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Ein Jahr unterwegs im Hyundai Kona elektro

RedaktionbyRedaktion
5. Mai 2020
Lesedauer: 6 Minuten
RedaktionbyRedaktion
5. Mai 2020
Lesedauer: 6 Minuten

© Abbildung(en): Jürgen Baumann / Kleine Pause in den Sommerferien in Südtirol kurz vor dem Umbrail Pass in Graubünden

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Es ist eine Sache über Entwicklungen aus der Welt der E-Mobilität zu berichten. Eine andere sind ausführliche Testberichte und Eindrücke, welche nicht nur wir, sondern auch unsere Leser mit ihren E-Autos gesammelt haben. In diesem Fall Jürgen, welcher auf ein Jahr mit seinem Hyundai Kona elektro zurückblickt. Seine Erfahrungen, Eindrücke und subjektive Meinung zum Stromer von Hyundai haben wir nachfolgend für euch aufbereitet.


Wir erhalten unseren Kona elektro, bestellt im November 2018. Wir können nun unseren BMW i3 REX zurückgeben, den wir seit Mai 2016 für drei Jahre im Leasing gehabt haben. Ein paar wenige technische Daten des «Neuen» zuerst – auch im Vergleich zum i3:

  1. Länge: 4.18 m (20 cm länger als unser BMW i3)
  2. Breite: 2.07 m (mit Aussenspiegeln – wie beim i3)
  3. Höhe: 1.57 m (etwas weniger als beim i3)
  4. Leergewicht: 1.8 Tonnen – i3: 1.27 Tonnen
  5. Leistung: 150 kW – i3: 125 kW
  6. Reichweite: 449 km – i3: 150 km
  7. 0 auf 100 km/h: 7.6 s (i3: 7.9 s)
  8. Maximal 170 km/h (i3: 150 km/h)
  9. Preis: praktisch identisch mit kleinen Vorteilen für den Kona (ca. 50 kCHF), aber viel besserer Ausstattung.

Wir nutzen gleich die Gelegenheit, um über den 1. Mai ein paar Tage Ferien am Genfer See zu machen. Wir müssen uns an ein paar Besonderheiten gewöhnen, aber das geht schnell. Zum Beispiel, dass wir das Paddel links am Lenkrad ziehen müssen, bis der Wagen definitiv zum Stillstand kommt. Sonst rollt er am Ende der Rekuperation mit ca. 5 km/h weiter. Oder das «Auto Hold» bei jeder Fahrt neu aktiviert werden muss. Dann fährt er nicht automatisch wieder an, wenn man den Fuss von der Bremse nimmt. Aber das sind Kleinigkeiten.

Wir sind 675 km in Richtung Romandie und retour gefahren über die Strecke Wallisellen – Bulle – Mont Pelerin (1000m) – Cully – Grandvaux – Blonay – Les Pleiades (1300m) – Grandvaux – Cully – Vevey – Montreux – Grandvaux – Montreux – Broc – Gruyere – Wohlen bei Bern – Wallisellen.

Davon ist die Hälfte Autobahn und wir dort sind wir mit der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h gefahren. Die Heizung war auch an, weil die Aussentemperaturen so zwischen 10 und 15°C lagen. Überraschendes Ergebnis am Ende: 14.1 kWh auf 100 km. Das ist sogar 1 kWh weniger als der gemessene Durchschnitt des BMW i3 REX von 15.065 kWh/100 km über 35’090 km.

Ferien in Südtirol mit dem Hyundai Kona elektro

Kostenloses Aufladen hingegen war in den Ferien in Südtirol die Regel. Nur auf der Hinfahrt in Davos am Schnell Lader haben wir bezahlt (CHF 5.75 für 13.2 kWh), als wir eine Pause für einen Halt für einen Café gemacht haben. Der Rest war gratis in unseren Hotels. Wir sind selten unter 60% Akku Ladung gefallen. Die gesamte Strecke von 1’577 km haben wir mit 11.9 kWh/100 km absolviert. Es war alles dabei, was den Mix interessant macht – Autobahn Schweiz und Italien – Pässe Flüela (2383 m – 2x), Ofen (2149 m – mehrfach), Umbrail (2501 m) und Stilfserjoch (2757 m) – Klimaanlage in der Ebene der Etsch bei 30°C – 2 Personen mit Gepäck für 14 Tage – und natürlich haben wir aus Südtirol auch noch etwas mitgebracht.

Jürgen Baumann

Wir haben total 187.7 kWh gebraucht (accu to wheel). Die Strecke zurück aus der Gegend von Bozen von 340 km haben wir ohne zu Laden absolviert. Dabei sind wir mit 94% Akkuladung gestartet, damit uns nicht die Rekuperation beim Bergab fahren abhanden kommt. Angekommen sind wir mit 188 km Restreichweite und 39% Ladung. Da kann man nicht meckern. Machen wir auch nicht.

Zu viert auf Verwandtenbesuch Richtung Göppingen und Heidenheim

Zusammen mit unseren beiden erwachsenen Kindern sind wir zu einem großen Familientreffen nach Göppingen gefahren. Der grösste Teil war Autobahn und hier konnte der Kona auch mal zeigen wie schnell er mit vier4 Personen an Bord plus Gepäck für das Wochenende auf der Autobahn fahren kann. Bei der Anzeige «178 km/h» ist Schluss und er regelt ab. Bis dahin zieht er sehr gut durch.

Jürgen Baumann

Angegeben ist er mit maximal 170 km/h. Das passt also recht gut. Die gefahrenen Kilometer haben wir am Ende mit 15.2 kWh/100 km absolviert bei recht hohem Tempo auf der deutschen Autobahn. Wir laufen mit 23% Akku wieder zu Hause ein. Unterwegs haben wir einmal an einem gratis CCS nachgeladen.

Vier-Tages-Tour Grischuna und Ticino mit vier Personen und Gepäck

Die Strecke geht zunächst an Chur vorbei nach Thusis, dann über den Julierpass zuerst nach Muottas Muragl zur Standseilbahn. Dann übernachten wir in Pontresina. Danach geht es dann via Maloja Pass, Chiavenna und Comer See in Richtung Lugano und dann nach Ascona. Dort übernachten wir zwei Mal und machen einen Ausflug ins Versazca Tal nach Sonogno, bevor wir wieder über den Gotthardpass und die Axenstrasse und Brunnen am Vierwaldstätter See wieder zurückfahren. Der Verbrauch lag für diesen Ausflug bei 13.0 kWh / 100 km.

Jürgen Baumann

Wöchentliche Ablesungen – ein wenig Statistik

Mit der Übernahme des Fahrzeuges wurde eine wöchentliche Statistik geführt. Je besser wir den Kona kannten, desto mehr Daten wurden erhoben. Nach den Ablesungen wurden die Werte jeweils wieder auf «0» zurückgesetzt. Die kumulierten Durchschnittswerte wurden im einem EXCEL Blatt aus den wöchentlichen Ablesungen errechnet.

Wo stehen wir nach einem Jahr?

Zunächst einmal: «Wie war der Verbrauch?»

Hier messen wir «accu to wheel» aus der Anzeige des Bord­computers – also ohne Ladeverluste. Vom 29. April 2019 bis zum 3. Mai 2020 waren wir insgesamt 11’985 km unterwegs. Im Sommer fuhren wir mit den gelieferten Sommerreifen der Original Ausrüstung. Winterreifen wurden am 16. Oktober 2019 montiert. Dann am 14. April 2020 haben wir wieder auf die Sommerreifen gewechselt.

In dieser Zeit haben wir gemäß Berechnung 1’603 kWh für das Fahren verwendet (accu to wheel). Das entspricht 13.4 kWh/100 km oder pro kWh kommen wir 7.438 km weit. Die Herstellerangabe nach WLTP liegt bei 15.4 kWh/100 km – mit Ladeverlusten. Eine Angabe rein zum Verbrauch beim Fahren incl. Elektronik liegt bei 14.3 kWh/100 km. Wir sind also recht effizient unterwegs, trotz Ausflügen in die Berge und Fahrten auf Autobahnen. Wir haben im Schnitt diese Fahrmodi gehabt: Eco 95.02%, Comfort: 4.72%, Sport: 0.19%.

Jürgen Baumann

Interpretation: Nach einer Eingewöhnungsphase sank der kumulierte Verbrauch (grüne Linie) auf unter 13 kWh/100 km. Im Herbst und Winter stieg er wegen der Nutzung der Heizung und des Wechsels auf die Winterreifen wieder an. Nach einem vollen Jahr liegen wir nun bei 13.44 kWh/100 km. Rote Punkte markieren den Zeitpunkt des Reifenwechsels.

Jürgen Baumann

Interpretation: Aus der Angabe der Restreichweite und der verbleibenden Akku Ladung wurde auf die Reichweite bei 100% hochgerechnet. Es ergeben sich für den Winter: 400+km, Herbst und Frühling 450+ km, Sommer 500+ km. Durchschnitt: 469 km, minimal 367 km, maximal 579 km. Die WLTP Angabe des Herstellers liegt bei 449 km.

Kosten im Alltag / Unterhalt

Eigentlich fallen dieser nur an, wenn wir unterwegs an eine Ladestation müssen. Zu Hause kann ich im Niedertarif für 15 Rappen die kWh laden. Da mein Arbeitgeber das Laden auf dem Firmengelände noch gratis anbietet und wir in der näheren Umgebung auch fünf gratis CCS Ladestationen von 20 bis 50 kW haben, musste ich nur 5.2% der Energie zu Hause laden. Der Rest entfiel auf Ladestationen ohne Kosten beim Arbeitgeber, in Hotels oder anderen Gratisladestationen.

Einige wenige Male haben wir auch an kostenpflichtigen Ladestationen das Fahrzeug geladen. Da fielen insgesamt aber weniger als 100 CHF im ganzen Jahr an. Diese doch vorteilhafte Situation wird aber wohl bald ändern. Das Fahrzeug ist von der Motorfahrzeug Steuer befreit. Einzig die Emissionsplaketten für Deutschland und Frankreich schlugen mit total ca. 25 CHF zu Buche. Das ist zwar nicht verursachergerecht, denn eigentlich müssten die Verbrenner das für die Elektrofahrzeuge bezahlen – wir emittieren ja nichts. Aber unter 100 CHF rege ich mich grundsätzlich nicht auf.

Jetzt freuen wir uns auf die nächsten beiden Jahre im Kona elektro. Wir planen für dieses Jahr noch Reisen mit betterplanettours.ch durch die französischen Alpen Mitte Juli und nach Nord-Italien im Oktober. Ob diese Reise stattfinden werden, steht noch in den Sternen. Es sieht derzeit eher nicht danach aus. Dann werden wir schauen, was das nächste elektrische Fahrzeug sein wird. Zurück zu den Verbrennern führt kein Weg mit deren komplizierten Behandlung, der Geräuschkulisse, unerwarteten Lastwechseln und dem «Luftanreicherungsrohr» auf der Höhe der Kinderwagen. Aus heutiger Sicht würden wir wieder einen Kona elektro nehmen – aber in zwei Jahren kann noch viel passieren. Wir sind gespannt.

Unser Fazit zum Hyundai Kona elektro

Wow! Gegenüber dem BMW i3 REX ein gewaltiger Sprung hinsichtlich Reichweite, Ausstattung und Assistenzsystemen. Dieser Sprung ist ähnlich groß, wie die Sprünge zwischen dem Think City, den wir im Jahr 2011 als Firmenflottenfahrzeug bekommen haben, und dessen Nachfolger BMW i3 REX.

Was wir weniger gut finden:

  1. Leider war noch keine App verfügbar gewesen für unser Model 2018. Der Nachfolger hat das.
  2. Etwas enge Beinfreiheit hinten – aber vertretbares Mass.
  3. Das man nach dem Starten immer wieder «Auto hold» einschalten muss.
  4. Ein drei-phasiger 11 kW Lader wäre gut gewesen, anstelle des einphasigen 7 kW Laders. Aber ehrlicherweise hätten wir den nicht so häufig benötigt. Im Sinne der symmetrischen Netzbelastung wäre das aber vorteilhafter. Der Nachfolger hat das.
  5. Noch keine Einigung von Hyundai mit dem Ionity Lade-Netzwerk.

Was wir gut finden:

  1. Der Hyundai ist ein Nasenlader – das ist für die Anfahrt zu externen Ladesäulen meist bequemer. In unserer Garage mussten wir die Ladestation versetzen. Aber die ist nun sowohl für Nasen- wie Hecklader vorbereitet.
  2. Die Lenkradheizung – im Winter eine großartige Sache.
  3. Die belüftbaren Sitze vorne fanden wir zu Anfang komisch, sind im Sommer aber sehr gut.
  4. Der grössere Kofferraum – kurze Ausflüge mit Übernachtung bis zu vier Tagen sind auch zu viert kein Problem. Zu zweit ohnehin nicht.
  5. Die Türen öffnen sich hinten wieder normal, anders als beim i3. Die sind zwar ein Hingucker, aber unpraktisch, wenn hinten jemand ein- oder aussteigen will.

Wovon wir überrascht wurden:

Hyundai schummelt mit den Angaben zur Effizienz. Der Wagen ist viel besser als auf dem Papier. Eine für uns neue, aber sehr angenehme Marketing Erfahrung. Applaus!

Redaktion

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37 Comments
Robert Holtz
Robert Holtz
6 Jahre zuvor

Mich stören noch die altbacknen Blinker und das Kurvenlicht, warum nicht gleich alles in LED?

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Hardy08
Hardy08
6 Jahre zuvor

Ein ganz toller, sehr praxisnaher, im wahrsten Sinne des Wortes Erfahrungsbericht. Das belegt E-Mobilität geht auch über Langstrecken !
Ich fahre seit 5 Jahren einen e-Up der natürlich nur eine begrenzte Reichweite hat, für den Nahverkehr reicht es aber. Der nächste wird wohl ein ID.3 mit mehr Reichweite werden.

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Jörg
Jörg
6 Jahre zuvor

Ich habe mich zwischen Kona und Tesla 3 entscheiden müssen. Warum Kona? Ich finde das Gesicht schöner, Preis/Reichweite ist unschlagbar und ich habe keine App, auf die ich beim Laden ständig schiele, anstatt mich zu entspannen. :-)

Der Kona ist jetzt 1 Jahr alt und hat 35’000 km. Mehrmals die Woche 300 km von Chur nach Luzern und zurück. Ausflüge nach Italien, Kroatien und Polen. Was ich als Nachteil empfinde:

– Das Schlimmste vorweg: Meine Frau will ihn nicht mehr hergeben. Sie liebt die Übersicht und die Beschleunigung.

– Der Spurhalteassistent hat kein Selbstvertrauen. Er macht einen sehr guten Job, aber reklamiert viel zu sensibel, obwohl ich das Lenkrad festhalte. Ist kein BEV Problem, aber kann auf den langen Strecken mühsam sein. Zum Glück ist das Radio lauter.

– Die Räder drehen für meinen Geschmack sehr schnell durch. Gemäss Trainer im Schleuderkurs liegt dies am fehlenden Gewicht vorne, wo sonst der Motor wäre. Im Schnee wäre der Tesla schon die bessere Wahl gewesen.

Aber das beste, die Software funktioniert! Einsteigen und losfahren. Ohne Abstürze und Updates!

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wolfgang kapeller
wolfgang kapeller
6 Jahre zuvor

ich fahre meinen KONA seit November 2018. inzwischen sind es 86000 km geworden, dovon xtausende Höhenmeter. der Verbrauch ist dank Rekuperation hier in den Bergen bei ca. 13kwh die reichweit jetzt im Sommer immer um die 510 km. Wartung bis jetzt so gut wie keine, bis auf den Frontkollissionsvermeidungsassistenten, der wegen einer minimalkollission ausfiel. Für mich ist es trotz einiger Scvhneekettenmontagen im Winter das beste E-Auto am Markt.

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Gerhard Toenneßen
Gerhard Toenneßen
6 Jahre zuvor

Ich fahre seit Februar 2019 einen Kona mit 64 KW, bin seitdem 28000 Km gefahren Durchschnittsverbrauch 12,6 kWh/ 100 Km, Inspektionskosten 95 Euro, gesamt Ladekosten 284 Euro. Einfach spitze!!!!
Ich kann den Bericht nur bestätigen, einen Verbrenner würde ich nicht mehr kauften.
Ich fahre auch des öfteren Langstrecke ( Düsseldorf -Berlin) und habe auch dabei nur gute Erfahrungen gemacht. Man braucht natürlich länger als mit dem Verbrenner, aber das stört mich nicht wirklich, da ich meistens noch kurz was esse Ca. 30- 40 Min. Der Wagen ist dann auch schon wieder vollgeladen.
Ein Tolles ausgereiftes Auto !!

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Rainer Koke
Rainer Koke
6 Jahre zuvor

Ich freue mich, das hier so gute Erfahrungen mit dem Kona gesammelt wurden. Ich bin selbst gespannt drauf. Leider wurde er defekt in der 18. Kw beim Händler angeliefert. Eine Auslieferung scheiterte. Hergestellt wurde der Kona in Tschechien. Da die Ersatzteillieferung des Onboardcharger erst Ende Juni Anfang Juli! avisiert wurde, soll jetzt spätestens bei der nächsten Lieferung von Konas in der 22. Kw ein Fahrzeugtausch stattfinden. Ich hoffe für die vielen anderen Kona electric Fahrer, dass so ein Teil nie defekt geht. Hier gibt es anscheinend erheblichen Optimierungsbedarf bei der Ersatzteilversorgung.

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