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BMW: Zipse glaubt „ganz fest an Wasserstoff“ und kritisiert Verbrenner-Verbot

Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
17. September 2022
Lesedauer: 2 Minuten
Michael NeißendorferbyMichael Neißendorfer
17. September 2022
Lesedauer: 2 Minuten

© Abbildung(en): BMW

Home Automobilindustrie

BMW-Chef Oliver Zipse sieht das Verbot von Verbrenner-Autos in Europa ab 2035 als einen Irrweg: „Wir halten es für falsch, in Europa den Verbrenner abzuschalten“, sagte er beim Weltmarktführer Innovation Day in Erlangen. „Die Industrie wird hinsichtlich der Skalierung und der Struktur anders aussehen als heute, wenn sie auf nur eine Technologie geht“, gab Zipse zu bedenken. Er wünscht sich von der Politik einen technologieoffenen Ansatz statt eines Schwerpunkts auf die rein batterieelektrische Pkw-Mobilität.

Zipse schlug auch vor, dass der Industrie auferlegt werden sollte, schrittweise klimafreundlicher zu werden, statt ein konkretes Enddatum zu setzen: Eine Verringerung der CO2-Emissionen von fünf Prozent pro Jahr etwa hätte „massive positive Klimaauswirkungen“. Eine „harte Abschaltung“ des Verbrenners hingegen würde „zu Verwerfungen führen, die hier keiner mehr kontrollieren kann“, findet der BMW-Chef. Zipses Denkfehler allerdings ist, dass bis zum geplanten Verbrenner-Verbot noch 13 Jahre Zeit sind und die Hersteller ihre Modellpaletten bis dahin ebenfalls schrittweise auf CO2-arme Antriebe umstellen können. Die Mehrheit der Hersteller hat sogar schon angekündigt, noch vor 2035 in Europa nur noch rein elektrische Modelle anbieten zu wollen.

BMW hingegen will auch längerfristig verschiedene Antriebstechnologien im Portfolio behalten. Neben reinen Elektroautos auch Verbrenner, Hybride und Wasserstoffautos. Diesen Ansatz verfolgen die Münchner, da der Hersteller bzw. Zipse der Meinung ist, dass der Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Autos noch viele Jahre dauern wird, vor allem in bereits jetzt eher strukturschwachen Regionen.

Vor allem die Vorteile von Wasserstoff hebt Zipse in diesem Zusammenhang hervor, da sich der Energieträger leicht mit der bereits vorhandenen Tankstellen-Infrastruktur kombinieren ließe: „Man braucht keine eigene Ladeinfrastruktur“, so Zipse: „Eine Tankstelle rüstet man in zwei Tagen um.“ Bei Ladestationen für Elektroautos hingegen sei womöglich ein umständlich umzusetzender Anschluss ans Mittelspannungsnetz notwendig. „Das ist schon aufwendig. Das wird gehen, aber nicht als ausschließliche Lösung. Das wird viel zu lange dauern“, so der BMW-Chef.

Außerdem sei Wasserstoff „der einzige Rohstoff, der nachhaltig erzeugt und speicherbar ist“, so Zipse. „Deswegen glauben wir ganz fest an Wasserstoff. Es wird kommen und es wird bei BMW kommen, da bin ich mir ganz, ganz sicher“, so der Manager. BMW bereitet derzeit eine Kleinserie von 100 Wasserstoff-Autos auf Basis des SUV X5 vor, die in den kommenden Jahren getestet werden sollen. Eine reguläre Markteinführung von BMW-Wasserstoffautos könnte ab 2025 bewerkstelligt werden.

Quelle: WirtschaftsWoche – BMW-Chef Zipse: „Verbrenner-Verbot führt zu unkontrollierbaren Verwerfungen“

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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42 Comments
Wolfgang
Wolfgang
3 Jahre zuvor

Herr Zispe hat vollkommen Recht, technologieoffen zu denken und zu agieren. Es werden in der Zukunft je nach Bedarf verschiedene Lösungen ihre Berechtigung finden.

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Jan
Jan
3 Jahre zuvor

Ich glaube nicht, dass Wasserstoff theoretisch eine Chance hat. Rein praktisch sehe ich auch nicht, dass irgendein etablierter Anbieter (und schon gar nicht BMW) die finanziellen Ressourcen hat, Wasserstoffautos zu etablieren. Schaut Euch an, wie viel Geld Tesla verbrannt hat in den ersten Jahren. Etablierte Hersteller können es sich bei ihren Aktionären gar nicht leisten, wo viel Geld zu verbrennen. Das kann nur ein Startup mit Zugang zu Milliarden, bei dem die Aktionäre auf „alles oder nichts“ setzen.

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Norbert Seebach
Norbert Seebach
3 Jahre zuvor

Die Äußerungen von Herrn Zipse belegen nach meiner festen Überzeugung, wie notwendig ein konkretes Ausstiegsdatum aus dem Verbrenner ist! Das ganze „Rumgeeiere“ der Politik samt dem seinerzeitigen Vorschicken der Kanzlerin, um in Brüssel gesetzte Grenzwerte aufzuweichen, hat schließlich in der Vergangenheit zu nichts anderem als zu einem nicht enden wollenden Betrug der Öffentlichkeit geführt! Ob FCEV oder sog. E-FUELS – beides ist in energetischer Hinsicht im Pkw-Bereich ausgemachter Blödsinn! Wie oft muss diese Binsenweisheit eigentlich noch wiederholt werden, bis auch der Letzte sie begriffen hat? Oder geht es vllt gar nicht ums Begreifen, sondern um den Erhalt eines über Jahrzehnte überaus einträglichen Geschäftsmodells. Wo kämen wir (bzw. die Profiteure der Fossilwirtschaft) denn hin, wenn alle E-Autos (die aus rein physikalischen Gründen unschlagbar im Wirkungsgrad sind) fahren würden, die keinen Ölwechsel brauchen, so gut wie nie neue Bremsen sowie keine Auspuffanlagen benötigen, generell viel weniger Teile haben, die verschleißen oder kaputt gehen könnte; die wegen Emissionsfreiheit in allen Umweltzonen fahren dürfen (im Gegensatz zu E-Fuels), die10Jahre steuerbefreit sind, die staatlich gefördert werden und jährlich von der THG-Quote profitieren und zu allem Überfluss im Idealfall sogar noch mit selbstgemachten Strom aus der heimischen PV-ANLAGE „betankt“ werden können?

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Gottfried Zorl
Gottfried Zorl
3 Jahre zuvor

Man darf in „Blasenhausen“,
also auch in den hier einschlägigen Foren,
nicht vergessen, dass bekanntlich noch? zwei Drittel der Bevölkerung eher elektroautoskeptisch gestimmt sind. Zwei Drittel.
Das gilt ebenso für den Autohandel, der ja wiederum die Kaufinteressenten berät (und sehr viele möchten sich beraten lassen).
D. h. der ganze Prozess hin zum BEV wird länger dauern als erträumt. Und durch die aktuelle Krise (Krieg in Europa, Inflation, Strukturwandel, Strompreisunwägbarkeit etc.) erst recht.

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Schreiber
Schreiber
3 Jahre zuvor

Man sollte schon wissen, dass das Tanken von Wasserstoff zwar 5 min dauert, aber die Wartezeit bis zum nächsten Tanken 45 min dauert. Druck und Temperatur müssen zuerst wieder angeglichen werden. Also wenn man den Tag mit 24 Stunden betrachtet sind das 32 Autos am Tag!!!?Toll, oder?

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Herwig
Herwig
3 Jahre zuvor

Wäre ich BMW-Mitarbeiter, käme langsam Angst um den Arbeitsplatz auf, solange solche Realitätsverweigerer an den Hebeln der Firma sitzen…
Zipse glaubt an Wasserstoff, ist also ein Gläubiger (im religiösen Kontext).
Wird spannend, wenn die Gläubiger (im wirtschaftlichen Kontext) nervös werden!

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EinfachNurKlarDenken
EinfachNurKlarDenken
3 Jahre zuvor

Wer glaubt er wäre ein Auto nur weil er in die Garage geht, oder ein Christ nur weil er in die Kirche geht, ist als CEO unbrauchbar. Nur weil er ein Automobil-CEO ist und deshalb an Wasserstoff glaubt, hat er die Realität nicht mit Löffeln konsumiert. Es ist wie es ist, auch wenn Stimmen uns etwas anderes glaubhaft machen wollen, wir werden auf lange lange Zeit nicht genügend erneuerbare Energien zu Verfügung haben. Und deshalb sollten diese dort eingesetzt werden, wo sie den meisten Nutzen haben oder nicht substituierbar sind.
Die von Technologieoffenheit reden, meinen damit reaktionär am Bestehenden festhalten.

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Kliko
Kliko
3 Jahre zuvor

Der ist ja nicht ganz dicht

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