Hohe Strompreise und weniger Kaufanreize machen die Elektromobilität im nächsten Jahr unattraktiver. Dennoch gibt es aus Sicht der Frankfurter Marktforscher von Dataforce gute Gründe, warum der E-Auto-Markt auch 2023 wachsen wird. Eine viel zitierte Prognose des CAR Instituts von Professor Dudenhöffer erwartet 2023 einen starken Einbruch bei der Elektromobilität bis hin zu einer Halbierung der Zulassungszahlen.
Sicher, die Kürzungen beim Umweltbonus könnten die Nachfrage dämpfen und Volumen von 2023 auf 2022 verschieben. Besonders Plug-In-Hybride haben es ohne Förderung deutlich schwerer und der E-Auto-Bestand wächst nicht schnell genug, um die CO2-Emissionen im Verkehr ausreichend zu reduzieren. Doch bei den Neuzulassungen mit batterie-elektrischen Antrieben gibt es immer noch gute Gründe für einen weiterhin wachsenden Markt, so das Unternehmen in einer aktuellen Mitteilung.
1. Verbesserte Lieferbarkeit
Die 2022er Zahlen zeigen nur, wie viel die Hersteller tatsächlich liefern konnten. Die Nachfrage wäre deutlich höher gewesen. Zu den Auswirkungen des Halbleitermangels kamen im ersten Halbjahr noch massive Produktionsausfälle durch den Mangel an Kabelbäumen hinzu. Gerade deutsche Hersteller waren stark betroffen, weil sie diese mehrheitlich aus der Ukraine bezogen haben. Für 2023 wird erwartet, dass global 20 Prozent mehr Halbleiter an die Autoindustrie geliefert werden. Die Probleme bei Vorprodukten aus der Ukraine seien größtenteils gelöst und die Änderung der Null-Covid-Politik in China soll für Entspannung in den Lieferketten sorgen.
2. Volle Auftragsbücher
Gerade bei Elektroautos bleiben die Lieferzeiten lang. Teilweise berichten die Hersteller davon, dass die vorhandenen Bestellungen die Produktion bis in den Herbst 2023 hinein auslasten werden. Sollte es zu einer verringerten Nachfrage kommen, würde diese sich also nur sehr verzögert auswirken.
3. Die Förderung geht weiter
Neben dem Umweltbonus gibt es weitere wichtige Bausteine für die Elektroauto-Förderung. Sehr wichtig ist die reduzierte Dienstwagensteuer, die auch für Plug-in-Hybride weiterläuft. Über die Haltedauer eines E-Fahrzeugs macht auch die reduzierte Kfz-Steuer einen Unterschied. Einen weiteren finanziellen Anreiz bietet die THG-Quote, mit der Jahr für Jahr jeweils mehrere Hundert Euro erlöst werden können.
4. Auch bei gestiegenen Stromkosten ist ein Elektroauto im Unterhalt noch günstiger
Die Auswirkungen der gestiegenen Strompreise hat Dataforce in einer Beispielrechnung schon genauer untersucht. 2023 wird demnach der Preisvorteil von reinen E-Autos bei den Energiekosten schrumpfen, elektrisch sei man aber weiterhin günstiger unterwegs. Perspektivisch – ein Auto kauft man ja nicht nur für ein Jahr – werden sich die Strompreise voraussichtlich besser entwickeln als die Benzinpreise. Hinzu kommt, dass 60 bis 80 Prozent des Stroms nicht an teuren Ladesäulen, sondern zu Hause oder im Betrieb geladen wird, wo die Kilowattstunde nur etwa die Hälfte kostet.
5. Neuheiten setzen Kaufimpulse
Die Anzahl der Modellneuheiten zieht im nächsten Jahr nochmal deutlich an. 2021 und 2022 zählte Dataforce jeweils 31 Neuerscheinungen. Für 2023 werden mit 72 mehr als doppelt so viele neue E-Autos erwartet. Dagegen kommen nur 34 neue Verbrenner-Modelle auf den Markt. Wer die neueste Technik haben möchte, wird sich immer öfter für ein E-Auto entscheiden müssen.
6. Akzeptanz für Elektroautos steigt
Umfragen zeigen, dass immer mehr Käufer ein Elektroauto in Betracht ziehen. Reichweitenangst und andere Hürden spielen zwar weiter eine Rolle, werden aber Jahr für Jahr kleiner. Indem die Auswirkungen des Klimawandels sichtbarer werden, steigt auch das Umweltbewusstsein und die Wechselbereitschaft. Auch der technische Fortschritt bei E-Autos spielt eine Rolle.
Quelle: Dataforce – Pressemitteilung vom 12.12.2022
Drei wichtige Aspekte vergisst der Artikel:
1) Generell steigt die Unsicherheit der Konsumenten und steigen die Zinsen. Es kann sein, dass der Autoabsatz generell sinkt.
2) Ein Großteil der Neuzulassungen waren gewerbliche Zulassungen. Die können ohne Förderung stark zurückgehen.
3) Selbst für Privatkunden, die nach Q1/23 bestellen, ist es unklar, ob sie überhaupt gefördert werden. Die Töpfe sind ja absolut beschränkt.
Andererseits: Ohne Förderung werden die PHEV vom Markt verschwinden. Ein Großteil dieser Bestellungen wird sich als BEV realisieren.
In Summe bin ich also nicht ganz negativ. Ich denke, dass die Marktanteile der BEV leicht steigen.
– THG Quote als Anreiz? Vielleicht kommt ihr noch auf die Idee, die 10 jährige Steuerfreiheit als Anreiz zur Anschaffung eines E-Autos zu sehen. Angesichts der Mondpreise, die die Autohersteller für ihre Autos verlangen, sind das PEANUTS.
– Perspektivische Entwicklung der Strompreise- ich glaube überhaupt nicht an die These, dass die Strompreise sich langfristig besser entwickeln könnten als die für fossile Brennstoffe. Ja, es könnte sein, dass unsere politischen Entscheider endlich ernst machen mit dem Klimaschutz und die Spritpreise über Steuererhöhungen deutlich über den Strompreisen halten. Aber Herrn Habeck steht ja ein Herr Lindner gegenüber. Das wird also wohl nichts damit. Die Ampel kriegt es ja angesichts der Energiekrise nicht mal auf die Reihe, sofort! ein Tempolimit von 120 km/h (sic?) auf Autobahnen einzuführen und ggf. später endgültig auf 130, warum übrigens nicht 140?, zu korrigieren. Darüber hinaus haben die Stromfritzen ja mehrfach gezeigt, dass man mit ihnen langfristig gar nicht planen kann. Lange vor Beginn der Energiekrise hat Ionity nach meiner Erinnerung den kWh Preis für Teslafahrzeuge von 7,8 Cent um eine Zehnerpotenz! angehoben. Korrigiert mich, wenn ich mich irre. Warum die Stromfritzen goldene Eier legen durch die Preiskopplung an die teuerste Art der Stromerzeugung, Gas, entzieht sich meinem Verständnis.
– E-Autos auch mit der kommenden Strompreiserhöhung billiger zu fahren als mit fossilen Brennstoffen stimmt ganz sicher, solange die Preisdeckelung wirkt. Aber wie lange will Lindner die durchhalten, er kann sich auch kein Geld schnitzen… Wenn die Deckelung fällt, sehe ich mit meinem Hausstrom nicht wirklich gut aus. Mein Anbieter hat uns fast eine Verdopplung des Preises angekündigt.
Schon jetzt werden viele (?) E-Auto-Fahrer an unseren Schnellladern z.T. brutal abgezockt. Eon, Allego ( in Frankreich bis 90 Cent, selbst erlebt, als ich in Bedrängnis war und nicht zur nächsten Raststätte weiterfahren konnte). Ich weiß nicht, ob eine Mehrheit von uns Verträge mit Stromanbietern hat, die sie relativ gut wegkommen lassen. Ich habe ein Jahr lang über e-tron Charging keine mtl. Grundgebühr zu zahlen und zapfe für 36 Cent bei Ionity (in meinen Augen neben EnBW aus technischer Sicht die Nr.1 der Anbieter) meinen Strom. Aber der Vertrag läuft nach einem Jahr aus. Wie’s dann weiter geht, no idea. ICH traue den Stromanbietern gar nicht. Warum gibt’s denn Hunderte davon in D? Weil sie sich alle die Hände reiben und sich auf unsere Kosten amüsieren.
Das Zurückfahren der Umweltprämie halten auch Klügere als ich für einen großen Fehler und ich könnte mir schon vorstellen, dass Dudenhöffer mit seiner Prognose Recht hat.
Ein Aspekt KÖNNTE bei der Entwicklung der Emobilität von Bedeutung sein: Der ‚Willhaben- Effekt‘ von uns Männer-Spielkindern. Wenn wir unsere Freunde einladen, unsere E-Autos zu fahren, könnte das sehr wohl einen Einfluss auf den E-Auto Absatz haben. Konterkariert wird das allerdings von den Autofritzen, die immer kräftig ihre Preise für ihre Computer auf Rädern erhöhen, die uns ansonsten aber eigentlich billige Primitivtechnik vor’s Haus stellen.
Wie auch immer- nie wieder Verbrenner.
Wer bis hier durchgehalten hat- kräftig durchatmen .
Die Argumente haben mich nicht wirklich überzeugt.
Also wenn ich sehe, dass ein Corsa e 37000 EUR kostet und der „normale“ Corsa bei 18000 Mücken losgeht, dann muss ich mich tatsächlich fragen …. (ohne Wertverlust und Rabatte usw.)
Ich finde es grenzwertig, wenn Steuerrabatte usw. „vorteilhaft“ mit eingerechnet werden und so wie bei mir dann gesagt wird „Hey du hast jetzt ein Haus für 1000000 EUR gebaut“ und die ganzen anteiligen technischen Kosten ignorieren wir mal flott und nett und sagen „Mensch, dein Strom kommt von der PV Anlage, das ist aber jünnnnstisch zum laden“. Ich habe den Eindruck, dass immer zu Gunsten „optimiert“ gerechnet wird. Trotz der Tatsache zwei Wallboxen bei dem zuvor genannten Haus zu haben… Für mich kommt das mit dem E-Auto nicht in Frage, da die Rechnung einfach bei der Anschaffung nicht stimmt und nachhaltig ist es auch nicht wenn ich lese „ja und wenn nach 8 bis 10 Jahren das Akku nicht mehr zo richt taugt ….“ dann schaffe ich als „Normalo“ nicht direkt die Kiste ab. Das ist ja eine Umweltsauerrei. Grundsätzlich scheinen mir 200kg Akku zu viel der Nicht-Nachhaltigkeit zu ein.