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Lieferdienste werden elektrisch – Wandel findet statt

Stefan GrundhoffbyStefan Grundhoff
25. Januar 2023
Lesedauer: 4 Minuten
Stefan GrundhoffbyStefan Grundhoff
25. Januar 2023
Lesedauer: 4 Minuten

© Abbildung(en): Deutsche Post / StreetScooter

Home Elektroauto News 2022

Auch wenn die Elektromobilität bei Privatkunden immer mehr an Fahrt aufnimmt. Noch schneller vollzieht sich der Wechsel hin zum Stecker bei den Lieferdiensten. In den Metropolen sind immer mehr Paketwagen mit Elektroantrieb unterwegs.

Der Trend scheint nicht aufzuhalten, denn nicht nur in Europa surren sich immer mehr Post- und Lieferdienste elektrisch durch Wohnsiedlungen, Innenstädte und Gewerbegebiete. Der mächtige US Postal Service verkündete jüngst, die Zahl der gekauften Elektrolieferwagen auf mehr als 25.000 Fahrzeuge zu verdoppeln. Die Deutsche Post / DHL betrieb seit 2019 mit seinen selbst entwickelten und in Eigenregie produzierten 10.000 Street-Scooter-Fahrzeugen sowie rund 12.000 E-Bikes / E-Trikes eine der größten Elektroflotten in Deutschland.

Doch die in Eigenregie entwickelten und gefertigten Street Scooter floppten. Brennende Akkus, hohe Produktions- und Unterhaltskosten sorgten dafür, dass DHL aus dem elektrischen Transportergeschäft wieder ausstieg und die Fertigungsrechte schließlich an ein Luxemburger Konsortium verkaufte. Bis 2023 will DHL sieben Milliarden Euro in eine klimaneutrale Logistik investieren. Mehr Erfolg soll der Street Scooter Gigabox bringen, der in seinen zwölf Kubikmetern Laderaum bis zu 240 Pakete transportieren kann – natürlich elektrisch.

Liefergigant Amazon ist weltweit nicht nur mit 1.800 Vans der Mercedes-Modelle eVito und eSprinter unterwegs, sondern hat zusammen mit dem amerikanischen Elektroautostart-Up Rivian einen eigenen Lieferwagen entwickelt. „Wir brauchen weiterhin Innovationen und Partnerschaften mit Automobilherstellern wie Mercedes-Benz, um den Transportsektor zu dekarbonisieren und die Klimakrise zu bekämpfen“, erläutert Jeff Bezos, Gründer und CEO von Amazon, „die Erweiterung um 1.800 elektrische Lieferfahrzeuge ist ein weiterer Schritt auf unserem Weg zum Aufbau der nachhaltigsten Transportflotte der Welt, und wir werden uns beeilen, diese Fahrzeuge noch in diesem Jahr auf die Straße zu bringen.“

Der US-Liefergigant hatte 2019 zunächst 100.000 der Lieferfahrzeuge bestellt, die den offiziellen Namen EDV – Electric Delivery Van – tragen und bis Ende 2024 ausgeliefert werden sollen. Der Rivian Commercial Van ist als Monoachs- oder Allradantrieb zu bekommen und hat ein Ladevolumen von 12.700 bis 25.000 Litern sowie Nutzlasten zwischen 890 und 2.400 Kilogramm. Sein Wendekreis liegt bei 16,70 Metern. Die elektrisch angetriebenen Modelle sind über ein eigenes Flotten-Betriebssystem für maximale Effizienz und Kostenoptimierung miteinander sowie der Zentrale verbunden.

Amazon hält selbst 20 Prozent der Rivian-Anteile. Gefertigt werden die EDV im Rivian-Stammwerk in Normal / US-Bundesstaat Illinois. Das erste Modell, das nunmehr mit einer Handvoll Fahrzeuge in Kalifornien in Dienst gestellt wurde, ist der Rivian EDV 700 mit einem Ladevolumen von 700 Kubikfuss, umgerechnet knapp 20.000 Litern Stauraum. Die maximale Reichweite des elektrischen Lademeisters sind 320 Kilometer. Nachgeladen werden kann mit Geschwindigkeiten bis zu 150 kW. Ab Mitte dieses Jahres soll der Rivian Delivery Van auch für andere Flottenkunden zu bestellen sein; die Auslieferungen sind dann ab Anfang 2023 angedacht.

DHL- und UPS-Gegner FedEx hat sich als reiner Paketlieferdienst für die Modelle des Wettbewerbers Bright Drop, einer General-Motors-Tochter, entschieden. „Was Bright Drop auszeichnet, ist unser Ökosystem“ sagt Bright Drop CEO Travis Katz, „wir stellen nicht nur Elektrofahrzeuge oder Flottenmanagement-Software her. Wir bauen intelligente Lösungen, die den Warenverkehr einfacher und effizienter machen und gleichzeitig bessere Gemeinschaften für uns alle schaffen.“ Der Zevo 600 von Bright Drop ist ein vollelektrischer Transporter, der speziell für die Auslieferung von Waren und Dienstleistungen entwickelt wurde. Er bietet eine elektrische Reichweite von über 400 Kilometern mit einer Akkuladung und kann 250 Kilometer pro Stunde nachladen, was für kurze Standzeiten sorgt.

Auch wenn man es dem Transport-Koloss nicht ansieht, ist der Transporter mit einem Ladevolumen von fast 17.000 Litern auf der gleichen GM-Ultium-Plattform wie der Cadillac Lyriq unterwegs. Gefertigt wird er im kanadischen CAMI-Werk. Technisches Highlight ist die Bright-Drop-Softwareplattform, die für eine Optimierung der Geschäfts- und Flottenabläufen sorgt, indem sie Kunden die Möglichkeit bietet, die Standortdaten ihrer Fahrzeuge in Echtzeit zu sehen, den Batteriestatus zu überwachen, Fernbefehle auszuführen, Ladevorgänge zu verwalten und Over-the-Air-Updates zu erhalten.

Ford hat jüngst seinen elektrischen Transit, eines der erfolgreichsten Transportfahrzeuge Europas vorgestellt. Zudem erprobt der Autobauer aus Dearborn / Michigan zusammen mit dem Paketdienst Hermes nicht nur den Einsatz von elektrischen Fahrzeugen, sondern auch die Kombination mit Fußgängerkurieren, um die Zustellung von Paketen schneller und nachhaltiger zu gestalten. Die Sendungsübergabe von den Lieferfahrzeugen an Fußgängerkuriere wird über MoDe:Link koordiniert – eine cloudbasierte Routing- und Logistiksoftware, die von Ford entwickelt wurde. Gewährleistet wird ein sicheres Anhalten des Fahrzeugs sowie ein optimaler Übergabepunkt an die jeweiligen Fußgängerkuriere, um ihnen unnötig lange Wege bis zur Anlieferadresse zu ersparen.

„Wir prüfen neue Initiativen, um Emissionen bei Lieferungen auf der letzten Meile zu reduzieren. Damit reagieren wir auch auf die wachsende Anzahl von Umweltzonen in Städten sowie neue Rechtsvorschriften in vielen Kommunen. Das augenblicklich erprobte Betriebsmodell lässt sich bei Bedarf problemlos ausbauen, um einerseits eine steigende Nachfrage zu erfüllen und andererseits neue Arbeitsplätze zu schaffen für Kuriere, die kein Fahrzeug mehr fahren oder besitzen müssen“ – Carl Lyon, Chief Operating Officer von Hermes UK

Die amerikanische Umweltschutzbehörde EPA hat den Paketdienstleister UPS jüngst mit dem Smart Way Excellence Award ausgezeichnet. Die Auszeichnung würdigt Branchenführer in Sachen Umweltleistung und Energieeffizienz der Frachtlieferkette. UPS wurde für sein Engagement beim Einsatz alternativer Kraftstoffe und fortschrittlicher Technologien zur nachhaltigen Verbesserung von Transport sowie für seine Transparenz bei der Berichterstattung zu Emissionsreduzierungen anerkannt.

„Als eines der weltgrößten Logistikunternehmen ist UPS weiterhin entschlossen, in den Bereichen Umwelt, Soziales und Governance führend zu sein,“ erläutert Carlton Rose, bei UPS für das Flottenmanagement verantwortlich. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre hat UPS mehr als eine Milliarde US-Dollar in Fahrzeuge mit alternativen Kraftstoffen und fortschrittlicher Technologie investiert. Das Unternehmen ist der größte Nutzer von erneuerbarem Erdgas in der Transportbranche und verfügt über eine Flotte von mehr als 11.000 spezialisierten Fahrzeugen weltweit, die mit alternativen Kraftstoffen und fortschrittlicher Technologie betrieben werden. Neben dem Kauf von weiteren 6.000 Erdgas-LKW will UPS 10.000 Elektrofahrzeuge vom britischen Technologie-Startup Arrival in seine Flotte integrieren.

Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff ist Firmeninhaber und Geschäftsführer von press-inform und press-inform consult. Er ist seit frühester Kindheit ausgemachter Autofan. Die Begeisterung für den Journalismus kam etwas später, ist mittlerweile aber genau so tief verwurzelt. Nach Jahren des freien Journalismus gründete der Jurist 1994 das Pressebüro press-inform und 1998 die Beratungsfirma press-inform consult.

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7 Comments
David
David
3 Jahre zuvor

Hier geht es dieses Jahr richtig los.

Im Kern muss man der Deutschen Post vorwerfen, zu früh gewesen zu sein. Und das Produkt war weder als als Lieferfahrzeug noch als Elektroauto ein gutes Gerät. Man sieht es ja an Lieferfahrzeugen der Konkurrenz, die Ein- und Ausstieg sowie Öffnen und Verschluss des Fahrzeugs automatisieren. Das ist ein Mehrwert auch für den Fahrer. Weder Reichweite noch Klimatisierung sind ein Problem. So nimmt man die Fahrer mit.

Aber die deutsche Post ist ein gutes Lehrstück wie man es nicht macht, für alle anderen Logistikdienste, die jetzt veritable Produkte als Auslieferfahrzeug vor dem Start haben. GM, Ford und Mercedes sind dabei. Jetzt muss der VW-Konzern auch mal an große Partnerschaften gehen. Von den Start Ups ist nur Rivian dabei. Tesla macht nix. Bereitet die Auslieferung des Model S von 2012 vor…

Zuletzt bearbeitet am 3 Jahre zuvor von David
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brainDotExe
brainDotExe
3 Jahre zuvor

Ich fand das Vorgehen der Post/DHL damals sehr gut und sinnvoll. Das ständige stoppen und anfahren geht beim Verbrenner enorm auf den Verschleiß.

Dann hatte man fast die ganze Flotte, selbst hier auf dem platten Land, umgestellt und dann steigt Amazon als größter Kunde aus und liefert selber, aber mit gemieteten Dieselfahrzeugen…

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