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Bis 2025 wollen 100 Prozent der Lkw-Flottenbetreiber E-Trucks anschaffen

Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
11. Juli 2022
Lesedauer: 3 Minuten
Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
11. Juli 2022
Lesedauer: 3 Minuten

© Abbildung(en): shutterstock / 1067989727

Home Elektroauto News 2022

Auf dem Weg zur Klimaneutralität des Verkehrs wird die Elektrifizierung des Straßengütertransports eine wesentliche Rolle spielen. Eine aktuelle Befragung von Strategy&, der Strategieberatung von PwC, unter 30 Herstellern (OEMs) der Sparten Busse und Lkws sowie 30 Flottenbetreibern aus dem Transport- und Logistik-Sektor in den Segmenten leichte Nutzfahrzeuge (Light Duty Trucks, LDT), mittelschwere Nutzfahrzeuge (Medium Duty Trucks, MDT) und schwere Nutzfahrzeuge (Heavy Duty Trucks, HDT) zeige: Während Dieselmotoren mit einem Anteil zwischen 30 Prozent und 100 Prozent aktuell die meistgenutzte Antriebsform in kommerziellen Lkw-Flotten darstellen, setzen Flottenbetreiber bei der Dekarbonisierung ihres Fuhrparks gleichzeitig immer stärker auf Batterie- und Brennstoffzellen-Antriebe.

Fast zwei Drittel der Befragten unterhalten bereits einen Flottenanteil von mindestens 10 Prozent elektrischer Antriebe. Die meisten Flottenbetreiber sind zudem bereit, den Anteil an emissionsarmen Fahrzeugen bis 2025 merklich zu erhöhen – 80 Prozent wollen Brennstoffzellen-Trucks und 100 Prozent batterieelektrische Lkw in ihre Flotten aufnehmen. Die Ergebnisse der Befragung sind Teil der Strategy&-Studie „Commercial Vehicle eReadiness“.

Aufgrund der hohen Anforderung an die Reichweiten und des höheren Gewichts stellt die Elektrifizierung schwerer Nutzfahrzeuge im Vergleich zu leichteren Klassen noch immer eine Herausforderung dar. Beim Einsatz von schweren Nutzfahrzeugen (HDT) auf Langstrecken sei daher auch weiterhin die Brennstoffzelle der bevorzugte Energielieferant elektrischer Antriebe, wogegen batterieelektrische Antriebe vorzugsweise für kürzere mittelschwere (MDT) und leichte (LDT) Nutzfahrzeug-Fahrten eingesetzt werden. Insgesamt sollen die Absatzzahlen von E-Lkws in Europa über alle Gewichtsklassen hinweg bis 2030 voraussichtlich um 20 Prozent ansteigen, so Strategy&. Vollständig emissionsfreie Lkw sollen 2030 einen Marktanteil von mehr als 30 Prozent erreichen.

„Die Elektrifizierung im Straßengüterverkehr wird derzeit noch durch leichte Lkw angeführt. Mittelschwere und schwere Nutzfahrzeuge werden jedoch ab 2025 aufgrund eines wachsenden Fahrzeugportfolios nachziehen. Erfolgreiche OEMs können die gesteigerten Anforderungen ihrer Flottenkunden und den wachsenden Bedarf antizipieren und flexible Finanzierungslösungen wie Kurzzeitleasing und Abonnementmodelle anbieten. Besonders für längere Strecken über 300 Kilometer sehen wir eine Angebotslücke, die es durch auf Kundenbedürfnisse maßgeschneiderte Ladeinfrastrukturnetze zu adressieren gilt.” – Andreas Gissler, Co-Autor der Studie und Partner bei Strategy& Deutschland

Flottenbetreiber zeigen sich offen für die Elektrifizierung ihrer Fahrzeugantriebe, sehen allerdings in zu geringen Reichweiten sowie der fehlenden Infrastruktur für Batterie und Wasserstoff und den damit verbundenen hohen Kosten noch gute Gründe gegen die Anschaffung von emissionsfreien Lkw. Von den OEMs erwarten Flottenbetreiber eine Verbesserung ihrer Angebote an Produkten, Dienstleistungen und Lösungen. Zu einer erfolgreichen Durchsetzung der Elektrifizierung wünschen sie sich zudem ein konsequentes, an die Bedürfnisse der Kunden angepasstes Fahrzeugangebot sowie darauf abgestimmte Dienstleistungen.

Gleichzeitig zeigen sich durch die technologischen Entwicklungen der vergangenen Jahre bereits Verbesserungen insbesondere bei den Kosten elektrischer Antriebsstränge für E-Nutzfahrzeuge. Ein zusätzlicher Rückgang bei den Gesamtbetriebskosten finde auch durch eine verlängerte Batterielebensdauer, sinkende Kosten für Batteriezellen und -systeme sowie geringere Ladekosten statt.

Elektrofahrzeuge mit deutlich geringeren Gesamtbetriebskosten

Über alle betrachteten Fahrzeugsegmente hinweg ist die Elektrifizierung von auf Kurzstrecken eingesetzten Nutzfahrzeugen besonders attraktiv: Bis 2030 ist auf diesem Streckentyp mit Einsparungen bei den Gesamtbetriebskosten (Total Cost of Ownership, TCO: Energiekosten, Wartungskosten, Abschreibungen aufs Fahrzeug) zwischen 22 Prozent und 27 Prozent zu rechnen. Für Langstrecken können die TCO bis 2030 um bis zu 23 Prozent für schwere Nutzfahrzeuge reduziert werden.

„Die vergleichsweise rasche Umstellung auf einen emissionsfreien Fuhrpark ist derzeit eine der größten Herausforderungen für Flottenbetreiber“, kommentiert Dr. Johannes Schneider, Partner bei Strategy& Österreich. Erfolgskritisch sei hier eine fundierte Einschätzung der damit einhergehenden Auswirkungen auf die Gesamtbetriebskosten, den Restwert und die Ladeinfrastruktur. Darüber hinaus sei die Integration neuer digitaler Lösungen in bestehende IT-Systeme und betriebliche Abläufe sowie das Einbinden neuer Kooperationspartnerschaften mit OEMs oder Energieunternehmen maßgeblich für einen effizienten Betrieb der Flotten.

Mit höheren Investitionen erwarten Flottenbetreiber in Zukunft auch attraktive Finanzierungs- und Leasingoptionen für die weitere Elektrifizierung ihres Fuhrparks. Für 70 Prozent der befragten Flottenbetreiber wäre ein direkter Kauf lediglich im Segment leichter Nutzfahrzeuge die erste Option. Zu einer Finanzierungsentscheidung neigen 40 Prozent der Befragten bei der Anschaffung schwerer Lkw. 80 Prozent der OEMs gehen davon aus, dass der Direktverkauf zukünftig traditionelle Vertriebskanäle ablösen wird.

Quelle: PwC – Pressemitteilung vom 28.06.2022

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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1 Kommentar
Daniel W.
Daniel W.
3 Jahre zuvor

Zum Thema schwere E-Lkws (BEV).

Scania hat einen vollelektrischen Lkw speziell für den Transport von Holz an den schwedischen Holzverarbeiter SCA ausgeliefert, der auf öffentlichen Straßen ein zulässiges Gesamtgewicht von bis zu 64 Tonnen und auf privaten Straßen von bis zu 80 Tonnen bietet.

…

Gegenüber electrive.net präzisierte Scania seinerzeit, dass das Fahrzeug selbst 10,8 Tonnen – und damit rund 1,5 Tonnen mehr als sein Diesel-Pendant – wiegt. Das liegt unter anderem an neun verbauten Batteriepaketen, die insgesamt etwa 300 kWh Energiegehalt aufweisen.

…

Das Fahrzeug soll pro Tag (7-17 Uhr) sechs Umläufe zwischen dem Holz-Terminal und der Papierfabrik schaffen. Ein Umlauf ist rund 30 Kilometer lang, bei der Zeit hat SCA 75 Minuten pro Fahrt (inklusive Be- und Entladen) kalkuliert.

(Quelle: electrive.net – 11.07.2022)

6 Fahrten zu je 30 km sind 180 km am Tag mit dem BEV-Schwerlast-Lkw und dafür reichen die 300 kWh des Akkupacks, da bei Bedarf beim Abladen in der Papierfabrik nachgeladen werden kann.

Wenn es 300 kWh netto wären, dann etwa 350 kWh brutto bzw. rund 2.000 kg Akku-Gewicht (Akasol 2023).

Zum Vergleich: Als FCEV-Schwerlast-Lkw rund 500 kg für BZ, 400 kg für Akkuspack und 200 kg für H2-Tanks (14 Liter H2), das macht zusammen etwa 1.100 kg – also nur 900 kg weniger als beim BEV.

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