Professor Günther Schuh befasst sich als Wissenschaftler und Unternehmer mit disruptiven Innovationen, Informations- und Produktionsmanagement sowie nachhaltigen Mobilitätslösungen. Aus dem Umfeld der Elektromobilität ist er sicherlich mit drei Firmen, an welchen er maßgeblich beteiligt war (Gründer und CEO), ein Begriff: StreetScooter, e.GO Mobile AG und e.GO MOOVE. Mit seinem mittlerweile vierten Projekt wolle er nun abermals die Mobilität verändern.
e.Volution soll Verkehr im Alltag radikal verändern
e.Volution, auf diesen Namen lautet sein viertes Unternehmen, welches er neben seiner Professur am Lehrstuhl für Produktionssystematik, an der RWTH Aachen University, gegründet hat. Im gemeinsamen Podcast haben wir uns über e.Volution und die Vision dahinter unterhalten. Haben aber auch ein paar Zahlen, Daten und Fakten an die Hand bekommen, wie das erste Elektro-Fahrzeug, welches im industriellen Kreislaufwirtschaft-Ansatz erdacht wurde, die Mobilität von Morgen verändern kann.
Um dies zu verstehen fangen wir ein wenig vorher an. Elektro-Kleinwagen und E-Transporter sind laut Professor Günther Schuh essenziell, wenn es in puncto Nachhaltigkeit im Verkehr besser werden soll. Dies hat er mit seinen vorherigen Gründungen unter Beweis gestellt. Doch der große Schlag gelingt damit nicht. Denn der Verkehr wird dadurch nicht weniger. Er erhält nur einen anderen Antrieb. Das autonome Fahren ist aus seiner Sicht auch noch in allzu ferner Zukunft. Gesetzen und Umsetzung im ÖPVN sei Dank.
Pendlerverkehr als Hebel für kleineren CO2-Fußabdruck
Aus diesem Grund habe er sich den Pendlerverkehr genauer angesehen. Und genau dort möchte man ansetzen, da dieser 50 bis 70 Prozent des täglichen Verkehrs in der Stadt ausmache. Der Ansatz des Start-Ups sei ein ganzheitliches Shuttle-System für Berufspendlerinnen und Berufspendler, um den PKW-Verkehr zu Stoßzeiten zu reduzieren. Das System besteht aus dem elektrischen Shuttle META mit bis zu sieben Sitzplätzen, davon bis zu vier Büroarbeitsplätzen, einer Reservierungs-IT-Plattform und Parkplätzen in Mobility-Hubs.
Unternehmen und Arbeitgeber können das Shuttle-System abonnieren, um es ihren Mitarbeitenden für kostenfreie Fahrten zu und von der Arbeit zur Verfügung zu stellen. Während der Fahrt können die Mitarbeiter bereits arbeiten und so Zeit im Büro einsparen. Das Shuttle-System von e.Volution verfolgt das Ziel, eine durchschnittliche Auslastung von vier bis fünf Personen pro Shuttle zu erreichen und damit die Anzahl der PKW-Fahrten besonders zu den Hauptverkehrszeiten deutlich zu reduzieren. Die Auswirkungen auf den CO2-Fußabdruck seien direkt spürbar, da mehrere Arbeitnehmer:innen gemeinsam pendeln, statt Einzeln im Auto zur Arbeit zu fahren.
Die Vorteile scheinen auf der Hand zu liegen: Die Unternehmen verbessern mit dem Shuttle-Betrieb ihren CO2-Fußabdruck, vermeiden Staus auf dem Weg zu und von ihren Arbeitsstätten und machen ihren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ein attraktives, betriebliches Mobilitätsangebot. Insofern es den angenommen wird.
Wasserstoff-Hybridantrieb für bessere CO2-Bilanz im Privatbereich
Doch auch außerhalb des Business-Shuttle „Meta“ denkt Prof. Günther Schuh Mobilität weiter. In diesem Fall durch das Familien-Shuttle „Space“. Hierbei handelt es sich um ein fast fünf Meter langes, siebensitziges SUV mit Wasserstoff-Hybrid-Antrieb. Hier verbindet Schuh das Beste aus beiden Welten, wie er im Podcast zu verstehen gibt. So kann entweder Strom geladen oder Wasserstoff getankt werden. Wobei in Summe eine System-Reichweite von bis zu 450 Kilometer zu erreichen sei. Eher mehr.
Mit steigendem Ausbau der Wasserstoff-Tankstellen-Infrastruktur bis 2030 seien diese dann auch in entsprechender Nähe eines jeden Einzelnen vorzufinden. Werden dann aber meist nur aufgesucht, wenn die Energie im 40 kWh-Akku dem Ende zugeht. Da die sehr leichten Wasserstoff-Tanks mit deren Inhalt wohl eher als moderner Reservekanister durchgehen. Denn durch diverse Studien belegt reichen die rund 200 km Reichweite des Akkus aus, um die täglichen Fahrtstrecken zu absolvieren. Der Wasserstoff-Ansatz spielt dann eher seine Vorteile auf Reisen aus, wenn es wirklich weiter reichen soll.
Dabei funktioniert der Wasserstoff-Hybrid-Ansatz insofern ein wenig anders, als man es bisher kennt, dass dieser nicht in den Antrieb seine Energie einbringt. Sondern den Akku wieder auflädt. Die Kombi von verhältnismäßig kleinem Akku mit leichten Wasserstofftanks führt dazu, dass der „Space“ als auch der „Meta“ mit einem durchaus kleinen CO2-Fußabdruck aus der Produktion herausfahren. Welche vornehmlich durch Strom aus der eigenen Photovoltaik-Anlage betrieben wird. Unterstützt durch die Tatsache, dass auf Lackiererei und Pressformen verzichtet werden kann. Möglich macht dies zu einem das gewählte Material der Fahrzeuge, als auch die Optimierung der Produktionsprozesse.
Nachhaltigkeit kommt in diesem Fall nicht durch verbesserte Prozesse zum Vorschein. Sondern durch das Entfallen eben dieser. Ohne hierbei Nachteile beim Fahrzeug selbst in Kauf zu nehmen. Ganz im Gegenteil. Durch den Wasserstoff-Hybrid-Antrieb gebe es fast so etwas wie „unendliche Reichweite“, insofern man das Prinzip dahinter für sich auch in die Tat umzusetzen vermag. All dies zahlt darauf ein, dass der SUV, als auch der Batterie-Bus Meta als umweltfreundlichste E-Fahrzeuge der Welt gelten.
Prof. Günther Schuh: Kreislaufwirtschaft bei Elektro-Fahrzeugen wird den Unterschied machen!
Dabei wurde die wahre Stärke, der Ansatz der Kreislaufwirtschaft oder „Circular-Economy“, wie es Schuh nennt, noch gar nicht angerissen. Das Shuttle als auch der SUV stehen auf einer Architektur bestehend aus einem Aluminiumprofil-Spaceframe sowie einem hochwertigen und demontierbaren Thermoplast-Exterieur. Dadurch werde das Konzept der Kreislaufwirtschaft für die Fahrzeuge ermöglicht, indem die Fahrzeuge jeweils nach fünf Jahren in einer Re-Assembly Factory runderneuert und aktualisiert werden können. Die Lebensdauer eines Shuttles soll deshalb im Vergleich zu Verbrenner-PKWs fast vervierfacht werden können.
Sprich, Prof. Günther Schuh hat das klassische Over-the-Air-Update ein wenig weiter gedacht und upgradet das Fahrzeug im Hardwarebereich. Drei Stunden, sechs Prozessschritte und Kosten im Bereich von 12% des ursprünglichen Listenpreises des E-Fahrzeugs führen dazu, dass man mit einem fast neuen Elektrofahrzeug die „Re-Assembly-Factory“ verlässt. Eine erste wird im Ansatz im Frühjahr 2023 vorgestellt.
Selbst die Batteriemodule können ebenfalls nach fünf Jahren in stationäre Powerracks für Photovoltaik-Anlagen überführt werden. Hierdurch seien diese noch rund zwanzig Jahre einsatzfähig. Doch was kostet der Spaß? Schuh verriet im Gespräch mit Elektroauto-News.net, dass man ausgehend von einem Listenpreis (steht für 100%), von Kosten von um die zehn bis zwölf Prozent (gemessen am 100% Listenpreis) ausgehen könne, wenn man sein Space oder Meta generalüberholen möchte.
Wer sich über diese Kosten keine Sorgen machen möchte, der soll die Fahrzeuge am besten abonnieren. Dann gibt es das Rundum-Sorglospaket, wie man es von E-Auto-Abos kennt, ergänzt um die entsprechenden Upgrades alle fünf Jahre. 1.200 Euro Abo-Gebühr stellt er hierbei in den Raum. Alternativ gibt es auch noch ein anderes Konzept: e.Volution behalte langfristig die Verantwortung für die Shuttles, vermietet diese nur über eine Flottenmanagement-Gesellschaft an die Firmenkunden und will auf diese Weise permanent für die Attraktivität der Flotte und deren Werterhalt sorgen.
Im Detail gibt es wie gewohnt sämtliche Infos und Einblicke im Podcast. Von daher viel Freude bei dem Gespräch mit Prof. Günther Schuh von e.Volution. Es lohnt sich reinzuhören!
Gerne kannst du mir auch Fragen zur E-Mobilität per Mail zukommen lassen, welche dich im Alltag beschäftigen. Die Antwort darauf könnte auch für andere Hörer des Podcasts von Interesse sein. Wie immer gilt: Über Kritik, Kommentare und Co. freue ich mich natürlich. Also gerne melden, auch für die bereits erwähnten Themenvorschläge. Und über eine positive Bewertung, beim Podcast-Anbieter deiner Wahl, freue ich mich natürlich auch sehr! Danke.
Die Ansätze sind alle sehr gut, nur nicht unbedingt neu und revolutionär.
In diesen Ansätzen wird leider viel zu oft der menschliche Faktor vergessen.
Am Ende entscheidet immer das Geld und die individuelle Freiheit des Individuums.
Der öffentliche Nahverkehr wird erst in Anspruch genommen, wenn er so gut wie fast nichts mehr kostet. Auf Autos wird erst dann verzichtet, wenn die Benutzung sehr teuer ist oder deren Gebrauch eingeschränkt wird. Verbrenner sterben erst aus, wenn diese verboten sind.
Gute Ansätze in der Mobilität helfen nichts, solange nur ein kleiner Vorteil des Individualverkehrs überwiegt, und wenn es nur der eigene Fahrersitz ist.
Wasserstoff in der Mobilität hilft ebenso wenig, wenn sich bereits die ersten wenigen Tankstellen im Rückbau befinden, zumal der Vorteil gegenüber Batterien schwindet.
„Was kostet der Spaß?“ Und: „…es lohnt sich.“ Nun, das ist wohl die Quintessenz des agilen Herrn Schuh, der in Verbindung mit e-go & street-scooter so einiges auf den Weg gebracht hat. Abschöpfungstechnisch, finanzpolitisch, monetär versiert — über Geldflüsse und staatliche Zuwendungen bis hin zu Subventionen möchte der aufgeklärte E-Mobilist diesbezüglich einmal informiert werden. Nicht daß da einer dem Jürgen Schneider Konkurrenz macht…..
Prof. Schuh, wie immer aus dem Ei gepellt und sich seiner Sache vollkommen sicher. Das ist allerdings schon dreimal teuer schief gegangen. Jetzt zeigt er eine Art verlängerten Jeep als Mietwagen mit Fahrer und mit Wasserstoffantrieb. Da kommen also seine neuen Drittmittel her, ein Elektroguru verkauft sich an die Wasserstofflobby.
Seine Thesen sind, ja, interessant: Die Stadt ist ein Dschungel, da braucht man einen Geländewagen. Ebenso ist klar, die Mitarbeiter wollen auf dem Weg von und zur Arbeit arbeiten. Arbeitszeitgesetz, egal. Und diese PC Arbeit findet rund um die Uhr statt, damit das Shuttle nicht mittags oder nachts doof herumsteht.
Das Gute ist, es sind Lobbygelder, die er verschwendet. Die hätte man gefährlicher einsetzen können. BTW, mit Blick auf die Studenten des Professors: Nimmt man, sagen wir mal bei VW, einen Absolventen, der bei ihm Produktionssystematik studiert hat? Denn ein wichtiger Baustein des dreimaligen Scheiterns waren stets die zu niedrig angenommenen Produktionskosten.
Schuhs Ideen sind durchaus beachtenswert. Leider gelang dei Umsetzung wie e.Go zeigt nur mittelmäßig.
Die Idee mit dem Wasserstoff begeistert mich überhaupt nicht, dass ist einfach nur Geld- und Platzverschwendung.
Aber bereits bei der Entwicklung die Sanierung bereits mit einzuplanen finde ich einen interessanten Ansatz. Die Traditionshersteller bringen nach 5 Jahren ein leicht retuschiertes Neufahrzeug auf den Markt. Das soll gefälligst der Ersatz werden.
Einzuplanen, z.B. regelmässig die Sitze zu tauschen, wenn die durchgesessen sind, fällt denen gar nicht ein.
Wenn Mitarbeiter im Shuttle arbeiten können, warum können die dann nicht gleich von zu Hause aus arbeiten? Das spart noch mehr Zeit…
Wie sieht es eigentlich mit der CO2 Bilanz solcher hochfesten Wasserstofftanks aus Kunststoff aus? Ich habe gehört, die könnte gut mit einem Autoakku konkurieren…
Nebenbei und bitte wirklich nicht altersdiskriminierend gemeint:
Der Gute ist auch schon 64.
In zwei Jahren wird er auf seiner Universitätsstelle pensioniert und etwa als CEO in der Automobilindustrie wäre er wahrscheinlich ebenfalls schon im Ruhestand (weil in vielen großen Unternehmen so üblich).