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Wie es um den europäischen Batteriemarkt steht

Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
9. Januar 2023
Lesedauer: 3 Minuten
Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
9. Januar 2023
Lesedauer: 3 Minuten

© Abbildung(en): shutterstock / 2194135123

Home Elektroauto News 2023

Der Umfeldbericht zum europäischen Innovationssystem Batterie 2022 ist nun erschienen. An ihm wirkten Wissenschaftler:innen der Fraunhofer-Institute IPT und ISI, der Lehrstuhl Production Engineering of E-Mobility Components (PEM) der RWTH Aachen und der Fraunhofer-Einrichtung Forschungsfertigung Batteriezelle FFB mit. Im Fokus des Berichts (hier verlinkt als PDF) stehen die aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen des europäischen Batteriemarktes, die in vier Kapiteln gegliedert in die verschiedenen Industriefelder der Batteriezellproduktion beleuchtet werden – von der Rohstoffgewinnung, Materialherstellung und Recycling, über den Maschinen- und Anlagenbau und Messtechnik hin zur Zellherstellung. Außerdem werden die Möglichkeiten der Fraunhofer FFB als Transfereinheit zur schnelleren industriellen Einsatzfähigkeit von Prozesstechnologien nachvollzogen.

In den letzten Jahren hat sich die Batterieindustrie zu einem der Schlüsselzulieferer für viele Branchen entwickelt. Mit der steigenden Nachfrage nach mobilen Energieträgern wächst weltweit auch die Zahl an Akteuren entlang der Batteriewertschöpfungskette. Es lässt sich eindeutig ein Wandel der Mobilitätsbranche beobachten. Ob bei der Gewinnung von Rohstoffen, Produktion von Komponenten, der Zellformierung oder der Batterieintegration: der Einfluss dieser Transformation macht sich global auf allen Wertschöpfungsstufen bemerkbar.

Aufgrund des stetig zunehmenden Ausbaus der Elektromobilität enden viele der Wertschöpfungsketten in Europa, da viele Hauptakteure der Automobilindustrie hier ansässig sind. Das stärkt den hiesigen Markt für Batterieintegration und Recycling. Trotzdem lässt sich hier auch in den der Batterienutzung vorgelagerten Schritten Umsatzwachstum beobachten.

Auf der Suche nach Rohstoffquellen in Europa

Steigende Rohstoffpreise und das Ziel nachhaltig zu produzieren, haben den Trend ausgelöst, dass zunehmend auch europäische Rohstoffquellen gesucht werden, um Batteriezellen herzustellen. Diese bieten eine Reihe von Vorteilen, wie zum Beispiel eine kostengünstige und umweltfreundlichere Produktion, eine schnellere Lieferung sowie Versorgungssicherheit und die Möglichkeit, regionale Wertschöpfungsketten zu schaffen. Zudem hat die Knappheit an Primärrohstoffen sowie Bestrebungen zur Errichtung einer Kreislaufwirtschaft für die Batteriezellfertigung in Europa die Notwendigkeit erhöht, Sekundärrohstoffe aus dem Recycling zu gewinnen, welche in vielen Fällen als Zusätze der Zellfertigung beigefügt werden können. Dementsprechend lässt sich im Re-X Bereich eine Vielzahl an Aktivitäten aus Kooperationen von OEMs, etablierten Technologieunternehmen und etablierten Recyclingunternehmen auf dem europäischen Markt verzeichnen.

Die Batterieherstellung erfordert eine industrielle Anlagentechnik, die den hohen Anforderungen hinsichtlich des Durchsatzes, der Prozessqualität und des Automatisierungsgrades gerecht werden kann. Durch die steigende Nachfrage nach Lithium-Ionen-Batterien aus dem Mobilitätssektor, aber auch für stationäre Anwendungen, hat sich das Marktsegment in den letzten Jahren rasant entwickelt. Derzeit dominieren asiatische Unternehmen im Angebotsfeld der Anlagentechnik die Versorgung des globalen Marktes für Batteriezellfertigung. Im Bericht wird darauf eingegangen, wie die europäische Branche dieser Situation durch Innovation und durch die Berücksichtigung von Trends und europäischen Vorgaben begegnet.

20 Gigafactories in Europa

In den letzten Jahren hat die Zellfertigung in Europa an Fahrt aufgenommen. Bis 2030 sollen, laut Ankündigungen, 20 neue Gigafactories europäischer und außereuropäischer Betreiber in Europa errichtet werden. Die dort produzierten Batteriezellen finden ihre Anwendung insbesondere im Bereich der Elektromobilität. Daneben agieren Zellfertiger ohne direkte Verbindung zur Automobilbranche, die ihren Fokus auf besonders innovative oder nachhaltige Technologien legen. Das Entwicklungsstadium dieser Unternehmen reicht von der Vorhabensankündigung bis zur bereits gestarteten Produktion.

Die Innovationspfade der Fraunhofer-Einrichtung Forschungsfertigung Batteriezelle FFB zielen darauf ab, industrielle Partner in der Lösungsfindung von F&E-Herausforderungen zu unterstützen. Zu diesem Zweck werden Produktionslinien und Labore aufgebaut, die es möglich machen Technologien je nach Reifegrad und Passfähigkeit zum passenden Skalierungsgrad der Fertigung zu untersuchen. Neben der physischen Infrastruktur werden digitale Zwillinge der Zellfertigungen die Daten bündeln, weiteres Prozessverständnis zu generieren und somit einen Beitrag leisten technologische Entwicklungszeiten zu beschleunigen.

Das Projekt „FoFeBat“ und der Beitrag Fraunhofers zur Batterieforschung

Die Studie wurde im Rahmen des durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF geförderten Projekts FoFeBat erstellt. Ziel des Projekts ist der Aufbau der Forschungsfertigung Batteriezelle FFB in Münster, einer Fraunhofer-Einrichtung, die Forschung und Entwicklung an der Batteriezellproduktion bis in den GWh-Maßstab ermöglichen wird. Die Fraunhofer FFB wird insbesondere Technologien hoher Reife (ab Prototypenstadium) aufgreifen und bis zur industriellen Anwendbarkeit skalieren.

Der gemeinsam von den Fraunhofer-Einrichtungen und -Instituten FFB, IPT und ISI sowie dem Lehrstuhl PEM der RWTH Aachen angefertigte Umfeldbericht gibt einerseits einen Einblick in Trends und Herausforderungen des europäischen Batteriemarktes. Andererseits werden darin gleichzeitig wichtige F&E-Themen benannt, die von der Fraunhofer-Gesellschaft oder anderen Akteuren im Bereich der F&E-Landschaft des Batteriebereichs bearbeitet werden. Die Ergebnisse des Berichts, insbesondere der Blick auf Entwicklungen in der Industrie, sollen für die weitere Ausrichtung der Fraunhofer FFB genutzt werden und unterstützen das entstehende und auf die Batterieindustrie in Deutschland und Europa ausgerichtete Angebot.

Quelle: Fraunhofer FFB – Pressemitteilung vom 02.01.2023

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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9 Comments
Daniel W.
Daniel W.
3 Jahre zuvor

Für mich muss die komplette Wertschöpfungskette bei E-Auto ohne China auskommen, sonst sind wir in der EU erpressbar und der Krieg Chinas gegen Taiwan nahezu unausweichlich. Was wiederum eine Gefahr für die USA ist, die im Grunde unser Schutz gegenüber Russland und seinen Eroberungsabsichten ist.

So „billig“ die E-Autos, Akkus und andere Teile aus China auch sein mögen, am Ende dürfte dieses „Geiz ist geil“ uns sehr teuer zu stehen kommen und den Frieden, die Freiheit sowie die Demokratie in Europa massiv gefährden – wollen wir wirklich einen so hohen Preis für „billige“ Autos und Akkus bezahlen?

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Antworten anzeigen (6)
Roman L.
Roman L.
3 Jahre zuvor

Ist diese Debatte nicht sowieso hinfällig, da Europa das Wasserstoff-Mekka Nr1 ist?
Wir fahren bald alle damit und im Winter machen wir daraus Strom+Abwärme. (Ironie off )

3
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Matthias Geiger
Matthias Geiger
3 Jahre zuvor

Die EU muss sehr schnell „erwachsen“ werden, ansonsten werden wir ein Spielball von China und Russland und den Wahlausgängen der USA. Wir müssen wirtschaftlich autark werden und unsere Demokratie auch gegen innere und äußere Feinde auch gegen die Lobby Industrie schützen.

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