Bei PKW und LKW hält die Elektrifizierung Einzug – aber was ist mit Sonderfahrzeugen wie Baggern, Radladern, Dieselloks – oder eben auch den riesigen Muldenkippern, die in Bergwerken das Abbaumaterial transportieren? Branchenprimus Caterpillar hat nun seinen ersten vollelektrischen Muldenkipper vorgestellt, und will so zur Entwicklung des „Bergwerks der Zukunft“ beitragen.
Muldenkipper im Bergbau sind wahre Monster: mit bis zu 20 Metern Länge, zehn Metern Breite und etwa acht Metern Höhe überragen sie alles in der unmittelbaren Umgebung. Die größten unter ihnen wiegen alleine ohne Zuladung bis zu 660 Tonnen und können bis zu 500 Tonnen Material transportieren. Angetrieben werden diese Achträdler von riesigen Dieselmotoren, die bis zu 4.500 PS leisten. So einen Koloss mit Strom zu betreiben, scheint eine wahre Herausforderung zu sein.
Und dennoch tun es die Hersteller: Komatsu hat bereits ein vollelektrisches Modell vorgestellt, ebenso der Schweizer Hersteller Kuhn. Nun hat auch der US-amerikanische Produzent Caterpillar seinen ersten vollelektrisch betriebenen Prototypen auf einem Versuchsgelände in Arizona vorgestellt. Der „793“ wurde auf einem sieben Kilometer langen Kurs getestet und von 1.100 Sensoren überwacht. Mit voller Beladung erreichte der Prototyp eine maximale Geschwindigkeit von 60 km/h. Bei einer Steigung von 10 Prozent betrug die Geschwindigkeit 12 km/h. Beim Bergabfahren der selben Steigung konnte das Rekuperationspotential gemessen werden. Nach Absolvierung der Testrunde hatte die Batterie noch genügend Kapazität für weitere Runden.
Der Prototyp wurde auf Caterpillars Versuchsgelände in Tucson gebaut, im Green Valley von Arizona. Das Versuchsgelände wird gerade in ein „Bergwerk der Zukunft“ umgebaut, indem eine Reihe von erneuerbaren Energieressourcen implementiert werden. Am Gelände werden elektrisch betriebene Fahrzeuge und Aufbereitungsmaschinen getestet. Die benötigte Energie wird durch grünen Wasserstoff und Biogas bereitgestellt, die am Standort direkt erzeugt werden. Dazu werden Energiequellen wie Wind und Solar genutzt und in Speichersystemen gespeichert. Auch das Laden der Fahrzeuge sowie das Energiemanagement werden vor Ort optimiert.
„Die Transformation des Testgeländes in Tucson ermöglicht es Caterpillar, sein Bekenntnis zur Energiewende zu demonstrieren und für Kunden als starker Berater bereitzustehen, um den Wandel gemeinsam anzugehen„, erklärte Denise Johnson, Vorständin der Caterpillar Resource Industries Group. Die Demonstration des Prototypen sei ein wichtiger Meilenstein und man freue sich darauf, dass elektrifizierte Muldenkipper in naher Zukunft in den Bergwerken weltweit eingesetzt werden. Bergbauunternehmen wie BHP, Rio Tinto oder Newmont haben in einem gemeinsamen Programm bereits ihre Absicht erklärt, solche Fahrzeuge nutzen zu wollen.
Wie groß die Batterie des 793 ist und wie lange eine Vollladung dauert, hat Caterpillar leider nicht bekanntgegeben. In einem Youtube-Video ist der Kipper aber in Aktion zu sehen.
Quelle: Caterpillar – Pressemitteilung vom 22. November 2022
So ein richtig guter Schuh wird daraus, wenn man eine Abbaustätte hat bei der das Fahrzeug voll beladen bergab und unbeladen bergauf fährt. Dann braucht man praktisch keinen Strom. Siehe Infinity Train. Durch die Bergabfahrt mit höherem Gewicht wird mehr Strom durch Rekuperation erzeugt wie bei der leichteren Bergauffahrt verbraucht wird. Soll ja solche Stätten geben.
Das ist ein sehr guter Ansatz, solche Energie sinnvoll zu nutzen und macht schon heute gegenüber einem vergleichbaren Diesel Muldenkipper sehr viel mehr Sinn. In der Schweiz aktuell schon so im Einsatz, kann damit aber kein überflüssiger Strom produziert werden, aber die Muldenkipper müssen nur marginal nachgeladen werden.
Medieninformation dazu hier:
https://www.spiegel.de/auto/aktuell/schweiz-elektro-lkw-edumper-muss-nicht-aufgeladen-werden-a-1282952.html
Ist vielleicht ein bisserl off-topic, aber muss raus:
Eine Diesellok wird niemals vom schwarzen Saft zu entwöhnen sein, die E-Lok ist schon erfunden!
Wobei Dieselloks und die großen Muldenkipper den Verbrenner ja üblicherweise nur als Generator benutzen, der eigentliche Antrieb ist sowieso schon elektrisch: Die riesigen Kräfte sind mechanisch nur unter extremem Aufwand (für Getriebe, Differential) zu bewältigen!
„Nach Absolvierung der Testrunde hatte die Batterie noch genügend Kapazität für weitere Runden.“
Diese Testrunde war sieben Kilometer, da sind „weitere Runden“ wohl weniger als zehn, und das ist für einen Vollbetrieb eindeutig zu wenig! Denn diese Runde ist wahrscheinlich drei- bis viermal pro Stunde zu fahren. Wann/wo soll da die Batterie geladen werden? Der günstigste Platz wäre beim Abkippen, aber da ist der Aufenthalt sehr kurz. Längere Stehzeit gibt’s vielleicht beim Beladen, aber das ist irgendwo im Minengelände, da wird kein Megawattanschluss verfügbar sein!