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Der Anfang vom Ende für Plug-in-Hybridautos in Europa?

Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
2. August 2022
Lesedauer: 3 Minuten
Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
2. August 2022
Lesedauer: 3 Minuten

© Abbildung(en): tomas devera photo / Shutterstock.com

Home Automobilindustrie

Die EU-Kommission hat eine Verschärfung für die offizielle CO2-Berechnung im Rahmen der Typgenehmigung von Plug-in-Hybridautos beschlossen, sodass diese ab 1. Januar 2025 auch offiziell realitätsnahe CO2-Emissionen aufweisen werden. Damit werden Pkw-Hersteller in Europa zur Einhaltung der europäischen CO2-Flottengrenzwerte viel weniger auf Plug-in-Hybridfahrzeuge und deutlich stärker als bisher auf Batteriefahrzeuge setzen müssen.

Auf Plug-ins (PHEV) entfielen im ersten Halbjahr des Jahres 2022 etwa neun Prozent aller Pkw-Neuzulassungen in Europa – das entspricht gut 400.000 Pkw. Ausgestattet mit einem Verbrennungsmotor sowie einem Elektroantrieb ist ihr Beitrag zur Emissionsminderung stark abhängig vom realen Nutzungsverhalten. Bislang weisen PHEV in der Zulassung und laut offiziellen Statistiken niedrige Verbräuche von im Mittel unter zwei Litern/100 km und entsprechend niedrige CO2-Emissionen von unter 50g CO2/km auf.

Plug-in-Hybride verbrauchen mehr als offiziell angegeben

Mehrere empirische Studien (bspw. Plötz et al. 2020 & 2022) haben allerdings herausgefunden, dass die Spanne in der realen Nutzung zwar sehr groß ist, aber im Mittel die Verbräuche und Emissionen deutlich höher ausfallen. Der reale Kraftstoffverbrauch liegt für private PHEV im Durchschnitt bei etwa 4 bis 4,4 Litern je 100 Kilometern. Bei Dienstwagen sind es sogar 7,6 bis 8,4 Liter (vgl. Plötz et al. 2022). Damit ist die Abweichung zwischen offiziellen Angaben und realen Erfahrungswerten bei PHEV sehr viel größer als bei Fahrzeugen mit konventionellem Verbrennungsmotor (rund 23 Prozent nach Tietge et al. 2019).

Aufgrund der geringen offiziellen CO2-Einstufung waren PHEV bei der Einhaltung der europäischen CO2-Flottengrenzwerte von großem Wert für die Hersteller. Im Mittel müssen die Emissionen der neuzugelassenen Pkw der Hersteller in Europa seit 2021 unter 95 Gramm CO2 je km (nach dem bisherigen Prüfverfahren) liegen. Mit im Mittel etwa 38 g CO2/km und einer zusätzlich höheren Anrechnung als emissionsarme Fahrzeuge waren PHEV entsprechend ein wichtiges Puzzlestück, um die Flottengrenzwerte einzuhalten.

EU-Kommission übernimmt Hinweis von Fraunhofer ISI und ICCT

Nun hat die EU-Kommission im Rahmen der Überarbeitung der Typgenehmigung die Werte für Plug-in-Hybride korrigiert. Am 5. Juli 2022 hat das Technical Committee Motor Vehicles (TCMV), das aus Teilnehmer:innen aller Mitgliedsländer zusammengesetzt ist, dem Kommissionsvorschlag zur Änderung der Regulierung (EU) 2017/1151 zur Typgenehmigungsprozedur zugestimmt.

Die Kommission übernahm dabei einen Hinweis aus einer aktuellen Studie des Fraunhofer ISI und ICCT (Plötz et al. 2022) direkt in ihren Entwurf der Neu-Regulierung. Die Studie machte einen Vorschlag zur realistischeren Ausgestaltung der offiziellen Werte, indem ein technischer Parameter der Genehmigung, der das Verhältnis zwischen elektrischem und verbrennungsmotorischen Betrieb festlegt, empirisch neu bestimmt wurde.

Das Berechnungsverfahren selbst bleibt jedoch unverändert. Im Kern wird der Anteil überwiegend elektrisch zurückgelegter Kilometer ab dem 1. Januar 2025 kleiner als bisher (blaue Kurve in der Abbildung) und ab 1. Januar 2027 (schwarze Kurve in der Abbildung) als noch kleiner angenommen.

PHEV-Anfang-vom-Ende-Juli-2022
Patrick Plötz / Fraunhofer ISI

Damit werden Plug-in-Hybride ab dem 1. Januar 2025 sehr viel realistischer gemäß den offiziellen Werten beurteilt. So werden neue PHEV ab 2025 im Mittel bei ca. 3,5 Liter/100 km bzw. 80 g CO2/km nach WLTP offiziell eingestuft und ab 2027 bei ca. 5 Liter/100 km oder 115 g CO2/km (bei deutlich größeren Reichweiten als 60 km auch etwas besser).

Hersteller müssen mehr auf reine Elektroautos setzen

Bei den CO2-Flottengrenzwerten müssen die Hersteller ihre mittleren offiziellen CO2-Emissionen im Jahr 2025 um 15 Prozent gegenüber 2021 senken. Aufgrund der mittleren Emissionen von ca. 116 g CO2/km ergibt sich ein Zielwert von ca. 98 g CO2/km (im aktuellen WLTP-Verfahren, entspricht ca. 81 g CO2/km in veralteten NEFZ-Verfahren). Bis zum Jahr 2030 beträgt der Zielwert ca. 72 g CO2/km im WLTP (aufgrund der 37,5 Prozent Reduktion gegenüber 2021). Die genauen Werte sind von der Masse der Neuwagenflotten sowie dem Anteil und der Anrechnung von Elektrofahrzeugen abhängig.

Zusätzlich hatte die EU-Kommission im Rahmen des Fit-for-55-Paketes eine Verschärfung der Flottengrenzwerte vorgeschlagen. Die Verhandlungen sind zwar noch nicht abgeschlossen, jedoch sind sich Kommission, Parlament und Rat inzwischen in vielen Punkten einig, um das 2030-Ziel auf minus 55 Prozent (gegenüber 1990) anzuheben.

Diese weitere Verschärfung impliziert zum Jahr 2030 einen neuen Zielwert von rund 52 g CO2/km im WLTP. Da verbrennungsmotorische Pkw derart niedrige Werte kaum erreichen können, müssen die Hersteller in erheblichem Umfang Elektrofahrzeuge in den Markt bringen. Daher bedeutet die Verschärfung der offiziellen PHEV-CO2-Emissionen auch, dass die Hersteller ab 2025 deutlich mehr batterieelektrische Fahrzeuge verkaufen müssen, als es mit der bisherigen PHEV-Regelung der Fall war.

Für Plug-in-Hybridfahrzeuge könnte dies der Anfang vom Ende sein – einige Hersteller haben bereits angekündigt, keine neuen Plug-in-Hybrid-Modelle mehr zu entwickeln und setzen in Zukunft voll und ganz auf reine Batteriefahrzeuge.

Quelle: Fraunhofer ISI – Pressemitteilung vom 27.07.2022

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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9 Comments
Brösel
Brösel
3 Jahre zuvor

Diese weitere [EU-]Verschärfung impliziert zum Jahr 2030 einen neuen Zielwert von rund 52 g CO2/km im WLTP.

Zitat Kempowski:

Gut dem Dinge!

Praktisch sehe ich das für EU als ein quasi Verbrennerverbot!

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Daniel W.
Daniel W.
3 Jahre zuvor

Einfache Formal: BEV + Energiewende = Milderung der Klimakatastrophen !

Mittlererweise gibt es Diskussionen unter Wissenschaftlern, die ein Ende der Menschheit für möglich halten, da man bisher beim Klimawandel eher mit zu milden Folgen kalkuliert hat und die größeren negative Aspekte eher ausgeblendet hat. Dieses Jahrzehnt könnte also die letzte Chance der Menschheit sein ihren Untergang noch zu verhindern, falls es nicht jetzt schon zu spät dafür ist.

Die Einen, die eh nicht an Energiewende und Klimawandel glauben, können ein großes Orchester buchen und zur Weltuntergangsparty einladen, um zu feiern wie auf der Titanic – mit voller Fahrt in den Untergang.

Die Anderen, die hoffentlich in der Mehrheit sind, haben jetzt hoffentlich den Ernst der Lage begriffen und diskutiert nicht mehr länger über H2-Fahrzeuge, PHEV, E-Fuels, Biosprit, Fracking, längere Laufzeiten bei AKW, Denkmal- und Vogelschutz statt Windrädern, freie Fahrt statt Tempolimit usw.

Ich hoffe und erwarte, dass sich die Politiker und Vertreter der Industrie schnellstens von Verbrennern und all seinen Schummelvarianten noch vor 2030 verabschieden und unverzüglich in Richtung Energiewende abbiegen.

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De Mischa
De Mischa
3 Jahre zuvor

Selbst die neue Berechnung ist absoluter Bullshit. Die gehen immer nur davon aus das ein KFZ nicht mehr als 100Km fährt und dann geladen wird. Wenn dem so wäre, würden die Gewerblichen OHEV nicht so hohe Verbrauche aufweisen.

Es sollte lieber folgendes Ausgewiesen und entsprechend gerechnet werden:

  • STROMVERBRAUCH und Reichweite im Batteriebetrieb. Stromschlucker werden schlechter gestellt als sparsame Fahrzeuge.
  • Realer Verbrauch im Hybridmodus mit LEERER Batterie. Alles über 5L im Hybridbetrieb wird schlechter gestellt.

So werden dann tatsächlich mies konstruierte PHEV vom Markt verschwinden und dann nur Fahrzeuge übrigbleiben die tatsächlich wenig CO2 ausstoßen und nicht verschwenderisch mit Strom umgehen.

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Hiker
Hiker
3 Jahre zuvor

Wurde höchste Zeit diese Schummelfahrzeuge vom Markt zu nehmen.

Es geht alles viel zu langsam. Statt sich der Umwelt endlich konsequent zu widmen wird geschummelt, gelogen und verdreht dass sich die Balken biegen.

Vermutlich ist es sowieso schon viel zu spät um noch viel zu retten. Und noch immer wird nur endlos diskutiert was man machen sollte.

Hauptsächlich natürlich immer die Anderen. Selber ist man nicht bereit auch nur das Geringste an seinem Verhalten zu ändern.

Und so werden weiterhin Verbrenner gekauft, je grösser desto besser. Und es wird nach Malle oder nach New York zu Shoppen geflogen.

Der Stau in den Süden wird immer grösser statt kleiner. Man kauft sich fast fashion Kleider, die einmal gewaschen in die Tonne wandern.

Handys werden im Jahresrythmus getauscht. Die Natur wird schamlos ausgebeutet als wären die Resourcen endlos. Volle Fahrt voraus ins Elend!

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Karl Spendier
Karl Spendier
3 Jahre zuvor

Alle sollen (wollen) Energie sparen und E Fahrzeuge sind ok aber keiner denkt über eine Nachhaltige Energie Gewinnung aus Wasser, Wasserstoff, Sonnenenenergie und Bio Brenn Stoffe nach. E Energie, Tempolimit und Umweltgeschrei kennen anscheinend kein Halt vor Logik und Grenzen. Bezahlen darfs der Endverbraucher für eingeschlafen veraltete Ideen versäumte Infrastrukturen und Experten die keine Eigenen Ideen vor bringen(beeinflusst durch Industrie, Energie Konzerne und Banken). Wir zahlen für alle Europäischen ärmeren und sozial Schwächen Länder der EU die sich nicht um Co2 und Umwelt kümmern .Es wird Zeit sofort um zu Denken und die € Zahlen Bremse zu ziehen so lange es noch geht und wieder Großprojekte zur Energie Gewinn im eigenen Land zu Fördern und den Umweltgedanken für Zwergstaaten hinten an zu stellen. Auf Kosten unserer scheinheiligen Umwelt wird in anderen Ländern für unseren Komfort, Umwelt und Leben vernichtet. Nur um CO2 neutral, fair und Bio Ideal da zu stehen.

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