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Bosch investiert Milliarden in klimaneutrale Technologien

Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
6. Mai 2022
Lesedauer: 4 Minuten
Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
6. Mai 2022
Lesedauer: 4 Minuten

© Abbildung(en): shutterstock / 1915684144

Home Automobilindustrie

Der Multikonzern Bosch, unter anderem als einer der weltweit größten Automobilzulieferer aktiv, hat seine aktuellen Geschäftszahlen vorgestellt. Im Geschäftsjahr 2021 erzielte das Unternehmen demnach trotz schwieriger Rahmenbedingungen deutliche Umsatz- und Ergebnissteigerungen. Die Erlöse des Technologie- und Dienstleistungsunternehmens stiegen um 10,1 Prozent auf 78,7 Milliarden Euro und das operative Ergebnis vor Finanzergebnis und Steuern (operatives EBIT) legte um mehr als die Hälfte auf 3,2 Milliarden Euro zu. Die operative EBIT-Rendite verbesserte sich auf vier Prozent gegenüber 2,8 Prozent im Vorjahr.

„Das erfolgreiche Geschäftsjahr 2021 gibt uns Zuversicht, auch das anspruchsvolle Umfeld des laufenden Jahres zu bewältigen“, sagte Dr. Stefan Hartung, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, anlässlich der Vorlage der Jahresbilanz.

Zu den erheblichen Unsicherheiten zähle der Krieg in der Ukraine mit allen Auswirkungen. Die aktuelle Situation verdeutlicht laut Bosch-Chef Stefan Hartung den Handlungsdruck auf Politik und Gesellschaft, unabhängiger von fossilen Energieträgern zu werden und die Erschließung neuer Energien mit Nachdruck anzugehen. Deshalb setze die Bosch-Gruppe trotz des herausfordernden wirtschaftlichen Umfelds ihre Anstrengungen für den Klimaschutz konsequent fort. Der Bosch-Chef gab dazu Investitionen in klimaneutrale Technik wie Elektrifizierung und Wasserstoff in Höhe von gut drei Milliarden Euro über drei Jahre bekannt.

Hartung sieht als Auswirkung des Krieges auf den Klimaschutz kurzfristig eine verlangsamte Reduktion des CO2-Ausstoßes, langfristig aber vor allem in Europa eine beschleunigte technologische Transformation. „Für die Politik kann dies der Anlass zu mehr Entschlossenheit sein – sei es in der Förderung der energetischen Gebäudesanierung, sei es im massiven Ausbau der regenerativen Stromerzeugung“, so Hartung. Unter der Voraussetzung von Grünstrom ist für den Bosch-Vorsitzenden die Elektrifizierung der schnellste Weg in ein klimaneutrales Leben.

Auftragsvolumen für Elektromobilität erstmals über zehn Milliarden Euro

Das Unternehmen treibe auch die nachhaltige Mobilität voran: 2021 lag das Auftragsvolumen für Elektromobilität bei Bosch erstmals über zehn Milliarden Euro. Hartung betonte aber, dass auch Wasserstoff gebraucht wird. „Aufgabe der Industriepolitik sollte es sein, alle Wirtschaftssektoren auf die Wasserstoff-Nutzung vorzubereiten“, forderte er. „Strombasierte Lösungen haben Vorfahrt, aber wasserstoffbasierte Lösungen müssen gleichzeitig mehr Fahrt aufnehmen. Beides wird gebraucht – für das nachhaltige Leben auf dem blauen Planeten.“

Gleichzeitig kündigte der Bosch-Chef an, in den nächsten drei Jahren nochmals zehn Milliarden Euro für die Digitalisierung des Geschäfts zu investieren. „Gerade auch die Digitalisierung kann einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten – hier setzen wir mit unseren Lösungen an“, so Hartung. Beispiele aus dem Bosch-Produktportfolio sind der Energiemanager im Smart Home oder auch die Energy Plattform in der vernetzten Produktion.

Wasserstoff-Elektrolyse: Einstieg in 14-Milliarden-Euro-Markt

Für einen wirksamen Klimaschutz steigt Bosch ins Komponenten-Geschäft für die Wasserstoff-Elektrolyse ein. Bis Ende des Jahrzehnts will das Unternehmen nahezu 500 Millionen Euro in das neue Geschäftsfeld investieren – die Hälfte davon bis zur Markteinführung, die bereits für 2025 geplant ist. „Für die Entwicklung von Wasserstoff-Technologien sind wir breit aufgestellt und wollen die Wasserstoff-Produktion in Europa voranbringen“, kündigte Bosch-Chef Hartung an. „Für den Elektrolyseur-Komponentenmarkt erwarten wir 2030 weltweit ein Volumen von rund 14 Milliarden Euro.“ Mit dem Stack wird Bosch das Kernstück der Wasserstoff-Elektrolyse liefern, kombiniert mit Leistungselektronik, Sensoren und Steuergerät zu einem Smart Module. Die Stacks für die H2-Produktion sollen bereits 2025 in Serie gehen.

Industrietechnik: Digitalisierung sorgt für Energieeffizienz

In der industriellen Produktion will Bosch die Energie- und Kosteneffizienz in den Fabriken forcieren. „Die Digitalisierung in der Industrieproduktion leistet einen Beitrag zum Klimaschutz“, sagte Rolf Najork, für die Industrietechnik verantwortlicher Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH. „Allein über das vernetzte Energiemanagement senken wir den jährlichen Energieverbrauch unserer Produktion im Schnitt um fünf Prozent.“ Die Energy Plattform aus dem Industrie-4.0-Portfolio sei bereits in 80 Kundenprojekten und an 120 Bosch-Standorten im Einsatz.

Zugleich setze die Bosch-Gruppe in der Industrietechnik auf Elektrifizierung, so Najork weiter. 2030 werden voraussichtlich 30 Prozent der mobilen Arbeitsmaschinen elektrifiziert sein. Dies entspricht einem zusätzlichen Marktvolumen von 1,5 Milliarden Euro für Hochvolt-Antriebe. Über die Industrietechnik will Bosch auch das elektrische Fahren weiter voranbringen. „In einem Projekthaus mit VW arbeiten wir an der Gründung eines Unternehmens, das Batteriezellfabriken in Europa ausrüsten soll“, erläuterte Najork. „Unser gemeinsames Ziel: die Kosten- und Technologieführerschaft bei der Industrialisierung der Batterieproduktion einnehmen.“ Bei der Produktionstechnik für Batteriezellen erwarten Experten weltweit ein kumuliertes Marktvolumen von 50 Milliarden Euro bis 2030.

Verkehrswende: Elektrifizierung mit Batterie- und Brennstoffzellenantrieb

Mit dem Green Deal der EU erwartet Bosch den entscheidenden Schub für die Elektrifizierung des Straßenverkehrs. „Alle Automobilhersteller sind bestrebt, sich möglichst hohe Anteile am wachsenden Elektrofahrzeug-Markt zu sichern“, erklärte Dr. Markus Heyn, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH und Vorsitzender des Unternehmensbereichs Mobility Solutions. „Bosch versteht sich als Zulieferer Nummer eins für den elektrischen Antrieb auf der Straße.“

Eine zentrale technische Aufgabe sei es, den Antrieb inklusive Batterie in der richtigen Temperatur zu halten und den nötigen Klimakomfort in der Kabine bereitzustellen – allein das intelligente Thermomanagement steigere die Reichweite des elektrischen Fahrens um 25 Prozent. Dazu hat Bosch mit der Flexible Thermal Unit, kurz FTU, eine vorintegrierte Lösung entwickelt. Mit der FTU erschließt sich Bosch nach eigenen Angaben einen Markt, der gegen Ende der Dekade ein Volumen von 3,5 Milliarden Euro erreichen soll.

Für die Elektromobilität auf Basis der Brennstoffzelle startet Bosch in diesem Jahr seine Serienproduktion für den Brennstoffzellen-Antrieb im Lkw. „Am Standort Bamberg wollen wir bis Mitte der Dekade Stacks mit einem Gigawatt Leistung produziert haben“, blickt Heyn in die Zukunft. „2030 soll der Betrieb eines Brennstoffzellen-Trucks nicht mehr kosten als ein Diesel – das ist unser Ziel.“ Seine Investitionen für die mobile Brennstoffzelle hat Bosch nochmal gesteigert – auf nahezu eine Milliarde Euro zwischen 2021 und 2024.

Quelle: Bosch – Pressemitteilung vom 04.05.2022

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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2 Comments
Wolfbrecht Gösebert
Wolfbrecht Gösebert
4 Jahre zuvor

Zitat (aus dem Artikel) Dr. Markus Heyn, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH und Vorsitzender des Unternehmensbereichs Mobility Solutions:

„2030 soll der Betrieb eines Brennstoffzellen-Trucks nicht mehr kosten als ein Diesel – das ist unser Ziel.“

Klar.
Dann ist (fast) alles ja eine Frage des Dieselpreises :-P

Zuletzt bearbeitet am 4 Jahre zuvor von Wolfbrecht Gösebert
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Antworten
Jakob Sperling
Jakob Sperling
4 Jahre zuvor

Da machen die doch 10 Mia. Umsatz pro Jahr mit der Elektromobilität, haben also doch recht gut kapiert, was Sache ist,
und dann verlochen sie 500 Mio. in die Brennstoffzellen-Technologie, obwohl doch alle wissen, dass das nie was wird – auf jeden Fall in diesem Forum wissen das alle.
Haben die denn keinen, der das Forum hier verfolgt?!

Zuletzt bearbeitet am 4 Jahre zuvor von Jakob Sperling
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