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Ladenetz-Ranking: Lücke zwischen Ladeinfrastruktur und Bedarf wächst weiter

Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
14. Juni 2022
Lesedauer: 4 Minuten
Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
14. Juni 2022
Lesedauer: 4 Minuten

© Abbildung(en): shutterstock / 2011347938

Home Elektroauto laden

Deutschland hat weiterhin und zunehmend großen Nachholbedarf beim Ausbau der öffentlich zugänglichen Ladeinfrastruktur für Elektroautos: Die Lücke zwischen Ladeinfrastruktur und E-Auto-Bestand ist weiter gewachsen. Das zeigt das nun veröffentlichte Update des VDA-E-Ladenetz-Rankings. In Deutschland gibt es 60.364 öffentlich zugängliche Ladepunkte (Quelle: Bundesnetzagentur, Stand: 1. Mai 2022). Damit kommen aktuell in Deutschland im Durchschnitt rund 22 E-Pkw auf einen öffentlich zugänglichen Ladepunkt. Beim letzten VDA-Ladenetzranking, Stand 1. Oktober 2021, waren es 21 E-Pkw und am 1. Mai 2021 waren es 17 E-Pkw – das Delta zwischen Angebot und Bedarf ist damit weiter wachsend.

Während in den vergangenen zwölf Monaten im Schnitt rund 57.000 Elektro-Pkw pro Monat in Deutschland neu zugelassen werden, wuchs die Anzahl der öffentlich zugänglichen Ladepunkte wöchentlich nur um etwa 330. Um das Ziel von 1 Million Ladepunkten im Jahr 2030, das auch die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag ausdrücklich festgehalten hat, zu erreichen, wären jedoch rund 2000 neue Ladepunkte pro Woche nötig. Die Ausbaugeschwindigkeit müsste also versechsfacht werden. Wird das aktuelle Ausbautempo nicht gesteigert, gibt es in Deutschland im Jahr 2030 gerade einmal rund 210.000 Ladepunkte – also lediglich ein Fünftel der angestrebten 1 Million. In mehr als der Hälfte aller 10.796 Gemeinden in Deutschland gibt es, Stand 1. Mai 2022, zudem keinen einzigen öffentlichen Ladepunkt.

„Das Ziel der Bundesregierung von 15 Millionen Elektrofahrzeugen bis 2030 hat die Notwendigkeit eines ambitionierten Ausbaus der Ladeinfrastruktur weiter erhöht. Trotzdem geht der Ausbau viel zu langsam voran. Auch der für die Elektromobilität notwendige Ausbau der Stromnetze muss besser koordiniert werden. Wir brauchen deutlich mehr Tempo, wenn wir die Ziele erreichen wollen.“ Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie

„Statt ihm hinterherzuhinken, muss der Ausbau dem Bedarf um zwei Jahre vorausgehen. Nur so kann das dringend benötigte Vertrauen der Verbraucherinnen und Verbraucher in eine verlässliche und ausreichende Ladeinfrastruktur geschaffen werden“, sagt Hildegard Müller, die Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie. „Und wir brauchen ein konsequentes Monitoring des Ziels von 1 Million Ladepunkten durch die Bundesregierung, denn nur dann kann im Bedarfsfall rechtzeitig nachgesteuert werden.“

Um die Ausbaugeschwindigkeit zu erhöhen, seien vor allem schnellere Planungs- und Genehmigungsprozesse nötig, so die VDA-Präsidentin. „Wir brauchen beim Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge eine Planungsbeschleunigung, die Automobilindustrie hat hierzu konkrete Vorschläge vorgelegt.“

Zudem müssten die Kommunen ihre Verantwortung für den Ausbau der Ladeinfrastruktur stärker als bisher wahrnehmen. Müller: „Die Kommunen kennen den konkreten Bedarf vor Ort am besten. Die Bürgermeister und Landräte müssen Ziele für den Aufbau definieren und die Umsetzung vorantreiben.“

Die Ergebnisse des VDA-E-Ladenetzrankings

Das VDA-E-Ladenetz-Ranking ist eine statistische Auswertung, die auf den amtlichen Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes und der Bundesnetzagentur beruht. Was hier gemeldet ist, findet Eingang in die Auswertung, die in drei Bereiche unterteilt ist:

Der T-Wert gibt an, wie viele E-Autos sich einen öffentlich zugänglichen Ladepunkt teilen müssen. Hier gibt es mit dem Landkreis Groß-Gerau (Hessen) einen neuen Spitzenreiter. Dort kommen auf einen Ladepunkt lediglich 4,8 Elektroautos. Salzgitter, vormaliger Spitzenreiter, findet sich auf Platz 6 wieder. Auf Platz zwei liegt Emden (vormals Rang 26), auf Platz 3 die Stadt Heilbronn (vormals Rang 11). Ein Blick auf die Bundesländer ergibt beim T-Wert folgende Reihenfolge: Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg. Auf Rang 6 liegt Schleswig-Holstein, es folgen Berlin und Niedersachsen. Die zweite Hälfte führt Bayern auf Rang 9 an. Dahinter: Brandenburg, Baden-Württemberg, Bremen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Saarland. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind groß, natürlich gibt es aber auch strukturelle Unterschiede in den Bundesländern: Im führenden Sachsen kommen 13,8 E-Pkw auf einen Ladepunkt, im Saarland 28,1 E-Pkw.

Der A-Wert stellt die grundsätzliche Attraktivität des Ladenetzes im Landkreis oder in der Stadt dar. Dafür wird die Anzahl der öffentlich zugänglichen Ladepunkte ins Verhältnis zu sämtlichen im Landkreis oder in der Stadt zugelassen Autos gesetzt. Im A-Wert-Ranking hat die Stadt Wolfsburg ihren Spitzenplatz abermals verteidigen können. Der Landkreis Groß-Gerau folgt auf dem zweiten Rang. Auf Platz 3 liegt Ingolstadt.

Der S-Wert zeigt, wie viele Elektroautos sich statistisch betrachtet einen Schnellladepunkt teilen müssen. Schnellladepunkte sind besonders wichtig bei längeren Strecken oder wenn die Lade-Pause möglichst kurz sein soll, zum Beispiel beim Reisen oder Einkaufen. Bei der Schnellladeinfrastruktur ist eine statistische Auswertung auf Ebene der Bundesländer sinnvoll. Der Bundesdurchschnitt liegt beim S-Wert bei 146,1. Oder anders formuliert: In Deutschland kommen durchschnittlich 146,1 E-Pkw auf einen Schnellladepunkt.

Die ersten vier Plätze belegen hier mit Thüringen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern ausschließlich ostdeutsche Bundesländer. Es folgen mit Brandenburg, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bremen fünf weitere Bundesländer, die ein besseres Verhältnis von Schnellladepunkten und E-Pkw haben als der Bundesdurchschnitt. Dem gegenüber kommen Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg, Berlin, Saarland, Nordrhein-Westfalen und Hessen mehr E-Autos auf einen Schnellladepunkt als im Bundesdurchschnitt. Es zeigt sich: Auch bei der Schnellladeinfrastruktur sind die Unterschiede zwischen den Bundesländern groß. In Thüringen kommen 57,5 E-Pkw auf einen Schnellladepunkt, in Hessen sind es 209,1.

Besonders dynamisch verlief der Ladepunktausbau seit dem letzten VDA-E-Ladenetzrankings (Stand 1. Oktober 2021) beim T-Wert-Spitzenreiter Landkreis Groß-Gerau, der 736 Ladepunkte zubaute, in der Stadt Berlin, wo 455 neue Ladepunkte hinzukamen und im Landkreis Region Hannover. Dort kamen 279 neue Ladepunkte hinzu.

Quelle: VDA – Pressemitteilung vom 13.06.2022

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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7 Comments
Peter Bigge von Berlin
Peter Bigge von Berlin
4 Jahre zuvor

Um eine Versorgungsicherheit sicherzustellen muss die Ladeinfrastruktur zielgerecht ausgebaut und gefördert werden.
In Städten Schnelllader auf frequentierten und öffentlich 24h zugänglichen Parkplätzen von Restaurants, Märkten, Tankstellen, auch Kurzparzonen. AC Lader nur auf Wohn- oder Arbeitsplatzparkplätzen.

AC- oder Lampenladestellen sind nicht besonders zielführend, wenn diese dauerzugeparkt sind.

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Jan
Jan
4 Jahre zuvor

Ich kann auf diese Unsinnsberichte gerne verzichten. Zum Vergleich: Bei Verbrennern ist das Verhältnis 420 Fahrzeuge pro Zapfsäule. Bei Elektroautos kommt hinzu, dass die meisten Ladevorgänge (70-80%) nicht-öffentlich stattfinden. Das Verhältnis zwischen Fahrzeugen und Ladepunkten ist also so ziemlich das Unsinnigste, was es gibt. Selbst bei 100% Elektroautos werden wir nie 1 Million Ladepunkte haben. Irgendein Unwissender fand die Zahl 1 Million so schön, dass die jetzt immer noch im Internet herumwabert. Ich denke, sie hat keine Bedeutung. Weiß hier jemand zufällig, wer sie mit welcher Kalkulation auf den Markt geschmissen hat?

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Daniel W.
Daniel W.
4 Jahre zuvor

Zuerst einmal etwas Zahlenwerk und Quellen, am Ende dann eine kurze Zusammenfassung.

Es gab 14.091 Tankstellen in Deutschland im Jahre 2020. (Quelle: ADAC)

Geht man von 4 Zapfstellenboxen pro Tankstelle mit jeweils Benzin und Diesel aus, dann sind es 8 Zapfstellen pro Tankstelle mal 14.091 Tankstellen mal 12-fache Zeit wären umgerechnet 1.352.736 Ladepunkte.

Davon etwa 1/4 abgezogen für Wallboxen zuhause und am Arbeitsplatz, dann bleiben etwa 1 Mio. Ladepunkte für die Zukunft, wenn wirklich mal alle Fahrzeuge mit E-Motoren und Akkus fahren.

… am 1. Januar 2021 … in Deutschland … rund 59,0 Millionen Kraftfahrzeuge (Kfz)

(Quelle: kba.de)

———————————–

Wie viele Elektroautos gibt es in Deutschland? Die Anzahl an zugelassenen Elektroautos betrug am 1. Januar 2022 rund 618.500. Abgebildet werden Pkw mit ausschließlich elektrischer Energiequelle (BEV). Je nach Definition werden auch Plug-In-Hybrid-Pkw als Elektroautos gezählt, ihr Bestand belief sich am 1. Januar 2022 auf etwa 566.000.

(Quelle: de.statista.com)

618.500 E-Autos + (566.000 / 100 x 20) = 731.700
100 / (59.000.000 / 731.700) = gerundet 1,24

Also 1,24% E-Autos (BEV und 20% PHEV-Elektroanteil) am Gesamtbestand der Kfz, dafür würden heute rein rechnerisch 12.400 Ladepunkte reichen, wenn man bei 100% Autos von 1.000.000 Ladepunkte ausgeht.

In Deutschland gibt es 60.364 öffentlich zugängliche Ladepunkte

(Quelle: Bundesnetzagentur, Stand: 1. Mai 2022)

Das Ziel in 8 Jahren …

Das Ziel der Bundesregierung von 15 Millionen Elektrofahrzeugen bis 2030

… wären also etwa 25,42% der aktuellen Kfz-Zahlen und damit etwa 254.200 Ladepunkte oder in 8 Jahren 193.836 neue Ladepunkte bzw. pro Jahr rund 24.230 Ladepunkte. Umgerechnet auf die 294 Landkreise in Deutschland rund 1,6 Ladepunkte bzw. 0,8 Ladesäulen pro Woche und Landkreis.

Kurz zusammengefasst:

1 neue Ladesäule pro Woche und Landkreis würde ausreichen, um bis 2030 die nötige Zahl an Ladepunkten für 15.000.000 Elektrofahrzeuge bereitzustellen.

Eine kleine Anmerkung:

Vielleicht sollte die VDA-Präsidentin mal darüber nachdenken, dass ihre Mitglieder neben Mitgliedsbeiträgen in die VDA-Kasse und Werbemilliarden an Agenturen und Medien auch ausreichend in Ladestationen investieren und nicht nur höhere Autopreise und mehr Subventionen fordern sollten.

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Wolfbrecht Gösebert
Wolfbrecht Gösebert
4 Jahre zuvor

@ Daniel W.:

„Vielleicht sollte die VDA-Präsidentin mal darüber nachdenken, dass ihre Mitglieder […] auch ausreichend in Ladestationen investieren und nicht nur höhere Autopreise und mehr Subventionen fordern sollten.“

Dazu wird es – solange es nach „Die-Anderen-sollen’s-bezahlen-Hildegard“ geht – ja eher nicht kommen …

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