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Warum Porsche auf das „Doppel-E: E-Mobilität und E-Fuels“ setzt

Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
13. Juli 2022
Lesedauer: 2 Minuten
Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
13. Juli 2022
Lesedauer: 2 Minuten

© Abbildung(en): Porsche

Home Automobilindustrie

Oliver Blume, der Vorstandsvorsitzende von Porsche, sprach in einem Interview mit der Bild am Sonntag über die Zukunft von Verbrenner-Motoren, E-Fuels und die Elektrostrategie des Sportwagenherstellers. Auszüge des Interviews hat Porsche nun in seinem Newsroom selbst veröffentlicht.

„Die E-Mobilität hat für uns höchste Priorität. Gleichzeitig bauen wir weiter moderne Verbrenner-Motoren“, sagte Blume über die Zukunft von Verbrenner-Motoren. Der 911er sei bei Kunden „beliebter denn je“, und in den kommenden Jahren soll die Sportwagenikone in einer Variante mit „sehr sportlicher Hybridisierung“ auf den Markt kommen, die laut Blume „viele aus dem Motorsport“ kennen.

Der 911 Hybrid soll zum Ende des Produktzyklus des 992 ab 2026 eingeführt werden, so Porsche-Chef Oliver Blume vor kurzem in einem Interview mit Bloomberg. Es gilt als wahrscheinlich, dass die Technik aus der Langstrecken-Motorsport-Hybrid-Klasse LMDh stammt, an der auch Porsche ab 2023 teilnimmt.

E-Fuels als „Teil der Lösung“

Der Porsche-CEO sagt, er findet die „entschlossenen Schritte für mehr Klimaschutz“ innerhalb der EU grundsätzlich gut, unterstütze aber „den technologieoffenen Kurs der Bundesregierung und den gefundenen Kompromiss der Ampel, der E-Fuels als Teil der Lösung sieht“. Porsche erforscht und erprobt synthetische Kraftstoffe schon länger, und setzt bekanntermaßen – um seine röhrenden Verbrenner auch nach 2035 verkaufen zu können – auf „ein Doppel-E: E-Mobilität und E-Fuels.“

In 2030 sollen bereits mehr als 80 Prozent der Fahrzeuge vollelektrisch ausgeliefert werden. Der erste rein elektrische Porsche-Sportwagen, der Taycan, sei bereits „ein Riesenerfolg“, mit zuletzt einer Verdopplung der Auslieferungen im Vergleich zum starken Vorjahr auf mehr als 41.000 Fahrzeuge. „Damit fährt der Taycan auf Augenhöhe mit unserer Ikone 911“, erklärt Blume, der Porsche als einen „Pionier nachhaltiger Mobilität“ sieht.

„Klimaschutz muss gesamtheitlich gedacht werden. Deshalb brauchen wir Technologieoffenheit“, sagt Blume über die umstrittenen E-Fuels. Elektromobilität sei ohe Frage „eine wichtige Fahrspur“, gleichzeitig allerdings gebe es „weltweit mehr als eine Milliarde an Bestandsfahrzeugen“, welche „noch Jahrzehnte auf den Straßen unterwegs“ sein werden. Und die Politik sollte „auch den Besitzern von Bestandsfahrzeugen eine Perspektive bieten“, findet der Porsche.Chef. Deshalb seien E-Fuels „eine effektive, ergänzende Lösung“, indem alle Fahrzeuge unabhängig von der Antriebsart ihren Teil dazu beitragen können, CO2 zu reduzieren: „Ottomotoren können mit E-Fuels dann nahezu CO2-neutral betrieben werden. Sie müssen dafür nicht umgerüstet oder nachgerüstet werden“, erklärt Blume.

Perspektivisch gesehen seien E-Fuels auch nicht so teuer, wie bislang vermutet: Blume geht „bei einer Fertigung im industriellen Maßstab“ von weniger als zwei Euro pro Liter aus. Wichtig sei aber, „dass synthetische Kraftstoffe regenerativ und an Orten auf der Welt erzeugt werden, an denen erneuerbare Energie im Überfluss vorhanden ist“ – denn dann spiele der deutlich höhere Energieaufwand bei deren Herstellung „keine Rolle“. Im Vergleich zu Wasserstoff, ebenfalls eine Option für die Antriebspalette der Zukunft, haben E-Fuels, die neben Kraftfahrzeugen auch in Flugzeugen und Schiffen eingesetzt werden können, Blume zufolge einen weiteren Vorteil: „Dass sie leichter transportiert werden können.“

Quelle: Porsche – Pressemitteilung vom 11.07.2022

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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29 Comments
David
David
3 Jahre zuvor

Sehr gut finde ich, dass die nächsten beiden Modellreihen auch rein elektrisch werden. Der Bestseller Macan und der 718, der sich über die GT-Versionen zum 911-Killer entwickelt hat, weil er ja konstruktiv eigentlich auch ein 911 ist, nur mit gedrehter Motor-Getriebeeinheit, was ihm einen Mittelmotor beschert.

Das mit den E-fuels finde ich dagegen super bescheuert, verstehe aber auch die Beweggründe, nämlich dass Porsche mit der Klassik und Hobby-Rennfahrer Thematik eine irre Kohle verdient. Trotzdem ist das ein Prozess. Wenn die Porsche Fahrer im Alltag erst einmal elektrisch fahren, werden sie auch in ihrer Freizeit nicht mehr diese stinkenden, lauten und lahmen Verbrenner bewegen wollen. Ein Prozess.

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Martin
Martin
3 Jahre zuvor

E-Fuels als „Teil der Lösung“…
Da gehört schon eine gehörige Portion Chuzpe dazu, sich so breitbeinig zu positionieren. Der notwendige Energieeinsatz und die Kosten der E-Fuels werden im PKW-Sektor immer zu einem Nischendasein dieser Technologie führen.

Letztlich ist es nur der Versuch, die Verbrennertechnologie und deren Anhänger mittels Greenwashing vor zukünftigen Anfeindungen zu schützen. Zudem: Wer einmal ausgiebig im Taycan unterwegs war und sich danach in einen 911er begibt, mag vielleicht von ersterem mehr schwärmen? (Und der Taycan ist ja „nur“ der erste Versuch, Nachfolgemodelle werden sicher noch eindrucksvoller ausfallen)

Vielleicht kann David seine Meinung kundtun, er hat da ja Praxiserfahrung ;-)

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Silverbeard
Silverbeard
3 Jahre zuvor

Verstehe, bei Porsche gibt es vernünftige Kunden und Kunden, die gleicher sind.
Die einen fahren CO2 neutral und die anderen nahezu CO2 neutral.

Ob das CO2 des Schweröls, für den Transport von Chile nach Deutschland dabei mitgerechnet sind, bezweifele ich erstmal stark, bevor mir Porsche das Gegenteil beweist.

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Silverbeard
Silverbeard
3 Jahre zuvor

Wir sollen uns auch mal das Alter der 911 Fans ansehen, die sich einen solchen Neuwagen als Kunden leisten können.

Ich denke, das Problem hat sich spätestens 2050 auf ganz natürliche Weise erledigt. Vielleicht auch schon 2040…

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Model 3 Fahrer
Model 3 Fahrer
3 Jahre zuvor

E-Fuels werden generell sehr kritisch gesehen.

Ich verstehe das, wenn Sie quasi als Feigenblatt dienen, um sich nicht umstellen zu müssen. Es ist klar, dass E-Fuels teurer sein werden als Benzin heute. Und dass die Ökobilanz mäßig ist, wenn die in einem Wüstenstaat mit viel Sonne erzeugt und dann nach Europa gekarrt werden.

Aber auch abseits von Oldtimer-Liebhabern und Verbrennungsmotor-Fetischisten wird es weiterhin Bedarf an etwas wie „Benzin“ oder „Diesel“ geben. Der unschlagbare Vorteil des Treibstoffes ist einfach: Ein hoher Energiegehalt (bei wenig Volumen), es kann in 2 Minuten nachgetankt werden und er ist unabhängig von jeglicher Infrastruktur transportabel. Selbst im hintersten Winkel dieser Welt findet sich ein Benzinfass mit Handpumpe.

Ich kann mir z.B. nur schwer vorstellen, dass Bagger oder große Tieflader komplett elektrifiziert werden. Was ist mit Schiffen, Binnenschiffen – funktioniert das mit der Elektrifizierung wirklich für alle LKW?

Wir werden vermutlich auch Probleme mit der Verfügbarkeit der Rohstoffe für Batterien bekommen, wenn nicht mehr 5% oder 10%, sondern tatsächlich 80% der weltweiten (!!!) PKWs in den nächsten Jahren elektrisch werden sollen. Dazu kommt die Herausforderung der Stromerzeugung und vor allem der Stromverteilung, wenn tatsächlich JEDER abends (wenn keine PV-Anlage mehr Strom liefert…) sein E-Auto in der Garage laden will.

Deshalb: Immer her mit den Alternativen (H2, E-Fuels, …). Kann nicht schaden. Und wenn es am Ende zu teuer ist, muss es ja keiner kaufen (es sei denn, er muss doch…).

Nochmal anders gesagt: Wir denken darüber nach, mit dem billigen PV-Strom im Sommer H2 zu erzeugen, um das H2 dann im Winter zu verbrennen und daraus wieder Strom zu machen… wenn man sowas machen kann/muss/soll, dann können E-Fuels auch nicht sooo irre sein…

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Olli
Olli
3 Jahre zuvor

E-Fuels in PKW sind kein Teil der Lösung und werden es auch nie sein. Aber irgendwann werden die Realitätsverweigerer auch darauf kommen.

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Olli
Olli
3 Jahre zuvor

„Perspektivisch gesehen seien E-Fuels auch nicht so teuer, wie bislang vermutet: Blume geht „bei einer Fertigung im industriellen Maßstab“ von weniger als zwei Euro pro Liter aus.“

Ja, klar: reine Fertigungskosten. Wenn man da noch die Marge vom Handel drauf rechnet sieht das schon anders aus. Plus den ganzen Berg an Steuern – man kann sich sicher vorstellen, dass Vater Staat seine Lenkungsfunktion hier gerne voll ausreizt. Schliesslich handelt es sich um einen Treibstoff für Gutbetuchte, Ewiggestrige und Poser, der auch noch extrem viel Ressourcen verbraucht.

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Reinhard Preuk
Reinhard Preuk
3 Jahre zuvor

Porsche schreibt von ‚Bestandsfahrzeugen‘ die mit e-fuels betankt werden sollen. Diese müssen jedoch recht aufwendig umgerüstet werden, um nicht kurzfristig den Hitzetod zu sterben. Bei intensiverer Nutzung sind die Autos recht flott in der Schrottpresse.

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