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Neue Ladetechnologie: 400 km nach 15 Minuten Ladezeit

Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
14. Januar 2023
Lesedauer: 3 Minuten
Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
14. Januar 2023
Lesedauer: 3 Minuten

© Abbildung(en): Hofer Powertrain

Home Elektroauto laden

Im Rahmen des Forschungsprojektes „Durchgängiges Schnellladekonzept für Elektrofahrzeuge“ entwickelten mehrere Kooperationspartner eine neue Ladetechnologie sowie einen Fahrzeugprototypen, um die notwendige Energie für echte 400 km Reichweite in nur 15 Minuten laden zu können. Die beteiligten Kooperationspartner Hofer Powertrain, Hochschule Bochum, Innolectric, Keysight Technologies, Sensor-Technik Wiedemann (STW) und Voltavision haben dafür innerhalb von viereinhalb Jahren Forschungsarbeit die gesamte Energiefluss-Kette vom Stromnetz, über die Ladeelektronik und das Ladekabel bis hin zur Fahrzeugbatterie analysiert und optimiert.

Das Ergebnis sind eine Schnellladestation mit 450 kW Ladeleistung sowie ein zur Reproduzierbarkeit geeignetes Prototypenfahrzeug, die gemeinsam in der Lage sind, die notwendige Energie zum Fahren von 400 km in nur 15 Minuten in die Fahrzeugbatterie zu laden.

Für eine Reichweite von 400 km und die in der Regel hierfür benötigten 88 kWh Batteriekapazität dauert der Ladevorgang an Ladestationen mit einer Leistung von 50 kW mehr als eineinhalb Stunden. Schneller geht es bereits bei Porsches Taycan, der zwischen 0 und 80 Prozent Ladezustand mit durchschnittlich knapp 170 kW laden kann. Da von dieser Leistung maximal 150 kW tatsächlich in der Batterie gespeichert werden, würde der Taycan gut 35 Minuten zum Nachladen von 88 kWh benötigen – wenn seine Batterie groß genug wäre.

„Die Herausforderung des Forschungsprojektes war es, diese Ladeleistung weiter zu optimieren und hierfür die bis dato am Markt gängigen elektronischen Komponenten, Ladekabeltechnik und Fahrzeugbatterie zu modifizieren und weiter zu entwickeln“, so Prof. Dr.-Ing. Kai André Böhm, Professor an der Hochschule in Esslingen und Projektleiter des Forschungsprojektes. Jedes verwendete Bauteil musste den hohen Projektanforderungen standhalten und wurde so genauesten Prüfungen hinsichtlich Effizienz, Kosten, Komfort und Lebensdauer unterzogen. Ebenfalls mussten bestehende Normen und Standards berücksichtigt werden, wie etwa die normgerechte Umsetzung der DIN SPEC 70121, welche die Grundlagen des DC-Schnellladens definiert.

Laden mit bis zu 450 kW

Als klaren Vorteil beschreibt Böhm die Tatsache, dass alle Unternehmen bereits seit Jahren im Bereich der Elektromobilität tätig sind und ihr tiefes Fachwissen in das Forschungsprojekt einbringen konnten. Waren die am Markt gängigen Komponenten nicht geeignet für die Projektrealisierung, ging es in die Produkteigenentwicklung. So entwickelte das Bochumer Unternehmen Innolectric eigens für den Schnellladevorgang mit dem DC Charging Controller eine neue normgerechte Ladekommunikation.

Keysight Technologies konstruierte für den Schnellladevorgang eine neue fortschrittliche Leistungselektronik, die aufgrund der verbauten SiC Technologie sehr hohe Ladeleistungen von bis zu 450 kW zuverlässig und über längere Zeiträume ermöglicht. Dank dieser Technologie kann das Prototypen-Fahrzeug der Hochschule Bochum mit rund 400 kW Leistung bei 460 Ampere und bis zu 900 Volt bestromt werden. Dies würde ein normales Fahrzeug mit einer gängigen Fahrzeugbatterie um ein Vielfaches überlasten, da die Verlustleistung in der Batterie näherungsweise quadratisch mit dem Ladestrom steigt.

Den hierzu passenden Batterietyp entwickelten Hofer Powertrain und die Hochschule Bochum. Ziel war es, dass die Fahrzeugbatterie ein optimales Verhältnis von Leistung zu Energie aufweist und so einen effizienten Kompromiss zwischen Hitzeerzeugung, Lebensdauer und Reichweite ermöglicht. Getestet hat die verschiedensten Zellformate, die es in die engere Auswahl schafften, der Hochvolt-Testdienstleister Voltavision. Die standardisierten und automatisierten Prüfverfahren wurden im Rahmen des Forschungsprojektes immer wieder modifiziert und zum Teil von Voltavision neu entwickelt.

„Ich gehe davon aus, dass diese Schnellladetechnologie in Zukunft in Pkw zu finden sein wird“

Der finale Batterie-Prototyp weist Zellen mit einem P/E Verhältnis von 3,5 und einer Energiedichte von 210 Wh/kg auf. Die neue High Power Prototyp-Batterie mit Lithium-Ionen Technologie hat eine Spannung von 645 bis 903 Volt und kann rund 128 kWh aufnehmen. Auch für den eigentlichen Ladevorgang wurden von Hofer Powertrain und Mitarbeiter:innen der Hochschule Bochum verschiedenste Strategien getestet. Die Auswahl der Zellen erlaubt aufgrund des für den Schnellladevorgang optimalen P/E einen Ladevorgang mit konstantem Strom von 460 Ampere.

Auf ein aufwändiges Kühlkonzept konnte verzichtet werden, da während des Schnellladevorgangs die Batterietemperatur lediglich um 26 Grad ansteigt. Das passende Battery Management System (BMS), das die hohen Spannungen und eine maximale Ladeleistung ermöglicht, realisierte die Firma Sensor-Technik Wiedemann (STW).

„Wir freuen uns, dass wir in den viereinhalb Jahren Projektlaufzeit, unsere Ziele letztendlich noch übertreffen konnten“, erklärte Kai André Böhm bei der Abschlusspräsentation des Forschungsprojektes, „denn mit einer durchschnittlichen Entladeleistung von 70 kW und einer Entlade-Energie von 90,3 kWh erreichen wir eine Gesamteffizienz von 92 Prozent.“ Zudem profitieren alle beteiligten Unternehmen von der im Rahmen des Projektes geleisteten Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Die Entwicklung von neuen Prüfverfahren, eine Highend-Ladeelektronik sowie ein neues Kommunikationsmodul sind neben echten 410 km Reichweite (WLTP: 564 km) bei 88 kWh und 15 Minuten Ladezeit durchaus interessante Projektergebnisse, die die Entwicklung der Elektromobilität beeinflussen könnte. „Ich gehe davon aus, dass diese Schnellladetechnologie in Zukunft in Pkw zu finden sein wird“, erwidert Christoph Dörlemann von Keysight Technologies auf die Frage, inwieweit eine Umsetzung in Serie denkbar sei.

Quelle: Hofer Powertrain– Pressemitteilung vom 12.01.2023

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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12 Comments
Johann
Johann
3 Jahre zuvor

Der Taycan lädt auf 80% mit 202,3 kW durchschnittlich habt ihr doch selber im Test des Taycan festgestellt.

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Daniel W.
Daniel W.
3 Jahre zuvor

Wer´s braucht – ich sehe das langsame Laden, z.B. Windstrom über Nacht zuhause und Sonnenstrom auf den Firmenparkplätzen tagsüber günstig laden und damit das Stromüberschussproblem veringern, wenn zukünftig sehr viele PV- und Windkraftanlagen in Deutschland wie auch in der EU installiert sein werden.

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Antworten anzeigen (9)
Charge Point
Charge Point
3 Jahre zuvor

Die Stromer aus Süd Korea können das zum halben Preis.

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