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THG-Quote: Millionen-Abzocke an öffentlichen Ladestationen?

Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
24. Dezember 2022
Lesedauer: 3 Minuten
Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
24. Dezember 2022
Lesedauer: 3 Minuten

© Abbildung(en): shutterstock / 2071706741

Home Elektroauto laden

Offenbar werden Kundinnen und Kunden an manchen Ladestationen für E-Autos momentan ziemlich abgezockt: Denn die Ladesäulenanbieter verdienen mit den Treibhausgasminderungsquoten (THG-Quoten) Beträge in Millionenhöhe – ohne dass sich dies auf die Preise beim Laden auswirkt. Der Bundesverband Betriebliche Mobilität e. V. (BBM) sieht ein großes Versäumnis des Staates bei Vorgaben für Betreiber der Ladesäulen. „Förderungen des Staates müssen Anreize setzen und sollten – wenn schon – so eingesetzt werden, dass es die Richtigen bekommen“, betont BBM-Geschäftsführer Axel Schäfer.

Aufgrund der Energiekrise steigen die Preise für Strom deutlich an, was wirkt sich auch auf die Kosten für das Laden von Elektroautos auswirkt, was alle privaten und gewerblichen Elektroautonutzer:innen betrifft. Der BBM nahm kürzlich Stellung zur angekündigten Preiserhöhung von Ladesäulenanbietern und forderte die Politik auf, die Strompreisbremse auch an Ladesäulen geltend zu machen.

Jetzt sieht sich der Mobilitätsverband gezwungen, auch die Ladesäulenanbieter zum Handeln aufzufordern. „Die großen Ladesäulenanbieter beziehen THG-Quoten in Millionenhöhe. Da erwarten wir einfach aus Fairnessgründen, dass sie das eingenommene Geld durch Preisminderungen an die Kundinnen und Kunden weitergeben – und nicht stattdessen die Preise sogar noch erhöhen“, mahnt Schäfer. „Einige Anbieter scheinen die Erlöse weiterzugeben, die Mehrheit tut dies, soweit wir es sehen, nicht. Transparenz? Fehlanzeige!“

Die THG-Quote ist ein Klimaschutzinstrument zur Senkung des CO2-Ausstoßes. Mineralölkonzerne müssen ihre Emissionen jedes Jahr um einen gewissen Prozentsatz mindern, ansonsten drohen Strafzahlungen. Alternativ zur Reduzierung können sich Unternehmen am Zertifikathandel beteiligen und THG-Quoten kaufen. Diese werden für Elektroautos oder das Betreiben von öffentlich zugänglichen Ladesäulen ausgezahlt. Das bedeutet, dass Ladesäulenanbieter für jede Ladesäule Geld erhalten – derzeit zwischen 15 und 20 Cent pro Kilowattstunde. „Die THG-Quote für Ladesäulen liegt dieses Jahr bei rund 50 Millionen Euro. Große Anbieter, die etwa 30 Millionen Kilowattstunden verkaufen, erhalten dafür ungefähr fünf bis sechs Millionen Euro. Damit lässt sich gut in die eigene Tasche Wirtschaften. Ladesäulenbetreiber kassieren also doppelt“, so Schäfer. Auch in Österreich soll die THG-Quote ab 2023 kommen.

200 Millionen Euro mit falschem Adressaten?

Laut einer aktuellen Auswertung von Statista im Auftrag von Lichtblick zeigen sich sogar noch höhere Zahlen. Dort ist von einem Jahresbetrag von 100 Millionen Euro die Rede. Die Prognose zeigt außerdem, dass 200 Millionen Euro bis zum Jahr 2028 möglich seien. „Ein Unding! Bei so hohen Extraeinnahmen fragt man sich einmal mehr, wie es zu Preiserhöhungen kommen kann“, findet Schäfer.

Hinzu kommt, dass der Aufbau einer Ladesäule durch beachtliche Förderungen aus der EU und der deutschen Regierung unterstützt wird. Dem Verband ist bewusst, dass mit dem Aufbau von Ladeinfrastruktur große Investitionen und Risiken verknüpft sind, aber das gehöre zum Wesen unternehmerischen Handelns.

„Um potenzielle Elektroauto-Käufer nicht vollends abzuschrecken, sollten die Preise in einem fairen Rahmen gehalten werden. Das ist derzeit nicht der Fall. Der Tarifdschungel und die Hochpreisanbieter tragen noch immer dazu bei, dass viele vor dem Umstieg auf die Elektromobilität zurückschrecken. Wenn sich jetzt nichts ändert, können wir die Mobilitätswende gleich vergessen. Wir fordern die Ladesäulenanbieter dazu auf, von den Preiserhöhungen abzusehen und die THG-Quote weiterzugeben – an Unternehmen und Privatkunden. Diese sollten auch die Nutznießer sein, denn ohne ihre Investition in die Elektromobilität gäbe es auch niemanden, der die Ladesäule benutzt“, unterstreicht Schäfer.

Quelle: Bundesverband Betriebliche Mobilität – Pressemitteilung vom 22.12.2022

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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25 Comments
Daniel W.
Daniel W.
3 Jahre zuvor

THG-Quote = Judaslohn

Bei THG-Quote und Prämie für E-Autos sollte es nur ein Malus-System geben, d.h. für umweltfreundliches Verhalten gibt es kein Geld, es sollte das normale Verhalten sein, damit die Menschheit überleben kann.

Dafür sollte der CO2-Ausstoss massiv besteuert werden, damit sich umweltschädliches Verhalten ganz einfach nicht mehr rechnet und die Leute ihrem Geldbeutel zuliebe umweltfreundlicher werden.

Wenn Verbrenner um 10.000, 15.000 oder 20.000 Euro teurer werden, dann bleiben die Hersteller auf ihnen sitzen oder können sie nur mit hohen Verlusten verkaufen, also wird Produktion massiv zurückgefahren.

Das Prinzip ist ganz einfach – umweltschädliches Verhalten mit Steuern belegen und umweltfreundliches Verhalten weitgehend von Bürokratie befreien, dann läuft die Energie- und Verkehrswende von alleine.

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Reiner030
Reiner030
3 Jahre zuvor

In diesem Bericht wird auch noch übersehen, das diese Preiserhöhungen sogar illegal sind, da sie entgegen der Strompreisbremse die Preise deutlich über 40 ct/kWh erhöhen.
Und als Großabnehmer werden die Ladesäulenanbieter bei der Strompreisgrenze sogar auf 13ct/kWh (zzgl. weitere Abgaben und Steuern) gedeckelt!

https://youtu.be/OQKFCu-rFJM
ABZOCKE an der LADESTATION | VERSTOẞEN Betreiber gegen GESETZ

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egon_meier
egon_meier
3 Jahre zuvor

Wenn das Geschehen an den Ladesäulen Abzocke sein soll .. ja dann ist jedermann aufgefordert, Hpc aufzustellen und zu betreiben.
Mit ein bisschen weniger Abzocke hat man dann eine fantastische Auslastung und volle Kassen.

Jungs… Startup-Genies der Foren .. ran an die Geldtöpfe.

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Rudi
Rudi
3 Jahre zuvor

Welcher Aufwand doch getrieben wird um rel. kleine Verkehrsverstöße zu anden? Dem schnöden Volk muss man zeigen, wo der Hammer hängt!
Eigenartigerweise lässt der Ergeiz der Institutuionen stark nach, wenn es um größere Verbrechen von organisierten Banden und – man kann auch sagen skrupellose Firmen – geht? Da hat man wohl Sorge – als karrierebewußter und alterversorgungsbewusster Beamter – um die Schwierigkeiten die einem diese Mafias bereiten könnten?
So schützen wir den Rechtsstaat und die Demokratie nicht – wovon jetzt so groß getönt wird?

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Basti
Basti
3 Jahre zuvor

Iss doch fair. Die Halter der Autos kassieren Prämie, die Betreiber von Ladeinfrastruktur auch.

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KaiGo
KaiGo
3 Jahre zuvor

Ihr meinte die Unternehmen stecken sich das Geld lieber in die eigene Tasche als es ab die Kunden weiterzugeben? Ist ja kaum zu glauben…

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Wranky
Wranky
3 Jahre zuvor

Wen wundert das denn? Alle Förderungen landen letztlich bei den Konzernen. So war das beim Treibstoff, wird so beim Gas und ist auch beim Strom. Aber unser Steuergeld, welches die Regierung fleißig ausgibt, kann ja nicht beim kleinen Steuerzahler landen, der weiß ja garnicht was er damit machen soll

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Matthias Geiger
Matthias Geiger
3 Jahre zuvor

Dies ist die Folge verfehlter Verkehrspolitik. Die FDP lässt ja dem Markt gerne freien Lauf ??!!
Es würde mich nicht wundern, wenn einige FDP Politiker da noch die Finger im Spiel haben.
Die massive öffentliche Förderung der Ladeinfrastruktur muss einfach mit Auflagen verknüpft werden. 30 ct/kWh AC und DC z.B.

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