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1000 Euro pro Jahr: Wenn das Elektroauto Geld verdient

Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
31. Januar 2019
Lesedauer: 2 Minuten
Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
31. Januar 2019
Lesedauer: 2 Minuten

© Abbildung(en): The Mobility House

Home Elektroauto Hersteller

Erstmals erwirtschaftet ein Elektroauto Erträge im Stromnetz. Als Teil der Primärregelleistung stabilisiert und sichert ein Nissan Leaf die Stromversorgung. Die Premiere in Hagen eröffnet vielversprechende Möglichkeiten im Energiemarkt.

Ein Elektroauto ist in der Anschaffung teurer als vergleichbare Modelle mit Verbrennungsmotor und auch den Strom gibt es nicht kostenlos. Doch ein Elektroauto kann Teil des Energiemarktes werden und dadurch Geld verdienen. Dieser Ausblick auf die Zukunft ist mit dem V2G-Pilotprojekt von Enervie in Hagen ein Stück weit Realität geworden. V2G steht für Vehicle to Grid. Die Batterie eines Nissan Leafs dient, sobald das Fahrzeug an die Ladesäule angeschlossen ist, als Energiespeicher und -quelle.

„Damit zeigen wir, dass die Einbindung von E-Autos in die Primärregelleistung technisch als auch wirtschaftlich sinnvoll ist“, sagt Thomas Raffeiner, Gründer und CEO von The Mobility House (TMH) aus München. Das Firmenfahrzeug steht auf dem Parkplatz des Energieversorgers Enervie in Hagen. Als Teil der Primäregelleistung nimmt das E-Auto innerhalb von Sekunden überschüssige Energie aus dem Stromnetz auf oder speist sie ein, je nach Bedarf. Die schnelle Reaktionsfähigkeit wird von den Übertragungsnetzbetreibern entlohnt, weil damit das Stromnetz stabil gehalten wird. Stromausfälle bleiben eine Ausnahme.

Mehr Einnahmen als Ausgaben für den Strom

„Wir haben mit dem Fahrzeug eine Woche lang acht Kilowatt Leistung angeboten und damit 20 Euro verdient“, sagt Marcus Fendt, Geschäftsführer von TMH nicht ohne Stolz. Die Summe erscheint auf den ersten Blick niedrig. Allerdings handelt es sich um ein einziges Auto, das seine Speicherleistung zudem mit nur einem kleinen Teil seiner maximalen Kapazität zur Verfügung stellt. „Bei 50 Wochen wären es 1000 Euro“, rechnet Fendt vor. Damit dürfte die benötigte Jahresstrommenge, die ein Elektroauto verfährt, mehr als gedeckt sein.

Insbesondere für Betreiber von Flotten ist die V2G-Technologie interessant. Mehr Autos bedeuten mehr Speicherleistung, und bei Firmenfahrzeugen sind Standzeiten am Wochenende oder zu Urlaubszeiten gut planbar. Die Bezahlung für Primärregelleistung wird in einem Versteigerungsverfahren wochenweise ermittelt. Ab 2019 erfolgt die Vergabe tageweise, was dem Besitzer mehr Flexibilität in der Fahrzeugnutzung bringt.

Schonender Umgang mit der Batterie

Bis aus der Premiere in Hagen ein Alltagsgeschäft für jeden Fahrer eines Elektroautos wird, dürfte es noch etwas dauern. Die Preise für die Ladetechnik als auch regulatorische Hürden bilden noch Hindernisse. Doch im gewerblichen Bereich, wo größere Flotten im Einsatz sind, dürften wir schon bald V2G in der praktischen Anwendung sehen, ist Fendt überzeugt.

Den Einwand, dass mit der häufigeren Be- und Entladung der Batterie die Lebensdauer verkürzt wird, lässt er nicht gelten. „Wir haben gerade in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität München gezeigt, wie man durch Lademanagement die Lebensdauer positiv beeinflussen kann“, sagt er.

Netzstabilität und Netzausbau

Langfristig gedacht soll nicht jedes E-Auto Teil der Primärregelleistung werden. Das Stromnetz zu stabilisieren und zu entlasten, ist eine ebenso wichtige Funktion. Je mehr Autos Überschüsse aus dem Netz aufnehmen, die nicht transportiert werden können und erst wieder ans Netz abgeben, wenn Kapazitäten frei sind, vermindert das Volumen des Netzausbaus. In Hagen ist die Pilotphase inzwischen beendet. Der Nissan Leaf ist nun im Regelbetrieb als Batteriespeicher. Sobald der CHAdeMO Stecker vorn im Fahrzeug steckt, stabilisiert der weiße Wagen das deutsche Stromnetz.

Quelle: The Mobility House – Pressemitteilung vom 28.01.2019

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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2 Comments
strauss
strauss
7 Jahre zuvor

wenn man ein ev hat will man damit fahren. wenn man die batterie für andere zwecke verwendet und entladet kann mit dem auto nicht mehr gefahren werden. punkt.dazu liegt die zwischenspeicherung von Strom noch zu sehr in den Kinderschuhen und ist etwa gleich unwirtschaftlich wie der antrieb mit Wasserstoff. wer eine eigene pv anlage auf dem dach hat, soll möglichst viel Strom selber verbrauchev ev,, Wärmepumpe,nachtstrom boiler auf tagstrom umhängen etc….dort wo noch hohe einspeisevergütung der fall ist, einen smartzähler einbauen und tagsüber den übrigen Strom ins netz einspeisen.

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yarn
yarn
6 Jahre zuvor

Wenn man im Alltag nur 20-30km fährt aber einen Akku von 58 kWh im E-Auto hat, kann man gut und gerne ein paar kW zur Netzstabilisierung zur Verfügung stellen.
Oder noch besser, den Strom aus dem Auto (vorher aus eigener PV-Anlage eingespeißt oder nachts günstig eingekauft aufgrund von Überschüssen aus Windenergie) direkt wieder im Haus verbrauchen (z.B. in der Übergangsjahreszeit an denen die Sonne auch mal weniger scheint).
Wenn man das auf einfache Weise individuell an die eigene Situation anpassen und einstellen kann, sehe ich gurndsätzlich nur Vorteile für alle Beteiligten.

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