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Audi-Feinstaubfilter soll für bessere Luft in Städten sorgen

Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
20. Oktober 2022
Lesedauer: 3 Minuten
Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
20. Oktober 2022
Lesedauer: 3 Minuten

© Abbildung(en): Audi

Home Audi Elektroautos

In einem Pilotprojekt entwickelt der Autohersteller Audi gemeinsam mit dem Zulieferunternehmen Mann+Hummel einen Feinstaubfilter für Elektroautos, der Feinstaub aus der Umgebung auffängt. Sowohl während der Fahrt als auch während des Ladevorgangs soll er bereits in einer ersten Pilotphase dazu beitragen, die Luftqualität in Städten zu verbessern. Die genaue Funktionsweise haben die beiden Unternehmen vor wenigen Tagen auf dem Greentech Festival in London vorgestellt.

85 Prozent der Feinstäube im Straßenverkehr entstehen durch Bremsen-, Reifen- oder Straßenabrieb, und das unabhängig von der Antriebsart der Fahrzeuge. Die kleinsten Staubpartikel sind nur wenige Mikrometer groß und mit bloßem Auge kaum wahrnehmbar. Sie haben einen Durchmesser von lediglich 10 Mikrometer und können daher leicht eingeatmet werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfahl im vergangenen Jahr deutlich niedrigere Feinstaub-Grenzwerte als bisher. Expert:innen zufolge könnten in Deutschland die neuen Werte vielerorts nicht eingehalten werden.

Passives Filtern während der Fahrt, aktives während des Ladens

Audi stellt laut eigener Aussage die Nachhaltigkeit in das Zentrum seiner Aktivitäten und will Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft übernehmen. Der Autohersteller will deshalb nicht nur selbst bilanziell CO2-neutral produzieren, sondern auch andere Emissionen reduzieren, wo es möglich ist. Zusammen mit dem Zulieferer Mann+Hummel hat Audi daher einen Filter für den Vorderwagen entwickelt, der Feinstaub aus der Umgebung auffangen kann. Die Funktionsweise ähnelt der von stationären Anlagen, wie sie bereits in einigen Städten im Einsatz sind. Der Vorteil der mobilen Version: Nicht nur die eigenen Partikel-Emissionen sondern auch die anderer Fahrzeuge können absorbiert werden – und zwar direkt dort, wo sie entstehen.

Das Pilotprojekt wurde 2020 gestartet und läuft über einen Zeitraum von vier Jahren. „Dieser Feinstaubfilter ist ein Beispiel für unser Streben nach Innovation zum Nutzen aller und einer gelungenen Zusammenarbeit mit spezialisierten Zulieferern. Wir machen heute schon viel aufgrund von Eigeninitiative“, erklärt Fabian Groh, Projektleiter in der Entwicklung Anbausystem bei Audi. „Dabei antizipieren wir, dass das zukünftig auch eine Gesetzesforderung werden wird.“

Der Filter ist vor dem Kühler in die bestehende Luftstrecke des Autos integriert, sodass nur wenige Veränderungen am Fahrzeug notwendig sind. Das hält die Kosten niedrig. Das Filterelement wird über den schaltbaren Kühllufteinlass angesteuert. Seine mechanische Funktionsweise ist vergleichbar mit einem Staubsauger. Nach einem ähnlichen Prinzip bleiben auch hier die Feinstaub-Partikel im Filter hängen, und die Luft kann trotzdem hindurchfließen.

Bislang ist der Filter in rein elektrischen Audi e-tron-Versuchsfahrzeugen im Einsatz. Während der Fahrt filtert er passiv durch die Bewegung des Fahrzeugs; dabei strömt Luft durch das Filtersystem, welches auch die kleinsten Partikel auffängt. Eine weitere Möglichkeit ist das Filtern während des stationären Ladevorgangs. Ein bereits heute in jedem Elektroauto eingebauter Lüfter fördert dabei Umgebungsluft durch den Kühler. Diesen Vorgang macht sich das System zunutze und kann so mittels des Feinstaubfilters die durchströmende Luft aktiv filtern. So werden kleinste Partikel auch im Stand aufgenommen. Der Einsatz wäre ideal im urbanen Umfeld, da hier die Feinstaubbelastung wesentlich höher ist als auf dem Land.

Wirksamkeit durch Dauertests nachgewiesen

Die Tests in den Erprobungsfahrzeugen dienten nicht nur dazu, die Wirksamkeit der Filter zu analysieren, sondern auch der Untersuchung, ob die Fahrzeugnutzung dadurch beeinflusst wird. Nach mehr als 50.000 Kilometern Dauerlauf mit dem e-tron steht Audi zufolge fest: Es gibt keinerlei negative Auswirkungen auf den Betrieb des E-Autos, auch nicht an heißen Sommertagen oder beim Schnellladen.

Das System soll so wirksam sein, dass je nach Nutzungsszenario in einer hoch belasteten Stadt wie etwa Stuttgart mengenmäßig die Partikel des Audi e-tron komplett herausgefiltert werden. In noch stärker verschmutzten Städten sollen die Feinstaubemissionen in einem typischen Kunden-Szenario aktiv und passiv von bis zu drei Fahrzeugen absorbiert werden können. Um das System noch effizienter zu machen, strebt Audi in Kooperation mit Mann+Hummel eine Vernetzung mit bereits bestehenden Sensoren etwa von Wetterstationen an. Außerdem soll eine Anzeigelogik im Fahrzeug entwickelt werden. So können sich Insassen darüber informieren, wann das System aktiv ist und wie viel bereits gefiltert wurde.

Filtersystem mit hohem Rezyklat-Anteil

Der Filter soll einfach zu warten sein. Er müsse frühestens mit dem Erreichen des Regelwartungsintervalls gewechselt werden. Eine Lebenszyklusanalyse für das gesamte Filtersystem hat ergeben, dass dieses mit 14,9 Kilogramm CO2-Äquivalenten zu Buche schlägt. Der Filter selbst besteht zu 15 Prozent aus Rezyklat, das gesamte System zu 60 Prozent.

Quelle: Audi – Pressemitteilung vom 14.10.2022

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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6 Comments
libertador
libertador
3 Jahre zuvor

Klingt ganz interessant. Ist vermutlich vielversprechender, da einfacher als direkte Filterung an den Reifen jedes Autos.

OT: Allerdings müsste man in der Heizsaison wohl viele davon im Wohngebiet haben, um den Feinstaub der Kamine aufzufangen, der mittlerweile einen Großteil ausmacht.

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Tobi
Tobi
3 Jahre zuvor

Audi filtert also den eigenen Dreck aus der Luft. Hat Audi evtl. ein Image Problem?

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Calitry
Calitry
3 Jahre zuvor

Die Idee an sich klingt gut.
Und wie oft muss dann dieser Filter gereinigt/ersetzt werden? Muss das selber gemacht werden?
Kann der Filter „geleert“ werden? Wenn ja, wo kann man das entsorgen?
Gibt es da unangenehme Gerüche bei feuchter Luft?
Jedoch hört es sich mehr nach marketinggeschwätz an. Aber wir werden sehen.
Wenn, laut Hersteller, vor einigen Jahren schon das Nachfüllen des AddBlue Tanks für den Kunden nicht zumutbar war, wie wird dann dies gerechtfertigt?
Ich wäre da sehr dafür, die Idee ist äusserst intressant. Ich wäre auch bereit mehraufwannd zu betreiben, damit ich mithelfen kann die Luft zu reinigen resp. nicht so schnell weiter zu verschmutzen.

Ich bin aber etwas skeptisch, dass dies viele andere so sehen. Gerade Audi-Kunden sind ja nicht unbedingt bekannt dafür möglichst Ökologisch unterwegs sein zu wollen.

Aber ich lasse mich sehr gerne eines Besseren belehren.

Aber solche Systeme stationär einzusetzen fände ich eine sehr gute Idee. Dadurch könnte die Luft in den Städten bestimmt etwas verbessert werden.
Und in den Kaminen der Cheminées direkt Feinstaubfilter integrieren.

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Heinz Fuchsig
Heinz Fuchsig
3 Jahre zuvor

schön wär´s, wenn alle das machen. Kleine Korrektur: 90% der FeinstaubMASSE ist Brems- Strassen- und Reifenabrieb, aber von der Partikelzahl und damit zusammenhängend der gesundheitlich relevanten Oberfläche der Partikel sind immer noch 2/3 Dieselpartikel (PM 0,1), die hier hoffentlich auch erfasst werden. Wichtiger wäre eine Nachrüstung des Schwerverkehrs BJ bis 2014 mit Filtern!

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Daniel W.
Daniel W.
3 Jahre zuvor

Wie wäre es einfach die schweren Auto mit ihrem breiten Schlappen abzuschaffen, das würde jede Menge Feinstaub verhindern, ganz ohne teuere Filtersysteme. Dann noch den Verkehr weitgehend aus den Städten verbannen und Stadtgrün als Staubfänger und Hitzedämpfer pflanzen, damit wäre mehr geholfen.

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Wolfbrecht Gösebert
Wolfbrecht Gösebert
3 Jahre zuvor

@ Daniel W.:

„Dann noch den Verkehr weitgehend aus den Städten verbannen …“

Ja, z.B. im 3-Stufen-Plan: Im ersten Schritt alle Verbrenner-Pkw raus, dann alle Verbrenner, dann Pkw-Gewichtsbeschränkung, z.B. unter 1 Tonne Leergewicht …

Zuletzt bearbeitet am 3 Jahre zuvor von Wolfbrecht Gösebert
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