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BMW kauft für rund 100 Millionen Euro nachhaltiges Kobalt aus Marokko

Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
10. Juli 2020
Lesedauer: 4 Minuten
Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
10. Juli 2020
Lesedauer: 4 Minuten

© Abbildung(en): BMW

Home Automobilindustrie

Der Autohersteller BMW treibt den Ausbau der Elektromobilität voran und kauft künftig den für Batteriezellen wichtigen Schlüssel-Rohstoff Kobalt direkt ein. Kürzlich hat das Unternehmen dafür einen Liefervertrag mit dem marokkanischen Bergbau-Unternehmen Managem Group unterzeichnet. „Das Vertragsvolumen beträgt rund 100 Millionen Euro“, sagt Andreas Wendt, Vorstand der BMW AG für Einkauf und Lieferantennetzwerk. Die BMW Group deckt damit rund ein Fünftel des Kobalt-Bedarfs für die fünfte Generation ihrer elektrischen Antriebe ab. Rund vier Fünftel des benötigten Kobalts wird das Unternehmen aus Australien beziehen. Die Laufzeit für den Vertrag zwischen der BMW Group und der Managem Group beträgt fünf Jahre (2020 – 2025). Bereits im Januar 2019 hatten die beiden Unternehmen in Marrakesch ein Memorandum of Understanding (Absichtserklärung) für den Direktbezug von Kobalt aus Marokko unterzeichnet.

Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit sind wichtige Faktoren für die Elektromobilität. „Für uns beginnt eine ethisch verantwortliche Rohstoffgewinnung und -verarbeitung ganz am Anfang der Wertschöpfungskette: Wir beschäftigen uns intensiv mit den Lieferketten für Batteriezellen – bis in die Rohstoffminen hinein“, sagt Ralf Hattler, Bereichsleiter für Einkauf Indirekte Güter und Leistungen, Rohstoffe, Produktionspartner bei der BMW AG. Die Einhaltung von Umweltstandards und Menschenrechten habe dabei oberste Priorität. „Nachhaltigkeit ist ein wichtiger Aspekt unserer Unternehmensstrategie und spielt eine zentrale Rolle beim Ausbau der Elektromobilität. Wir sind uns unserer Verantwortung voll bewusst: Kobalt und andere Rohstoffe müssen unter ethisch verantwortlichen Bedingungen gewonnen und verarbeitet werden“, betont Wendt. Für die Kobalt-Gewinnung bei der Managem Group gelten höchste Ansprüche in Bezug auf Nachhaltigkeit, teilt BMW mit.

Bereits heute veröffentlicht die BMW Group auf ihrer Webseite die Herkunftsländer für Kobalt (hier als PDF). Für die fünfte Generation an Batteriezellen hat das Unternehmen außerdem die Lieferketten neu strukturiert und wird nicht nur Kobalt, sondern auch Lithium ab 2020 selbst direkt einkaufen und die Rohstoffe den beiden Batteriezell-Herstellern CATL sowie Samsung SDI zur Verfügung stellen. Damit soll eine vollständige Transparenz über die Herkunft der Rohstoffe gegeben sein. Außerdem wird die BMW Group ab der fünften Generation der Elektroantriebe ab 2021 komplett auf den Einsatz von seltenen Erden verzichten. „Damit machen wir uns unabhängig von deren Verfügbarkeit“, sagt Wendt.

„Kobalt ist ein wichtiger Rohstoff für die Elektromobilität. Mit der Unterzeichnung des Liefervertrags mit Managem sichern wir unseren Rohstoffbedarf für Batteriezellen weiter ab. Wir treiben die Elektrifizierung unserer Fahrzeugflotte konsequent voran. Bereits 2023 wollen wir 25 elektrifizierte Modelle im Angebot haben, davon mehr als die Hälfte vollelektrisch. Entsprechend steigt der Bedarf an Rohstoffen. Allein für Kobalt rechnen wir bis 2025 etwa mit einer Verdreifachung unseres heutigen Bedarfs.“ — Andreas Wendt, Vorstand der BMW AG für Einkauf und Lieferantennetzwerk

Die BMW Group verfügt über umfangreiches in-house-Fachwissen zur kompletten Wertschöpfungskette der Batteriezelltechnologie. Im November 2019 hat das Unternehmen sein „Kompetenzzentrum Batteriezelle“ in München eröffnet. Ziel des Kompetenzzentrums ist es, die Technologie der Batteriezelle voranzutreiben und die Produktionsprozesse technologisch zu durchdringen. Die Produktion von Batteriezell-Prototypen ermöglicht es, die Wertschöpfungsprozesse der Zelle vollständig zu analysieren und zu verstehen. „Ob wir die Zellen zu einem späteren Zeitpunkt dann selber auch in Serie produzieren, hängt maßgeblich von der Entwicklung des Lieferantenmarktes ab“, sagt Andreas Wendt.

Für die fünfte Generation an elektrischen Antrieben bezieht die BMW Group ihre Batteriezellen bei CATL (Auftragsvolumen: 7,3 Milliarden Euro, Vertragslaufzeit: 2020 bis 2031) und Samsung SDI (Auftragsvolumen: 2,9 Milliarden Euro, Vertragslaufzeit: 2021 bis 2031). „Damit haben wir langfristig unseren Bedarf an Batteriezellen gesichert. Jede Zellgeneration wird im globalen Wettbewerb an den technologisch und betriebswirtschaftlich führenden Hersteller vergeben. So haben wir zu jeder Zeit Zugang zur bestmöglichen Zelltechnologie“, so Andreas Wendt.

Ein entscheidender Aspekt dabei: Je stärker sich die E-Mobilität durchsetzt, desto mehr verschiebt sich bei der CO2-Reduzierung der Fokus auf die vorgelagerte Wertschöpfung. Die BMW Group hat deshalb mit ihren Zellherstellern vertraglich vereinbart, dass diese bei der Produktion der fünften Generation von Batteriezellen der BMW Group nur noch Grünstrom verwenden. Dies soll dafür sorgen, dass das Unternehmen innerhalb der nächsten zehn Jahre rund 10 Millionen Tonnen CO2 einspart. Gerade die energieintensive Herstellung der Hochvoltspeicher ist ein beträchtlicher und wirksamer Hebel für die CO2-Reduzierung. Denn bei einem vollelektrischen Fahrzeug entfallen bis zu 40 Prozent der CO2-Emissionen allein auf die Herstellung der Batteriezellen – genau dort setzt die BMW Group an.

Die hausinterne Fertigung der Batterien erfolgt in den BMW Group Werken Dingolfing (Deutschland), Spartanburg (USA) sowie im BBA Werk Shenyang (China). Auch in Thailand hat die BMW Group die Produktion von Batterien lokalisiert und arbeitet hierfür mit der Dräxlmaier Group zusammen.

Für die Erschließung der für die Elektromobilität entscheidenden Zelltechnologie betreibt die BMW Group zudem ein gemeinsames Technologiekonsortium mit dem schwedischen Batteriehersteller Northvolt sowie Umicore, einem belgischen Entwickler von Batteriematerialien. Die Zusammenarbeit befasst sich mit dem Aufbau einer kompletten, nachhaltigen Wertschöpfungskette für Batteriezellen in Europa und erstreckt sich von der Entwicklung über deren Fertigung bis zum Recycling. Dabei spielt das Recycling von Batteriekomponenten eine entscheidende Rolle, um bei stark steigender Nachfrage nach Batteriezellen den Wertstoffkreislauf über eine umfassende Wiederverwertung der Rohstoffe bestmöglich zu schließen.

Quelle: BMW — Pressemitteilung vom 09.07.2020

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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4 Comments
Peter W
Peter W
5 Jahre zuvor

Nachhaltigkeit, ein schönes Wort. Auf Kobalt in Akkus ganz zu verzichten wäre ein echter Erfolg, stattdessen verwendet BMW bis heute immer noch NMC 111 Akkus während andere bei 622 oder 811 sind und der Kobaltfreie Akku demnächst in Serie gehen wird.
Wenn jemand nicht weiß was das bedeutet: 111 = Ein Teil (33%) Nickel, 1 Teil Mangan, 1 Teil Cobalt – 811 = 8 Teile (80%) Nickel, 1 Teil (10%) Mangan, 1 Teil Cobalt.
Nachhaltigkeit beschwören und Rohstoffe horten, die Andere kaum oder bald gar nicht mehr nutzen ist sehr fragwürdig.

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Silverbeard
Silverbeard
5 Jahre zuvor

Mich würde eher interessieren wieviel kWh Batteriezellen BMW erwerben will. Der Preis interessiert mich erstmal sekundär. Viel interessanter ist doch mit wieviel verkauften E-Autos bis 2030 geplant wird.

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Titan
Titan
5 Jahre zuvor

ELEKTRIFIZIERT, heist dann wieder in den Verbrenner einen Alibi-E-Motort (AEM) einzubauen! Kapiert BMW denn gar nix, also ich würde von denen maximal den i3 in Betracht ziehen, die Ksiten mit den langen Motorhauben sind von GESTERN … und soooo schön wie beim Type-E konnte das keiner zelebrieren!!!

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Kurt Werner
Kurt Werner
5 Jahre zuvor

Der Umgang mit Wertstoffen ist ein grundsätzliches Problem. Nicht nur in der Elektromobilität, sondern in vielen anderen Anwendungen.
Jedes Metall kann schmutzig oder sauber gewonnen werden. Auch Stahl! Oft sind die politischen Verhältnisse in den Herkunftsländern das Problem.
Auf lange Sicht ist es erforderlich Wertstoffe in Kreisläufen zu nutzen. Aktuell ist aber der Bezug aus sauberem Abbau und Verarbeitung das Mittel der Wahl. Eine Technologie ohne Kobald ist eine andere aber nicht bessere Lösung.

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