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Elektro-SUV – geht es nicht mehr ohne?

Stefan GrundhoffbyStefan Grundhoff
25. Januar 2023
Lesedauer: 3 Minuten
Stefan GrundhoffbyStefan Grundhoff
25. Januar 2023
Lesedauer: 3 Minuten

© Abbildung(en): Ferrari

Home Elektroauto News 2022

Am Ende fiel als einer der letzten Hersteller schließlich auch Ferrari. Selbst der Sportwagenbauer aus Maranello bietet ab kommendem Jahr mit dem Purosangue seinen ersten SUV an. Es geht für keinen Autohersteller mehr ohne. Wer vor Jahren meinte, dass die SUV-Welle nur ein länger andauernder Trend sei, der sieht sich geirrt. SUV ist längst das neue Normal – das Standardmodell der Zukunft ist ein Crossover; in den meisten Fällen ohnehin gleich mit einem elektrischen Antrieb.

Als einer der letzten renommierten Autohersteller bringt im kommenden Jahr nunmehr auch Ferrari seinen ersten SUV – natürlich einen echten Sportwagen wie die Norditaliener nicht müde werden zu betonen. Etwas überraschend ohne Elektrifizierung, sondern mit brachialer V12-Saugpower. Seit Jahren schaut man ebenso verstohlen wie neidisch zu Wettbewerber Lamborghini herüber, die mit dem Urus als leistungsstarkes Zwillingsmodell des Audi RS Q8, von Verkaufsrekord zu Verkaufsrekord eilen. Auch er ist trotz Modellpflege aktuell noch ohne Elektrifizierung unterwegs – das folgt 2024.

Der SUV-Liebe der Kunden konnte sich auch Aston Martin nicht verschließen und verkauft seinen spät auf den Markt gerollten DBX als Wettbewerber zu Modellen wie Porsche Cayenne und BMW X6 ebenfalls prächtig. Rolls-Royce hat seinen Cullinan, Bentley seinen Bentayga, Maserati mit Grecale und Levante schon zwei Modelle und Lotus mit seinem Eletre. Der ist ebenso vollelektrisch wie das erste Modell des neuen Luxusherstellers Aehra der ab 2025 auf den Markt kommen will. Seit Jahrzehnten Bestseller: Mercedes G-Klasse oder Range Rover, die eher echte Geländewagen denn dünne Crossover sind.

In den unteren Klassen geht ohne die Sport-Utility-Vehicle seit Jahren ohnehin gar nichts mehr. Jüngst verkündete Ford nach 47 Jahren für Mitte 2023 das Produktionsende seines kleinen Dauerläufers Fiesta. Er wird – was für eine Überraschung – von einem elektrischen Crossover ersetzt, der auf dem modularen Elektrobaukasten von Volkswagen basiert. Volkswagen plant in seiner ID-Familie weitere Crossover und so wird unterhalb des ID.3 Mitte des Jahrzehnts ein ID.2 Crossover positioniert.

Einige der Volumenhersteller fahren mit dem Umstieg in die Elektromobilität gleich in die Crossover-Richtung. Das gilt für Marken wie Peugeot ebenso wie DS, Fiat, Alfa Romeo, Renault / Dacia, Toyota oder das koreanische Doppelpack aus Kia und Hyundai. Mussten die Marken in Sachen Antrieb der Zukunft manche Pille der Politik schlicken, so geht es bei der Karosserieform allein um die Kunden, denn auf vielen Märkten sind SUV und Crossover marken- und segmentübergreifend der Normalfall – egal, ob es sich um einen 15.000 Euro teuren Dacia Sandero Stepway, einen Renault Megane E-Tech, den VW ID.5, das Tesla Model Y oder eben einen Ferrari Purosangue handelt. Eine Rückkehr zu alten Karosserietrends wie einer Limousine aus der Mittelklasse oder gar den jahrzehntelang so beliebten Modellen wie Vans oder Kombis erscheint unwahrscheinlich und auch die in Europa so beliebten Schrägheckmodelle geraten in immer mehr Ländern unter Druck.

Wer sich den deutschen Markt anschaut sieht, wie beliebt SUV mittlerweile sind. Allein im abgelaufenen Monat Oktober 2022 bedeuteten mehr als 61.000 zugelassene Crossover einen Verkaufsanteil von 29,3 Prozent. Zählt man die 24.850 Geländewagen (11,9 Prozent) noch dazu, liegt der Gesamtanteil im Paket bei mächtigen 41,2 Prozent. Weit abgeschlagen die einst so beliebte Kompaktklasse mit knapp 36.000 Fahrzeugen (17,1 Prozent) oder der Mittelklasse (21.210 Zulassungen / 10,2 Prozent).

Das generelle Interesse der Kunden an SUV hat sich durch das Umschwenken auf Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybriden kaum geändert. Was sich verändert, sind die Produktportfolios der Hersteller. Die kleinen Einstiegsmodelle des A- und B-Segments werfen kaum Gewinne ab – insbesondere nicht mit einer teuren Batterie an Bord. Daher werden diese gestrichen. Zudem sorgen neben den Komfortansprüchen der Kunden immer neue Crashvorschriften dafür, dass die kleinen Einstiegsmodelle bei immer mehr Marken verschwinden werden. Auf der anderen Seite straffen die Autohersteller ihre Portfolios oder stellen sie gar komplett um.

In diesem Zusammenhang werden Modelle zusammengefasst, Kombis oder Vans gestrichen und man versucht möglichst viele Kunden mit einer Karosserievariante einzufangen. So kommen selbst ausgemachte Sportwagenhersteller nicht mehr umhin, SUV-Modelle anzubieten.

Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff ist Firmeninhaber und Geschäftsführer von press-inform und press-inform consult. Er ist seit frühester Kindheit ausgemachter Autofan. Die Begeisterung für den Journalismus kam etwas später, ist mittlerweile aber genau so tief verwurzelt. Nach Jahren des freien Journalismus gründete der Jurist 1994 das Pressebüro press-inform und 1998 die Beratungsfirma press-inform consult.

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14 Comments
Daniel W.
Daniel W.
3 Jahre zuvor

Zunehmende Zahl von SUV und hoher Resourcenverbrauch, Klimawandel, steigende Temperaturen und Dürren, zunehmende Kriegsgefahr zwischen China und Taiwan und bei Krieg einbrechende Chip- und Akku-Produktion, überhitzte Städte im Sommer weltweit und vollgestellte Straßen – die Dinos werden immer größer.

Jetzt warte ich nur noch auf den kommenden Kometen, der den Dinos das Licht ausbläst, damit die Zeit der Kleinen beginnen kann – die Wiederholung der Erdgeschichte, diesmal in der Version mit 4 Rädern.

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MKU
MKU
3 Jahre zuvor

Ich würde eher sagen, dass dem Kunden keine wirkliche Wahl mehr gelassen wird. Wenn ich mir aktuell ein Elektroauto zulegen wollte, dann finde ich für meine Anforderungen – familienfreundlich, großer Kofferraum – nur SUVs. Die will ich aber gar nicht haben!
Der Mehrpreis für das größere Auto wird natürlich gerne mitgenommen.

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Frank
Frank
3 Jahre zuvor

Das SUV Format hat sich deswegen etabliert, weil es halt einfach auch sehr viele Vorteile hat.

Diese ganzen Kommentare: „…..früher sind wir mit dem VW Käfer, bla bla bla….“ sind doch absoluter Käse.

Heute gibt es Autos bei denen man

  • komfortabel Ein- und Aussteigen kann
  • Platz im Auto hat
  • einen grossen Kofferraum hat
  • Knautschzonen hinten und vorne hat
  • etc. etc.

und das ganze nennt sich SUV !!!

Wer will dem Familienvater verbieten ein solches Fahrzeug zu fahren um damit die maximale passive Sicherheit für sich und meine Familie sicher zu stellen.

Wohlgemerkt, das Ding braucht schlappe 20 kWh auf 100km – das sind auf Verbrenner umgerechnet gerade mal 2 Liter Diesel – das Verbrauchsargument zieht also auch weniger denn je.

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Nik8888
Nik8888
3 Jahre zuvor

Man sollte niemandem vorschreiben, was er zu fahren hat.
soll jeder fahren was er möchte
ein Golf GTI ist nicht unbedingt sparsamer als ein VW T-Roc

Besser ist es, noch konsequenter Autos nach Energie und Ressourcenverbrauch zu besteuern. Benzin ist sowieso schon sehr teuer und Ladestrom an HPCs ebenfalls

und in Städten wird der Individualverkehr ohnehin immer stärker eingeschränkt und Parkraum in Lebensraum für die Bewohner umgewandeln wo immer möglich

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matthias.geiger@t-online.de
matthias.geiger@t-online.de
3 Jahre zuvor

SUV Modelle in Infrastruktur starken Regionen z.B. Zentraleuropa halte ich für den völlig falschen Weg. Was soll das mit 2,5 Tonnen zum Einkaufen zu fahren oder mit 200 km/h über die Autobahn ?!
Die Politik hat hier die völlig falschen Anreize gesetzt. Die SUV Fahrerinnen und Fahrer sollten kräftig zur Kasse gebeten werden, um die Kosten für die teure Infrastruktur z.B. grosse Parkplätze zu bezahlen. KFZ-Steuer für SUV’s kräftig rauf und die Förderung hierfür abschaffen. Nur noch BEVs fördern mit 30.000 Euro brutto, 400 km WLTP-Reichweite, AC mindestens 11 kW und DC mindestens 50 kW Ladeleistung, dann kommt die E-Mobilität auch in der Breite wieder in Schwung.

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