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T&E: „Deutschland ist Steueroase für Spritschlucker“

Wolfgang PlankbyWolfgang Plank
14. Mai 2021
Lesedauer: 2 Minuten
Wolfgang PlankbyWolfgang Plank
14. Mai 2021
Lesedauer: 2 Minuten

© Abbildung(en): shutterstock / Lizenzfreie Stockfoto-Nummer: 1813761533

Home Elektroauto laden

Die Mehrheit der in Deutschland neu zugelassenen Pkw werden nicht privat gekauft, sondern sind Firmenwagen. Auch weil es zahlreiche Steuervorteile gibt. Das Problem: Genau deswegen haben sie ein gewaltiges Emissionsproblem. Das geht aus einer Studie der Organisation „Transport & Environment“ (T&E) hervor, aus der der „Spiegel“ zitiert. Demnach stoßen Dienstwagen und gewerblich zugelassene Fahrzeuge 76 Prozent der CO2-Emissionen von Neuwagen in Deutschland aus – in kaum einem anderen EU-Land sind Wagen dieser Kategorie derart klimaschädlich unterwegs.

Wie aus der Studie hervorgeht, entfielen 2020 rund 63 Prozent der Neuzulassungen auf Firmen, wovon wiederum klassische Flotten sowie Autohersteller und -händler den größten Anteil ausmachen. Allerdings werden 87 Prozent aller Firmenwagen nach wie vor von Verbrennungsmotoren angetrieben – und sie legen typischerweise pro Jahr rund zweimal so viele Kilometer zurück wie private Pkw.

Der durchschnittliche deutsche Firmenwagen stößt laut T&E 140 Gramm CO₂ pro Kilometer aus. Damit gehört Deutschland zu den europäischen Schlusslichtern. Im Vereinigten Königreich liegt dieser Wert bei 131 Gramm, in Frankreich bei 120 und in den Niederlanden bei 98. Elektroautos hingegen machten 2020 lediglich 5,5 Prozent der gewerblichen Neuzulassungen in Deutschland aus. Im Vereinigten Königreich liegt dieser Wert bei 8,4 Prozent, in den Niederlanden sogar bei 26,2 Prozent.

Gleichzeitig seien Firmenwagen in Deutschland vergleichsweise günstig, heißt es in der Studie. Demnach wird etwa ein VW Tiguan mit Dieselmotor in Frankreich über vier Jahre mit mehr als 9500 Euro besteuert, in Deutschland dagegen mit 1500 Euro. „Die niedrige Besteuerung von wuchtigen Dienstwagen macht Deutschland zu einer Steueroase für Spritschlucker„, klagt T&E-Direktor Stef Cornelis. Die Regierung dürfe sich nicht zu höheren Klimazielen verpflichten und gleichzeitig Umweltverschmutzung subventionieren.

„Die politischen Rahmenbedingungen bei Dienstwagen müssen angepasst werden„, fordert auch Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management. Er hält eine Bonus-Malus-Regelung für die ideale Lösung. Dabei würden bei der Neuzulassung eines Fahrzeugs oberhalb eines bestimmten Emissionswerts Strafsätze fällig. In Frankreich kann diese Steuer bis zu 30.000 Euro betragen. Lokal emissionsfreie Fahrzeuge erhielten dagegen einen Bonus.

Dabei hätten gerade Dienstwagen hohes Potenzial für CO₂-Reduzierung im Verkehr, so die Studie. Demnach würde eine Elektrifizierung aller neuen gewerblich zugelassenen Fahrzeuge bis 2030 die gesamten Pkw-Emissionen in Deutschland um fast ein Drittel verringern.

„Der aktuelle Ansatz reicht nicht aus„, sagt Bratzel. Die Unternehmen müssten hier mit ihren Fuhrparks einen Beitrag leisten. So mache die aktuelle Förderung Plug-in-Hybride für Unternehmen und Mitarbeiter attraktiv, der Realverbrauch weiche jedoch meist stark von den Herstellerangaben ab. Zudem gebe es keinerlei Anreiz, den Akku des Wagens tatsächlich regelmäßig zu laden. „Die aktuelle Regelung läuft dem Ziel, sparsame Antriebe zu fördern, zuwider.“

Bratzel sieht jedoch auch die Unternehmen in der Pflicht. Autos aus Firmenflotten landeten nach einigen Jahren schließlich auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Dort würden sie dann von Privatleuten gekauft und belasteten die Atmosphäre weiter.

Quelle: Spiegel – Klimakiller Dienstwagen

Wolfgang Plank

Wolfgang Plank

Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

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27 Comments
Djebasch
Djebasch
5 Jahre zuvor

Tja leider sind Elektroautos für Langstreckenflotten noch nicht wirklich brauchbar, da kann man schon verstehen das dies aktuell noch nicht funktioniert.
Eine Stunde mehr Fahrzeit durchs Laden ist halt schon zu viel für Unternehmen…
Aber hoffentlich schaffen wir es bald dies zu ändern und ich denke das sich dann die PHEV Schwemme erledigt hat, denn eigentlich sitzen in den Unternehmen schon Einkäufer die dies Unterstützen würden.

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Dagobert Duck
Dagobert Duck
5 Jahre zuvor

Nimmt der Schwachsinn denn gar kein Ende?! Elektroautos sind gegenüber Verbrennern steuerlich erheblich im Vorteil! Dabei macht die KFZ-Steuer in Deutschland nicht den Löwenanteil aus, sie ist eher eine „Registrierungsgebühr“. Die kilometerabhängige Versteuerung von KFZ nennt sich Energiesteuer.
Diesel: 47,04 Cent/Liter, Benzin: 65,45 Cent/Liter, Strom: 2,05 Cent/kWh (Quelle: ADAC). So bezahle ich für meinen Benziner, der 10.000 km mit 7 l/100 km im Jahr läuft 48€ KFZ-Steuer und 440€ Energiesteuer. Ein vergleichbares Elektroauto mit 15 kwh/100 km zahlt 0€ KFZ Steuer und 30€ Energiesteuer.
Jetzt gehe jeder mal in sich und überlege wie lange das noch so bleiben kann. Das Etablieren der Elektromobilität wird im Moment durch massive Steuergeschenke an allen Fronten gefördert. Wenn E-Fahrzeuge einen signifikanten Anteil am Fahrzeugbestand haben, werden auch diese fair besteuert werden müssen. Infrastruktur fällt schließlich nicht gratis vom Himmel.

Zuletzt bearbeitet am 5 Jahre zuvor von Dagobert Duck
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Musicman
Musicman
5 Jahre zuvor

Lieber Dagobert, die Verbrennerfraktion beteiligt sich ja auch nicht an der tatsächlichen Zerstörung unseres Lebensraumes durch Ölförderung und CO2 Ausstoß. Wenn man die tatsächlichen Folgekosten der Verbrenner mit einbeziehen würde dann müsste der Liter Diesel schon lange 5-10 Euro kosten. Aber immer noch zu wenige interessieren sich für den Erhalt unserer Erde und damit unseres Lebensraumes. Erstaunlich auch wie viele Familienväter sich hier scheinbar gar keine Sorgen um die Zukunft Ihrer Kinder machen.

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Niro
Niro
5 Jahre zuvor

Die derzeitige Regierung betreibt eine scheinheilige Klimapolitik. Durch den politischen Druck bekennt sie sich zu Klimazielen, für die sie aber kaum etwas tut. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten,
um diese Ziele schneller zu erreichen. Die Förderung von Plug-in-Hybriden müsste sofort abgeschafft werden, Firmenwagen mit Verbrennungsmotor müssten höher besteuert werden, sowie
ein Tempolimit von 130km/h auf der Autobahn sind Maßnahmen, die sofort umsetzbar wären. Die
Realisierung der E-Mobilität im Wirtschaftsbereich ist für viele Firmen eher realisierbar, als im privaten Bereich. Die höheren Anschaffungskosten für reine E-Fahrzeuge und die Lademöglichkeit
auf dem Betriebsgelände, sind für Firmen eher machbar als im Privatsektor, zumal es ja mehr Firmenwagen als Privatwagen gibt.

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Quaster
Quaster
5 Jahre zuvor

Und was ist, wenn sich der Klimawandel trotz 100%BEVs auf deutschen Straßen nicht unterbrechen läßt?

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Dieter Lettner
Dieter Lettner
5 Jahre zuvor

Bei der Diskussion sollte der gesamte Zyklus der Emissionen, also vom Rohmaterial bis zum Ende der Nutzung in die Rechnung einbezogen werden. Siehe auch der Artikel in dieser Ausgabe, das Hybridfahrzeuge ‚keine‘ Emissionen verursachen ( … ). Im Falschrechnen sind die heutigen ‚Meinungsmacher‘ egal, zu welchem Thema, aktuell ganz vorne dran.
Oder die damalig politisch hochgelobte ‚Verschrottungsprämie‘, umwelttauglich ist etwas anderes.

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Dieter Lettner
Dieter Lettner
5 Jahre zuvor

Es sollte überlegt werden, wer bei der aktuellen Situation verdient und wer nicht. Jedes große Fahrzeug generiert große Steuereinnahmen, Profite für Teilhaber an den Firmen usw. Der größte Profiteur ist die Regierung selber. Wer auf Emobilität setzt, sollte mit gutem Beispiel vorangehen. Die Untersuchung hat aber erst kürzlich gezeigt, das der Bund kaum E-Autos angeschafft und dafür wieder wesentlich mehr Verbrenner gekauft hat.
Fahren denn die Propagandisten der ‚grünen Welle‘ überwiegend E-Autos? Mitnichten!!!

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