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Mercedes-Benz: „E-Autos müssen Teil des Energienetzes werden“

Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
17. Januar 2023
Lesedauer: 3 Minuten
Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
17. Januar 2023
Lesedauer: 3 Minuten

© Abbildung(en): Artur_Nyk / Shutterstock.com

Home Automobilindustrie

Mercedes-Benz-Entwicklungsvorstand Markus Schäfer sprach in einem Interview ausführlich über den vor wenigen Wochen vorgestellten Plan des Autoherstellers, ein weltweites Ladenetzwerk für Elektroautos aufzubauen. Aber die Vorhaben, um die E-Mobilität voranzubringen, reichen noch viel weiter, wie Schäfer erklärt.

„Um Elektromobilität nach vorn zu bringen, reicht es nicht aus, nur tolle E-Autos anzubieten“, sagt Schäfer. „Der Kunde möchte ein gesamtheitliches Erlebnis, das zu unserer Marke passt“, schiebt er nach. Und um beim Thema Erlebnis Laden Geschwindigkeit aufzunehmen, hat der Hersteller beschlossen, Geld zu investieren. Viel Geld: „Allein in Nordamerika sind es eine Milliarde Dollar für rund 400 Stationen, die wir mit unserem Energiepartner MN8 bis Ende 2027 investieren“, erklärt der Mercedes-Vorstand. Für das Schnellladenetzwerk vorgesehen seien 350-kW-Ladesäulen, „mit der Option eines Upgrades auf 500 kW“, so Schäfer.

Das Ziel seien weltweit 2000 Stationen mit mehr als 10.000 Ladepunkten. Zu der Milliarde Dollar in den USA dürfte also noch eine Handvoll Milliarde Dollar mehr hinzukommen, bis das globale Ladenetzwerk fertig aufgebaut ist. An der Beteiligung am europäischen Ladenetz Ionity werde das eigene Engagement nichts ändern: „Wir halten an unserer Beteiligung fest und gehen bei der weiteren Finanzierung mit den übrigen Anteilseignern mit“, erklärt Schäfer, der „sehr zufrieden mit der Entwicklung bei Ionity“ sei. Auch die bereits gut eine Million Ladepunkte, die Mercedes-Benz über Verträge in seinem Roaming-Netzwerk gebündelt hat, bleiben bestehen. All dies sei „eine gute Ergänzung zu dem jetzt geplanten eigenen Ladenetzwerk“.

Exklusiv für Mercedes-Benz-Fahrer soll das eigene Netzwerk aber nicht sein, so Schäfer. Jeder soll dort laden können. Der Hersteller suche bewusst nach „Premium-Standorten“, so der Entwicklungsvorstand, wo es etwa bereits Gastro-Angebote sowie Toiletten gibt. „In den USA haben wir bereits Standorte an hochwertigen Einkaufszentren ausgewählt“, nennt Schäfer als Beispiel. Auch in Deutschland soll es bald losgehen, erste Ladeparks sollen noch „im Laufe des Jahres 2023“ öffnen. Die Standorte habe der Hersteller bereits „im Auge. Die genauen Orte kommunizieren wir noch nicht, weil es einen Run der Wettbewerber auf die besten Plätze gibt“, erklärt Schäfer.

Geplant seien „überdachte und beleuchtete Flächen, die von Kameras überwacht werden“. Bei den Schnellladesäulen habe sich der Autohersteller für Chargepoint entschieden, „einen Qualitätsanbieter von Schnellladern“, so Schäfer, dem es „um hohe Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit und korrekte Abrechnung der Ladevorgänge“ geht. Dass an den Säulen Ökostrom in die Akkus fließt, versteht sich von selbst. „Wir haben viele Gespräche mit Energieerzeugern in Europa geführt“, sagt der Mercedes-Vorstand hierzu.

Der 360-Grad-Ansatz von Mercedes-Benz

Außerdem ist der Autohersteller bereits selbst in die Energieerzeugung eingestiegen, und baut unter anderem eigene Windräder auf seinem Teststrecken-Gelände in Papenburg sowie einen Offshore-Windpark in der Nordsee. Unterstützt durch Photovoltaik-Anlagen auf den Fabrikdächern will Mercedes-Benz „mittelfristig die Hälfte der Energie, die wir in der Produktion benötigen, selbst erzeugen“, erklärt Schäfer.

Mercedes-Benz habe sich bewusst „für einen 360-Grad-Ansatz bei der Elektromobilität entschieden, weil in vielen Bereichen die passenden Angebote fehlten“, so der Entwicklungsvorstand: „Wir decken inzwischen von der Rohstoffförderung in Minen über die Zellproduktion bis hin zur Fahrzeugproduktion alles ab“. Weitere „Puzzlestücke“ seien das Ladenetz und auch das Batterie-Recycling.

Als nächstes stehe auch das Thema bidirektionales Laden an, welches der Hersteller in Japan bereits anbietet. „In Europa bestehen noch einige regulatorische Themen beim Einspeisen in öffentliche Netze, die geklärt werden müssen“, so Schäfer. Klar aber sei, dass E-Autos „Teil des Energienetzes werden müssen“. Ein weiteres Puzzlestück also beim 360-Grad-Ansatz.

Quelle: Golem – „Nur tolle E-Autos reichen nicht aus“

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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11 Comments
Johann
Johann
3 Jahre zuvor

Gut gesprochen. Ich denke auch, das ist alternativlos. Einfacher und preiswerter kann man ein Netz nicht stabiler und sicherer machen. PKW stehen 95 % der Zeit. Zusammen mit dem induktiven Laden, wo man gar nicht mehr weiß, ob man gerade angeschlossen ist oder nicht, werden uninteressierte Nutzer in 20 Jahren gar nicht mehr wissen, dass sie gerade mit ihrem Auto Teil des Netzes sind.

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Martin G
Martin G
3 Jahre zuvor

Sono Motors wird mit dem Sion Bidirektionalität anbieten. Hoffe die SaveSion Kampagne wird erfolgreich.

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rotzlöffel
rotzlöffel
3 Jahre zuvor

Dann muss der Hersteller aus The LÄND seine E-Karren zu massenkompatiblen Preisen anbieten.Sonst: Nur ein wohlfeiles Lippenbekentnis.

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Daniel W.
Daniel W.
3 Jahre zuvor

Für mich sind die großen E-Autos mit den großen Akkupacks in Zukunft ideale Ökostromspeicher auf den großen Parkplätzen am Stadtrand, wo sie langsam auf Ziegelsteinen aufgebockt vor sich hin rosten.

Und wenn die vielen großen alten E-Autos nicht mehr bewegt werden, dann kann man sie eng an eng stellen, den Parkplatz mit PV-Anlagen überdachen und die Innenräume der E-Autos den Obdachlosen überlassen.

Was für eine großartige E-Auto-Zukunft für Mercedes – größster Parkplatzbetreiber für Second-Life-Akkupacks, Ökostromproduzent und sozialer Wohnungsbau auf nur 10 m² – die Aktionäre wird es freuen.

Soweit meine satirische Betrachtung der Zukunft von Mercedes und großen E-Autos – Klimawandel sei Dank.

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panib
panib
3 Jahre zuvor

400 Ladestationen in den USA. Na super. Damit kann jeder Mercedesfahrer davon ausgehen, dass er in 500 bis 800 km (?) Entfernung eine Mercedes Ladesäule anfahren kann. In der kleinen Schweiz sähe das schon anders aus. Aber bei uns ist es mit Ionity ja nicht anders. Ich komme auf meinen potentiell zu fahrenden Strecken nicht annähernd zurecht, wenn ich bei meiner Ladeplanung ’nur Ionity Ladesäulen‘ als Filter setze.

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