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ACEA fordert Auto-freundlichere Industriepolitik der EU

Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
7. Februar 2023
Lesedauer: 3 Minuten
Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
7. Februar 2023
Lesedauer: 3 Minuten

© Abbildung(en): ACEA

Home Automobilindustrie

Zu seinem Amtsantritt als neuer Präsident des europäischen Autohersteller-Verbandes ACEA (European Automobile Manufacturers‘ Association) hat Renault-CEO Luca de Meo einen offenen Brandbrief an die Staats- und Regierungschefs der EU geschickt. Darin warnt er vor den Folgen der neuen geplanten Abgasnorm Euro 7 und fordert von den EU-Institutionen, eine ehrgeizige und strukturierte Automobilindustriepolitik einzuführen, die mit denen anderer Regionen der Welt besser konkurrieren kann.

Besorgt über die erodierende Wettbewerbsfähigkeit der EU-Industrie auf der globalen Bühne ist de Meo der Ansicht, dass die Autobranche „seit langem einen Wettbewerbsvorteil in der gesamten Wertschöpfungskette von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor“ hat. „Dies wird bei Elektroautos zumindest kurzfristig nicht mehr der Fall sein“, so de Meo. „Unsere Konkurrenten halten viele Karten in ihren Händen, die wir noch nicht haben, vor allem vorgelagert in der Lieferkette von rein Batterie-betriebenen E-Fahrzeugen“, etwa was die Rohstoffe für Batterien betrifft. Zudem sei es so, dass andere Länder wie die USA oder Chinas Autohersteller großzügiger unterstützen, als es in der EU der Fall sei.

Auch der Euro-7-Vorschlag zur Verringerung der Schadstoffemissionen von Verbrennern ist de Meo ein Dorn im Auge. Er erlege der Industrie „unrealistische Einschränkungen“ auf und würde den Weg zur Dekarbonisierung sogar noch verlangsamen. „Die Einhaltung von Euro 7 würde Kostensteigerungen mit sich bringen, die Kunden davon abhalten könnten, diese neuen Autos zu kaufen“, warnte de Meo. Dies könnte dazu führen, dass Autos länger genutzt werden, der Generationswechsel also verschleppt wird. „Das heißt: Ältere Autos mit höheren Emissionen, die länger auf den Straßen bleiben“, so der ACEA-Präsident über mögliche Umwelt-Auswirkungen der Schadstoffnorm Euro 7.

De Meo argumentiert, dass ein viel besseres Kosten-Nutzen-Verhältnis möglich wäre, „wenn wir die enormen Investitionen, die Euro 7 erfordern würde, auf die Elektrifizierung ausrichten, Elektroauto erschwinglicher machen und emissionsfreie Technologien entwickeln würden, um die Flotte zu verbessern“. Außerdem brauche es entschlossenere Schritte zum Aufbau einer europaweiten Ladeinfrastruktur für Elektroautos sowie Elektro-Lkw. Der ACEA-Präsident fordert auch eine Antwort auf das Inflation Reduction Act (IRA) genannte Inflationsminderungsgesetz in den USA, eine Initiative der US-Regierung, die es ermöglichen soll, die lokale Industrie im Moment der Transformation zu stimulieren.

Als Reaktion der EU auf das IRA betrachtet, ist ACEA der Ansicht, dass der Green Deal Industrieplan – wenn er erfolgreich umgesetzt wird – ein erster Schritt sein könnte, um die Investitionen in der EU aufrechtzuerhalten und gleichzeitig den Freihandel auf der ganzen Welt zu gewährleisten. Der Autosektor hofft zudem, dass das Gesetz über kritische Rohstoffe die europäischen Kapazitäten zur Gewinnung, Veredelung und Verarbeitung von Rohstoffen verbessern und ihre Versorgungssicherheit verbessern wird. Andernfalls werden die EU-Fahrzeughersteller im Vergleich zu ihren Wettbewerbern aus anderen Regionen erheblich benachteiligt sein, warnt der ACEA.

Europa müsse auf der globalen Bühne gestärkt werden

Jetzt sei es an der Zeit, „entschlossen zu handeln, um das Risiko einer Deindustrialisierung unseres Kontinents zu vermeiden“, so de Meo in dem offenen Brief. In den vergangenen 20 Jahren habe die europäische Automobilindustrie gegenüber ihren wichtigsten globalen Wettbewerbern allmählich an Boden verloren: „Die Autoproduktion und -verkäufe in China beispielsweise sind seit 2003 um mehr als das 25-fache gestiegen, während sie in Europa um etwa 25 Prozent zurückgegangen sind“. Im gleichen Zeitraum sei der Marktanteil der europäischen Automobilhersteller um 7 Punkte auf 70 Prozent zurückgegangen. „Und die jüngsten politischen Entscheidungen riskieren, die europäische Automobilindustrie im Vergleich zu ihren chinesischen und us-amerikanischen Konkurrenten in eine noch ungünstigere Situation zu bringen“, warnt de Meo.

Der ACEA gab auch seine Prognose für den Verkauf neuer Autos in diesem Jahr bekannt: „Trotz der vielen Unsicherheiten sollte der Markt 2023 mit dem Erholungsprozess beginnen“, erklärt ACEA-Generaldirektorin Sigrid de Vries. „Wir erwarten, dass in diesem Jahr rund 9,8 Millionen Neuwagen in der gesamten Region verkauft werden, ein Plus von 5 Prozent gegenüber 2022“. Dies bleibe jedoch 25 Prozent unter dem Niveau vor der Krise 2019, was zeige, dass sich die europäische Autoindustrie immer noch in einer fragilen Situation befinde. „In diesem Zusammenhang ist es umso wichtiger, dass unsere Branche ihre Position auf der globalen Bühne stärkt“, so de Vries.

Quelle: ACEA – Pressemitteilung vom 31.01.2023 / ACEA – Offener Brief von Luca de Meo

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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3 Comments
S. Eckardt
S. Eckardt
3 Jahre zuvor

Zitat In den vergangenen 20 Jahren habe die europäische Automobilindustrie gegenüber ihren wichtigsten globalen Wettbewerbern allmählich an Boden verloren

Na wer hat da wohl über viele Jahre was falsch gemacht? Die Autoindustrie oder die Kunden?
Es spricht ziemlich viel Hilflosigkeit aus diesem Gejammer.

Ist es nicht permanent wichtigste Aufgabe der Vorstände, die Zukunftsfähigkeit ihrer Firma zu sichern? Dazu gehört das rechtzeitige Erkennen von Trends und Notwendigkeiten!

Falsche Autos – jetzt falsche – d.h. am Bedürfniss der „Massen“ vorbei gehende – eAutos sind der Tod der Massenproduktion. Das lässt sich nicht mit Oberklasse- und Luxus-Autos und dem damit erzielten Gewinn je Auto kompensieren.

Da kann der Staat/die EU auch nicht dauerhaft helfen.

Darüber hinaus wandelt sich die Mobilität und in der Folge werden sicher wesentlich weniger Fahrzeuge benötigt – was wohl oder übel zu weniger Autoherstellern führen wird.
Die gute Nachricht: Die am besten die Marktbedürfnisse befriedigen (können), werden überleben …

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Hiker
Hiker
3 Jahre zuvor

Jammern ist scheinbar neuerdings eine Kernkompetenz der Europäischen Autohersteller. Zuerst verpassst man den Trend, dann versucht man mit allerlei Lobbyistischen Spielchen die Konkurrenz auszubremsen. Jetzt soll es also der Steuerzahler richten? Nein mein Lieber, nehmt die Finger endlich aus dem A… und baut Autos die der Kunde will und bezahlen kann.

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