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Habeck plant einmalige Klimaabgabe für neue Benziner und Diesel

Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
20. Juli 2022
Lesedauer: 3 Minuten
Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
20. Juli 2022
Lesedauer: 3 Minuten

© Abbildung(en): BMWK / Dominik Butzmann

Home Automobilindustrie

Ein wichtiges Ziel der Bundesregierung für mehr Nachhaltigkeit im Verkehr ist, dass bis 2030 etwa 15 Millionen Elektroautos auf den Straßen unterwegs sein sollen. Um der Antriebswende mehr Schwung zu verleihen, erwägt Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) eine neue Klimaabgabe bei Pkw-Neuzulassungen. Dies geht aus einem Strategiepapier des Bundeswirtschaftsministeriums hervor, das dem das Handelsblatt zitiert.

Konkret geht es darum, dass neue Elektroautos günstiger werden sollen als ihre Verbrenner-Pendants. Deshalb erwägt Habeck, Benziner und Diesel bei der Zulassung einmalig mit einer neuen Abgabe zu belegen, genannt Klimaabgabe. So sei „eine CO2-abhängige Klimaabgabe für Pkw-Neuzulassungen in Kombination mit einer Fortführung der E-Auto-Prämie“ sinnvoll, sodass „im Ergebnis gleichrangige E-Autos günstiger werden als die jeweiligen Verbrenner-Autos“, heißt es in dem Papier. Als Beispiel werden die Elektroauto-Modelle ID.3 und ID.4 von Volkswagen genannt, die im Vergleich zum in etwa gleich großen Golf günstiger werden müssten.

Frankreich hat bereits eine ähnliche Abgabe eingeführt, gestaffelt nach den CO2-Emissionen von Neuwagen. Bei besonders umweltschädlichen, da schweren und durstigen Fahrzeugen, wird eine einmalig zu entrichtende Strafsteuer von aktuell bis zu 40.000 Euro fällig. Der Höchstsatz greift ab einem Wert von mehr als 223 Gramm CO2-Ausstoß je Kilometer. Ausgenommen sind Fahrzeuge, deren CO2-Ausstoß bei weniger als 128 Gramm je Kilometer liegt. Zu konkreten Sätzen, wie teuer die Klimaabgabe in Deutschland ausfallen könnte, gibt es allerdings noch keine Informationen. Würde Deutschland ein ähnliches Modell einführen, würden nach französischem Gesetz einige beliebte Fahrzeuge mit dem Höchstsatz belegt: Zum Beispiel die Varianten der BMW X5 und X6 und der 7er Reihe und der Mercedes S-Klasse mit den stärkeren Benzinmotoren, die leistungsstarken Varianten von Porsche Panamera, Cayenne und 911 und diverse Aston Martins, Bentleys, Ferraris, Jeeps und Maseratis.

In Deutschland indes ist die FDP nicht erfreut über den Vorstoß des Grünen Wirtschaftsministers. Zumal FDP-Parteichef und Bundesfinanzminister Christian Lindner zuletzt vorgeschlagen hatte, die Förderung für Elektroautos ganz abzuschaffen. Der FDP-Wirtschaftspolitiker Reinhard Houben äußerte sich auf Twitter zu Habecks Vorstoß: „Wir brauchen weder Subventionen noch Strafabgaben, um E-Mobilität zu fördern. Wir brauchen stattdessen unseren vollen Fokus auf den Ausbau der Ladeinfrastruktur.“ Hier sollte Habeck seine Blockadehaltung „endlich aufgeben“, so Houben.

Verteuerung des geldwerten Vorteils für reine Verbrenner?

Daneben erwäge Habeck laut dem Papier auch „eine Erhöhung der Dienstwagenbesteuerung für fossile Verbrenner“ durch eine „Verteuerung des geldwerten Vorteils für reine Verbrenner“. Die Dienstwagenbesteuerung ist seit Jahren umstritten und zuletzt wieder intensiver diskutiert worden. Angestellte, die einen Firmenwagen auch für private Fahrten nutzen dürfen, müssen bei einem Verbrenner ein Prozent des Anschaffungspreises als so genannten geldwerten Vorteil versteuern. An diesem Punkt könnte der Wirtschaftsminister ansetzen und den Prozentsatz für Verbrenner anheben. Um E-Autos als Firmenwagen attraktiver zu machen, wurde für sie der Prozentsatz gesenkt: Auf 0,25 Prozent des Anschaffungspreises, sofern das Fahrzeug weniger als 60.000 Euro kostet. Teurere E-Autos und Plug-in-Hybride werden mit 0,5 Prozent des Bruttolistenpreises als geldwertem Vorteil versteuert

Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) hatte in der vergangenen Woche ein Klimaschutzsofortprogramm vorgelegt, weil der Verkehrssektor seine Klimaziele verfehlt hatte. Eine Reform des Dienstwagenprivilegs fehlte jedoch in dem Sofortprogramm aus Wissings Ressort.

Quelle: Handelsblatt – Habeck erwägt Klimaabgabe für neue Verbrenner-Autos

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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25 Comments
Martin
Martin
3 Jahre zuvor

Wir müssen uns wohl darauf einstellen, in Zukunft weniger Selfies, auf denen Parteiprominenz der Grünen und FDP gemeinsam abgebildet sind, zu Gesicht zu bekommen…

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egon_meier
egon_meier
3 Jahre zuvor

Das gibt es nicht nur in Frankreich sondern auch in Norwegen und Dänemark.
Warum diese großzügige untergrenze? Sollen Klein- und Kompaktwagen weiter mit Verbrenner fahren?

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brainDotExe
brainDotExe
3 Jahre zuvor

Politiker reden (bzw. hier schreiben) viel wenn der Tag lange ist. Besonders Habeck. Was dabei am Ende rauskommt kann etwas komplett anderes sein, siehe PV Osterpaket.

Aktuell sieht es leider danach aus, als ob der Umweltbonus ab nächstem Jahr komplett oder für viele Modelle (65.000€ Grenze dann Brutto statt Netto) wegfällt.
Auch für Bestellungen aus 2021/22, hier muss definitiv noch nachgebessert werden.

Zuletzt bearbeitet am 3 Jahre zuvor von brainDotExe
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David
David
3 Jahre zuvor

Schöne Sache. Strafsteuer für Verbrenner statt Elektrosubventionierung. Bin ich voll dafür!

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Ernesto
Ernesto
3 Jahre zuvor

Logisch die Klientel der FDP fährt doch zu 98% nur die Varianten der BMW X5 und X6 und der 7er Reihe und der Mercedes S-Klasse mit den stärkeren Benzinmotoren, die leistungsstarken Varianten von Porsche Panamera, Cayenne und 911 und diverse Aston Martins, Bentleys, Ferraris, Jeeps und Maseratis. Wie soll Lindner da genau DIESE Modelle stärker besteuern?? Da kriegt der ja nicht mal mehr 0,2% der Stimmen für die FDP. Mit der FDP bleibt Deutschland eine hoffnungslos rückständige Verbrennerwelt, und das NUR wegen der Eitelkeit und „meiner hat 4 anstatt nur 2 Auspuffrohre!°“ Mentalität einer steinzeitlich orientierten „Männerwelt“. Als ob echte Männer überhaupt 4 Auspuffrohre brauchen würden… das brauchen doch nur Männer wie Lindner selber mit seinen weinerlichen Minderwertigkeitskomplexen…..

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Daniel W.
Daniel W.
3 Jahre zuvor

Ganz einfach 25% auf den Kaufpreis inkl. Extras als Verbrennersteuer.

Beispiel Verbrenner:

Bei 24.000 Euro netto plus 25% Verbrennersteuer (6.000 Euro) wären es 30.000 Euro netto plus MwSt. gleich 35.700 Euro brutto statt wie bisher 28.560 Euro brutto.

Beispiel E-Auto:

Für die gesparte Verbrennersteuer von 6.000 Euro netto (brutto 7.140 Euro) gäbe es etwa 30 kWh als Akkupack bzw. etwa 150 km (Stadt 220 km) Reichweite.

Verbrennerpreis brutto // Verbrennersteuer // entspräche Akkupack in kWh // Reichweite E-Auto:

Bei 39.990 Euro brutto etwa 8.400 Euro Verbrennersteuer – 42 kWh Akkupack bzw. 200 km (Stadt 300 km).
Bei 49.990 Euro brutto ca. 10.500 Euro Verbrennersteuer – 52,5 kWh Akkupack bzw. 250 km (Stadt 370 km).
Bei 59.990 Euro brutto ca. 12.600 Euro Verbrennersteuer – 63 kWh Akkupack bzw. 300 km (Stadt 450 km).

Verbrennersteuer – einfach und wirkungsvoll – wird sie auch umgesetzt oder bockt die FDP?

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Niko
Niko
3 Jahre zuvor

sinnvolle Maßnahmen aber für 2023 zu früh, denn eAutos sind ausverkauft

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matthias.geiger@t-online.de
matthias.geiger@t-online.de
3 Jahre zuvor

Mit der FDP sind sinnvolle Massnahmen im Autosektor nicht zu machen. Daher Neuwahlen, damit die FDP unter 5 % fällt und der Weg frei ist für Rot/Grün oder Schwarz/Grün, dann kommt auch das Tempolimit.

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