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Ford testet Roboter-Ladesäule für Menschen mit Behinderung

Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
22. Juli 2022
Lesedauer: 3 Minuten
Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
22. Juli 2022
Lesedauer: 3 Minuten

© Abbildung(en): Ford

Home Elektroauto Hersteller

Für die meisten von uns ist das Betanken eines Autos mit Kraftstoff oder das Aufladen eines Elektroautos eine einfache Aufgabe. Für Menschen mit Behinderung oder eingeschränkter Mobilität, etwa im fortgeschrittenen Alter, kann dies jedoch eine erhebliche Herausforderung darstellen. Deshalb hat Ford den Prototyp einer Roboter-Ladesäule konzipiert, die von der Person am Lenkrad via Smartphone aus dem Elektroauto heraus bedient werden kann. Die Technologie könnte es Menschen ermöglichen, während des Ladevorgangs im Auto zu bleiben, oder sie könnten bei Bedarf auch das Auto verlassen, während der Roboter die gesamte Arbeit erledigt. Autofahrende mit Behinderung haben die Durchführbarkeit des Aufladens bereits als ein wichtiges Kriterium beim Kauf eines E-Autos identifiziert.

Ford testet die Roboter-Ladesäule im Rahmen eines Forschungsprojekts zur Entwicklung freihändiger Ladelösungen für Elektroautos sowie vollautomatischer Ladevorgänge für autonome Automobile. Nach ersten Labortests stellen Ford-Ingenieure die Roboter-Ladesäule nun in realen Situationen auf die Probe. Einmal aktiviert, schiebt sich die Säulenabdeckung auf, und der Roboter-Arm fährt mit Hilfe einer winzigen Kamera in Richtung des Ladeanschlusses am Fahrzeug. Im Rahmen der ersten Testdurchläufe konnten Teilnehmende den Ladestatus über die FordPass-App überwachen. Nach dem Aufladen zieht sich der Arm wieder ein.

„Ich habe vor Jahren aufgehört, mein Auto selbst zu tanken, weil es sehr anstrengend wurde. Mein Mann übernimmt diese Tätigkeit für mich. Die Einführung einer Roboter-Ladesäule würde mir ein höheres Maß an Unabhängigkeit einräumen“, sagt Angela Aben, Employee Communications, Ford of Europe. Sie nutzt im Alltag einen Rollstuhl mit Restkraftverstärker, um mehr Mobilität und Selbstbestimmung zu erlangen.

Die von der Universität Dortmund entwickelte Roboter-Ladesäule könnte künftig auf Behindertenparkplätzen sowie auf regulären Parkplätzen oder im Bereich von Privathaushalten installiert werden. Weitere Anwendungen könnten das schnelle und effiziente Laden von Firmenflotten sein. Mit Blick auf die Zukunft könnte der Prozess vollständig automatisiert werden, mit minimaler oder keiner Beteiligung des Fahrers. Das Fahrzeug würde einfach zur Ladesäule geschickt, wobei die Infrastruktur sicherstellt, dass es sein Ziel autonom erreicht und von dort wieder mit aufgeladener Batterie zurückkehrt.

„Ford setzt sich dafür ein, die größtmögliche Bewegungsfreiheit zu gewährleisten. Zurzeit kann das Tanken oder Aufladen des Fahrzeugs für einige Fahrende ein großes Problem darstellen. Eine praktikable Lösung könnte die Roboter-Ladesäule sein. Darüber hinaus bietet das System zusätzlichen Komfort – auch für Personen ohne Mobilitätseinschränkung“, sagt Birger Fricke, Forschungsingenieur, Research and Innovation Center, Ford of Europe.

Auf dem Weg zur Elektrifizierung

Dieses Forschungsprojekt zur Roboter-Ladesäule ergänzt das Engagement von Ford für die Elektrifizierung. Ein Folgeprojekt in Kooperation mit dem Ladenetzbetreiber Ionity soll die Technologie weiter verbessern. Ford forscht außerdem an Roboter-Ladelösungen in Kombination mit Automated Valet Parking, welches im vergangenen Jahr auf der IAA in München demonstriert wurde. Dabei handelt es sich um einen autonomen Parkhaus-Parkservice für fahrerloses und platzsparendes Parken. Nun könnten abgestellte E-Autos vor Ort auch automatisch geladen werden.

Das schnell wachsende Blue Oval Charging Network von Ford bietet Kunden Zugang zu einem Netzwerk von mehr als 300.000 Lademöglichkeiten in ganz Europa. Um bei der Suche nach Ladesäulen zu helfen, und um Bezahlvorgänge abzuwickeln, kann der Ford Charge Assist von Autofahrenden über den Touchscreen des SYNC 4-Konnektivitäts- und Unterhaltungssystems von Ford aufgerufen werden.

Für Nutzfahrzeugkunden bietet Ford Pro Charging maßgeschneiderte Ladelösungen inklusive Wartung und Managementsoftware, die dazu beitragen, zeitaufwändige administrative Aufgaben und die Planung von Ladevorgängen zu reduzieren. Ford schloss sich kürzlich einer Petition von 27 Großunternehmen an, um sich dafür einzusetzen, dass alle neuen Autos und Lieferwagen in Europa ab 2035 emissionsfrei sind.

Zu den Zielsetzungen von Ford zählt überdies der Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Autos in Europa, um mit den Wachstumsraten beim Verkauf von Elektrofahrzeugen Schritt zu halten. Erforderlich ist gemäß Ford ein ganzheitlicher Ansatz, der Regierungen, EU-Institutionen, die gesamte Automobilindustrie, Energieversorger, lokale Behörden und Verbraucher umfasst, um die Entwicklung einer leicht zugänglichen und effizienten Ladeinfrastruktur zu Hause, am Arbeitsplatz und an öffentlichen Orten zu beschleunigen.

Quelle: Ford – Pressemitteilung vom 20.07.2022

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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2 Comments
Wolfbrecht Gösebert
Wolfbrecht Gösebert
3 Jahre zuvor

Eine Roboter-Ladesäule könnte auch für viele andere Zwecke (z.B. bei Fuhrparks oder Taxiständen) verwendet werden und hätte ggü. einer induktiven Übertragung IMO einige Vorteile:

1 • Das Fahrzeug selbst benötigt (praktisch) keine weitere Technik/Umbauten
2 • Der Ladeanschluss müsste sich nur innerhalb »gewisser Koordinaten« befinden
3 • Ein unseeliger Wirkungsgradverlust – unvermeidlich bei induktiver Technik – entfällt,
4 • ebenso eine Beschränkung durch induktive Leistungsübertragung
5 • Gesundheitlich bedenkliche Magnetfelder entfallen ebenso und
6 • dafür erforderliche Abschirmungen (und deren Gewicht und Platzbedarf)
7 • Kosten fallen praktisch nur bei der Ladeeinrichtung an, nicht beim einzelnen Fahrzeug!

Zuletzt bearbeitet am 3 Jahre zuvor von Wolfbrecht Gösebert
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Daniel W.
Daniel W.
3 Jahre zuvor

Ein weitere Anwendung für Roboter wären Lkw-Ladestationen, die für das Megaladen dicke und schwere Ladekabel brauchen, hier könnte der Fahrer von Fahrersitz aus die Ladeklappe öffnen und signalisieren, dass er laden will und der Roboter würde das schwere Kabel einstecken.

Für Menschen mit Behinderung wären E-Autos mit Solarzellenkarosserie noch besser, die müssten bei Kurzstrecken das ganze Sommerhalbjahr an keine Ladesäule und im Winter nur ab und zu.

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