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Experten äußern Kritik an „Lobbyistenschreiben“ von 170 Wissenschaftler aus aller Welt

Sebastian Henßler bySebastian Henßler
24. Juni 2021
Lesedauer: 2 Minuten
Sebastian Henßler bySebastian Henßler
24. Juni 2021
Lesedauer: 2 Minuten

© Abbildung(en): shutterstock / Lizenzfreie Stockillustrations-Nummer: 482880256

Home Elektroauto News 2021

Wie groß ist der Beitrag von E-Autos für den Klimaschutz? Möglicherweise liegt er weit niedriger als seit Jahren versprochen. Zumindest haben sich 170 Wissenschaftler aus aller Welt in einem offenen Brief an die EU-Kommission entsprechend geäußert. Grundaussage „Die Politik habe sich grundlegend verrechnet“. Doch dieser Meinung sind nicht alle Experten und üben daher Kritik an den Wissenschaftlern.

Professor Christian Rehtanz von der TU Dortmund kritisierte den Brief offen: „Der Brief ist hochgradig peinlich. Es ist ein wissenschaftlich verbrämtes Lobbyistenschreiben, welches krampfhaft versucht, die Kolbenmaschinen (Lehrstuhldenomination von Prof. Koch des KIT) zu retten.“ Zur Einordnung: Professor Thomas Koch vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hatte zusammen mit Kollegen der EU-Kommission einen grundlegenden Rechenfehler vorgeworfen.  Der Strom-Mix sei schlicht falsch berechnet worden. „Die Frage ist nicht: Elektroauto oder Verbrenner. Die Frage ist: fossil oder nicht„, so Koch. Der Zeitpunkt der Kritik ist gut gewählt. Die EU ist gerade dabei, ihre CO2-Vorgaben für neu zugelassene Autos in Europa noch einmal zu verschärfen.

Professor Martin Wietschel vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung schrieb in einem Beitrag für das Science Media Center, Koch stelle die Frage, ob für den von E-Autos verbrauchten Strom der CO2-Ausstoß des Strommix insgesamt anzusetzen sei oder aber der CO2-Ausstoß des Grenzstrommix, also zusätzlich nötigen Stroms. Dabei gebe es laut Wietschel für beide Positionen entsprechende Argumente. Laut ihm sei es aber wissenschaftlicher Standard die Verwendung der Durchschnittsemissionen anzusetzen. Denn Grenzstromemissionen ließen sich nicht klar zuordnen. Des Weiteren gilt es zu bedenken, dass E-Autos künftig als flexible Speicher für überschüssige Wind- und Sonnenenergie dienen könnten.

Patrick Jochem vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt führt weiter aus: „Der Brief greift einen validen Punkt auf“, greife aber an einer Stelle zu kurz. Denn E-Autos könnten die Energiewende in der Stromerzeugung beschleunigen und zu negativen marginalen Emissionen führen, „insbesondere, wenn man die E-Pkw als mobile Speicher“ in das Energiesystem integriere.

Quelle: Zeit.de – Forscher streiten über Klimabilanz von E-Autos

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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39 Comments
neumes
neumes
4 Jahre zuvor

Ob diesen Gegenbeitrag genauso viele lesen werden?

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Tobi
Tobi
4 Jahre zuvor

Die Luft für die Ewiggestrigen wird immer knapper. Bedenklich ist, dass hier eine Autolobby, welche via PR Klimafreundlchkeit vorgaukelt, nichts unversucht lässt, um den Verbrenner weiterhin vermarkten zu können. Dieser Schuss könnte nach hinten losgehen. Denn der Fortschtschritt lässt sich durch rückwärts gewandtes Denken nie aufhalten. Man verliert einfach immer mehr den Anschluss an die Gegenwart und an die Zukunft sowieso. Von Glaubwürdigkeitsproblemen darf man schon gar nicht mehr sprechen. Eigentlich ist es peinlich für die Autolobby des letzten Jahrhunderts und eine Schande für sogenannte Wissenschaftler, welche Geld annehmen um Lobbyisten aus dieser Zeit zu unterstützen.

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Niro
Niro
4 Jahre zuvor

Die gekaufte Wissenschaft erscheint immer wieder, egal in welchem Wissenschaftszweig.

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Anonymous
Anonymous
4 Jahre zuvor

Ja so ist das im Leben – die „Arschlochdichte“ (Entschuldigung für das harte Wort) ist in allen Bevölkerungsgruppen in etwa gleich groß – das gilt natürlich auch für „Wissenschaftler“ ;-)

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KaiGo
KaiGo
4 Jahre zuvor

Also der Artikel von Prof. Koch war natürlich rein aus persönlichem Interesse. Ihm brechen die Fördergelder weg und er versucht sein Institut zu retten. Seine Kooperationspartner in der Autoindustrie schwenken mittlerweile alle auch Elektro um und stecken nur noch wenig Geld in die Weiterentwicklung von Kolbenmaschinen. So einfach ist die Sache.

Natürlich gibt es dann auch ganz schnell Gegenstimmen die vermutlich genauso motiviert von der Jagd nach Fördergeldern sind. Sei es für Erneuerbare Energien, Batterie-Forschung oder was auch immer.

Man sollte aber auch meinen (ist leider nicht so), dass alle wissen, dass das BEV alleine unser Klima nicht rettet. Wenn wir zur Erzeugung des zusätzlichen Strom nur die Kohle weiter hochfahren, ist keinem geholfen. Die Verkehrswende muss Hand in Hand mit der Energiewende laufen. Heißt Windkraft und Photovoltaik müssen stark ausgebaut und Speicherkapazitäten aufgebaut werden. Das hat der Staat in den letzten Jahren (danke an u.a. Herr Altmeier) absolut nicht auf die Kette bekommen. Wir wollen eine Energiewende schaffen aber die Förderung für PV wird immer weniger, der Aufbau von Windparks immer schwerer. Das passt nicht zusammen.
Da steckt mit Sicherheit nicht einmal nur die Öl-Lobby dahinter die Druck ausübt. Auch die Energieversorger haben sicherlich kein Interesse daran, dass sich die Leute selber mit Strom und sogar Wärme (Wärmepumpe) versorgen. Ist ja auch schlecht fürs Geschäft wenn jeder seinen eigenen Strom macht. Man könnte auch z.B. Mehrfamilienhäuser mit PV zupflastern und durch die vielen Parteien im Haus würde vermutlich kaum etwas eingespeist werden. Aber rechtlich ist das ein Albtraum wenn man seinen Mietern den eigenen PV-Strom verkauft. Das ist doch alles bescheuert.

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Dagobert
Dagobert
4 Jahre zuvor

Beide Seiten glänzen durch Voreingenommenheit und dadurch sich die Daten so zu legen, wie sie gerade ins Konzept passen. Keine Studie lässt sich einordnen, ohne den Auftraggeber zu kennen und glaube keiner Messung, die du nicht selbst gefälscht hast.
Fakt ist, das BEV ist politisch beschlossen und wird durch gedrückt. Es wurde schon viel zu viel Geld investiert um das noch mal rum zu drehen. Ob das nun sinnvoll für die Umwelt ist oder nicht ist völlig irrelevant.
Persönlich überzeugen mich aktuelle Modelle noch nicht, aber unsere Ingenieure werden schon Lösungen finden. Ich kaufe mir um das Jahr 2030 herum noch mal einen neuen Verbrenner und fahre den dann, wie alle meine privaten Autos ~15Jahre. Danach wird sich zeigen, was der Markt so zu bieten hat.
Ich bin zuversichtlich, dass bis 2045 die meisten Kinderkrankheiten der BEVs gelöst sein sollten.

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Niko
Niko
4 Jahre zuvor

Mein eAuto stinkt nicht, emittiere auch nach dem Kaltstart keine Schadstoffe und macht im Stadtverkehr deutlich weniger Lärm.
Ausserden lade ich zu Hause Ökostrom von einem Anbieter, der regenerativen Strom aktiv ausbaut

warum zur Hölle sollte ich einen Verbrennungsmotor kaufen. Der macht nichts besser

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Klaus R.
Klaus R.
4 Jahre zuvor

Worauf Ihr in dem Artikel leider gar nicht eingegangen seid ist die entlarvende Behauptung in dem offenen Brief, e-Fuels seien die Lösung. Sowas kann doch nur von der konventionellen Automobilindustrie kommen. E-Fuels haben in der Gesamtbilanz einen dermaßen schlechten Wirkungsgrad (sprich: hohen Strombedarf), dass man sie keinesfalls für Landfahrzeuge einsetzen sollte. Allenfalls für Flugzeuge, bei denen das Gewicht von Batterien und die Größe von Wasserstofftanks ein Problem ist, wären sie vielleicht eine Option.

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Richardt
Richardt
4 Jahre zuvor

Ich bin erstaunt über soviel Ideologie statt sachlicher Argumente. Es gibt von Seiten der Ökolobby keinerlei Plan, wie die althergebrachten Energien durch neue ersetzt werden können, ohne dass die Versorgung zusammenbricht.

Dazu hat Karl May passende Sätze zu den Greenhorns gesagt:

‚Ein Greenhorn hat fünf Jahre lang Astronomie studiert, kann aber ebenso lange den gestirnten Himmel anstarren, ohne zu wissen, wie viel Uhr es ist. Ein Greenhorn steckt das Bowiemesser so in den Gürtel, dass er sich beim Bücken die Klinge in den Schenkel sticht. Ein Greenhorn macht im Wilden Westen ein so starkes Lagerfeuer, dass es baumhoch emporlodert, und wundert sich dann, wenn er von den Indianern entdeckt und erschossen worden ist, darüber, dass sie ihn haben finden können. Ein Greenhorn ist eben ein Greenhorn….‘

Bei uns wird kein Feuer auflodern und niemand erschossen. Es geht einfach das Licht aus!

Also: Wenn wir Industrieland bleiben wollen, brauchen wir eine verlässliche Energieversorgung mit stabiler Spannung und Frequenz und keinen volatilen Wind- oder Solarstrom. Wir brauchen ein verlässliches Transportsystem und falls es elektrisch ist, genügend Lademöglichkeiten dafür. All das muss erst geschaffen werden, unsere bisherigen Niederspannungsnetze in den Städten schaffen das nicht und sind zu schwach ausgelegt. Die Norweger heizen schon elektrisch und fahren E-Autos, haben aber den vierfachen Stromverbrauch. Dies verkraftet unser Land noch lange nicht.
Und noch eines: Deutschland produziert 2,26% des weltweiten CO2-Aufkommens. Wenn wir alle CO2-Verbraucher in Deutschland alleine abschalten, hat die Welt gar nichts davon.

Also liebe Greenhorns: Machen Sie einen Plan, wie Sie alles Alte ersetzen, damit es auch funktioniert und führen Sie das vor. Wenn das dann funktioniert, mache ich gerne mit. Am Schluss noch eine Bitte: Befassen Sie sich einmal mit den Argumenten der Gegenseite und überlegen Sie, wo diese Recht haben könnte.

Professor Koch hat nicht nur Recht mit der mathematischen Falschberechnung des Strommixes, es sieht in der Realität noch viel schlimmer aus. Schauen Sie einmal in das Portal der Bundesnetz-agentur smard.de, da finden Sie die stündliche Erzeugung aller Energieträger. Daraus können Sie ersehen, dass E-Autos ÜBERWIEGEND mit fossilem oder Atomstrom geladen werden müssen und das versaut die Umweltbilanz, selbst wenn wir die Batterieproduktion nicht mitbetrachten.

Erst lernen, dann nachdenken, danach schreiben. Das ist die richtige Reihenfolge.

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