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Industrieverband ACEA fordert Kopplung von CO2-Zielen an Aufbau von Infrastruktur

Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
5. April 2021
Lesedauer: 2 Minuten
Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
5. April 2021
Lesedauer: 2 Minuten

© Abbildung(en): shutterstock / Lizenzfreie Stockfoto-Nummer: 244964971

Home Automobilindustrie

Die EU-Automobilindustrie zeigt sich offen für höhere CO2-Reduktionsziele bei Neuwagen ab dem Jahr 2030 – stellt allerdings auch Bedingungen und fordert, dass die EU-Mitgliedsstaaten auch verbindliche Verpflichtungen zum Aufbau der für E-Fahrzeuge erforderlichen Ladestationen und Wasserstofftankstellen erfüllen. Die CEOs der führenden europäischen Automobilhersteller stimmten diesem Vorschlag kürzlich auf einer Vorstandssitzung der European Automobile Manufacturers Association (ACEA) zu.

„Die enormen Investitionen unserer Branche in Fahrzeuge mit alternativem Antrieb zahlen sich aus. Im vergangenen Jahr war fast jedes zehnte in der EU zugelassene Auto elektrisch angetrieben. Dieser Trend kann jedoch nur aufrechterhalten werden, wenn die Regierungen entsprechende Investitionen in die Infrastruktur tätigen“, betont Oliver Zipse, der Vorstandsvorsitzende von BMW. Neue CO2-Ziele für 2030 müssen „von einem entsprechenden Hochlauf der Infrastruktur abhängig gemacht werden“, so Zipse.

Im Wesentlichen fordert der Branchenverband ACEA, dass die bevorstehende Verschärfung der CO2-Ziele für Pkw und Lieferwagen auch an strenge und EU-weite Ziele für den Aufbau von Infrastrukturen gekoppelt wird. Das Ziel einer CO2-neutralen Mobilität dürfe „keine einseitige Verpflichtung“ zulasten der Autohersteller sein, so Zipse.

Bisher gilt, dass der durchschnittliche CO2-Ausstoß von Neuwagen im Jahr 2030 um 37,5 Prozent niedriger sein muss als 2021. Da jedoch das EU-Klimaziel für 2030 erhöht werden soll, will EU-Kommissionsvize Frans Timmermans auch die Vorgaben für Autos und Lieferwagen nachschärfen und bis Juni einen einen offiziellen Vorschlag vorlegen.

„Wir müssen alle verfügbaren Antriebstechnologien nutzen, um den CO2-Fußabdruck unserer Fahrzeugflotte zu verringern“, sagt Zipse. Für die Einführung von Elektro-Fahrzeugen, sei es Batterie-elektrisch oder per Brennstoffzelle angetrieben, gelte eine einfache Logik: „Die Anzahl der Ladestationen und Wasserstoffstationen, zu deren Aufbau die EU-Mitgliedstaaten verpflichtet sind, bestimmt, was ein realistisches CO2-Ziel für 2030 ist.“

Darüber hinaus sollten, so fordert es der ACEA, die EU-Mitgliedstaaten auch einen Rechtsrahmen für den raschen Ausbau der privaten Ladeinfrastruktur zu Hause sowie am Arbeitsplatz schaffen. „Der Erfolg des übergeordneten Ziels, die CO2-Emissionen des Verkehrssektors zu senken, hängt im Wesentlichen von der richtigen Infrastruktur ab“, erklärt Zipse. Der ACEA zähle darauf, dass die Kommission die notwendige Verbindung zwischen den Branchenzielen und denen der EU-Mitgliedstaaten herstellt.

Der Umweltverband BUND kritisiert die Forderung der Automobilindustrie nach staatlich aufgebauten Ladesäulen: Für den Aufbau von Ladeinfrastruktur sollte „die Automobilwirtschaft verantwortlich“ sein, erklärte BUND-Verkehrsexperte Jens Hilgenberg. Dass sie dazu finanziell in der Lage sei, „zeigen die auch für 2020 ausgezahlten Dividenden in Milliardenhöhe. EU und Bundesregierung können und müssen dafür in erster Linie die rechtliche Rahmen setzen.“

Quelle: ACEA – Pressemitteilung vom 31.03.2021 / Automobilwoche – Acea offen für strengere CO2-Grenzwerte

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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11 Comments
bergfex
bergfex
5 Jahre zuvor

Und immer wieder ruft die Wirtschaft nach dem Staat! Meinen ACEA und Herr Zipse wirklich, dass es Aufgabe des Steuerzahlers sein muss, ein Ladenetz aufzubauen? Nein, das ist Aufgabe der Wirtschaft, sprich der Energieversorger. Schließlich will die Wirtschaft auch die Gewinne abschöpfen, da darf sie bitteschön auch für die Infrastruktur sorgen.

Es muss Schluss damit sein, dass der Steuerzahler die Autoindustrie finanziert. Das krasseste Negativbeispiel ist Ionity. Die haben doch glatte 300 Mio Euro für Ihr Ladenetz vom Staat (= dem Steuerzahler) kassiert und jetzt verlangen sie astronomische Strompreise. Das darf so nicht weitergehen.

Die Mineralölindustrie konnte schließlich auch ein Tankstellennetz selber aufbauen, warum sollen das die Energieversorger mit Ladestationen nicht können?

Für die enormen Co2-Emissionen sind zum großen Teil die Autofirmen (und wir Autofahrer) verantwortlich. Der Staat muss Vorgaben schaffen, zahlen muss die Umsetzung m.E. der, der dafür die Verantwortung trägt. Und das sind nun mal die Autofirmen und wir Autofahrer, nicht die Steuern zahlende Allgemeinheit.

Automobilfirmen, die Milliardengewinne einstreichen, rufen nach dem Steuerzahler, um weiterhin enorme Gewinne machen zu können. Was der ACEA und Herr Zipse (BMW) fordern ist m.E. in höchstem Maße unanständig.

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TM3
TM3
5 Jahre zuvor

Mir geht das echt auf den Keks, Zipse muss aufhören mit seiner Heuchlerei oder den Posten räumen.
die einzige Hoffnung ist Frank Weber

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Wolfbrecht Gösebert
Wolfbrecht Gösebert
5 Jahre zuvor

„Der Verbrenner verliert eine Bastion nach der anderen. Es ist ein Rückzugsgefecht von historischem Ausmaß und erinnert an den Untergang der mittelalterlichen Ritter – ein aussichtsloser Kampf“ … in dem – trotz eigener Milliardengewinne – jetzt zusätzlich versucht wird, sich noch dreist die Umstellungs-/Infrastrukturkosten zu Lasten der Allgemeinheit als „Sahnehäubchen obendrauf“ versüssen zu lassen …

Zuletzt bearbeitet am 5 Jahre zuvor von Wolfbrecht Gösebert
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Skodafahrer
Skodafahrer
5 Jahre zuvor

Wir brauchen ein höheres Strommengenziel für 2030. Durch mehr Elektroautos und elektrische Wärmepumpen wird der Stromverbrauch im Jahr 2030 höher als heute sein.

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Niko
Niko
5 Jahre zuvor

Schluss mit Milliarden Subventionen für den Individualverkehr. So erreichen wir die CO2 Ziele definitiv nicht. Wer ein tonnenschweres eSUV statt Öffis, ICE oder Fahrrad fahren will, soll das gerne tun – aber dann bitte auch die Kosten dafür tragen.

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