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Wandel zum E-Auto: „Da werden ganze Regionen abgehängt“

Wolfgang PlankbyWolfgang Plank
9. Januar 2021
Lesedauer: 2 Minuten
Wolfgang PlankbyWolfgang Plank
9. Januar 2021
Lesedauer: 2 Minuten

© Abbildung(en): shutterstock / Lizenzfreie Stockfoto-Nummer: 1828872680

Home Automobilindustrie

In Sachen E-Auto herrscht nicht bloß Euphorie. Viele sehen durch den Wandel auch ihre Jobs gefährdet. Insbesondere im traditionellen Autoland Baden-Württemberg machen sich die Gewerkschaften Sorgen. „Hier drohen ein paar kleine Detroits“, sagt IG-Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger. Gerade im Bereich der Zulieferer sei bereits ein Kahlschlag sichtbar. Radikalkuren wie bei Mahle (Kolben) oder Mann & Hummel (Filter) machten ihm Sorgen, weil gleich ganze Standorte geschlossen würden. „Da ist das Risiko schon relativ groß, dass ein paar Regionen abgehängt werden.“

Dass Unternehmen auf den Strukturwandel nicht früher reagiert hätten, liege auch am Erfolg der vergangenen zehn Jahre. Nach der Krise 2009/2010 habe der Weltmarkt gigantische Wachstumszahlen verzeichnet, von denen auch die Firmen in Baden-Württemberg extrem profitiert hätten. Es gehe aber nicht bloß um Strategien in der Industrie, sonden auch um gesellschaftliche Fragen. Es gebe weder ausreichend Lade-Infrastruktur noch genügend regenerativ erzeugten Strom. „Nur wenn es gelingt, den kompletten Sektor Energie nachhaltig zu machen, hat man letztendlich den gewünschten Effekt.“

An ein schnelles Ende des Verbrennungsmotors glaubt Zitzelsberger nicht. Auch weil E-Mobilität in weniger entwickelten Ländern deutlich später zum Tragen komme. Dennoch müssten durch die CO2-Ziele 30 Jahre Reduktion in zehn Jahren nachgeholt, plus in weiteren zehn Jahren die verschärften Ziele erreicht werden. „Dadurch ist so richtig Druck auf den Kessel gekommen.“

Für viele Hersteller sei der Begriff „Technologieoffenheit“ lange Zeit eine Ausrede fürs Nichtstun gewesen, glaubt Zitzelsberger. Nun aber müsse tatsächlich differenziert werden. Bei kleineren Autos für kürzere Wege gehe der Trend eher zur Batterie, aber auch Plug-In-Hybride würden in den nächsten zehn Jahren noch eine starke Rolle spielen. Allerdings hält er da eine Kontrolle des elektrisch gefahrenen Anteils für sinnvoll, damit niemand zu Unrecht Steuer-Privilegien erhält. Bei größeren Fahrzeugen wie Busse und Lkw, sieht der Gewerkschafter Vorteile für die Brennstoffzelle, bei Flugzeugen und Schiffen eher für regenerativ hergestellte synthetic fuels.

Einem Verbot von SUV will sich Zitzelsberger nicht anschließen. Schon weil in Baden-Württemberg eben nicht Renault oder Fiat ihren Sitz hätten, sondern Daimler und Porsche mit Premiumfahrzeugen im oberen Segment. „Wir gucken gerne mit der nationalen Brille. Aber die meisten SUV werden im Ausland verkauft.“

Alles dürfe man im Übrigen auch nicht der E-Mobilität anlasten. So gehe etwa Beschäftigung durch Produktivitätssteigerung stärker zurück als durch den Wandel zu mehr Batterie-Elektrik, sagt der IG-Metaller. „Derzeit verlieren wir einen größeren Anteil an Beschäftigung durch Verlagerung nach Osteuropa. Und zwar sowohl durch das Abwandern von bestehender Technologie als auch dadurch, dass neue Technologien gar nicht erst hier angesiedelt werden.“

Quelle: KontextWochenzeitung – „Der Kahlschlag ist sichtbar“

Wolfgang Plank

Wolfgang Plank

Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

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32 Comments
Powerwall Thorsten
Powerwall Thorsten
5 Jahre zuvor

Ja, so ist das eben, wenn man zu arrogant ist, und dann den Schuß einfach überhört.

  1. Deutschland war in der Solarindustrie vor 20 Jahren ganz vorne mit dabei – abgewürgt
  2. Deutschland ist Weltmarktführer bei Windkraftanlagen – wird gerade mit unsinnigen Abstandsregeln abgewürgt.
  3. Beim autonomen Fahren gibt Deutschland vordergründig vor „ganz vorne mit dabei zu sein“ – mal sehen, was dem Ethikrat noch so alles einfällt, bis in Deutschland Level 5 deutschlandweit erlaubt sein wird.

Bei der letzten großen Disruption im Bereich Mobilität – von der Pferdekutsche hin zum Automobil – was glaubt ihr wohl, wie viele Pferdezüchter, Futterlieferanten, Kutschenproduzenten und entsprechende Zulieferer wie zum Beispiel:

  • Sattler – Zaumzeug, Trense etc.
  • Gerber -Leder – siehe oben
  • Schreiner- Kutschenräder
  • Schmiede – Hufeisen & Beschläge Räder
  • Zimmermänner – Ställe & Scheunen
  • Bauern – Futter für Millionen Pferde

All diese und noch viel mehr Gewerke und Zulieferer mussten sich auch damals umorientieren.
Diejenigen, die die Zeichen der Zeit rechtzeitig erkannt haben, haben überlebt und viele wahrscheinlich sogar vom Fortschritt profitiert – die ewig gestrigen, die weiter an das Überleben der Pferdekutsche geglaubt haben ……. ja es gibt auch heute noch Kutschen – nur eben nicht so viele.

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KaiGo
KaiGo
5 Jahre zuvor

Dass Unternehmen auf den Strukturwandel nicht früher reagiert hätten, liege auch am Erfolg der vergangenen zehn Jahre. Nach der Krise 2009/2010 habe der Weltmarkt gigantische Wachstumszahlen verzeichnet, von denen auch die Firmen in Baden-Württemberg extrem profitiert hätten.

Das ist halt so ein Problem. Sie haben im hier und jetzt gelebt, und davon vermutlich gut gelebt. Aber irgendwie wäre es wohl sinnvoll gewesen die Gewinne in die Zukunft zu investieren. Die jetzt greifenden CO2 Grenzwerte stehen seit 10 Jahren fest. Kann man schon nach planen.
VW trifft natürlich auch eine Mitschuld. Durch den Dieselskandal haben sie unfreiwillig die Transformation zum BEV enorm beschleunigt (immerhin haben sie daraufhin den MEB abgeschoben und es nicht verpennt). Der Diesel war ein zentraler Baustein zur Einhaltung der CO2 Grenzwerte 2020/2021. Der ist durch den Dieselskandal weg gebrochen. Mit reinen Benziner war von vornherein klar, dass selbst die aktuellen Werte kaum zu schaffen sind. Erdgas war auch ein Thema, aber das ist dann auch endgültig abgewürgt worden (wurde eh nie beworben und hat sich auch nicht verkauft).

PS: ich erinnere nochmal daran, daß es beim Dieselskandal nicht um CO2 Ausstoß ging, sondern um NOx, also Stickoxide. Wenn immer wieder von „Dieselstinkern“ geredet wird, redet man über NOx Ausstoß. CO2 ist das natürlich Endprodukt einer Verbrennung von Kohlenwasserstoffen.

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Dirk
Dirk
5 Jahre zuvor

Alles Bödsinn mit der Batterie und wird sich nach ca. 10 Jahren erledigen. H2 wird den Schwerlastverkehr bewegen und die Tankstellen sind dann automatisch für die kleineren Fahrzeuge ebenfalls offen. Es ist nur eine Frage der Zeit. Das Militär ist schon nahe dran und die Wirtschaft wird da nachziehen. Was soll ich mit einem Zweitwagen um weite Strecken zu fahren.

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Dirk
Dirk
5 Jahre zuvor

By the way,
woher kommen denn die Batterien und deren Strom. Aus dem heiligen Kral? Sauber und umweltfreundlich? H2 wird grün werden und unsere Welt verändern.

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Wolfbrecht Gösebert
Wolfbrecht Gösebert
5 Jahre zuvor

Aus dem Artikel:

[…] An ein schnelles Ende des Verbrennungsmotors glaubt Zitzelsberger nicht. Auch weil E-Mobilität in weniger entwickelten Ländern deutlich später zum Tragen komme. […]

Da über sieht der Herr Zitzelsberger aber – wie auch so manch anderer – dass gerade in den meisten der Länder (von ihm als „weniger entwickelt“ bezeichnet) die Solartechnik auch ohne technische Infrastruktur eine leistungsfähige Fahrzeug-Energieversorgung sicherstellen kann!

Ganz abseits/unabhängig von Strom- und Tankstellennetzen und mit Betriebskosten weit unter der von Verbrenner-Technik!

Dafür bedarf es ja nicht einmal eines aCars,
https://elektroauto-news.net/elektroautos/evum-motors-gruender-idee-umsetzung-elektronutzfahrzeug-acar
ich könnte mir in den entsprechenden Ländern z.B. auch eine TukTuk-Produktion mit einer preiswerten kleinen, Low-Tech-E-Motoren/Steuerungs-Kombi vorstellen, bei der womöglich auch eine Zweitnutzung von Auto-Akkus preismindernd zum Einsatz kommt.

Zuletzt bearbeitet am 5 Jahre zuvor von Wolfbrecht Gösebert
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Silverbeard
Silverbeard
5 Jahre zuvor

Mir fehlt in diesem Artikel das Fazit der Gewerkschaft.
OK., man hat erkannt, das man zulange ein totes Pferd geritten hat, weil es riesen Gewinne gab. Jetzt ist das Gejammer groß.
Welche Ideen hat die Gewerkschaft, den gordischen Knoten zu durchschlagen?
Weiter so wie bisher, wird schon gutgehen? Unterentwickete Länder reiten das tote Pferd noch ein bisschen? Das mag sein, aber die kaufen nicht hauptsächlich die beste Ausstattung, sondern Grundausstattung mit geringer Marge.

Zuletzt bearbeitet am 5 Jahre zuvor von Silverbeard
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Yvonne Schulte
Yvonne Schulte
5 Jahre zuvor

Als „Lieschen Müller“ kann ich halt schon davon ausgehen, dass ein kraftstoffsparender Diesel (4l auf 100 km) weniger Emissionen frei setzt als ein Ströme, der seine Energie aus dem Kohlekraftwerk bezieht oder?

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Yvonne Schulte
Yvonne Schulte
5 Jahre zuvor

Im Übrigen, habs mir ja gut überlegt mit meiner 5,6 kWh Anlage einen Ströme zu holen. Muss aber meinen eigenen Strom an die EEG mit 3cent bezahlen. Echt klasse!

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