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Deutschland der „Top-Produktionsstandort“ für Elektroautos in Europa

Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
18. März 2021
Lesedauer: 3 Minuten
Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
18. März 2021
Lesedauer: 3 Minuten

© Abbildung(en): shutterstock / Lizenzfreie Stockfoto-Nummer: 524209339

Home Automobilindustrie

Prof. Dr. Werner Olle vom Chemnitz Automotive Institute (CATI) hat mit dem Fachblatt Springer Professional über den Strukturwandel in der Automobilindustrie, eine in diesem Zusammenhang erarbeitete Studie sowie die Rolle der Zulieferer gesprochen. Bereits mit dem Titel der Studie „Elektromobilität trotzt der Automobilkrise“ werde die Botschaft signalisiert, „dass 2020 eine nachhaltige Trendwende zur Elektromobilität in Europa begonnen hat“, sagt Olle zu Beginn des Interviews. Das Jahr 2020 aber sei „erst ein Anfang“.

Olle hat in seiner Studie die für die kommenden Jahre zu erwartende Produktion von Elektroautos, die Produkt-, Kapazitäts- und Werksplanungen aller in Europa produzierenden Automobilhersteller untersucht. „Die Ergebnisse zeigen, dass sich bereits bis 2022 die Anzahl der Produktionsstandorte für Elektroautos auf mehr als 35 Standorte verdoppeln wird, an denen 1,2 Millionen voll-elektrische Pkw produziert werden“, sagt Olle. Gegenüber dem Stand von 2019 bedeute dies eine Vervierfachung der Produktionskapazitäten. Bis 2025 geht er von einem weiteren Anstieg der Jahresproduktion auf europaweit gut 2,2 Millionen Fahrzeuge aus.

Deutschland werde dabei, so Olle, „der Top-Produktionsstandort für Batterie-elektrische Pkw in Europa, mit einem Anteil von über 50 Prozent“. Das liege unter anderem daran, dass mit dem VW-Werk in Zwickau und der Gigafactory von Tesla in Grünheide die beiden größten europäischen Werke zur Produktion von Elektroautos in Deutschland beheimatet seien.

Neben Batterie-elektrischen Antrieben sei aber auch die Wasserstoff-Technologie „in Deutschland und Europa eine wichtige Zukunftstechnologie“ so Olle. Denn „nicht nur die Fahrzeuge müssen klimafreundlicher werden, sondern auch die gesamte Wertschöpfungskette“, erklärt er. Es gebe „eine Vielzahl von stationären Anwendungen für Wasserstoff insbesondere in den energieintensiven Produktionsbereichen wie zum Beispiel bei der Stahlerzeugung“. Auch in einigen Mobilitätsbereichen „wie bei schweren Nutzfahrzeugen, Eisenbahnen oder Schiffen hat die Wasserstoff-Technologie sehr gute Perspektiven.“

„Die Automobilhersteller müssen sich neu definieren“

Der umfassende automobile Strukturwandel, der gerade stattfindet, sei „eine immense Herausforderung“ für die Automobilindustrie. Er zwinge die Hersteller „auf der einen Seite zur Bestandssicherung durch Optimierung von Produkten und Prozessen“, andererseits aber auch „zur raschen Realisierung von Zukunftstrends wie der Elektromobilität, der Digitalisierung sowie weiteren Entwicklungsstufen“ beim autonomen Fahren. Dieser Spagat zwischen den Welten lasse sich in drei Dimensionen einteilen: „Investitionen, Plattform, Kernkompetenzen“.

Die Investitionen in die Zukunftstrends belaufen sich „auf bisher in der Branche nicht dagewesene Summen“, so Olle weiter. Um diese zu ermöglichen, seien „insbesondere bei der Bestandssicherung Investreduzierungen erforderlich, zum Beispiel durch Reduzierung von Komplexität, und in den Zukunftsfeldern vielfältige Kooperationen und Zusammenschlüsse von Herstellern“. Als Beispiele führt der Professor die Kooperation von VW und Ford beim Elektroauto-Baukasten MEB oder die Fusion des PSA-Konzerns mit Fiat Chrysler zum weltweit viertgrößten Autohersteller Stellantis an.

„Die Automobilhersteller müssen sich neu definieren“, sagt Olle. Denn nur Hardware-Produzent zu sein, werde „der Zukunft Automobil nicht mehr gerecht“. Die Hersteller müssen „parallel und mit hohem Zeitdruck neue Kernkompetenzen“ aufbauen, „insbesondere in den Bereichen Elektronik und Software aber auch für neue Services für die Nutzer“. Der Strukturwandel treffe auch die Zulieferer, in unterschiedlichen Ausprägungen. „In Abhängigkeit von dem jeweiligen Produkt- und Technologieportfolio der Zulieferer“ werde es „Gewinner und Verlierer geben“, so Olle. Die Corona-Pandemie habe diesen Prozess sogar noch verschärft, da finanzielle Mittel mitunter weniger werden, sich die Transformation gleichzeitig aber beschleunige.

Es sei ein Fakt, dass „der Trend zur Elektromobilität begonnen hat und sich nachhaltig ausbreiten wird“, erklärt Olle. Es sei für Automobilzulieferer und Unternehmen mit Automobilbezug „höchste Zeit, sich auf diese Entwicklung einzustellen.“

Quelle: Springer Professional – „Der automobile Strukturwandel ist eine immense Herausforderung“

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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1 Kommentar
VestersNico
VestersNico
5 Jahre zuvor

Prof.Dr.Werner Olle vom Chemnitz Automotive Institut (CATI). Eine Frage hätte ich noch: wofür steht das grosse T? Für das T hinter Au oder für das T hinter Automo? Ein Freind von Kati Witt…

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