Andreas Piepenbrink ist CEO der Marke E3/DC von HagerEnergy, einer Geschäftseinheit der Hager Group, ein führendes Unternehmen im Bereich der Elektrotechnik. Ab 2023 will E3/DC in Kleinserie eine bidirektionale Wallbox anbieten. 2024 soll das Angebot um eine neue Lösung zur Einbindung eines Stationärspeichers sowie einer Photovoltaik-Anlage folgen. In einem Interview mit dem PV Magazine hat Piepenbrink einige Details hierzu verraten.
Der Markt für Wallboxen bei Endverbrauchern entwickle sich weiterhin rasant, so der Manager. „Für HagerEnergy verdoppelt sich der Absatz in diesem Jahr. Wir werden 2022 über 50.000 und nächstes Jahr über 100.000 Ladestationen produzieren und verkaufen“, so Piepenbrink in dem Interview. Die Hauptmärkte für das Unternehmen seien Deutschland, Skandinavien sowie Frankreich, wo das Unternehmen laut eigener Aussage der Marktführer ist.
„Das bidirektionale Laden kommt in Kleinserie Anfang nächsten Jahres mit einer sogenannten Edison-Lösung“, erklärt der HagerEnergy-CEO. Dabei handle es sich primär um „eine Retro-Fit-Option für Hauskraftwerke, die seit Mai 2020 ausgeliefert werden. Sie können sie daran anschließen und das Fahrzeug direkt DC-seitig mit dem Hauskraftwerk verbinden“. Das E-Auto könne dann einen Teil der Energie aus seinem Akku ins Hausnetz einspeisen. Mit welchen Fahrzeugmodellen dies möglich sein soll, verriet Piepenbrink leider noch nicht. „Wir arbeiten mit einem großen Automobilhersteller zusammen und hoffen, dass es bald los geht“, sagte er hierzu lediglich.
Mit der bidirektionalen Ladetechnologie sei es zum Beispiel möglich, die Kapazität eines Heimspeichers nur halb so groß auszulegen, womit sich die Investition in eine Wallbox bereits ausgleiche, so der Manager. Außerdem sei es möglich, „eine Notstromversorgung aus dem Fahrzeug zu realisieren und den Eigenverbrauch der selbst erzeugten Solarenergie zu erhöhen“. Man könne einen Energietransfer zwischen Fahrzeug und Heimspeicher einrichten und stufenlos solar laden. „Und Sie können auch Spitzenlasten aus dem Auto abdecken. Sie haben tatsächlich einen zweiten Heimspeicher“, erklärt Piepenbrink die Vorteile eines solchen Systems.
Er sagt, künftig werde „jeder Autohersteller bidirektionales Laden anbieten, weil es einfach eine vergleichsweise extrem günstige Zusatzfunktion eines jeden Fahrzeugs ist“. Damit eröffnen sich auch Möglichkeiten, um Netzdienstleistungen zu erbringen, die finanziell durchaus attraktiv sind: „Man kann jetzt schon durch zeitversetztes Laden die Preisschwankungen am Spotmarkt ausnutzen und bis zu 10 oder 20 Cent günstiger laden“, erklärt Piepenbrink. „Mit bidirektionalem Laden wird man diesen Strom zu ähnlich guten Konditionen auch wieder ans Haus zurückgeben können“, sagt er. In Politprojekten haben E-Autos aufs Jahr gerechnet so bereits knapp über 1000 Euro an Erlösen erzielen können. Allerdings hinken Politik und Regulatorik noch hinterher: „Die Grundfrage, wie das Haus oder das Auto mit dem Netz Geld verdienen und wie Autos die Energiewende netzdienlich voranbringen können, ist noch nicht beantwortet“, räumt der CEO ein.
Quelle: PV Magazine – Bidirektionales Laden mit Photovoltaik-Heimspeichersystem kommt ab 2023
Diese Entwicklung wird sehr interessant. Das Stromnetz wird stabiler und die Autos werden im Stand Geld verdienen. Der VW Konzern hat anscheinend die Autos auf die neue Norm hin ausgelegt, bin gespannt, ob andere Hersteller ihre grundsätzlich einspeisfähigen Modelle normgerecht updaten können.
Solange die allermeisten Autohersteller nur die „Gleichstrom-Billig-Variante“ der Rückspeisung (DC-V2G) anbieten, werden die Kosten für die zusätzlich notwendige Wechselspannungs-Wandlung dem Fahrzeughalter auferlegt (für jeden Standort des Fahrzeugs erneut, [z.B. Zuhause und am Wochenendgrundstück oder auch am Arbeitsplatz]).
Sinngemäß dazu z.B. Sebastian Böttger:
Die hohen Einrichtungskosten machen DC-V2G für private Nutzer eher unwirtschaftlich.
Dank chademo und etwas Bastelgeschick als Elekrotechniker hat unser iON Baujahr 2012 schon nächtens Strom abgeben müssen. Als er 2020 einer Dachlawine zum Opfer fiel hängt seine Batterie, gepaart mit 22kwh BYD im Keller an der Wand. Die Batterie hat inzwischen mehr als 1700 Vollzyklen und immer noch 82% Kapazität.
Jeder der hier Angst um seine Batterie wegen ein wenig Netzbalance hat darf beruhigt sein!
Edit: Typo entfernt
Mit einem Elli-Abo könnte man für momentan 35 Cent an Ionity laden und den Strom nach Hause bringen, sofern der heimische Tarif höher ist. Interessant!
Mein Hyundai kann das als erstes Auto schon. Für Strommangellagen habe ich mir beim Haus eine Steckdose montieren lassen und einen Umschalter. So kann ich die 77 KWh des Autos zur Notstromversorgung des Hauses nutzen.