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Dataforce: 15 Millionen-Ziel bis 2030 kaum erreichbar

Iris MartinzbyIris Martinz
12. September 2022
Lesedauer: 2 Minuten
Iris MartinzbyIris Martinz
12. September 2022
Lesedauer: 2 Minuten

© Abbildung(en): shutterstock / 1844224687

Home Elektroauto News 2022

15 Millionen Elektroautos auf Deutschlands Straßen bis 2030. Dieses Ziel, das sich auf Seite 22 des Ampel-Koalitionsvertrages findet, wird nach Ansicht des auf den Automobilmarkt spezialisierten Marktforschungsunternehmens Dataforce kaum erreichbar sein. Nicht einmal, wenn man die Plug-in-Hybride dazuzählt. Die Analysten rechnen bis 2030 mit einem realistischen Bestand von rund elf Millionen batteriebetriebenen Fahrzeugen. Das entspricht weniger als einem Viertel des gesamten PKW-Bestandes in Deutschland.

Selbst für diese Prognose müsste alles optimal laufen, die Produktion ebenso wie der Kaufwille der Kunden. Corona und die Wirren des Ukraine-Kriegs haben ersterem zahlreiche Unterbrechungen beschert und bei zweiterem wird die Kürzung der Kaufprämien sowie die Abschaffung für Plug-in-Hybride und gewerblich genutzte Fahrzeuge die Nachfrage auch nicht explodieren lassen.

Beim Aspekt der Kaufprämien weisen die Analysten zudem auf einen Umstand hin, der marginal erscheint, es aber nicht ist: durch ein legales Schlupfloch in den Förderbedingungen haben viele E-Auto-Käufer Neufahrzeuge gekauft, die hohe Umweltprämie in Anspruch genommen und die Fahrzeuge dann bald darauf wieder verkauft – und zwar vor allem ins skandinavische Ausland. Nach Angaben von Dataforce waren 40,4 Prozent aller seit 2018 neu zugelassenen Elektro- und Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge drei Jahre später nicht mehr in Deutschland angemeldet! Das ist beinahe viermal so viel wie bei Verbrenner-PKWs.

Von dieser Praxis haben bisher viele profitiert: der Verkäufer fährt damit über die Mindestbehaltedauer praktisch kostenlos ein neues Elektroauto, der Käufer bekommt ein fast neuwertiges Fahrzeug dank des Abzugs der Umweltprämie deutlich billiger als wenn er es im eigenen Land kaufen würde. Findige Unternehmen haben sich als Zwischenhändler eine goldene Nase verdient.

Diese Praxis ist zwar bekannt – nicht jedoch die Dimension. Auch das Institut Schmidt Automotive Research hat Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) analysiert und kommt zu einem ähnlichen Schluss: zwischen Januar 2012 und Juli 2022 wurden in Deutschland insgesamt 890.000 Elektrofahrzeuge neu zugelassen. Zum Stichtag 1. Juli 2022 waren jedoch nur mehr 756.517 davon in Deutschland unterwegs. Mehr als 130.000 E-Autos sind daher in der Zwischenzeit aus Deutschland „verschwunden“ – mehr als 15 Prozent der Neuzulassungen.

Auch wenn das eine oder andere Fahrzeug verunfallt oder außer Betrieb gesetzt wurde, der überwiegende Teil dürfte wohl mit diesem gewinnbringenden Trick ins Ausland verbracht worden sein, was dem Steuerzahler bisher dreistellige Millionenbeträge kostete. Vor allem Teslas sind im benachbarten Ausland offenbar schwer gefragt: von 98.000 in Deutschland zugelassenen fahren gerade noch 76.690 auf heimischen Straßen. Fast jeder vierte Tesla, der in Deutschland zugelassen wurde, findet also den Weg ins Ausland. Auch bei Porsches ist der Anteil sehr hoch.

Um dieser Praxis Einhalt zu gebieten, wurde die Mindest-Behaltedauer auf zwölf Monate verlängert – vorbehaltlich der Genehmigung der EU-Kommission. Wer sein Auto dann vorher verkauft, muss die Förderung zurückzahlen. Da die Gebrauchtwagenpreise aktuell aber aufgrund der langen Lieferzeiten bei Neuwagen steigen, fordern Experten eine noch deutlichere Verlängerung auf 24 Monate. In Österreich beträgt die Behaltefrist bei geförderten Fahrzeugen sogar vier Jahre. Aber auch die geplante Kürzung der Umweltprämien wird das Problem eindämpfen, weil der Preisvorteil dann weniger hoch ist.

Quelle: auto-motor-und-sport.de – E-Auto-Prämie absahnen, dann ins Ausland verkaufen

Iris Martinz

Iris Martinz

Iris Martinz ist Unternehmens- und E-Mobilitätsberaterin in Österreich, mit langjähriger Erfahrung im Recycling und Second Life von E-Mobilitätsbatterien. Fährt sowohl rein elektrisch, als auch V8, und möchte die beiden Welten etwas näher zusammenbringen. Nachzulesen unter www.mustangsontour.com.

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8 Comments
David
David
3 Jahre zuvor

Ja, das stimmt. Aber der Zug ist trotzdem nicht aufzuhalten.

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Djebasch
Djebasch
3 Jahre zuvor

Ich verstehe jetzt nicht den Text und die Überschrift.
Denn im Text geht es eindeutig um die Förderungs Praktiken…
Das wir das Ziel 15Millionen nicht erreichen sollte jedem klar sein wenn man sieht wie lange es gedauert hat bis wir die 600000 erreicht haben und die Umfragen sieht wieviele aktuell glaube das ihr nächstes Auto ein Elektro wird….

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Djebasch
Djebasch
3 Jahre zuvor

Was haltet ihr eigentlich von dem Plan der Franzosen?
Einfach ein 100€ Leasing für 4 Jahre für jeden der will für Fahrzeuge bis 40000€?

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Antworten anzeigen (2)
Martin
Martin
3 Jahre zuvor

Dataforce versteht wahrscheinlich exponentelles Wachstum nicht: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/244000/umfrage/neuzulassungen-von-elektroautos-in-deutschland/

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Daniel W.
Daniel W.
3 Jahre zuvor

Auch hier muss ich das Stichwort „China“ ins Spiel bringen – wir in Deutschland und in der EU sind bei E-Autos so abhängig von China wie wir das beim Gas von Russland sind. Wir haben uns an die billigen Produkte aus China gewöhnt, war ja auch so bequem und und so profitabel für die großen Konzerne.

Wenn wir die Energeíewende mit PV- und Windkraftanlagen schaffen und die freiheitliche Demokratie behalten wollen, dann müssten wir hier in Europa alles was mit E-Autos, PV und Windrädern zusammenhängt, von den Rohstoffen bis zu den Akkupacks und den seltenen Erde bei den Magneten für die E-Motoren selber in die Hand nehmen und uns weltweit die Rohstoffe sichern – ohne Abhängigkeit von China, sonst können wir beim Angriff Chinas auf Taiwan die Energiewende komplett vergessen.

Langfristige Planungen waren ja noch nie die Stärke deutscher Politik und wenn die lobbyhörigen Hansel in den Parteien jetzt nicht endlich mit einer autarken europäischen Energiewende anfangen, dann können wir uns auch gleich als Kolonie den chinesischen Machthabern anbieten und chinesisch als Pflichtfach in den Schulen einführen sowie Straflager bauen für die Feinde der chinesischen Partei.

Und das mit den 15 Millionen E-Autos? – das interessierte dann kein Schwein mehr, wir hätten andere Sorgen.

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