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Braucht die Autoindustrie E-Fuels überhaupt?

Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
3. August 2022
Lesedauer: 2 Minuten
Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
3. August 2022
Lesedauer: 2 Minuten

© Abbildung(en): shutterstock / 1771562054

Home Automobilindustrie

Die FDP und allen voran die Finanzminister Christian Lindner und Verkehrsminister Volker Wissing blockierten den Vorstoß der EU, dass ab 2035 nur noch emissionsfreie Pkw neu zugelassen werden dürfen. Sie schafften es, ein Hintertürchen für E-Fuels offen zu halten, um die Verbrenner-Technologie auch über 2035 laufen lassen zu können. In der Automobilbranche allerdings sind nicht alle wirklich glücklich darüber. Und viele haben sich eigentlich auch schon für etwas anderes entschieden.

Der Betriebsratschef von Mercedes-Benz etwa, Ergun Lümali, forderte bei einem Treffen mehrerer Betriebsratsvorsitzender aus der Autobranche mit Wissing von der Politik mehr Klarheit beim Antrieb der Zukunft. Die Branche könne nicht „für mehrere Antriebsarten gleichzeitig hohe Entwicklungskosten stemmen, ohne zu wissen, wo die Reise hingeht“, sagte Lümali dem Spiegel zufolge. Konzerne, Länder und Kommunen benötigten zudem mehr Planungssicherheit, um den notwendigen Aufbau der Ladeinfrastruktur in Deutschland zu stemmen.

Mercedes-Benz setzt ohnehin schon weit vor 2035 voll auf reine E-Autos. Bis Ende des Jahrzehnts will der Hersteller bereit sein, in Europa ein vollelektrisches Portfolio anzubieten. „Die Indus­trie hat ihre Weichen bereits gestellt“, sagt Lümali.

„Der Elektromobilität gehört die Zukunft“

Auch bei anderen Autoherstellern sorgte der Vorstoß der FDP zum Teil für Unverständnis. Volkswagen, Europas größter Autohersteller, hat sich für die Zukunft bereits auf den Batterie-elektrischen Antrieb festgelegt und will schon vor 2035 keine Verbrenner mehr verkaufen. E-Fuels seien, wie der scheidende VW-Chef Herbert Diess sagte, nur für Nischen eine Option, „für den Mainstream ist das E-Auto die deutlich bessere Lösung“. Auch VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo hält nicht viel von einem Festhalten an Verbrennerfahrzeugen: „Der Elektromobilität gehört die Zukunft“, sagte sie.

Auch viele, viele andere Autohersteller wollen sich weit vor 2035 in Europa von der Verbrennertechnologie verabschieden. Spätestens 2030 wollen unter anderem Alfa Romeo, Citroen, DS, Fiat, Lexus, Opel, Peugeot, Renault, Smart und Volvo rein elektrisch unterwegs sein. Und bis 2035 nachziehen wollen unter anderem Honda, Hyundai, Kia und Toyota. Man fragt sich, für wen die FDP das E-Fuel-Türchen eigentlich offen hält.

In einem Punkt allerdings hat die FDP recht: Mit synthetischen Treibstoffen könnte man auch die Bestandsflotten nachhaltig betreiben, und zwar weltweit.

Quelle: Spiegel – Mercedes-Betriebsratschef fordert Klarheit von Verkehrsminister Wissing

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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44 Comments
ThoSt
ThoSt
3 Jahre zuvor

Neuzulassungen und Bestandsflotten sind doch 2 komplett verschiedene Themen! Niemand will den Leuten verbieten eFuels in ihre Verbrenner zu kippen. So lange das nicht subventioniert wird, regelt der Markt das schon von selbst.
Ob das überhaupt 1:1 möglich ist, oder man die Bestandsflotten erst noch umrüsten muss konnte mir noch keiner sagen. Weiss das jemand (mit Quelle)?

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Andreas Kühweg
Andreas Kühweg
3 Jahre zuvor

Ja – die Sache mit der Bestandsflotte…
Wenn ich raten müsste, würde ich tippen, dass die FDP die erste Partei wäre, die sich gegen einen verbindlichen Plan wehren würde, wann Treibstoffe welchen Anteil an E-Fuels enthalten müssen.

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David
David
3 Jahre zuvor

Die e-Fuels als nette Vorstellung, dass alles so weiter geht, brauchen alte Stammkunden mit viel Geld, die im Kopf nicht mehr flexibel genug für die Realität sind. Die kann man damit beruhigen und ihnen noch zwei sehr teure Neuwagen verkaufen, bis endlich die Natur in ihrer unendlichen Weisheit diese Menschen von der Kundenliste streicht. Und dann wird es natürlich keine e-Fuels geben. Braucht kein Mensch.

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Peter
Peter
3 Jahre zuvor

Die verbrennende Bestandsflotte schrumpft permanent durch Überalterung, wenn keine neuen Verbrenner mehr kommen. Damit wird das Absatzpotential für eFuels immer kleiner.
Es beginnt somit das Wettrennen, ob der Aufbau der für eFuels notwendigen (Produktions-)Infrastruktur so schnell sein kann, dass es im schrumpfenden Markt noch zu einem Return of Investment kommen kann, die Investition also irgendwann mal in die Gewinnzone fährt. Und dabei stellen sich drei große Hindernisse in den Weg:

1) der verbrennende Bestandsmarkt schrumpft

2) Der Produktionsprozess von eFuels steht in wirtschaftlicher Konkurrenz zum Wasserstoff. Denn ein Zwischenprodukt bei der eFuel-Produktion ist Wasserstoff. Auch dafür gibt es (zahlungskräftige) Nachfrage aus der Industrie. Es könnte also gewinnbringender sein, das „Produkt“ eFuel gar nicht bis zum finalen Produkt zu erzeugen, sondern bereits das in der Produktionskette vorher anfallende Zwischenprodukt Wasserstoff zu verkaufen. (Zitat Wiki: „E-Fuels sind Kohlenwasserstoffe, die künstlich aus Wasserstoff und Kohlenstoffdioxid synthetisiert werden…“)

3) Das Endprodukt „eFuels“ stehen in wirtschaftlicher Konkurrenz zum Produkt „fossilFuels“, fossilFuels sind dabei noch sehr lange sehr viel billiger als eFuels. Um den Verbauchs-Markt dazu zu bringen, sich gegen die billigen fossilFuels und für die (derzeit deutlich) teureren eFuels zu entscheiden, ist eine große regulatorische Durchsetzungsmacht notwendig, diese Durchsetzungsmacht erfordert eine funktionierende staatliche Organisation auch gegen den (Korruptions-) Druck der fossilFuel-Erzeuger (OPEC, Russland, etc.). Alternativ kann die Förderung der fossilFuels gekürzt werden und damit das Marktangebot knapper gemacht werden, aber auch das muss gegen die Interessen der fossilFuel-Erzeuger durchgesetzt werden.

Ich frage mich ein wenig, in welcher Version der Realität die eFuels mengenmäßig eine so große Zukunft haben, dass die jetzt notwendigen Investionen in die eFuel-Produktion irgendwann Gewinne einspielen können.

Zuletzt bearbeitet am 3 Jahre zuvor von Peter
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Daniel W.
Daniel W.
3 Jahre zuvor

Braucht die Autoindustrie E-Fuels überhaupt? – ein klares Nein.
Soviel Ökostrom gibt es auf absehbare Zeit gar nicht, um neben Strom für E-Autos und Gebäuden sowie für Wasserstoff in der Industrie noch etwas anderes damit zu produzieren – und wo sollen die riesigen Resourcen für den Bau einer mehrfachen Anzahl von PV- und Windkraftanlagen herkommen?
Der Sand für Beton ist schon jetzt eine knappe Resource, Wüstensand ist ungeeignet, es müssten gewaltige Mengen an knappen Sand in die entlegenen Gebiete gekarrt werden, um dort Windräder zu bauen.
PV-Anlagen für den Ökostrom zur Erzeugung von E-Fuels würden gewaltige Resourcen verschlingen, da man für E-Fuel-Verbrenner die 5 bis 6-fache Menge an Ökostrom bräuchte im Vergleich zu BEV-Fahrzeugen.
Die Menschheit muss sich entscheiden, ob sie weiterhin Verbrenner will und dafür in Kauf nimmt den Planeten komplett unbewohnbar zu machen oder ob sie überleben will – beides geht nicht.

Vielleicht nehmen die Machthaber in Russland oder China der Menschheit diese Entscheidung ab und beginnen den Atomkrieg, dann wäre der überlebende Teil der Menschheit wieder in der Steinzeit ohne Autos.

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Kliko
Kliko
3 Jahre zuvor

Die FDP war schon immer gegen alles das war ja schon klar aber die werden sich nicht durchsetzen . Und von so einer Kleinpartei so etwas gefallen zu lassen ist von den regierenden sowieso blöd

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Wolfbrecht Gösebert
Wolfbrecht Gösebert
3 Jahre zuvor

@ Kliko:

„Und [sich] von so einer Kleinpartei so etwas gefallen zu lassen, ist von den Regierenden sowieso blöd“

Du hast aber schon verstanden, wie in der Demokratie grundsätzlich eine Mehrparteien-Regierung funktioniert und wer aktuell gerade die Regierung in -D- bildet?

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Spock
Spock
3 Jahre zuvor

NEIN!
Es wird doch immer von Energiesparen gesprochen. Die Herstellung von e-fules verbraucht unmengen an Energie nur für die Herstellung und das dann nur um einen Treibstoff auf den Markt zu bringen mit einem Wirkungsgrad unter 25%, einfach lächerlich. Purer Lobbyismus.Die Energie sollte lieber in die Entwicklung von bezahlbaren Elektrokleinfahrzeugen und entsprechende Ladeinfrastruktur gesteckt werden. Wann hören die ewig gestrigen endlich auf uns vollzumüllen mit ihrem Schwachsinn.

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Spock
Spock
3 Jahre zuvor

Das Verbrennerverbot sollte meiner Meinung nach auf auf Bestandfahrzeuge ausgedehnt werden. Von Ausnahmen für bestimmte noch nicht entwickelten Spezialfahrzeugen und von mir aus auch Oldtimern mal abgesehen. Es sind noch 13 Jahre bis 2035, wer nun anfängt sich zu kümmern wird wohl in der Lage sein das bis dahin zu schaffen. Mit dem ganzen gut zureden kommen wir nicht weiter. Es müssen mal Entscheidungen getroffen werden um auch in der Mobilität dem Klimawandel entscheidend entgegen zu wirken.

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Mr.Hu
Mr.Hu
3 Jahre zuvor

Natürlich brauchen wir E-Fuels! Die Leute meinten einst, dass wir alles auf solar setzen sollen, um die Energiewende hinzukriegen. Mittlerweile wissen wir, dass wir ALLE Technologien brauchen. Und so ähnlich verhält es sich auch mit E-Autos. Es ist doch klar, dass wir mit nur ein, zwei Technologien nicht weiterkommen! Offensichtlich braucht es erst einen Blackout, bis wir einsehen, dass wir um das Global Grid mit Wasserstoff und E-Fuels nicht herumkommen. Aber nee, wir beharren lieber auf politischen Entscheidungen aus den 2000ern. Die halbe Welt lacht uns aus. Peinlich.

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Werner
Werner
3 Jahre zuvor

Den Strom den man für die Herstellung für e-fuels braucht kann man doch gleich tanken und hat damit mehr Reichweite.
für öpnv würde es Sinn machen wenn es mit Strom nicht geht als Übergang. Alles andere wäre der tot für die deutsche Auto Industrie, aber ich denke das die deutschen Auto Bauer schon jetzt den Anschluß verloren haben. Die haben immer noch nicht verstanden worauf es ankommt, provit Gier und Manipulation der Politik bringt Deutschland nicht weiter. Wir sind dabei gerade alles zu verlieren und made in germany in grabbeltisch ware zu verwandeln

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Volta
Volta
3 Jahre zuvor

Ist immer wieder verwunderlich, wer sich alles von den Lobbyisten der ewig Gestrigen, vor den Karren spannen lässt. Sind sicher die gleichen Lobbyisten, die auch beim Abgasskandal der Meinung waren, der ganzen Welt erzählen zu können, dass die Autos sauber sind.
Hat die Politik auch geglaubt.
Zum Thema, Nein es ist keine gute Idee, einen Antrieb mit schlechten Wirkungsgrad, mit einem gleichartigen Kraftstoff zu betreiben. Das Ergebnis ist doppelt schlecht, auch wenn der Kraftstoff CO2 neutral produziert wurde.
Ich kann auch nicht erkennen, welchen Vorteil es für die Gesellschaft hat, wenn die selbst ernannte Elite mit Verbrenner fährt und alle anderen die Differenz ausgleichen müssen. Auch wenn wir dass bei den Kosten für das Gemeinwohl ja schon gewohnt sind.

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Andreas
Andreas
3 Jahre zuvor

Ich habe eins gelernt: so breit wie möglich aufstellen und den Rest regelt der Markt
Es bringt nichts mit leerem Akku anzukommen in einer Zeit wo die intelligente ladesäule gerade gesperrt ist. Auch ein wunderschönes hackerziel. Ein ganzes Gebiet fahrtechnisch lahm zu legen

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JBee
JBee
3 Jahre zuvor

Es ist doch ganz einfach: Ob die Zufunft dem Verbrenner gehört oder dem e-Auto wird einzig in China und vielleicht noch in den USA entschieden. Sort sind nämlich die größten Märkte. Wenn die deutsche Autoindustrie dann nicht liefern kann, also gute eAutos, wird sie verschwinden. Wir fahren dann höchstens noch chinesische eAutos, statt deutsche. Mit dem deutschen Autoexport steht und fällt aber unser Wohlstand. eFuels? Interessiert Niemanden.

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