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Studie: „Import von E-Fuels kein billiges Patentrezept“

Wolfgang PlankbyWolfgang Plank
21. Januar 2022
Lesedauer: 2 Minuten
Wolfgang PlankbyWolfgang Plank
21. Januar 2022
Lesedauer: 2 Minuten

© Abbildung(en): shutterstock / 2107658243

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Die klimaneutrale Gesellschaft steht für viele Regierungen weit oben auf der Agenda. Auch die EU-Kommission möchte, dass die Mitgliedsstaaten spätestens von 2050 an keine schädlichen Emissionen mehr ausstoßen. Große Hoffnungen setzen die Verantwortlichen in diesem Zusammenhang in Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe. Doch noch ist die Erzeugung umständlich und teuer. Zudem sind die Wetterbedingungen in Europa nicht optimal.

Ein Baustein in vielen Zukunftsszenarien ist daher Import von grünem Wasserstoff und Methan aus Nordafrika oder dem Mittleren Osten. Dort versprechen verlässlicher Sonnenschein und geringe Stromkosten gute Bedingungen für den Betrieb von Elektrolyseuren. Doch noch ist unklar, wie der internationale Handel mit grünen Kraftstoffen initiiert und gestaltet werden könnte.

Eine Studie unter Beteiligung des Fraunhofer Instituts für Energieinfrastrukturen und Geothermie (IEG) hat nun das Potenzial von Energie-Importen bewertet. Das geht aus einer Mitteilung des IEG hervor. Erschienen ist die Studie im Fachjournal „Computers & Industrial Engineering“. Die Untersuchung kommt der Meldung zufolge auf Preise für grünen Wasserstoff und Methan von über 100 Euro je Megawattstunde im Jahre 2030 und knapp unter 100 Euro im Jahre 2050. Aktuell betrage der Preis für Methan am europäischen Rohstoffmarkt rund 30 Euro, heißt es.

Die Analyse zeige, dass die E-Fuel-Produktion in der Region von Nordafrika bis in den Mittleren Osten zwar attraktiv sei, allerdings könnten Kapital- und Transportkosten die Vorteile der Region schmälern oder sogar zunichtemachen, heißt es. „Der Import von E-Fuels nach Europa ist kein billiges Patentrezept, um Engpässe beim Ausbau der erneuerbaren Energien zu umgehen oder eine Transformation auf der Angebotsseite zu erreichen“, warnt Ben Pfluger vom Fraunhofer IEG. Die Kosten müssten daher gegen andere Optionen abgewogen werden.

Für die Wettbewerbsfähigkeit von Wasserstoff-Importen aus Nordafrika und dem Mittleren Osten nach Europa seien demnach zwei Dinge ausschlaggebend: Vergleichbare Risikoaufschläge für Investitionskapital wie in Europa und geringe Transportkosten. Darüber hinaus könne der gebremste Ausbau der Erneuerbaren Energien in Europa – etwa durch fehlende Ausbauflächen für Windkraft und Photovoltaik – Importe begünstigen.

Eine Analyse der Produktionsketten von synthetischen Kraftstoffen und die Berücksichtigung des Transports verdeutlichten die Komplexität Größe dieser möglichen Projekte, heißt es in der Studie. Sie seien zu groß und zu kostspielig, um ohne starke politische Unterstützung durchgeführt zu werden. Zudem müsse es die Sicherheit geben, dass die Energieprodukte langfristig zu vereinbarten Preisen abgenommen werden.

Politische Entscheidungsträger, die den Import von grünem Wasserstoff oder Kraftstoffen anstreben, sollten jetzt die notwendigen Entwicklungen anschieben, raten die Fachleute. Schließlich hätten Infrastrukturprojekte in dieser Größenordnung eine beträchtliche Vorlaufzeit.

Quelle: Fraunhofer IEG – Mitteilung vom 18. Januar 2022

Wolfgang Plank

Wolfgang Plank

Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

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16 Comments
Tom62
Tom62
4 Jahre zuvor

Hier benötigt man keine Studien, der Hausverstand soll doch genügen! … :(

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Philipp
Philipp
4 Jahre zuvor

Wenn man synthetischen Kraftstoff mit 10kWh/l annimmt (es sind eher mehr), dann käme man auf 1€/l, was überraschend niedrig ist. Ich weiß da kommen noch diverese Kosten drauf für realen Kraftstoff, aber hier werden schon die Kosten von Methan mit unter 100€/MWh genannt.

Ich verstehe hier nicht, wie der Preis für H2 und Methan auch nur ähnlich sein soll, da ich die Kosten der Wandlungsverluste bei der Synthetisierung von Methan UND die Kosten für die Abscheidung von CO2 aus der Luft ja noch dazuaddieren muss.

Schade dass ich nicht in die FHG Studie schauen kann… :-/

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Jakob Sperling
Jakob Sperling
4 Jahre zuvor

Wichtige Teile der Industrie haben die Frage glücklicherweise schon entschieden.
Koreanische, japanische und europäische Firmen schliessen Verträge über grosse Liefermengen mit Lieferanten in Australien, Chile Nord- und Westafrika (Beispiel: Covestro, Deutschland mit Fortescue, Australien).
Die Lieferanten investieren in der Summe Hunderte von Milliarden in die Produktion von grünem Wasserstoff und Derivaten davon. Pipelines werden aufgerüstet, Schiffe werden gebaut und getestet. 2024 beginnen Lieferungen, 2025 werden es schon grosse Mengen sein.

Es war ja immer klar, dass dicht besiedelte Gebiete mit viel Industrie einen Teil der Wind- und Solarenergie mit Vorteil aus weniger dicht besiedelten Gebieten mit besseren Produktionsbedingungen importieren sollten, statt die eigenen Flächen noch mehr zuzubauen. Die USA haben diese Gebiete im eigenen Land. Japan, Korea und Mitteleuropa nicht.
In vielen Ländern bestehen da keine Denkbarrieren, in Deutschland irgendwie schon. Da träumt man gerne von autarker Produktion und will trotzdem Exportweltmeister bleiben. Die Frage, wie die Kunden die Produkte bezahlen sollen, wird ausgeklammert.

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Daniel W.
Daniel W.
4 Jahre zuvor

Die Untersuchung kommt der Meldung zufolge auf Preise für grünen Wasserstoff und Methan von über 100 Euro je Megawattstunde im Jahre 2030 und knapp unter 100 Euro im Jahre 2050.

Kleine Rechnung:

1 Megawattstunde (MWh) = 1.000 kWh
100 Euro geteilt durch 1.000 kWh sind 0,10 Euro pro kWh.
0,10 Euro pro kWh H2 x 33,33kWh pro kg H2 = gerundet 3,33 Euro pro kg H2.

3,33 Euro pro kg H2 als Rohstoffpreis am Hafen / am Ende der Pipeline – und an der H2-Tankstelle?

Bei uns dürfte es sich eher lohnen Schmutzwasser der Kläranlagen per Ökostrom und Plasmalyse zu reinigen und gleichzeitig aufzuspalten, um dort Wasserstoff, Methan oder Stickstoff zu produzieren.

Bei der Schmutzwasser-Plasmalyse könnte mit 20 kWh pro kg H2 (laut Wikipedia und Graforce) sogar stromsparend produziert werden, da bestimmte Stoffe im Abwasser offenbar schon „Energie“ mitbringen.

Großindustrie, Fluggesellschaften und Reedereien können sich grünen Wasserstoff, Methan und E-Fuels ja aus Afrika holen, aber die Bevölkerung und die Kommunen können die Energiewende auch ohne Energie-Importe bewältigen, wenn aus 45 Mio. alten Verbrennern keine 45 Mio. Zwei-Tonnen-E-SUVs werden.

Bei zukünftig 30 Millionen kleineren E-Autos und überdachten autoähnlichen Pedelecs können Jahr für Jahr Millionen Tonnen Stahl, Alumium, Kunstoffe, Batterien und somit sehr auch viel Strom gespart werden.

Die Menschheit muss nicht nur von fossilen auf erneuerbare Energien umstellen, sondern auch den riesigen Resourcenverbrauch (1,84 Erden) massiv einschränken, denn damit kann viel Energie (Ökostrom) gespart werden, so dass man viel weniger PV- und Windkraftanlagen bei uns und anderswo braucht.

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Reinhard Kraemer
Reinhard Kraemer
4 Jahre zuvor

Es gibt auch e Ammoniak den man als Treibstoff verwenden kann. Am einfachsten als Gemisch aus NH3 und LPG (70 bis 80 Prozent NH3). Auch e Fahrzeuge mit kleinen Bleibatterien und einem Ammoniakgenerator (100 Prozent) sind die günstigsten und CO2 neutralsten Fahrzeuge.
Die Ammoniakkosten incl MwSt an der Tankstelle betragen 46 Cent pro Liter, was einem Dieselpreis von 1,25 Euro entspricht.
Kimeis PV will diese Fahrzeuge auf den Markt bringen und aus Tansania 90.000 Tonnen Ammoniak nach Deutschland liefern. Schrittweise bis 2030.
Meldet euch doch wenn ihr Interesse habt da mitzumachen

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