Gerade mal zwei Jahre alt ist das Unternehmen Numbat, das sich auf Schnellladesäulen mit einem integrierten Batteriespeicher spezialisiert hat. Die Lösung soll auch dort das Schnellladen eines E-Autos mit bis zu 300 kW ermöglichen, wo der Netzanschluss eigentlich eine so hohe Leistung gar nicht zur Verfügung stellen könnte. Ein Konzept, das zu Überzeugen scheint: Numbat aus Kempten im Allgäu konnte bereits mehrere namhafte Kunden gewinnen, mit Aussicht auf gut 1000 Standorte für seine innovativen Ladesäulen innerhalb kurzer Zeit.
Die ersten „Numbats“ wurden vor wenigen Wochen auf Parkplätzen der Lebensmittelkette Feneberg aufgebaut. Bis Ende Juni sollen die Schnelllader an insgesamt bis zu 50 Feneberg-Standorten aufgebaut werden. Für Numbat geht es dann ab dem 2. Quartal 2023 an die Umsetzung von weiteren gut 1000 Ladepunkten, 600 davon sollen noch in diesem Jahr entstehen, unter anderem mit der Lebensmittelkette Tegut, der Elektronik-Händlerkette Euronics (gut 100 Standorte) und weiteren Kunden wie z.B. Tankstellen (etwa 70 Standorte des familiengeführten Tankstellenunternehmens PM Pfennings Mobility) und Autohäusern. Numbat agiert dabei als Betreiber der Ladesäulen und verlangt aktuell zwischen 40 und 60 Cent je Kilowattstunde Ladestrom. Werbeeinblendungen auf großen Displays an den Säulen sollen zusätzliche Einnahmen generieren.
Gegründet wurde Numbat von Dr.-Ing. Maximilian Wegener und Martin Schall, beide langjährige Manager in der Batterietechnologie. Mit einer Kombination aus Ultra-Schnellladesäule und Batteriespeicher erfüllt ein Numbat zwei wichtige Kriterien vieler Kunden: Durch die Erweiterung des Lade-Angebots vor Ort haben E-Fahrer und E-Fahrerinnen einen zusätzlichen Anreiz, die Kunden anzufahren. Und dank der zusätzlichen Batteriefunktion können hohe Lastspitzen vermieden, der Eigenverbrauch optimiert und die Kosten reduziert werden. Ausgestattet mit zwei Ladepunkten, kann ein Numbat E-Autos mit einer Ladeleistung von bis zu 300 kW schnellladen. Bei gleichzeitiger Verwendung beider Ladepunkte sind bis zu 150 kW möglich. Der integrierte Batteriespeicher mit einer Kapazität von 200 kWh – die Batterien kommen von Samsung und LG – sorgt für ein nachhaltiges Energiemanagement in den Stationen.
Die Anschlussleistung spielt dank des Batteriespeichers bei Numbat keine Rolle, weshalb ein Anschluss an das Niederspannungsnetz genügt. Nur 20 kW seien nötig, um einen Numbat betreiben zu können. Lange Wartezeiten für Transformatoren für Trafostationen sowie mit hohen Kosten verbundene Baumaßnahmen für einen Anschluss an die Mittelspannung entfallen. Ein Numbat könne schnell und unkompliziert an den entsprechenden Standorten installiert werden, so der Hersteller. Ein weiterer Vorteil des Batteriespeichers sei die Möglichkeit der Anbindung an eine Photovoltaik-Anlage. So könne selbst erzeugter Solarstrom im Numbat gespeichert und entweder für das Schnellladen oder den Bedarf des gesamten Standorts verwendet werden.
„Wir sind extrem aggressiv am Markt“
Numbat dringt damit in eine attraktive Marktlücke vor und will noch in diesem Jahr einen dreistelligen Millionenumsatz erreichen. „Wir sind extrem aggressiv am Markt“, sagte Gründer Schall dem Handelsblatt zur Strategie von Numbat. Geplant sei auch, das Numbat-Netz zu einem riesigen Schwarmspeicher zu verknüpfen, und überschüssige Energie ins Netz einzuspeisen. Dabei soll Solar- und Windenergie zu Überschuss-Zeiten billig eingekauft und zu lukrativen Lastspitzen-Preisen wieder ins Netz eingespeist werden.
Darin liegt ein enormes Erlöspotenzial. Zum Vergleich: Für Vehicle-to-Grid-Anwendungen rechnet die Branche damit, dass ein E-Auto bei Zur-Verfügung-Stellung von 8 kWh Kapazität während der üblichen Standzeiten einen Jahreserlös von 700 bis 1000 Euro erzielen kann. Was allein die 1000 mittelfristig geplanten Numbats mit jeweils 200 kWh Kapazität einnehmen könnten, dürfte die Millionen-Euro-Grenze mehr als deutlich übertreffen.
An fehlendem Startkapital sollte es nicht scheitern: Numbat konnte über Finanzierungsrunden bislang einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag einsammeln. Zu den ersten Geldgebern gehören bekannte Namen wie Paul-Josef Patt, mit seiner Firma eCapital einer der erfolgreichsten Technologieinvestoren Deutschlands. Auch Christoph Ostermann, der 2019 den Batteriespeicherspezialisten Sonnen für einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag an Shell verkauft hat, gehört zu den ersten Geldgebern und Unterstützern, auch was das Know-How betrifft: „Uns geht es nicht primär um die Geldvermehrung“, sagte Ostermann dem Handelsblatt. Er wolle vor allem seine Branchenkenntnis und Erfahrung beim Unternehmensaufbau weitergeben und so den Ausbau der Ladeinfrastruktur in Deutschland vorantreiben. Beteiligen können sich über Finanzierungsvehikel auch Investoren wie Kapitalbeteiligungsgesellschaften und Banken – ähnlich wie zum Beispiel bei Windparks.
Quelle: Numbat – Pressemitteilungen / Handelsblatt – Numbat plant Tausende Ladesäulen mit Batteriespeichern vor Supermärkten
Das Konzept ist sehr nett .. hat nur einen riesigen Haken: Wenn ich mit 20 kw den internen Akku aufladen will wird das ganz schön lange dauern. Und wenn gleichzeitig von 2 Fahrzeuge (mit jeweils 100kw) laden wollen passiert annähernd nichts mehr.
Pro Fahrzeug 8 kw und inden Akku 4 kw???
Das ist ein Konzept für 2x laden eines Fahrzeugs pro Tag – nicht mehr.
Ach: die eigene PV-Anlage liefert den Rest? Ja – im Sommer und Mittags – ansonsten eher wenig, wenn man den Ladebedarf eines BEV betrachtet.
20 kW und 24 Stunden wären 480 kWh am Tag, abzüglich Ladeverlust vielleicht 455 kWh, also 10 E-Autos könnte im Durchschnitt rund 45 kWh pro Tag laden. Werden die E-Auto-Akkus nur von 10 auf 80% geladen, dann dürfte der Akku rund 64 kWh netto bzw. 74 kWh brutto haben.
Ladeleistung bis zu 300 kW, rechnen wir als Durchschnitt 150 kW, dann wären 45 kWh in 18 Minuten geladen, d.h. ein kurzer Einkauf im Supermarkt und das E-Auto hätte für ca. 200 km Reichweite geladen.
480 kWh am Tag und 500 kWh Akkugröße mal 250 Euro pro kWh wären 125.000 Euro. Bei 4000 Ladezyklen wären es 31,25 Euro Verschleiß pro Ladezyklus geteilt durch 455 kWh knapp 7 Cent pro kWh.
Da die Kosten „für einen Anschluss an die Mittelspannung entfallen“, dürften die 7 Cent pro kWh Akkukosten vermutlich ausgeglichen werden und der Betreiber muss nur mit den normalen Strombezugspreisen rechnen.
Wenn mich nicht alles täuscht ist das Konzept schon etwas anders als in den Kommentaren geschrieben. Die Anschlussleistung „lädt“ die Batterie (das kann auch über PV-Strom passieren). Lädt ein Fahrzeug wird die Leistung aus der Batterie mit dem Netzbezug quasi zusammengeschaltet und so eine entsprechend hohe Ladeleistung erzielt. Der Clou ist eben aus einer geringeren Anschlussleistung höhere Leistungen durch Pufferspeicher abgeben zu können.