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VW streicht Dutzende Verbrenner-Modelle, um profitabler zu werden

Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
12. April 2022
Lesedauer: 3 Minuten
Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
12. April 2022
Lesedauer: 3 Minuten

© Abbildung(en): Volkswagen

Home Automobilindustrie

Der VW-Konzern will künftig auf Profitabilität statt auf Masse setzen und sein Modellangebot über alle Marken hinweg deutlich ausdünnen, vor allem im Bereich der Verbrenner-Fahrzeuge. „Das Kernziel ist nicht Wachstum“, sagte Volkswagens Finanzchef Arno Antlitz der Wirtschaftszeitung Financial Times. „Wir konzentrieren uns mehr auf Qualität und Margen statt auf Volumen und Marktanteile“. Der Volkswagenkonzern werde Antlitz zufolge sein Angebot an Benzin- und Dieselfahrzeugen in Europa – das aus mehr als 100 Modellen verschiedener Marken besteht – in den nächsten acht Jahren um 60 Prozent reduzieren. Zudem werde ein Fokus auf eine profitablere Produktion und Premium-Modelle gelegt.

VW steht vor allem wegen des stetig steigenden Erfolgs des US-amerikanischen Elektroautoprimus Tesla unter Druck, der eine deutlich kleinere Produktpalette und damit weniger komplexe Produktionsstrukturen aufweist. Tesla hat nur vier Modelle im Angebot, überflügelt den VW-Konzern bei den Verkaufszahlen aber um ein Vielfaches.

Die neue Strategie von VW ist ein Zeichen für tiefgreifende Veränderungen in der gesamten Automobilbranche, die seit Jahrzehnten versucht, ihre Gewinne zu steigern, indem sie Jahr für  Jahr mehr Autos verkauft. Nun versucht es Volkswagen auf eine andere Art, und will mit weniger Fahrzeugen, aber einem Fokus auf Premium-Modelle, seine Margen steigern. Man habe mittlerweile eine deutlich niedrigere Fixkostenbasis und sei dadurch weniger abhängig von Volumen und Wachstum, sagte Antlitz. Dem Konzern sei es gelungen, die Fixkosten von 41 Milliarden Euro im Jahr 2019 früher als geplant um 10 Prozent zu senken und gleichzeitig massiv in die Entwicklung von Software und neue Produkte zu investieren.

Ein durch die Coronavirus-Pandemie verursachter schwerer Chip-Mangel zwang die Autohersteller zuletzt, die Produktion zu drosseln. Dies ermöglichte es Premiummarken wie Mercedes und BMW, mehr für ihre Modelle zu verlangen und 2021 Rekordgewinne zu erzielen, obwohl sie weit weniger Fahrzeuge verkauften. Eine ähnliche Strategie katapultierte VW an die Spitze der Gewinntabelle im deutschen Dax-Index. Das Unternehmen priorisierte teurere Fahrzeuge seiner Marken Audi und Porsche, die den Großteil der Gewinne des Konzerns ausmachen.

Führungskräfte aller drei Autohersteller haben betont, dass diese Praxis auch nach dem Abklingen der Engpässe in der Lieferkette bestehen bleiben wird. „Ich möchte ausdrücklich betonen, dass wir keine Volumenstrategie fahren“, sagte etwa BMW-Chef Oliver Zipse im vergangenen Jahr.

Selbst das mehr als 50 Milliarden Euro schwere Programm von VW in Elektroautos – das größte Investitionspaket seiner Art – würde kein unnötiges Produktionsvolumen mit sich bringen, fügte Antlitz hinzu. „Wir bauen keine Kapazitäten aus, wir überarbeiten Fabrik für Fabrik“, sagte er und verwies auf Werke in Zwickau und Emden, in denen Produktionslinien für Verbrennungsmotoren auf den Bau von Elektroautos umgestellt und Arbeiter umgeschult wurden.

Er verwies auch auf Berechnungen, dass Elektroautos für VW bald genauso profitabel sein würden wie Modelle mit Verbrennungsmotor, die durch die stark steigenden Rohstoffpreise für Batterien aufgrund des Angriffskriegs von Russland auf die Ukraine zuletzt in Frage gestellt worden sind. „50.000 Dollar pro Tonne Nickel wurden nicht grundsätzlich eingepreist, weil wir davon ausgehen, dass der Krieg hoffentlich bald zu Ende geht und dann die Rohstoffpreise wieder etwas mehr zurückgehen werden“, sagte Antlitz. Das Prinzip der über die Zeit sinkenden Kosten für Elektroautos bleibe deshalb „intakt“, zumal neue Batterietechnologien die Preise langfristig senken werden, so der VW-Manager.

Quelle: Financial Times – VW to scrap dozens of models to focus on profitability

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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17 Comments
Peter Bigge von Berlin
Peter Bigge von Berlin
4 Jahre zuvor

Verbrennermotoren zu streichen um profitabler zu werden …
nicht etwa um Klimaschutz zu betreiben..
Quo vadis VW?

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Antworten anzeigen (3)
Sascha
Sascha
4 Jahre zuvor

Und wieder nur das schöne Geld im Auge… Premium, Gewinne. Dort wo einfache Autos ohne SchnickSchnack in hoher Anzahl benötigt wird, wird außer Acht gelassen. Nun gut für mich ist VW eh nicht interessiert und freue mich dann eher auf die asiatischen Hersteller (leider?).

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neumes
neumes
4 Jahre zuvor

VW steht vor allem wegen des stetig steigenden Erfolgs des US-amerikanischen Elektroautoprimus Tesla unter Druck, der eine deutlich kleinere Produktpalette und damit weniger komplexe Produktionsstrukturen aufweist. Tesla hat nur vier Modelle im Angebot, überflügelt den VW-Konzern bei den Verkaufszahlen aber um ein Vielfaches.

Das sagt doch alles

„Ich möchte ausdrücklich betonen, dass wir keine Volumenstrategie fahren“

Deshalb kaufe ich keine Auto dieser OEMs.
Die haben einfach das Große Ganze nicht im Blick.

Einfach traurig.

es bleibt trotzdem spannend

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Tom62
Tom62
4 Jahre zuvor

Im Osborne-Sturm;
Segel einholen, Ballast abwerfen…

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Daniel W.
Daniel W.
4 Jahre zuvor

Der VW-Konzern will künftig auf Profitabilität statt auf Masse setzen …

Das bedeutet dann wohl, dass preiswerte kleine E-Auto kein VW-Logo mehr haben oder „Made in China“ mit „aufgeklebten“ VW-Loge sind – aber was soll´s, dann fahren die „kleinen Leute“ eben China-E-Autos.

Ich bin ja eher für autoähnliche Pedelecs, die auf separaten Radstraßen und somit vor den normalen Autos geschützt durch die Stadt und das Umland fahren – Resourcen- und Stromverbrauch minimal.

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spunckie
spunckie
4 Jahre zuvor

Naja, da klappt. Man schaue sich mal Qualität, Material und Verarbeitung eines Golf7 an und vergleiche das mit einem iD3. Da verkauft man ein Auto in der Anmutung unter der eines Polos für den Preis eines Passats und die Karre wird denen und den Händen gerissen. Denke, da geht noch was!

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Kersten John
Kersten John
4 Jahre zuvor

Einfach nur die Strategie von Tesla zu kopieren, das wird nicht funktionieren. Tesla hat sich einen gewissen Kult-Status erarbeitet, da ist VW meilenweit entfernt. Tesla hat aber auch gar nicht im Sinn, ein Anbieter für Massenmobilität zu sein, das erleichtert ihnen das Leben ungemein. VW muss sich nun entscheiden, wenig Modelle, wenig Auswahl, weniger Kunden. Wenn man der breiten Masse keine Fahrzeuge wie Golf (auch hinsichtlich Preisgestaltung) mehr anbieten will, dann überlässt man das Geschäft eben den asiatischen Herstellern. Um es mit den Worten eines missliebigen ex-Politikern zu sagen: Deutschland schafft sich ab.

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Matthias Geiger
Matthias Geiger
4 Jahre zuvor

Die deutschen Hersteller versuchen Ihr Heil als Premium-Hersteller. Es wird Zeit, dass die Förderung von BEV, PHEV umgestellt wird. Die PHEV Förderung streichen und BEV auf Bruttolistenpreis von 30.000 Euro und Mindestreichweite von 400 km nach WLTP.
Nur so wird die Mobilität sinnvoll gefördert. Der ÖPNV sollte den größten Förderanteil bekommen.
Ob das mit der FDP machbar ist, ist mehr als fragwürdig.

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Tobi
Tobi
4 Jahre zuvor

Im Grundsatz begrüsse ich den PR Text. Aber wer VW’s PR Abteilung glaubt, muss sich bewusst sein, dass dann die Gletscher nicht schmelzen, keine Dürren herrschen, die Zahl der Unwetter nicht massiv zugenommen hat und Verbrenner sauberere Abgase ausstossen als die Umgebungsluft. Sorry VW, aber bei mir seit ihr komplett auf der Abschussliste und mit AMAG dem Schweizer Abzockerimporteur erst recht.

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