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Energie-Expertin: „Ziele reichen nicht – wir müssen handeln!“

Wolfgang PlankbyWolfgang Plank
11. August 2021
Lesedauer: 3 Minuten
Wolfgang PlankbyWolfgang Plank
11. August 2021
Lesedauer: 3 Minuten

© Abbildung(en): Symbolbild | shutterstock / Lizenzfreie Stockfoto-Nummer: 614242199

Home Automobilindustrie

In Sachen Klimaschutz stellt die Energie-Ökonomin Claudia Kemfert der Politik ein schlechtes Zeugnis aus. „Die Arbeit der schwarz-roten Bundesregierung reicht nicht aus„, sagt die Professorin in einem Interview mit der Ausburger Allgemeinen. Die Wissenschaftlerin leitet die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.

Grundsätzlich habe die Welt nicht genug getan, um den Klimawandel aufzuhalten, so Kemfert. Das Problem sei seit 40 Jahren bekannt. Mit Zielen allein erreiche man aber nichts. „Wir müssen endlich ins aktive Handeln kommen.“ Auch die CO2-Steuer in Deutschland sei ja nicht aus eigenem Antrieb erfolgt, sondern nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts, dass die Lasten des Klimaschutzes nicht immer bloß künftigen Generationen aufgebürdet werden dürften.

Erster entscheidender Punkt ist nach Kemferts Ansicht eine Vervierfachung des jetzigen Ausbautempos bei erneuerbaren Energien. Dafür brauche Deutschland Solarenergie auf allen Dächern und mehr Windenergie – auch in Bayern. Neue Windräder seien zwar höher, könnten aber auch deutlich mehr Strom produzieren. Sie sollten an vorhandenen Standorten nicht nochmals komplizierte Genehmigungsverfahren durchlaufen müssen, fordert die Professorin. Das Energiesystem der Zukunft müsse flexibel, intelligent und dezentral sein.

Der zweite wichtige Punkt sei die Verkehrswende, so Kemfert. „Wir müssen Gleise bauen statt Straßen. Flankieren kann man dies mit einem Bündel an Maßnahmen, von der Pkw-Maut, einer Quote für Elektrofahrzeuge über ein Tempolimit auf Autobahnen bis hin zu höheren Diesel-Steuern.“ Und drittens gehöre zum Klimaschutz die Transformation der Industrie – etwa über grünen Wasserstoff. Insgesamt, so Kemfert, sei eine Vollversorgung Deutschlands mit erneuerbaren Energien möglich.

Fossile Energie werde sehr ineffizient genutzt, heißt es in dem Interview. Im Verbrennungsmotor gingen 60 bis 80 Prozent der Energie ungenutzt verloren. Mit Ökostrom im E-Auto, auf der Schiene oder mit Wärmepumpen erhöhe sich die Effizienz massiv. Aber eben nur dann. Kemfert: „Wenn wir dagegen davon träumen, alle Fahrzeuge und Heizungen im Land mit synthetischen Kraft- und Heizstoffen zu betreiben, die mithilfe von Ökostrom erzeugt wurden, dann kommen wir in der Tat zu einer Vervierfachung bis Versechsfachung des Strombedarfs. Das ist nicht sinnvoll und ökonomisch nicht effizient.“

Ein CO2-Preis allein könne den Umstieg nicht regeln, so die Professorin. Es werde eine starke Steuerung durch den Staat nötig sein. Ansonsten müssten der Preis bei 200 Euro pro Tonne CO2 liegen – aktuell sind es 25 Euro für Heiz- und Kraftstoffe. Die Benzinpreise würden dann um rund 50 Cent pro Liter steigen. „Die FDP suggeriert, dass ein CO2-Preis dem Klima hilft, dieser soll aber niedrig sein. Ein niedriger CO2-Preis entfaltet aber keine Lenkungswirkung.“

Zusätzlich fordert Kemfert einen Kohleausstieg bis 2030. Es gebe bislang aber nur wenige Politikerinnen und Politiker, die dies offen aussprächen. „Mit einem Kohleausstieg 2038 werden wir die eben vereinbarten Klimaziele nicht erreichen.“ Strom sei nach wie vor zu teuer, fossile Energie dagegen zu billig. Diese Unwucht müsse in einer Energiesteuer- und Abgabenreform beseitig werden – etwa durch die Senkung der EEG-Umlage.

Durch eine jährliche Klimaprämie pro Kopf ließen sich soziale Probleme vermeiden, so Kemfert. Damit ließe sich der CO2-Preis komplett zurückerstatten. Bei einem CO2-Preis von rund 80 Euro pro Tonne könnte man mit über 130 Euro pro Jahr und Empfänger rechnen. Zugute kommen würde das Geld vor allem den einkommensschwachen Haushalten, die am wenigsten Treibhausgase verursachen, aber die am meisten Leidtragenden sind. Die von der Bundesregierung beschlossene erhöhte Pendlerpauschale weiter zu erhöhen, bevorteile dagegen Empfängerinnen und Empfänger mittlerer und hoher Einkommen.

Quelle: Augsburger Allgemeine – „Die Welt hat nicht genug getan“

Wolfgang Plank

Wolfgang Plank

Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

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28 Comments
Fabian Uecker
Fabian Uecker
4 Jahre zuvor

Die Problematik ist, welche Partei soll dies umsetzen? Die CDU und FDP wird es nicht machen. Die Grünen können nur Umweltschutz. Leider aber keine Wirtschaftspolitik und schon gar nicht eine sinnvolle Asylpolitik. Also was soll man wählen um die o.g. Punkte umzusetzen? Diese decken sich auch zu 100% mit meiner Meinung.

– PV-Pflicht für alle Neubauten
Die Mehrkosten sind 10-15k€ (Wenn das nicht möglich ist, sollte man überlegen ob man wirklich bauen sollte)
– Zusätzlich noch Parkplätze mit pv Dächer versehen(Versiegelte Flächen)
– Kein zusätzlicher Flächenverbrauch für pv
– ersetzen alter Windstandorte
– Mit co2 Steuer schwache Einkommen entlasten
– Vermieter an co2 Steuer beteiligen um co2 arme Heizung zu begünstigen

Ich denke hier wären ausreichend Möglichkeiten um keine weitere Flächen zu verbrauchen und trotzdem riesen Schritte nach vorne zu machen. Dann kann man evtl. die großen Trassen Nord Süd einsparen.

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Anonymous
Anonymous
4 Jahre zuvor

Lieber Herr Uecker, Ihre pauschalen Aussagen zu den Grünen lässt tief blicken – in Baden Württemberg haben das nach 2 Jahrzehnten „schwarzer“ Wirtschaftspolitik auch viele gesagt oder gedacht – falsch gedacht – von der Autoindustrie einmal abgesehen, bewegt sich hier vieles in die richtige Richtung.
Wenn ich mir da so Bayern mit BMW Plugins und 10H Regel so anschaue, dann weiß ich ganz genau, wo ich am 26.09.21 meine beiden Kreuze machen werde

– übrigens auch gerade wegen der „schwarzen“ Asylpolitik ;-)

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Niro
Niro
4 Jahre zuvor

Ein sehr treffender Zustandsbericht von Frau Prof.Kemfert, der sich auch mit Aussagen anderer
Klimaforscher deckt. Es ist schon sehr bedenklich, dass die Politik und Wirtschaft die Forschungsergebnisse der Klimaforscher jahrzehntelang ignoriert hat, um ihre Interessen durch zu setzen. Profitgier ist nach wie vor der Treiber. Eine so tief gespaltene Gesellschaft wie in Deutschland hat es schwer, gegen diese Probleme anzugehen. Da ist z.B. das Tempolimit auf Autobahnen, was lt.Umfragen eine große Mehrheit der Bevölkerung befürwortet, die Politik aber nicht umsetzt, weil Lobbyisten dagegen angehen. Das wäre eine Maßnahme von vielen, die keine
Kosten verursachen würde mit großer Wirkung.Der Paradigmenwechsel in Politik, Wirtschaft und
Gesellschaft ist absolut erforderlich, um den Klimawandel zu stoppen.

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Daniel W.
Daniel W.
4 Jahre zuvor

Eine wichtige Aussage – falls sie unbemerkt geblieben sein sollte.

Kemfert: „Wenn wir dagegen davon träumen, alle Fahrzeuge und Heizungen im Land mit synthetischen Kraft- und Heizstoffen zu betreiben, die mithilfe von Ökostrom erzeugt wurden, dann kommen wir in der Tat zu einer Vervierfachung bis Versechsfachung des Strombedarfs. Das ist nicht sinnvoll und ökonomisch nicht effizient.“

Batterie-elektrisch lässt sich Umwelt- und Klimaschutz relativ einfach, wartungsarm und günstig erreichen. Wenn jetzt noch günstige Speicher dazu kommen, dann haben die Verbrennertechniken in Fahrzeugen und Haushalten preislich verloren.

Die große Problem ist noch die aktuelle Politik und die Lobby von Verbrennern, Kohle, H2 und E-Fuels – aber diesen Problem lässt sich mit einem Kreuz an der richtigen Stelle bei der Bundestagswahl beseitigen.

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Kerstin Terplan
Kerstin Terplan
4 Jahre zuvor

Ich glaube, man sollte aufpassen, dass politische Diskussion hier im Forum außen vor bleibt. Man hat schon (über)genug davon in anderen Pressemedien und Foren
Danke.

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Nik
Nik
4 Jahre zuvor

sehr vernünftige Maßnahmen, aber dafür politische Mehrheiten zu finden dürfte sehr schwer sein.
Tempolimit und Einschränkungen beim Autoverkehr sind ja selbst bei uns eMobilisten umstritten.

aber man darf die Hoffnung nicht aufgeben. Durch die Flutkatastrophe sind ja doch der ein oder andere aufgewacht

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Rolf
Rolf
4 Jahre zuvor

Viel Gerede in der Politik und kein Handeln. Wer E Autos fährt, Solaranlagen auf dem Dach montieren lässt, die Ölheizung durch eine Erdsonden-Heizung ersetz, ist noch lange nicht ein Grüner. Vielleicht hat er einfach einen gesunden Menschenverstand und hat statt reden schon gehandelt und investiert.
Gratis bekommt man das alles nicht. Aber mit Verzicht auf Herumreisen in der Welt und sparen lässt sich das nach und nach umsetzen.
„In meinem Auto finden sich keine Lederhandschuhe des Vorbesitzers! “ Alles klar?

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Alfred Tersch
Alfred Tersch
4 Jahre zuvor

Bin gespannt, wie die Zukunft dann auch im Gebrauchtwagensektor sich entwickeln wird.
Heute „landen“ ja viele Fahrzeuge dann irgendwann mal in Osteuropa, in Nordafrika, in sonstigen mehr oder weniger fernen Regionen. Wird das mit Reinelektrischen auch der Fall sein? Oder wird prozentual mehr im Inland verbleiben und irgendwann dort recycelt? Habe zumindest ich noch kein Gefühl für und keine Prognose.

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