so gut wie möglich diese richtlinien auszutricksen, so gut wie möglich auszureizen (oftmals auch drüber hinaus) und und im endeffekt zu schönen….
Der avgasskandal hats bewiesen.
Ein nox wert wurde in diesem sinne nie geprüft!
Somit lenkte man die abgaswerte gezielt so um die messbaren werte zu errei hen und die restlichen schossen in die höhe (nox wert beim diesel) das erklärt doch auch die tierversuche von vw wie sich übermässiges nox auswirkt….
Eigentlich schrecklich das ganze….
Und das wird halt meiner meinung nach beim bev jetzt nicht anders weitergeführt!

Hier ist kein wirklicher umweltgedanke vorhanden….

Ein e up, ein e smart, fiat 500e oder der honda e usw… sind meiner meinung nach hier wirklich umweltfreundliche fahrzeuge welche ihre eigenschaft perfekt nutzen können!
Leider sind einige kleinwagen bev schon wieder verschwunden….

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Carlos Seins
Carlos Seins
3 Jahre zuvor

Die alteingesessenen Hersteller machen das was sie am besten können…

Lieber fette Margen mit BEVs die in der Umweltbilanz gar nicht sooo gut da stehen, als endlich mal die Verantwortung zu erkennen und den Dreck den sie über Jahrzehnte ausgeblasen haben (immer am gesetzlichen Limit und manche auch daran vorbei!!) aber ausschließlich und nur für die Aktionäre und den eigen Gewinn.
Begann ja schon mit ECO Drive, EcoBoost, blue efficiency usw. hier wurde dem Konsumenten schon vorgemacht wie toll und umweltbewusst man scheinen möchte.
[Haben wir mal angepasst, muss so nicht sein. /Sebastian]

Zuletzt bearbeitet am 3 Jahre zuvor von Carlos Seins
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Anton Roft
Anton Roft
3 Jahre zuvor

„fortschreitende Entwicklung in der Batterietechnik genannt, die Batterien in den kommenden Jahren um mehr als die Hälfte günstiger machen werden.“
Nach den Entwicklungen und Tendenzen der jüngeren Zeit, mindestens seit 2022/23 nun, glaube ich nicht mehr an diesen erhofften und natürlich grundsätzlich wünschenswerten Preisverfall.

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Daniel W.
Daniel W.
3 Jahre zuvor

In Zeiten des Klimawandels werden die Flächen für die Autos in den Städten nach und nach kleiner, da für ein erträgliches Stadtklima viele Flächen entsiegelt und mit Stadtgrün bepflanzt werden müssen, ebenso wird Platz für neue Wohnungen gebraucht, so dass große Autos langsam aus den Städten verschwinden.

Wer die kleinen E-Autos baut, das ist mir egal, denn ich gehe von viel weniger Autos insgesamt aus, denn für den Klimaschutz ist auch eine Resourcenreduzierung wichtig, also ÖPNV und Schienenfernverkehr.

Wenn die großen Autoersteller in Deutschland den Bach runter gehen, dann sehe ich das als Vorteil, denn dann werden Gebäude und Mitarbeiter frei für die Energiewende mit PV, Windrädern und Wärmepumpen.

Diese Jahr dürfte als „die große Dürre in Europa“ uns alle noch stark beschäftigen, wenn nicht das Frühjahr und der Sommer regnersich werden und die Böden mit Feuchtigkeit versorgen, damit die Landwirtschaft in der EU die Bürger mit genügend Lebensmittel versorgen kann – Klimawandel auf dem Teller.

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Volta
Volta
3 Jahre zuvor

Typisch Ami,
die werden ihre SUV nicht abgeben. Warum unsere großen europäischen Hersteller keine kleinen Autos bauen wollen ist ja bekannt. Auf die Dauer ist es spannend zu sehen ob ihre neue Devise aufgeht, wenn du dich nur auf gehobene Premium – Autos einstellst, dann nimmst du die Einsteiger nicht mit. Ob ein Einsteiger, der mit einem chinesischem Kleinwagen angefangen ist noch zurück geholt wird, dass ist die Frage. Mal sehen was die Aktionäre sagen, wenn der Nachwuchs fehlt!
Ich jedenfalls kann auf abgehobene Hersteller verzichten und auf E- Fuel sowieso, Dinosaurier sind auch ausgestorben. Was die Diskussion um Ethik zur Rohstoffgewinnung betrifft, das war bisher beim Verbrenner nie ein Thema, somit ist das ein Fortschritt.

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Ferdinand Reiff
Ferdinand Reiff
3 Jahre zuvor

Was soll dieses Gerede um die Kleinfahrzeuge, die die das wollen sind alle 60 Jahre zu spät auf die Welt gekommen. Da könnten ( müssten) sie nämlich Trabbi fahren Sollten alle froh sein das es jetzt größere und damit sicherere Autos gibt.

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E-Turboianer
E-Turboianer
3 Jahre zuvor

es nützt nichts wenn die Hersteller „Kleinfahrzeuge“ konstruieren und dies möglichst „billig“ damit sie am Markt auch aufgenommen werden. Wenn die dann nichts taugen (weil: eben billig produziert!!!) wie am Bswp. meines Renault-ZOE dann bringen diese ganzen Überlegungen, die vom Grunde her richtig sind, nichts

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Matthias Geiger
Matthias Geiger
3 Jahre zuvor

Die E-Mobilitätsförderbedingungen sind maßgebend. Förderung (Reine E-Autos) bis PKW-Preis 30.000 Euro Brutto-Listenpreis und AC/DC Laden 22/100 kW. Eine WLTP-Reichweite von 400 km, dann ändert sich schnell das Kaufsegment. Förderung bis zu 6.500 Euro.

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