Der französische Autobauer Citroën aus der Stellantis-Gruppe will gleich mehrere elektrische Kleinwagen zu Kampfpreisen auf den Markt bringen, um die Konkurrenz unter Druck zu setzen. Das berichtet die in der Regel recht gut informierte Autocar. Die Fahrzeuge sollen mitunter mit einem ausgefallenen Design erscheinen, auch um damit neue Kundenkreise zu erschließen. Das erläuterte demnach Citroën-Designchef Pierre Leclercq.
Design-Elemente, die dabei einfließen könnten, stammen aus dem kantigen, beinahe nach Lego aussehenden Konzeptfahrzeug Citroën Oli, dem würfeligen Citroën Ami sowie dem Citroën C3 Aircross. Die neuen Fahrzeuge sollen komplett individuell designt werden und nicht wie kleinere Ausführungen von bereits existierenden Fahrzeugen aussehen. „Wir versuchen, keine Autos zu bauen, die den Effekt einer russischen Puppe haben„, führte Pierre Leclercq gegenüber Autocar aus. Auf jeden Fall seien die Fahrzeuge konzipiert, um sie mit einem „wirklich aggressiven Preisziel“ auf den Markt zu bringen.
Die Franzosen wollen sich dabei den Umstand zunutze machen, dass viele Menschen zwar an sich auf die Elektromobilität wechseln wollen, aber sich dies bislang noch nicht so recht leisten könnten. Während Premium-Marken immer teurer werden würden, könnte sich Citroën somit neue Kunden erobern. Leclercq äußert sich dabei fast überschwänglich optimistisch: „Wir werden bald großartige Produkte auf den Markt bringen, die meiner Meinung nach in Bezug auf das Design wirklich überzeugen. Das wird supercool. Wir freuen uns schon darauf, diese Dinger auf die Straße zu bringen. Die Preise werden sehr aggressiv sein. Wir können nur stolz darauf sein, es geschafft zu haben. Ich denke, dass wir in den nächsten Jahren eine große Rolle in der Autoindustrie spielen werden.“
Verwandtschaft mit dem Opel Corsa-e?
Laut Autocar könnten diese neuen Fahrzeuge auf der CMP-Plattform basieren, wie sie bereits für den elektrischen Opel Corsa sowie den Peugeot-Bruder 208e verwendet wird. Auch die dort eingesetzte 51-kWh-Batterie könnte demnach in den neuen Fahrzeugen Verwendung finden. Um ein günstiges Fahrzeug zu ermöglichen, könnte beispielsweise – wie im Konzeptauto Oli – auf ein Infotainmentsystem verzichtet und ganz auf die Smartphone-Kopplung gesetzt werden.
Laurence Hansen, Produkt- und Strategiedirektor von Citroën, sagte Autocar: „Citroën liebt es, die Normen der Branche herauszufordern. Mit dem Oli wollen wir eine fröhliche, moderne, erschwingliche und nachhaltige Mobilität bieten. Das ist etwas, was wir auf lange Sicht fortsetzen werden, weil wir glauben, dass es unserer DNA entspricht.“ Derzeit koste ein durchschnittlicher Neuwagen 25.000 Euro. Für viele seien höhere Investitionen schwer umsetzbar. Hansen dramatisiert: „Glauben wir wirklich, dass die Menschen morgen in der Lage sein werden, mehr zu investieren? Wir müssen etwas tun. (…) Wie will man mit der Wirtschaftskrise, die in sechs Monaten kommen könnte, zurechtkommen? Wenn man kein Auto hat, hat man kein Leben.“
Quelle: Autocar – „Citroen readying mix of aggressively priced electric cars“
Sehr schön. Gerade im Einstiegssegment sind hohe Stückzahlen möglich. Auch wenn die Margen hier geringer sind, die Dinger stehen nachher an jeder Ecke und sorgen für Markenpräsenz. Als Einsteiger- Zweit- oder Stadtfahrzeug benötigen diese Fahrzeuge auch nicht die teure Monsterbatterie und perfekte Aeorodynamik für die Langstrecke.
Da sind auch citroentypische Designakzente denkbar :-) Ich freue mich auf bunte, fröhliche, spacige Botschafter der Verkehrswende…
Es ist ein Irrtum zu meinen, dass mit Stahlrohren und billigen Plastikteilen ein günstiges E-Auto zu machen sei. Es geht ähnlich günstig mit Pressteilen aus Stahlblechen, die lackiert werden.
Bei einem Kleinwagen mit 3 m Länge, 1,5 m Breite und 1,35 m Höhe ohne Räder reichen Stahlbleche mit rund 15 m² Fläche inkl. der Versteifungen – etwas Lack drüber, fertig.
Kleine Rechnung zur Fläche:
Quader-Umfang: 3m + 1,5m + 3m + 1,5m = 9m
Quader-Fläche: 9m x 1,35m = 12,15m²
Stahlbleche:
Größe 2 x 1 m, 1mm, 16 kg (pro m² 8 kg) – Preis inkl. MwSt. 75 Euro (pro m² 37,50 Euro)
15m² x 37,50 Euro/m² = 562,50 Euro
15m² x 8 kg = 120 kg
Ob Karosserien aus Stahlrohren mit Plastikverkleidungen wirklich soviel einsparen?
Der Microlino zeigt mit einem Preis ab 14.990 Euro, dass man kleine, günstige und stabile Autos (BEV) aus Stahl- und Alu-Pressteilen herstellen kann und das trotz einer Kleinserie.
Das wäre perfekt. Es ist höchste Zeit, dass erschwingliche Autos für den Normalverdiener auf den Markt kommen.
Nicht jeder braucht diese großen Reichweiten, und schon gar nicht diese unnötig vielen PS.
Wenn dann noch ein leistbarer Allradler, ähnlich meinem Benzin-Suzuki Swift 4×4 kommt, würde ich ihn sofort gegen diesen eintauschen.
Bravo! Das ist der richtige Weg, die E-Mobiltät trotz sinkender Kaufkraft breiter Teile der Bevölkerung endlich massentauglich zu machen und diesen riesigen Markt nicht ausschließen den Chinesen zu überlassen. Bleibt zu hoffen, dass das Design nicht allzu „futuristisch“ ausfällt, um nicht doch den einen oder anderen Otto-Normal-Fahrer abzuschrecken.
Die Arroganz der Hersteller, die sich bewusst ausschließlich dem Luxus-Segment verschrieben haben, wird diesen noch schmerzhaft auf die Füße fallen. Wenn die riesigen Margen, die beim Luxus-Verbrenner noch zu erzielen waren, wegfallen, werden Mercedes und Co feststellen, dass auch die Chinesen mindestens ebenbürtige, im Bereich Software sogar bessere Fahrzeuge zu deutlich günstigeren Preisen produzieren können.
Die kleinen E-Autos müssen eine echte Alternative zu den Polos, Fiestas, Corsas darstellen, d.h. zu ähnlichen Preisen wie die kl. Benziner ähnliche Reichweiten und Ausstattung bieten. Es ist niemanden geholfen nur günstige Stadtautos bzw. Zweit- und Drittwagen zu produzieren. Die Autos müssen aus den Städten raus zumindest mittel und langfristig. Hierzu müssen die kleinen E-Autos wie E-Corsa, 208e, Zoe einfach 10.000 Euro günstiger werden, bei gleicher Ausstattung, Leistung und Reichweite.