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Experten schlagen Alarm: Deutschlands Ladeinfrastruktur sei zu unzuverlässig

Felix KatzbyFelix Katz
16. November 2022
Lesedauer: 3 Minuten
Felix KatzbyFelix Katz
16. November 2022
Lesedauer: 3 Minuten

© Abbildung(en): LCV / Shutterstock.com

Home Elektroauto laden

Viele fragen sich: Mit dem Elektroauto in den Urlaub – ist das mit unserer Ladeinfrastruktur überhaupt stressfrei möglich? Grundsätzlich ja. Jedoch sei das Problem nicht unbedingt die Anzahl der Ladesäulen in Deutschland, sondern deren Zuverlässigkeit. Lade-App-Anbieter elvah hat herausgefunden, dass „8 bis 10 Prozent der Ladesäulen nicht richtig funktionieren“ – also gut 7.000 Stück.

E-Auto-Fahrer müssen nicht selten stark sein – vor allem, wenn es ans Laden geht. Immerhin werden inzwischen Ladesäulen-Blockierer per extra Gebühr zur Kasse gebeten, so dass eine unnötig belegte Ladesäule nur noch selten der Fall ist. Trotzdem werden immer wieder Ladesäulen angesteuert, die „in Wartung“ oder „Defekt“ sind, obwohl die genutzte App oder die Navigation des Autos etwas anderes sagt. Wer es darauf anlegt und mit nur wenig Restreichweite zu einer vermeintlich freie Ladestation fährt, könnte schnell enttäuscht werden – und das erleben wir im Redaktionsalltag tatsächlich häufiger als uns lieb ist.

In Deutschland passiere das übrigens häufiger als anderswo: Laut elvah im Gespräch mit stern.de belege Deutschland bei der Zuverlässigkeit im Vergleich zu den Nachbarländern nämlich nur den sechsten Platz. Am zuverlässigsten seien Stromtankstellen in den Niederlanden, der Schweiz und Luxemburg. Die häufigste Ursache, dass eine Ladesäule vorübergehend nicht funktioniert, sollen laut Energieversorger EnBW meistens defekte Bauteile sein. Fragt man die örtlichen Energieanbieter oder diejenigen, die Ladesäulen betreiben, gibt es keinen Grund zur Sorge. Es wird von einer nahezu durchgehenden Verfügbarkeit gesprochen, zumal es extra Serviceteam gibt, dich sich binnen weniger Stunden um solche Störfälle kümmern. Das Problem schmälert dies aber nicht, wie unsere eigenen Erfahrungen belegen.

Triple Charger seien besonders anfällig

Laut eigenen Angaben erhebt elvah während der Ladevorgänge jeden Monat mehr als 20 Millionen Daten und bewertet die Ladesäulen hinsichtlich Komfort, Popularität, Zuverlässigkeit und Nutzungserfahrung. Die Ergebnisse übersetzt das Unternehmen in den sogenannten elvah-Score. Hier bedeutet „0“ besonders störanfällig, „10“ steht für störungsfrei. Mittelmäßig: Die deutschen Ladepunkte erreichen durchschnittlich nur einen Zuverlässigkeitswert von nur 6,3. In den Spitzenreiter-Ländern wie die Niederlande erreichen die Stromtankstellen einen Wert von 7,3 beziehungsweise 7,2 (Schweiz und Luxemburg). „Besonders die sogenannte Triple Charger seinen besonders störanfällig (…)“, erklärt CPO und Mitgründer Sören Ziems. Also die Säulen, die neben einem CCS- auch über einen CHAdeMO- und eine Typ-2-Anschluss (Wechselstrom) verfügen.

Die am stärksten frequentierten Ladepunkten stünden übrigens in Berlin und Hamburg. Mit wachsender Auslastung steige auch das Risiko eines Defekts – die Tendenz ist also steigend. Zuweilen ist es noch so, dass man bei größeren Ladeparks dann einfach auf einen anderen freien funktionierenden Ladepunkt ausweichen kann. Doch muss man sich fragen, wie es sich in Zukunft mit den Ladesäulen verhält. Von ländlichen Regionen mit schlechterer Infrastruktur ganz zu schweigen. Stellt man sich zudem vor, dass jede zehnte Tankstelle in Deutschland defekt oder unzuverlässig wäre, hätten wir vermutlich ein (weiteres) Problem.

Laut den neuesten Zahlen der Bundesnetzagentur vom 1. September 2022 sind in Deutschland rund 70.000 Ladesäulen gemeldet. Laut elvah sind es in Summe gesehen sogar mehr: rund 250.000. Gut so, denn die Zahl der zugelassenen Elektroautos wächst. Geht es nach Plänen der Bundesregierung sollen bis zum Jahr 2030 15 Millionen Elektroautos zugelassen sein, auch soll die Zahl der Ladestationen allein hierzulande auf eine Million anwachsen.

Dies geschehe vor allem mithilfe des neu aufgelegten Förderprogramm „Öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge in Deutschland“. Hierfür stellt das Bundesministerium für Digitales und Verkehr, kurz BMDV, von Sommer 2021 bis Ende 2025 insgesamt nochmals 500 Millionen Euro zur Verfügung. Gefördert werden Normalladepunkte mit einer Ladeleistung bis zu 22 kW sowie Schnellladepunkte mit einer Leistung von mehr als 22 kW, an denen ausschließlich das Laden mit Gleichstrom (DC) möglich ist. Auch die Kosten für dazugehörige Netzanschlüsse beziehungswiese Kombinationen aus Netzanschluss und Pufferspeicher seien förderfähig.

Kurzum: Wenn man den elvah-Daten Glauben schenken mag, dann ist eine Modernisierung der Ladeinfrastruktur absolut unabdingbar.

Quellen: elvah (Twitter), Bundesregierung.de, bmdv.bund.de, stern.de

Felix Katz

Felix Katz

Felix Katz liebt alles, was vier Räder und einen oder gleich mehrere Motoren hat. Nicht nur Verbrenner, sondern vor allem Elektroautos haben es ihm angetan. Als freiberuflicher Autojournalist stromert er nicht nur fast jeden Tag umher, sondern arbeitet seit über zehn Jahren für viele renommierte (Fach-)Medien und begleitet den Mobilitätswandel seit Tag eins mit.

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17 Comments
Peter Bigge von Berlin
Peter Bigge von Berlin
3 Jahre zuvor

Wohl wahr, jeder Ladevorgang unterwegs im unbekannten Gefilden kann zu einer Herausforderung für die innere Ruhe werden.
Meist ist es die Freischaltung mit irgendeiner Karte oder sonstige über Handy, die versagt, oder die Säule ist generell auf Störung. Oder ab und zu lässt sich das Ladekabel nicht mehr von der Säule entfernen und man hockt blöd da.
Anrufen bei den Stördiensten bringt in den seltensten Fällen etwas, meist hocken da Leute, wenn überhaupt jemand erreichbar ist, die von nichts eine Ahnung haben oder mit den Daten auf ihrem Monitor vor ihnen nichts anfangen können.
Warum klappt es nicht so gut wie bei Tesla?
Plug and play muss Standard werden.
Wer hat schon Lust mitten in der Nacht im Nirwana mit geringer Restreichweite vor einer Fakeladesäule zu stehen. Und die nenne ich so, weil mir dies vor Säulen in kleinen Orten/Städten immer wieder passiert ist, und diese Säulen vermutlich nie funktionieren, ausser für die Aussenwerbung oder das abgreifen von Förderungen.
Es gibt natürlich auch Anbieter, wo es sehr gut klappt, da sei z. B. die EnBW genannt.

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Philipp
Philipp
3 Jahre zuvor

Eine Zuverlässigkeitswert von 6,3 finde ich überhaupt nicht schlimm.
Wenn ich an meine Verbrennerzeit zurückdenke, war es nach 21:00 faktisch kaum noch möglich eine funktionierende Nachtankmöglichkeit zu finden.

Nun habe ich was diesen Faktor betrifft überhaupt keine Probleme mehr. Und welche Ladesäule (nicht) funktioniert, sagt mir meine App.
Früher musste man raten welche Tanke noch offen hat. Überproportional fündig wurde man in der Nähe von Saufgaststätten und Discos.

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Nik8888
Nik8888
3 Jahre zuvor

Wer einfache Regeln einhält hat selten Probleme:

tripple Charger meidenNur ladeparks mit mind 4* CCS anfahren (EnBW und Fastnet sind top, Aral ebenfalls)Ionity wenn möglich meiden, weil am ehesten Wartezeiten voll belegtAC Destination Charging vermeiden, wenn man sich am Ziel nicht auskennt, gibt nur Ärger mit zugeparkten Säulen, Freischaltung etc.besser vor dem Ziel nochmal 10 min an einen HPC

Zuletzt bearbeitet am 3 Jahre zuvor von Nik8888
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panib
panib
3 Jahre zuvor

Ich habe an einem Shell CCS Lader gestanden, der nach Aussage des Tankstellenbetreibers seit Monaten Ärger gemacht habe. Ein Däne, der am zweiten Anschluss auch scheiterte, sagte mir skandinavisch kurz : „In Deutschland funktioniert keine Ladesäule“. Ich habe nach 6 Wochen Autobahnerfahrung nicht diesen Eindruck. Aber über eine 2.900 km Frankreicherfahrung könnte ich schon ein halbes Oktavheft füllen. Wären wir in den französischen Sommerferien unterwegs gewesen, hätte ich mir vermutlich freiwillig die Kugel gegeben.
E-Auto für ‚Oft-Langstreckenfahrer‘: No-Go, allenfalls mit 800 Volt System im Auto. Im Urlaub sollte man sich bei Strecken von 1.000 km und mehr die Fahrt leichter machen und eine Übernachtung einplanen.

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