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„Ablenkungsmanöver“: Energieforscher Quaschning kritisiert nationale Wasserstoffstrategie

Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
8. Januar 2021
Lesedauer: 3 Minuten
Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
8. Januar 2021
Lesedauer: 3 Minuten

© Abbildung(en): shutterstock / Lizenzfreie Stockfoto-Nummer: 1085663204

Home Brennstoffzelle / Brennstoffzellenantrieb

Die Bundesregierung hat mit ihrer vor wenigen Wochen vorgestellten nationalen Wasserstoff-Strategie ein ehrgeiziges Ziel formuliert: Deutschland soll weltweit Vorreiter bei der als klimafreundlich angesehenen Wasserstoff-Energie werden. Energiewissenschaftler Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der HTW Berlin, kritisiert die Pläne der großen Koalition in einem Interview mit Watson: Der Einsatz von Wasserstoff sei nicht sinnvoll, solange Strom aus erneuerbaren Energien nicht im Überfluss zur Verfügung steht, damit Wasserstoff auch tatsächlich klimafreundlich hergestellt werden kann.

Man müsse grauen, blauen und grünen Wasserstoff strikt voneinander trennen, so Quaschning. Die schlechteste Option sei grauer Wasserstoff, der aus Erdgas gewonnen wird: „Bei der Herstellung wird viel Kohlenstoff frei und die Klimabilanz ist schlechter, als wenn man Erdgas direkt verbrennt“, erklärt der Energieexperte. Beim blauen Wasserstoff werde zwar auch Erdgas verbrannt, „aber das CO2 nicht in die Atmosphäre abgegeben, sondern abgetrennt und endgelagert.“ Das klingt in der Theorie zwar sinnvoll. Allerdings gebe „es derzeit keine CO2-Endlager“, weshalb blauer Wasserstoff „aus heutiger Sicht also auch keine Perspektive“ habe.

Grüner Wasserstoff wäre zwar klimaneutral, da er aus erneuerbaren Energien wie Solar- oder Windstrom gewonnen wird: Wasser wird per Elektrolyse aufgespalten, dadurch entsteht Wasserstoff. „Man bräuchte dafür große Mengen an Solar- und Windstrom“, gibt Quaschning zu bedenken. Und dieser sei noch nicht verfügbar: „Erst einmal muss man aber von Kohle- und Kernenergie auf erneuerbare Energien umsteigen – und dann große Mengen überschüssigen Strom erzeugen, um klimafreundlichen Wasserstoff herstellen zu können.“

Deutschland sei von „einer flächendeckenden Überproduktion an Strom aus erneuerbaren Energien bei dem heutigen Ausbautempo noch weit entfernt“, so Quaschning. Es mache also „eigentlich keinen Sinn, über grünen Wasserstoff nachzudenken.“ Die nationale Wasserstoffstrategie hält der Energieforscher deshalb für „ein reines Ablenkungsmanöver.“ Würde Deutschland „den Klimaschutz ernst nehmen, würden wir den Ausbau der erneuerbaren Energien vorantreiben“, sagt Quaschning. Für die angestrebte Klimaneutralität bräuchte Deutschland „zehnmal so viel Solar- und viermal so viel Windenergie wie das aktuell der Fall ist“. Wenn dafür „nicht endlich die richtigen Weichen“ gestellt würden, bringe auch eine Wasserstoffstrategie nichts fürs Klima.

„Das Wasserstoffauto wird definitiv nicht kommen“

Für Wasserstoffautos sieht Quaschning keinen Markt. Für diesen Einsatzzweck sei die Technologie zu teuer und biete „keine großen Vorteile gegenüber E-Autos mit Batterien“, die aktuelle Generation an Elektroautos verfüge über genügend Reichweite. „Das Wasserstoffauto wird definitiv nicht kommen“, meint der Forscher. Mit dem Strom, der für 100 Kilometer mit einem Wasserstoffauto gebraucht wird, kommt ein Elektroauto zwei bis drei mal so weit. Es sei daher besser, den Strom direkt zu verwenden. Man könnte aber „Wasserstoff vielleicht bei Lkw verwenden, die wirklich lange Strecken fahren“, räumt Quaschning ein.

Auch „für die langfristige Stromspeicherung“ sei Wasserstoff wichtig, da sich Wasserstoff in großen Mengen sehr gut speichern lasse. Es sei also trotz aller Kritikpunkte „sinnvoll, Wasserstofftechnologien weiterzuentwickeln und in Forschung und Entwicklung zu investieren“, damit eine Energieversorgung ausschließlich auf Basis erneuerbarer Energien irgendwann Realität werden kann.

Quelle: Watson – Milliarden für den Klimaschutz? „Wasserstoffstrategie ist reines Ablenkungsmanöver“

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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52 Comments
KaiGo
KaiGo
6 Jahre zuvor

Joa. Damit hätten wir den Wissensstand eines jeden der sich mal ein bisschen mit dem Thema beschäftigt hat abgebildet. Musste sich nur noch bis zur Politik rumsprechen. Erst erneuerbare Energien dann Speicher, ob Batterie, Luftdruck, Wasserstoff, Pumpspeicher, Betonklotz stapeln oder was auch immer. Trotzdem muss man natürlich heute schon für die jeweilige Region sinnvolle Speicher entwickeln. Aber irgendwie hapert es am Ausbau der Energieerzeugung. Ein Speicher bringt ja nichts, wenn ich nichts zum Speichern habe.

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Gerhard
Gerhard
6 Jahre zuvor

Der Denkfehler ist das aller Wasserstoff in Deutschland hergestellt werden muss. In sonnenreicheren Gebieten herstellen (da ist Solarenergie günstiger und effektiver) und importieren dann wird’s auch was mit der Energiewende. Plant Japan übrigens genauso.

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Silverbeard
Silverbeard
6 Jahre zuvor

Professor Quaschning ist Wissenschaftler und gehört nicht zur Regierung. Die wird scheinbar in dieser Sache von Marketing Experten der Wasserstoff- und Erdgaswirtschaft beraten.

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Roma
Roma
6 Jahre zuvor

Ganz genau so sehe ich es auch. Es gibt in absehbarer Zeit keinen Überschuss aus EE. Die aktuellen Spitzen von Wind und PV werden zusehends vom Smarten Stromnetz geglättet bzw. die (Stahl)Industrie wird dafür dankbar sein, um an ihren benötigten Wasserstoff zu kommen den sie für ihre Ziele dringend benötigen.
Von einer flächendeckender Versorgung von grünem H2 ist in den nächsten 10 Jahren also überhaupt nicht zu denken.

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Roland Behrendt
Roland Behrendt
6 Jahre zuvor

Dem kann man beipflichten in allen Punkten…. die Möglichkeit LKW und Pkw per Stromschiene zu Laden würde das Ganze vervollständigen.. die Schweden haben sowas im Test genial Eroadarlanda

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Howetzel
Howetzel
6 Jahre zuvor

Das passt in die Kategorie: Wenn Blinde über Farbe reden.
Zunächst kann Energie nicht erzeugt werden!
Windkraft und PV können nicht mit Elektroenergie versorgen, auch wenn noch mehr Anlagen errichtet werden. Speicher für die Überbrückung der Versorgungslücken sind nicht darstellbar. Das heißt allerdings nicht, dass Speicher überflüssig sind. Nur PSW sind in der Nähe der Wirtschaftlichkeit. Der Umweg über Wasserstoff ist allein wegen des ungenügenden Speicherwirkungsgrads wenig sinnvoll.

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Volta
Volta
6 Jahre zuvor

Wir wollen Mal sehen wie sich die BZ – Technik entwickelt, wenn hier die Kosten über die Menge sinkt und die Elektrolyse besser wird, stellt sich die Frage anders. Zur Zeit stimmt der Wirkungsgrad nicht.
Auf der anderen Seite könnten wir uns bei gleichem Wirkungsgrad von der Öl – Mafia unabhängig machen, sofern die Politik deren Beteiligungsoffensive endlich bremst.

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ULRICH SANCKEN
ULRICH SANCKEN
6 Jahre zuvor

Was heißt denn hier „Denkfehler“? Sie sind schließlich nicht der erste, der diesen Ansatz verfolgt, googeln Sie mal nach Desertec. Aber gerade die Geschichte von Desertec zeigt doch, dass der Weg technisch, ökonomisch und vor allem politisch, wenn überhaupt, dann nur mit allergrößten Schwierigkeiten umsetzbar ist. Und selbst dann, steht dieser Energie-Ansatz ja wohl zuerst einmal den afrikanischen Ländern zu. Der geplante Mega-Staudamm in Äthiopien droht dem Sudan und Ägypten das Nilwasser abzudrehen, mit ungewissen Folgen für die Menschen in dieser Region. Der Desertec-Ansatz hätte dieses ungewisse Projekt verhindern helfen können, wäre er denn für Afrika und nicht für Europa erdacht worden. Die Europäer sollen sich nach eigenen (regenerativen) Ressourcen unsehen.

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Horst Wülke
Horst Wülke
6 Jahre zuvor

Energie speichern in dem Ausmaß, wie es mit Wasserstoff möglich wäre, ist mit anderen Technologien derzeit nicht möglich.
EE hin oder her.

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Martin Berchtold
Martin Berchtold
6 Jahre zuvor

Soso, grüner H2 darf erst erzeugt werden wenn alle Energieträger grün sind.
Bis das soweit ist, werden weiterhin Kraftwerke die erneuerbare Energie liefern können abgeschaltet, wenn es zuviel Energie im Netz gibt, oder diese Energie nicht transportiert werden kann.
Die Betreiber dieser stillstehenden Anlagen werden dafür entschädigt.
Der Endkunde zahlt es ja.

Zum Thema blauer Wasserstoff.
Der wird wie grauer Wasserstoff aus Erdgas gewonnen.
Dabei könnte man das Methan (CH4) auch durch eine Zinnschmelze leiten und so H2 gewinnen. Dabei entsteht reiner Kohlestoff.
Das ganze ginge auch mit Plasma.
Wird Erdgas benutzt, so handelt es sich immer noch um einen fossilen Energieträger.
Würde hingegen Biogas statt Erdgas genutzt, wäre es dadurch möglich der Atmosphäre das CO2 zu entziehen.
Was macht man nun mit dem anfallenden Kohlestoff?
Der kann als Rohstoff genutzt werden oder in unseren stillgelegten (Kohle) Mienen endgelagert werden.

Ja aber bei den Methoden fallen viel Abwärme an.
Das ist möglich.
Aber auch dieser dabei entstehende Abfall könnte genutzt werden um zum Beispiel unser Brauchwasser zu erwärmen, unsere Wohnungen zu heizen.

Um was geht es mir?
Wir müssen lernen vernetzt zu denken und aufhören gute Energie zu verschwenden nur weil wir der Meinung sind nur die eine „gute“ Technik führe zum Ziel.

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Rudi
Rudi
6 Jahre zuvor

Methan = Erdgas wird uns in so großen Mengen aus dem tauenden Permafrost um die Ohren fliegen – d.h. in die Athmosphäre entweichen – dass die nützliche Verwendung – wie auch immer – noch die günstigste Alternative sein wird.
Es wird Zeit, dass wir – natülich neben dem notwendigen Ausbau der regenerativen Energieerzeugung – endlich diese religionsähnlichen Diskussionen sein lassen und uns dem nakten Überlebenskampf widmen!

Sperrt die Leute endlich hinter Gitter, die die umweltfreundliche Energie- Erzeugung und -Nutzung, um der Gewinnmilliarden aktiv behindern!

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Grassus
Grassus
6 Jahre zuvor

Ausnahmsweise gebe ich dem professor hier recht. Die sogenannte Energiewende krankt schon lange daran, dass es kein vernünftiges gesamtkonzept gibt, sondern nur Einzellobbyinteressen mit viel geld nachgegeben wird. Oder irgendwelchen %-Sätzen hienterhergelaufebn wird, egal wie unsinnig es auch ist. ich sehe schwarz für ein ökologisch vernünftiges handeln unter der Regie dieser Laienschauspieler aus berlin.

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ULRICH SANCKEN
ULRICH SANCKEN
6 Jahre zuvor

Klar, er hechelt nach Aufmerksamkeit….
Das lässt sich dann bei solch unqualifizierten und diffamierenden Kommentaren über Sie mindestens ebenso sagen. Unglaublich primitiv.

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Kurt Werner
Kurt Werner
6 Jahre zuvor

Es gibt gute Gründe eine Wasserstoffwirtschaft aufzubauen. Das Problem ist das große Potential für Mißverständnisse! Die Wasserstoffstrategie basiert auf drei Säulen. Vereinfacht: dort wo es sinnvoll ist, Anwendungen wie z.B. Mobilität und Wärme auf Basis von EE weiter zu elektrifizieren. Im Bereich von Güterverkehr und Industrie ist der Einsatz von Wasserstoff sinnvoller. Was die Schwankung von PV und WK betrifft, auch Elektroautos können in Zeiten hoher Leistung dieser Energieträger bevorzugt geladen werden. Dazu ist nicht unbedingt Wasserstoff erforderlich. Kann aber auch dazu genutzt werden. (wenn die erforderliche Überkapazität irgendwann vorhanden ist) Das mit Abstand größte Problem bei der Wasserstoffnutzung ist dessen abstraktes Potential wie z.B. Wasserstoff aus Afrika.
Wer kennt das prognostizierte Bevölkerungswachstums und den zukünftigen Energiebedarf dieser Länder? Aktuell in Europa von großen Mengen an Wasserstoff zu sprechen, ist wie ein Fell des Bären zu verteilen, den es gar nicht gibt.
Bauen Sie doch erst mal die erforderlichen Kapazitäten und Infrastrulturen auf. Bis dahin helfen imaginere Lösungen nicht viel. Im Gegenteil, sie verzögern andere Lösungen die real vorhanden sind.

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Hiker
Hiker
6 Jahre zuvor

Die Disskusionen um die Wasserstofftechnologie ist eine never ending Story. Solange es nicht genügend grünen Strom gibt ist das keine Option. Zumindest nicht für den PKW. Für andere Anwendungen in Industrie und Transport kann diese Technologie aber schon heute interessant sein. Es bringt herzlich wenig hier einen ideologisch verbrämten Kleinkrieg auszufechten. Man sollte die Fakten schon sorgfältig abwägen. Und hier ist eindeutig die Batterieelektrische Lösung für PKWs die bessere Lösung. Denen die hier von Produktion in Afrika fantasieren sei eines gesagt. Die Tage wo man einfach so über andere Länder bestimmt hat um dort Gewinne für sich einzufordern sind endgültig passé. Es braucht nach Kolonialismus und Ausbeutung der Oelvorkommen nicht auch noch PV Anlagen in Drittweltländern die unseren unersättlichen Energiehunger und Wohlstand zu garantieren haben, selber aber leer ausgehen. Bis auf einige wenige Despoten die die Gewinne einstreichen und das Volk in endlose Kriege verwickeln. Dieses Denken wir seien berechtigt einfach über andere zu verfügen verursacht mir Brechreiz.

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