Während die einen über das von der EU anvisierte Verbrenner-Aus ab 2035 wehklagen, kann es anderen nicht schnell genug gehen: 30 mitunter große Unternehmen und Organisationen fordern die Europäische Kommission in einem offenen Brief dazu auf, dass schon ab 2030 neue Firmenwagen und Lieferfahrzeuge ausschließlich emissionsfrei sein sollten. Neue schwere Nutzfahrzeuge sollten zudem ab 2035 und nicht erst ab 2040 ausschließlich emissionsfrei angetrieben werden.
Bis spätestens zum Oktober dieses Jahres soll eine entsprechende Verordnung auf den Weg gebracht werden, fordern die Unterzeichner. Außerdem soll es einzelnen Mitgliedsstaaten erlaubt sein, im eigenen Land noch strengere Vorschriften durchzusetzen. „Der Verkehr ist in der EU die größte Quelle für Treibhausgasemissionen, daher muss die Beschleunigung der Elektrifizierung des Straßenverkehrs eine der größten Prioritäten Europas sein“, führen die Unternehmen in ihrem Schreiben aus, das an Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen, Exekutiv-Vizepräsidenten „Green Deal“ Frans Timmermans sowie die Zuständige in der Kommission für Verkehr, Adina Valean, gerichtet ist. Die Elektrifizierung der Fahrzeugflotten stelle eine große Chance dar. „Sechs von zehn der in Europa verkauften Autos sind Firmenwagen, und diese Fahrzeuge fahren doppelt so viel wie Privatfahrzeuge“, geben die Verfasser zu bedenken.
Zudem seien die enormen Auswirkungen auf den restlichen Automarkt zu bedenken. Die Entscheidungen, welche Fahrzeuge in die Flotten aufgenommen werden, hätten schließlich auch darauf erheblichen Einfluss, da diese Fahrzeuge wenige Jahre später auf dem privaten Gebrauchtwagenmarkt landen würden. Unternehmen seien in der komfortablen Position, als Vorreiter bei der Elektrifizierung auftreten zu können, da sie Kaufentscheidungen tendenziell auf der Grundlage der Gesamtbetriebskosten träfen, bei denen Elektrofahrzeuge gegenüber Verbrennern sowieso im Vorteil seien.
„Als führende Unternehmen wollen wir unseren Teil dazu beitragen, Europa zu einem grüneren und energieunabhängigen Kontinent zu machen. Wir glauben zudem, dass eine intelligente Regulierung der Elektrifizierung von Flotten uns dabei helfen wird, den Umstieg auf Elektrofahrzeuge weiter zu beschleunigen. Das wird Angebot und Nachfrage ankurbeln und gleichzeitig ein starkes Signal an politische Entscheidungsträger, Automobilhersteller und andere Branchenakteure senden, dass die Zukunft elektrisch ist.“ – Auszug aus dem offenen Brief von 30 Unternehmen an die EU-Kommission
Eine schnellere Elektrifizierung der Fuhrparks als bislang geplant brächte drei große Vorteile mit sich, führen die Verfasser aus: „eine rasche Senkung der Emissionen im Straßenverkehr, die Abkehr der EU von russischen Ölimporten und und nicht zuletzt die Schaffung eines florierenden Gebrauchtmarktes für erschwingliche E-Fahrzeuge.“ Zwingend erforderlich seien in diesem Zusammenhang aber massive Investitionen in die Ladeinfrastruktur.
Folgende Unternehmen haben den offenen Lobby-Brief unterzeichnet:
- Ampeco GmbH, Spezialist für Ladeinfrastruktur aus Dinslaken
- An Post, staatliches Postunternehmen in Irland
- AstraZeneca, schwedischer Pharmakonzern
- Avere (The European Association for Electromobility)
- Avitron Polska, Spezialist für Ladeinfrastruktur aus Danzig
- Besix, belgisches Bauunternehmen
- CEE GTI, Central & Eastern Europe Green Transport Initiative aus Warschau
- ChargePoint, kalifornischer Ladenetzbetreiber
- ClimateGroup EV100, globale Umweltschutz-Initiative
- CocaCola European Partners, britische Tochter des US-amerikanischen Getränkeherstellers
- Ekoenergetyka, Spezialist für Ladeinfrastruktur aus Zielona Góra (Polen)
- Eneco, niederländischer Energieversorger
- Eurelectric, Branchenverband der europäischen Elektrizitätswirtschaft
- EvBox, E-Fahrzeug-Zulieferer aus Amsterdam
- Fastned, niederländischer Ladeinfrastrukturbetreiber
- Gegenbauer, Facility-Dienstleister aus Berlin
- Grundfos, Pumpenhersteller aus Bjerringbro (Dänemark)
- Ikea Ingka Group, niederländische Holding-Gesellschaft für Ikea-Filialen
- LeasePlan, niederländisches Autoleasing- und Fuhrparkmanagement-Unternehmen
- Luminus, belgischer Stromproduzent
- Pire, Polnische Kammer für die Entwicklung der Elektromobilität, NGO
- PSPA, Polnischer Verband für alternative Kraftstoffe, NGO
- SAP Labs France, Ladeinfrastrukturanbieter aus Frankreich
- Skift, Newsportal für die Reiseindustrie aus New York
- Stroohm, Spezialist für Ladeinfrastruktur aus Belgien
- Tesco, britische Supermarktkette
- Uber, US-amerikanisches Mobilitätsdienstleistungsunternehmen
- Umicore, belgischer Materialtechnologie- und Recyclingkonzern
- Unilever, britischer Konzern für Verbrauchsgüter
- Vattenfall, Hamburger Energieversorger
Quelle: Offener Brief auf www.transportenvironment.org
Wie im Transportgewerbe wird bei den Flotten die Geschwindigkeit der Elektrifizierung deutlich zunehmen. Die Dynamik kommt von allen Seiten. Das bedeutet, wer hier in den Markt möchte, braucht einen zuverlässigen Service und eine Ersatzteilversorgung sowie Großkundenkonditionen. Und hereinkommen ist viel schwieriger, als schon drin sein. Zudem würde es bei den meisten Kunden helfen, wenn man neben PKW auch passende Transporter haben würde. Das alles spricht für die klassischen OEM und genauso ist es auch. Die erhöhen die Preise und freuen sich über die guten Bestelleingänge.
wenn ich ein Unternehmer wäre, würde ich mir einfach den Vorteil verschaffen, die anderen werden es schon nachmachen, wenn sie nicht untergehen wollen… da braucht es kein Gesetz
Die Unternehmen können rechnen und haben längst bemerkt wie günstig die BEV-Autos sind, da verfangen keine bezahlten Verbrenner-Lobbyisten – beim Geld stößt das Verbrenner-Geschwätz an seine Grenzen.
Mit den vielen BEV-Firmenautos haben endlich auch die Leute mit weniger Geld eine Chance auf ein deutlich günstigeres BEV-Autos – FCEV sowie H2- und E-Fuel-Verbrenner schliesse ich hier ausdrücklich aus.
@Sebastian: Warum kann ich hier zwar Formatierungen setzen, diese aber nicht mehr entfernen?
Wenn man mal durchliest wer das unterschrieben hat,wundert es mich nicht ,dass diese Unternehmen sich daran beteiligen. Der Großteil der unterzeichneten Unternehmen beschäftigt sich mit Ladeinfrastruktur, also diejenigen die am meisten vom Verkauf von Elektroautos profitieren.