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Auto-Experte Bratzel: Elektromobilität ist „kein Selbstläufer“

Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
31. August 2022
Lesedauer: 2 Minuten
Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
31. August 2022
Lesedauer: 2 Minuten

© Abbildung(en): Center of Automotive Management (CAM)

Home Automobilindustrie

Autoexperte Prof. Stefan Bratzel sprach in einem Interview mit dem Automobilclub ADAC über die Herausforderungen für die deutschen Autohersteller, was in Sachen Ladeinfrastruktur getan werden muss und was geschehen sollte, damit Städte wieder lebenswerter werden.

Zwar sei die aktuelle Situation für die Autohersteller angesichts gestörter Lieferketten, dem Mangel an Halbleitern, dem europaweiten Aus für den Verbrennungsmotor und der instabilen weltpolitischen Lage „nicht sehr vorteilhaft“, so Bratzel. „Trotzdem haben die Automobilhersteller noch nie so viel verdient wie im letzten Jahr. Es gab Rekordgewinne trotz eines Rückgangs der Absatzzahlen“, so der Experte. Bratzel geht davon aus, „dass Autofahren teurer werden wird“. Zum Beispiel geht er davon aus, „dass es ein Bonus-Malus-Modell geben muss, um die klimapolitischen Herausforderungen zu stemmen“ – was vor allem das Verbrenner-Fahren verteuern würde.

Der Gründer und Direktor des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach findet es „grundsätzlich richtig, dass Fahrzeuge mit einem geringeren CO2-Ausstoß preislich bevorrechtigt werden“. Die Verkehrs- und Energiewende aber werde nur gelingen, „wenn wir auch die Photovoltaik in Verbindung mit Wallboxen, Smart Charging und mit dem bidirektionalen Laden fördern“, was „in den nächsten zehn Jahren“ gelingen müsse. „Da sind Riesenchancen drin“, sagt Bratzel, und auch neue Geschäftsmodelle für Automobilhersteller.

Allerdings sieht er bei all dem „ein Defizit in der deutschen Politik, dass man das nicht bis zum Ende denkt“. Bratzel vermisst „einen General Manager für Elektromobilität“, etwa wenn es um den landesweiten und flächendeckenden Ausbau der Ladeinfrastruktur geht: „Wenn das Geld nicht richtig eingesetzt wird, wenn man sich nicht vernünftig um die Umsetzung bis zum Ende kümmert, dann hat man ein Problem“.

Zum Beispiel findet er die eher langsamen AC-Ladesäulen mit maximal 22 kW in Städten fehl am Platz. „AC-Säulen gehören nicht in den öffentlichen Straßenraum“, findet er. „Langsam laden kann man zu Hause oder am Arbeitsplatz“, sagt Bratzel. Im städtischen Bereich seien Schnellladeparks sinnvoller, „sodass man, wenn man keine Garage mit Stromanschluss hat, da in einer Viertelstunde 200 oder 250 Kilometer nachladen kann“, etwa während eines Einkaufs im Supermarkt.

„Man muss das Mobilitätssystem breiter denken“

Damit bis 2035 eine funktionierende Infrastruktur zum Laden von Elektroautos bereit steht, sollten „schon jetzt die Voraussetzungen geschaffen werden!“, betont Bratzel. Die Elektromobilität sei „kein Selbstläufer“, etwa auch was die Beschaffung von Rohstoffen für Batterien betrifft. „Jetzt muss man das Thema wirklich angehen, weil sonst wird es nichts mit dem Ende des Verbrennungsmotors 2035“, sagt der Autoexperte. „Mit der klimapolitischen Herausforderung haben wir ein Jahrhundertproblem. Das ist kein Spiel und kein Spaß.“

Im Allgemeinen aber sei es allein mit der Elektromobilität zur Senkung der CO2-Emissionen des Verkehrssektors nicht getan, findet Bratzel: „Man muss das Mobilitätssystem breiter denken“, sagt er: „Die Städte attraktiver zu machen bedeutet, dass für das private Automobil weniger Platz bleibt“. Er geht deshalb auch von höheren Parkgebühren und von weiteren Zufahrtsbeschränkungen aus.

Quelle: ADAC – „Ich vermisse einen General Manager für die Elektromobilität“

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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20 Comments
Skodafahrer
Skodafahrer
3 Jahre zuvor

In der öffentlichen Diskussion, wie auch hier, wird oft der Begriff Stadt benutzt.
Aber es wird nicht erklärt, was damit gemeint ist.

Es gibt z.B. die kleinste deutsche Stadt Arnis und unsere Hauptstadt Berlin. Arnis hat 280 Einwohner und Berlin knapp 3,7 Millionen, dazwischen liegt mehr als der Faktor 13000.
In Deutschland leben nur ca. 1/3 der Einwohner in Großstädten, bei den Autos ist der Anteil noch wesentlich kleiner.

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Läubli
Läubli
3 Jahre zuvor

Da bin ich wirklich ganz der Meinung Bratzels, bis zum letzten Abschnitt: Bratzel will Schnelllader in den Städten aufbauen (was absolut sinnvoll, ja das beste ist, da bin ich sicher) …aber dann will er die Autos aus den Städten verbannen… was will Bratzel jetzt wirklich!? Mit genau solchen Gegensätzen schon in der Politik, kann das ganze nicht funktionieren. Wenn Bratzel seinen Plan aber durführen kann – ohne den letzten Abschnitt – dann wird das gut werden, und das wäre so schon relativ schnell möglich.

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Stefan
Stefan
3 Jahre zuvor

Ja, Herr Bratzel, genau so kommt die E-Mobilität von Morgen gut – bitte boxen Sie das genaso durch, ohne wenn und aber. Aber die Autos aus der Stadt verbannen zu wollen, denke ich ist falsch… warum braucht oder will man denn Schnelllader in der Stadt, wenn sowieso ein Fahrverbot das Ziel ist??? Lieber Herr Bratzel, da müssen Sie sich nochmal sammeln und wirklich sagen, was Sie jetz wollen? ;-) Die Schnelllader sind sicher Zukunftsfähiger, als Städte zu Fussgängerzonen zu machen – das ist meine ehrliche Meinung.

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Djebasch
Djebasch
3 Jahre zuvor

Was ich immer toll finde sind solche Schnelldenker, die nicht überlegen das die Auto Hersteller ab einem Anteil von mehr als 50% Schnelllader die Garantie auf den Akku killen…

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Tobi
Tobi
3 Jahre zuvor

Von einem Professor würde ich erwarten, dass er solche Aussagen vor mindestens 10 Jahren gemacht hätte. Sich Autoexperte zu nennen ist mit diesen Aussagen heute wohl eher diskualifizierend.

Zuletzt bearbeitet am 3 Jahre zuvor von Tobi
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David
David
3 Jahre zuvor

Bratzel und Dudenhöfer sollte man nicht supporten.

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steffen
steffen
3 Jahre zuvor

„Langsam laden kann man zu Hause oder am Arbeitsplatz“

Viele Millionen Mieter und auch Eigentümer ohne eigenen Stellplatz sehen das anders.
Langsam (4h tagsüber bzw. Nachts) ist sowohl Akku- als auch Netzschonender.
Daher sollte man sehr wohl auch etliche dieser Möglichkeiten schaffen.
Überall dort, wo Fahrzeuge nachts parken können oder längere Einkäufe tätigen.
In Großstädten fahren sehr Viele nicht zur Arbeit (..mit dem Auto)…das bitte nicht vergessen…

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Daniel W.
Daniel W.
3 Jahre zuvor

Gut wäre das Malus-System, wenn Verbrenner soviel kosten wie E-Autos, dann braucht man keine Prämie aus Steuergeldern. Und wenn die Autos aus der Städten und größeren Gemeinden an den Stadt- oder Ortsrand gedrängt würden, dann würden vermutlich ganz viele Leute auf das Auto ganz verzichten und sich ein Jahresticket für den ÖPNV kaufen oder sich ein überdachtes Pedelec zulegen.

Schnelllader an Bau- und Supermärkten würden vollkommen genügen, um auch Mieter mit E-Auto, aber ohne Wallbox, mit Ladestrom zu versorgen. Da muss man die Städte und Gemeinden nicht mit (Schnell-) Ladestationen zupflastern, es genügt diese dort aufzustellen, wo die E-Autos sowieso etwa 1 Stunde stehen.

Sehr viele Autos (auch die von Mietern) stehen sehr viele Stunden am Tag oder in der Nacht auf Firmenparkplätzen, zuhause oder auf Stellplätzen von Mehrfamilienhäusern, da könnte man günstige Wallboxen aufstellen. Die Laternenparker können beim Arbeitsgeber oder an Bau- und Supermärkten laden.

Und wieder zu Thema Resourcenverbrauch – ein L7e oder L6e Fahrzeug braucht bei der Produktion nur 25% der Resourcen eines 2-Tonnen-SUVs und ein überdachtes Pedelec nur etwa 5% der SUV-Resourcen. Auch beim Ökostromverbrauch dürften L7e/L6e rund 50% niedriger liegen als normale E-Autos und die überdachten Pedelecs sogar rund 90% niedriger.

Es müssen wohl noch mehr Klimakatastrophen kommen, damit die Menschen begreifen, dass das Glück nicht aus einem 2-Tonnen-SUV in einer überhitzten Stadt mit einer verdorrten Landschaft aussenherum besteht, sondern dass es viel schöner ist mit einem überdachten Pedelec in einer kühlen grünen Stadt unterwegs zu sein und ausserhalb der Stadt auf grüne Wiesen und Wälder mit wasserführende Bäche und Flüsse zu treffen – manche verwechseln Glück mit Resourcenverbrauch.

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VestersNico
VestersNico
3 Jahre zuvor

Tobi- ganz Ihrer Meinung: Bratzel = Schwatzel. Wie er da vom Generalmanager rumfabuliert – hoffentlich meint er sich nicht selbst. Das hätte noch gefehlt, daß die Zuspätgekommenen mit leerem Geschwätz und vollem Gehaltskonto sich zum Gruppenführer aufschwingen. Go home Brabbel!

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KaiGo
KaiGo
3 Jahre zuvor

Mit einem Punkt hat er zumindest mal recht. Die Politik muss das ganze angehen und nicht nur einzelne Punkte. Nicht nur E-Autos fördern und jetzt (Gott sei dank) versuchen erneuerbare Energien attraktiver zu machen. Auf jedes Dach gehört letztlich eine PV Anlage drauf, das ist sowieso da und steht sonst nur dumm in der Sonne rum.

Natürlich brauchen wir auch massig Ladesäulen und am besten AC-Lader an den Straßen sodass die Leute problemlos nachts laden können.

Gleichzeitig müssen wir aber auch die Netze auf den ganzen Spaß auslegen bzw. umbauen und ausbauen. Dafür sind sie aktuell nicht gemacht. Weder für viele E-Autos noch für viele Erneuerbare Energien. Also Netzausbau, Speicher als Puffer für die Netze und bidirektionales Laden (da werden die Hersteller schneller sein wie die Politik), denn auch E-Autos können das Netz puffern. Im Moment höre ich zum Beispiel nichts vom Aufbau von netzdienlichen Speicher.

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Marko Weiss
Marko Weiss
3 Jahre zuvor

Was für ein Knallinger!
Gerade in die Stadt gehören viele, viele 22kW AC Ladepunkte!
Kleine E-Autos sind da in 1h voll und haben von DC aufgrund der geringen Akkukapaziät keinerlei Vorteil.
Es darf nicht nur von 60.000€ Fahrzeugen mit 75 kWh Akku ausgegangen werden!

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