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NIO: Aktueller Stand Batteriewechsel bei E-Autos

Sebastian Henßler bySebastian Henßler
11. Oktober 2021
Lesedauer: 3 Minuten
Sebastian Henßler bySebastian Henßler
11. Oktober 2021
Lesedauer: 3 Minuten

© Abbildung(en): NIO

Home Elektroauto Hersteller

NIO drängt langsam aber sicher nach Europa. Aber nicht nur mit eigenen E-Autos, sondern wohl auch mit der dazugehörigen Batteriewechsel-Technologie, wie man es bereits aus China kennt. Durch die Einführung eines neuen Battery-as-a-Service (BaaS)-Abonnementmodells und seiner NIO Power Swap Station 2.0 konnte das Start-Up die Nutzung der Batteriewechsel-Option massiv beschleunigen. Nutzer können aktuell in jede der 517 NIO Power Swap Stations in ganz China fahren, um innerhalb von fünf Minuten eine vollgeladene Batterie zu erhalten.

Dabei ist NIO wahrlich nicht der erste Hersteller, welche an austauschbare Akkus gedacht hat. Im Jahr 2007 brachte Better Place gemeinsam mit Renault eine neue elektrische Limousine auf den Markt, die mit Roboter-Batterie-Tankstellen in Israel und Dänemark ausgestattet war. Viele Beobachter der Autoindustrie waren von diesem neuartigen Konzept fasziniert. Es erwies sich jedoch als seiner Zeit voraus, da die Marktnachfrage nach Elektrofahrzeugen im ersten Jahrzehnt des Jahrhunderts begrenzt war.

Better Place meldete im Mai 2013 Konkurs an. Ausschlaggebend hierfür war die Tatsache, dass das Wechsel-Netz nicht zu überzeugen wusste. Die hohen Investitionen, die für die Entwicklung der Lade- und Tauschinfrastruktur erforderlich waren, führten dazu, dass die Nutzer oft gezwungen waren, lange Strecken zu fahren, um ihre Batterien zu tauschen, was die Kundenzufriedenheit einschränkte.

NIO hat aus diesen Fehlern gelernt und setzt auf flächendeckend Ladestationen in China und anschließend weltweit. Man scheint sich ziemlich sicher dies erreichen zu können. Was sich schon daran erkennen lässt, dass man 2021 700 neue Wechselstandorte errichten wolle, zuvor waren 500 geplant. Darüber hinaus hat sich der Hersteller verpflichtet, weitere 600 neue Standorte in China zu installieren. Bis 2025 habe man sich zum Ziel gesetzt, weltweit mehr als 4.000 Batteriewechselstationen zu errichten, davon 1.000 außerhalb Chinas.

Batteriewechselstationen: Positiv für E-Auto-Preise

Durch die Einführung des Komforts weit verbreiteter Tauschstationen hat der Batterieservice von NIO auch den Preis eines jeden Elektrofahrzeugs um 10.000 Dollar gesenkt, da der Batterieservice vom Verkauf des Autos entkoppelt ist. Außerdem haben die Nutzer mehr Möglichkeiten, an den Power Swap-Stationen verschiedene Batteriegrößen auszuwählen, so dass sie ihr Abonnement auf- oder abrüsten können, wenn sich ihre Fahranforderungen ändern.

Die NIO Power Swap Station 2.0 ermöglicht 312 Batteriewechsel pro Tag. Laut Kurzbeschreibung werden die neuen Stationen mit 14 Batterieschächten ausgestattet sein – diese enthalten 13 Batteriepacks und einen leeren Schacht, um eine entladene Batterie aufzunehmen. Die Station ist vollautomatisch – einschließlich automatischem Parken – und kann bis zu 312 Batteriewechsel pro Tag durchführen – dreimal mehr als die vorherige Generation. Die erste NIO Power Swap Station 2.0 wurde in Peking in Betrieb genommen.

Jeder weiß, dass China ein hart umkämpfter Markt für Elektrofahrzeuge ist. Aus diesem Grund hat sich NIO durch den Verkauf eines kompletten Besitzererlebnisses differenziert. Darüber hinaus bieten die ausgedehnten Power-Swap-Standorte mehr Komfort und niedrigere Kosten für die Nutzer, wodurch der Batteriewechsel zu einem integralen Bestandteil der Kundenerfahrung und der NIO-Community wird.

Europa und Amerika zeigen Interesse an Batteriewechselstationen

Marktbeobachter in Europa und Nordamerika beobachten die Fortschritte der NIO Power-Swap-Stationen-Initiative genau. Einige Kritiker haben behauptet, dass Batterietauschstationen in den USA aufgrund der geringen Marktdurchdringung von E-Fahrzeugen dort weniger sinnvoll sind. Die meisten amerikanischen Autohersteller und Ladeunternehmen sind jedoch dabei, an immer mehr Orten Schnellladestationen zu entwickeln.

Das chinesische Unternehmen lässt sich davon nicht ausbremsen und treibt mit Sinopec die Entwicklung der NIO Power Swap Station 2.0 voroan. Neben der Schaffung eines Netzes zum Laden und Tauschen von Batterien haben die beiden Unternehmen eine enge Zusammenarbeit bei verwandten Projekten für neue Materialien, intelligente EV-Technologien, Battery-as-a-Service (BaaS), Fahrzeugbeschaffung und Einrichtungen vereinbart.

Bis Ende September 2021 hatten über 4 Millionen Batterietauschvorgänge stattgefunden. In China haben uns unzählige Fahrer gesagt, dass unser Batterietauschservice der Hauptgrund für den Kauf eines NIO war. Viele Fahrer, vor allem diejenigen, die in Mehrfamilienhäusern leben, können ihre Batterien nicht zu Hause aufladen und sind daher auf öffentliche Ladestationen angewiesen. Für sie wäre es viel schwieriger, ein E-Fahrzeug zu besitzen, wenn sie ihre Batterien nicht innerhalb weniger Minuten austauschen könnten. Es wird deutlich, dass die Bequemlichkeit und Einfachheit dieses bahnbrechenden Batterietauschdienstes einen starken Anreiz für Käufer von Elektrofahrzeugen darstellt.

Von Seiten NIO ist angedacht, dass das eigene Lade- und Tauschsystem vollständig für andere Hersteller zur Verfügung stehen wird, wenn diese bereit sind, sich anzuschließen. In diesem Zusammenhang erklärte das Unternehmen, dass im Jahr 2025 90 % der Nutzer weniger als 3 km von einer Batterietauschstation entfernt wohnen werden, im Vergleich zu 29 % heute.

Quelle: NIO – Pressemitteilung

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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16 Comments
Wolfbrecht Gösebert
Wolfbrecht Gösebert
4 Jahre zuvor

Aus dem Artikel:
„… die ausgedehnten Power-Swap-Standorte [bieten] mehr Komfort und niedrigere Kosten für die Nutzer, …“ [Hervorhebung von mir]

Glaubt der Autor das selbst oder hat er einfach nur NIO „abgeschrieben“?
Rechnen wir doch mal nach: Bei BaaS-Kauf habe ich zwar rd. 10.000 € weniger Kosten für den“Miet-Tausch-Akku“ aber muß ich doch lt.

https://elektroauto-news.net/2021/nio-es8-wechsel-stromer-china-eindruecke#comments

mit rd. 200 € monatlichen „BaaS“-Kosten rechnen, das sind doch nur noch wenig unter 10.000 € in 4 (in Worten: Vier) Jahren!
Abgesehen davon, dass mich technisch die ganzen Implikationen (führt im Einzelnen hier zu weit …) einer Akku-Wechseltechnik nicht überzeugen, bleiben diese festen monatlichen Kosten doch (im günstigsten Fall!) ständig gleich, auch wenn das Auto nach 8–10–12 Jahren einen immer geringeren Wert hat – falls es technisch passende Akkus/Wechselstationen dann überhaupt noch gibt? Wiederverkaufswert??

Zuletzt bearbeitet am 4 Jahre zuvor von Wolfbrecht Gösebert
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David
David
4 Jahre zuvor

Wenn man ausschließlich verleased oder vermietet, dann kann man das dem Kunden vermitteln. Da muss man dann ein gescheites Nutzungskonzept für die Rückläufer haben. Trotzdem wird es theoretisch teurer als „Ein Auto – ein Akku“. Denn die Stationen, das Personal und die vielen zusätzlichen Akkus müssen von jedem Kunden mitbezahlt werden.

Soso, 2025 wohnen 90% der Nutzer 3 km von einer Wechselstelle entfernt. Aber warum? Das scheint wenig durchdacht, denn zuhause haben viele eine Ladestation oder werden sie 2025 haben. Habe im Bestand ein Objekt von 1990, wo gerade die Tiefgarage aufgerüstet wird. Das wird also langsam auch in Eigentümergemeinschaften. Will sagen: Auf den Autobahnen wären die Wechselstationen erforderlich. Aber auch da fragt sich, wie lange es überhaupt einen Zeitvorteil gibt. Mein Wagen braucht in der Praxis 14 Minuten auf 70% und der Hersteller könnte auf 340 kW gehen, dann wären es 10 Minuten. Das könnte schon knapp werden mit angeblichen 5 Minuten für den Akkuwechsel, da die Station allenfalls am Autohof stehen kann, aber Schnelllader zunehmend auf die Rastanlagen wandern. Zeit kann man so nicht mehr gut machen.

Und nicht zu reden von der nächsten und übernächsten Zellgeneration, wie sie angeblich der Piëch haben soll. Da gibt es dann gar keinen Zeitvorteil mehr.

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neumes
neumes
4 Jahre zuvor

Spannendes Thema….

die Zahlen sind irgendwie noch nicht Stimmig für mich…

bei 312 Wechsel pro Tag wäre das eine Wechselzeit von 11- 12 Minuten.
Ist da evlt. eine Wartungsphase eingeplant?

ob das Akkuschonend ist wage ich auch zu bezweifeln, bei 11-12 Minuten sind das wohl um die 140- 150 Minuten für eine volle 150kWh-Batterie und sollte der Wechselvorgang tatsächlich schneller gehen wird es noch skurriler…..

technisch machbar…
kann mir nicht vorstellen dass das lange gut geht und die Akkus die Grätsche machen.

Ich freue mich dass das in China funktioniert weil es funktionieren muss.

…nur in Europa…

Wenn die so viele Autos verkaufen wollen wir die hiesigen OEMs, dann wird das ganz interessant werden vor den Stationen.

Kann man das Auto auch separat laden oder nur durch die Wechselstation neue Energie in die Batterie bekommen?
hat da jemand genauerer Infos?

Ich finde die Autos von NIO nämlich sehr gut gelungen wäre ein potenzieller Kunde.

Nur die Swap-Stationen empfinde ich als Ressourcenverschwendung.

es bleibt spannend

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Daniel W.
Daniel W.
4 Jahre zuvor

Das ist die Batteriemiete in neuer Version – diesmal für die Gehetzten mit reichlich Geld.

Die Sparsamen laden in Ruhe da wo es günstig ist und haben noch Solarzellen auf der Karosserie.

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oekoschwein
oekoschwein
4 Jahre zuvor

Im Prinzip ist das die Lösung, um das Elektroauto dem Verbrenner ebenbürtig zu machen. Auch der Ansatz, das System anderen Autoherstellern zugänglich zu machen, wirkt sehr intelligent.
Vorteile:

  1. Man muss nicht immer mit mehreren 100kg Batterie durch die Gegend fahren (oder im Stall stehen), wenn man das Auto im Alltag nur für kurze Strecken braucht.
  2. Die Batterien können langsam geladen werden, was ihre Lebensdauer erhöht, und das Stromnetz entlastet.
  3. Die Batterien können dann geladen werden, wenn das Netz viel Strom zur Verfügung hat – Demand-Side-Management nennt sich das und ist im Stromsystem der Zukunft dringend nötig. Bisher laden die meisten E-Auto-Besitzer über Nacht, mit Kohle- und Atomstrom.
  4. Das E-Auto bleibt nicht ein nettes Nice-to-have für die Zweitwagen von Eigenheimbesitzern, die damit ihren Kurzstreckenbedarf abdecken, sondern wird für jederman und für jeden Zweck eine vollwertige Alternative.

Wovon man sich ganz schnell verabschieden muss: Dass das Hochleistungsbatterien sein müssen. Durch die schnellen Wechselzeiten kann man auch höhere Leistungsgewichte akzeptieren, was die Kühlung wiederum einfacher macht. Wenn sich dieses System durchsetzt, dann hat das E-Auto es geschafft. Schade, dass das die Chinesen entwickelt haben, vor 70 Jahren wäre das eine typisch deutsche Erfindung gewesen. Aber Hauptsache, es hat Erfolg! Deutschland hat seinen Zenit ohnehin überschritten.
Ein Tipp für Nio: Unterschiedliche Finanzierungsmodelle anbieten. Manche zahlen lieber einmal einen hohen Betrag für ein (virtuelles) Batteriepaket, um dann im Betrieb nur noch geringe laufende Stromkosten zu haben. Andere sind froh, wenn sie erst mal nicht so viel investieren müssen und dann nur die tatsächliche Inanspruchnahme im Laufe der Zeit bezahlen müssen. Merkt man ja auch hier an den Kommentaren: Manche halten 200Euro im Monat für viel, andere rechnen genau nach und merken: So viel gebe ich auch aus, wenn man ehrlich alles in Anschlag bringt.

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Nick8888
Nick8888
4 Jahre zuvor

Nio hat da ein sehr interessantes Alleinstellungsmerkmal im Markt.

Wenn ich eine wechselstation in der Nähe hätte würde mich das System als Laternenparker sehr interessieren.

Zudem schafft die Möglichkeit eines schnellen Akkutausches Sicherheit, dass nach vielen Jahren ein günstiger Tausch gegen einen neuen oder guten gebrauchten Akku möglich ist.

Last but bot least kann ich im Alltag mit einem kleinen Akku rumfahren und wenn ich merke, dass mir das nicht reicht auch einen größeren wechseln.

welcher andere Hersteller bietet diese Flexibilität?

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