Bei Tesla sieht es aktuell nicht gut aus. Im vergangenen Jahr stürzte der Aktienkurs um fast 70 Prozent ab und die Modellnachfrage war dünner als erwartet. Die stattlichen Preissenkungen mischen die Karten auf dem Markt der Elektroautos jedoch völlig neu.
Tesla, seit Jahren von Erfolg zu Erfolg gereist und seit fast drei Jahren endlich profitabel, ist im Jahre 2022 mächtig unter die Räder gekommen. Der Aktienkurs stürze ab und dann ist da noch der seltsame Twitter-Deal. Zahlreiche Tesla-Fans nehmen Firmen-CEO Elon Musk das Twitter-Geplänkel und die spätere Übernahme des amerikanischen Nachrichtendienstes nennenswert übel.
Tesla von Analysten abgestraft, reagiert mit sinkenden Preisen
Noch schlimmer: viele Analysten straften einen der reichsten Männer der Welt ebenfalls ab, weil er sich lieber auf Tesla konzentrieren solle, die sich weltweit mit immer stärkeren Konkurrenten auseinanderzusetzen haben. Die jüngsten Preissenkungen der Teslas-Modelle von knapp 10.000 Euro schlugen nicht nur bei den Kunden ein wie eine Bombe. Sie könnten das Preisgefüge unter den Elektroautos nicht nur im so umkämpften Premiumbereich mächtig unter Druck bringen und die Handelspreise nicht nur in Europa drücken, denn auch in den USA und China gab es Preissenkungen von zum Teil mehr als 10.000 US-Dollar pro Auto.
Der Einstieg in die Tesla-Welt startet in Deutschland ab sofort bei 43.990 Euro. So viel kostet das neue 283-PS-Basismodell des Model 3 mit Hinterradantrieb und dem kleinen Akku, der für knapp 500 Kilometer Reichweite genügen soll. Da die Serienausstattung mit LED-Scheinwerfern, Sitzheizung vorne wie hinten, Soundsystem und vielen anderen Annehmlichkeiten für ein Mittelklassefahrzeug nur wenige Wünsche offenlässt, drücken die Steuervergünstigungen von nunmehr nur noch 4.500 Euro in Deutschland den Preis knapp unter die 40.000-Euro-Marke.
Tesla Model 3 im Vergleich zu Marktbegleiter die günstigere Wahl
Ein vergleichbarer BMW i4 eDrive 35 Gran Coupé kostet mit seinen nahezu identischen 210 kW / 286 PS, vergleichbarer Reichweite und schlechterer Ausstattung mindestens 56.500 Euro. Er bekommt aufgrund des höheren Preises nur 3.000 Euro Steuerbonus und ist kostet somit in den Listen 13.000 Euro teurer als der BMW.
Doch die Preissenkung von Tesla setzt nicht nur Fahrzeuge aus der gleichen Liga unter Druck. Das meistverkaufte Elektroauto Deutschlands, der Fiat 500 kostet mit 87 kW / 118 PS und einer Reichweite von 330 Kilometern stattliche 34.990 Euro. Platzangebot, Fahrleistungen und insbesondere Reichweite sind mit dem Tesla Model 3 nicht zu vergleichen. Für knapp 10.000 Euro mehr bekommt man bei den Amerikanern ein vollwertiges Familienauto mit Langstreckenqualitäten, bei Fiat einen allemal coolen Cityflitzer, doch ein solcher Klassenunterschied hatte in der Verbrennerwelt bei mindestens 35.000 Euro Aufpreis gelegen.
Auch Polestar hat seine Preise gesenkt – zumindest indirekt. War der Polestar 2 lange Zeit nur als 300 kW / 408 PS starker Allradler zu bekommen, so wird er mittlerweile auch als 48.318 Euro teurer Fronttriebler angeboten – mit überschaubaren 170 kW / 231 PS und einer Reichweite von 550 Kilometern. Im zweiten Quartal wollen die chinesischen Schweden ein kleineres Akkupaket nachreichen, das mit einer maximalen Reichweite von 480 Kilometern den Einstiegspreis nochmals nennenswert senken soll. Beide Modelle werden jedoch bei schmalen 160 km/h abgeriegelt, während das Tesla Model 3 225 km/h rennen darf.
Tesla Model Y überzeugt ebenso durch Preisreduktion
Bei den SUV sieht es nicht anders aus. Auch hier hat Tesla den Preis für das beliebte Model Y auf 44.890 Euro reduziert. Mit der staatlichen Förderung liegt der Preis knapp über 40.000 Euro und damit ebenfalls nur rund 5.000 Euro über dem edlen Fiat 500 by Bocelli oder rund 2.000 Euro unter dem Renault Megane E-Tech, der zu Preisen ab 46.600 Euro jedoch nur 160 kW / 220 PS bietet. Hier gibt es anders als im Tesla Model 3 / Model Y nicht einmal gegen Aufpreis mehr Leistung oder einen sinnvollen Allradantrieb. Auch Mercedes schaut mit Argwohn auf die jüngste Preissenkung von Tesla. Der Mercedes EQB mit 140 kW / 190 PS und Frontantrieb kostet mindestens 58.000 Euro – 13.000 Euro mehr als das Tesla Model Y in der Basisversion mit Heckantrieb.
Auch BMW iX (ab 55.000 Euro) oder die Elektrocrossover von Audi Q4 (51.900 Euro), Volkswagen ID4 (46.335 Euro) oder Skoda Enyaq (44.200 Euro) liegen mit ihren Preisen zumindest in der Basisversion mitunter deutlich darüber. Zudem gibt es deutlich weniger Leistung (150 kW / 204 PS) und nennenswert weniger Ausstattung. Daher ist damit zu rechnen, dass nicht nur die direkte Konkurrenz aus dem Premiumsegment beizeiten ihre Modelle günstiger machen muss, um wettbewerbsfähig zu sein, denn im Gegensatz zu Tesla, der seine Modelle mit Lieferzeiten von vier bis zwölf Wochen anbietet, dauert es bei der Konkurrenz mitunter länger als ein Jahr, ehe das Wunschfahrzeug in die eigene Einfahrt rollt und an die heimische Wallbox angesteckt werden kann.
Die großen Preisunterschiede gibt es dabei nicht nur in der Basisvariante, denn auch die Versionen mit Allradantrieb und großem Akkupaket (über 530 km) wurden bei Tesla auf 53.990 beziehungsweise 54.990 Euro deutlich reduziert. Der Elektromarkt ist in Bewegung – durch die jüngsten Preisreduzierungen mehr denn je.
Was da wieder für ein Tamtam drum gemacht wird…
Tesla hat die überhöhten Preise des letzten Jahres einfach wieder gesenkt.
Wir erinnern uns, Anfang 2021 hat das Model 3 in der Basis ca. 41.000€ (Herstelleranteil bereits abgezogen) gekostet.
Selbst als jemand der Tesla nicht zugeneigt ist, muss ich sagen dass das für das Gebotene ein angemessener Preis war.
In 2022 ist der Preis dann auf 51.000€ (Herstelleranteil bereits abgezogen) gestiegen, zusätzlich gab es die Umstellung auf den schlechteren Akku (LFP). Also in meinen Augen nicht mehr angemessen.
Jetzt sind wir bei ca. 45.000€ (Herstelleranteil bereits abgezogen). Immer noch nicht das Niveau von 2021, aber das ist wohl auch der Inflation geschuldet. Hätte es noch den alten Akku, dann wäre auch dieser Preis heute noch angemessen.
Die selbe Entwicklung gab es übrigens bei vielen anderen Autoherstellern auch. In 2021 hat man in der Regel oft noch 15-20% Nachlass bekommen, in 2022 0-5% und jetzt geht es wieder in Richtung 10-15%. Nur wird das in der Presse, verständlicherweise, nicht groß breitgetreten.
Genauso ist es. Richtig schwierig ist für die Europäischen Marken vor allem eines: Man hat die Basismodelle ja immer nur „unterste Schublade“ ausgestattet, man bekommt 4 Räder, ein Lenkrad, ein Tacho mit Uhr und Ladeanzeige, Kilometeranzeige… wenn man Glück hat ein Radio. Aber kein Navi, keine Sitzheizung, keine elektrische Sitze, Außenspiegel überhaupt keine Assistenzsysteme – kurz, einfach ein „mechanisches Fahrzeug“ basta.
Und das zu einem Preis, wo man einen voll ausgestatteten Tesla mit Assistenzsystem (Basis Autopilot), Sitze, Außenspiegel, Fensterheber alles vollautomatisch einstellbar, easy-Entry, ein großes Auto mit viel Platz, große Reichweite, meist viel bessere Schnelllademöglichkeiten als die entsprechende Konkurrenz. Smartphoneeinbindung in Navi, Tel. und alle anderen Konnektivitäten die halt in einem Tesla einfach schon Standard sind und bei jeder anderen Marke teuer als Zusatz erkauft werden müssen.
Tja ich denke, die Probleme sind bei Tesla bald Geschichte – nicht aber für die meisten Europäer, denn warum: die Europäer sind kaum in der Lage, die Preise bei den BEV gegen unten entsprechend anzupassen. Wir werden sehen.
Dazu kommt noch China: Wie eben aus einem Beitrag bekannt, drücken die Chinesen mit günstigen Angeboten erfolgreich auf den EU-Markt und gewinnen jetzt ja noch etliche Ex. VW-Händler – denen werden aktuell ja gerade von VW die Verträge gekündigt, das heißt, vielen müssen sich nach neuen Handelsverträgen umschauen.
Es wird jetzt erst recht interessant! :)
Tesla hat auf gnadenloses Wachstum gesetzt und verloren. Tesla hat quasi nur ein Modell, einmal in hoch und einmal in niedrig. Da kommt man ja drauf, dass man damit irgendwann an Grenzen stößt.
Zumal das Thema Begehrlichkeit ohne sie stattfindet. Der ID.Buzz, der F-150 Lightning, der EQS in den USA oder nächstes Jahr der EQG – das sind Autos, die begehrlich sind. Um einen EQG für 200k werden die Leute betteln, für den F-150 Lightning werden hohe Handgelder bezahlt. Das kannte Ford so vorher auch noch nicht.
Die Anderen sind jetzt da und nehmen Tesla tatsächliche und potenzielle Kunden weg. Beides hatte Tesla nicht auf dem Schirm. Firmenwagen und Großkunden sind auch nicht ihr Ding. Zuletzt sorgten die Auftritte von Musk selber für einen eher negativen Hype.
Das sieht bei deutschen Herstellern anders aus. Sie transferieren ihre bestehenden Kunden zur Elektromobilität. Das ist deutlich einfacher, als neue Kunden zu gewinnen. Sie haben die Kunden schon und machen denen passende Angebote, besonders im Firmensegment gelingt das völlig problemlos. Damit kann man erst einmal ein paar Jahre arbeiten, bis Angebot und Preise für alle Kundengruppen stimmen.
Es ist also ein reines Tesla-Thema. Und Tesla lernt überhaupt nicht: Jetzt hat man in Grünheide schon dieselbe Debatte um Arbeitnehmerrechte wie in den USA. Neue, attraktivere Modelle sind ebenfalls nicht in Sicht.
Wenn man das erste Gebot vom EM&T verstehen würde… ;)
…die setzen es nur konsequent, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln um…
sorry aber bei dem Artikel kann ich nicht mitgehen,
TESLA bietet MY für knapp 45K an, aber nur mit 430 KM Reichweite, das mit ID4 oder Enyaq zu vergleichen geht wohl kaum, denn die bieten für den gleichen Preis 540 Km Reichweite und ähnlichen Platz. Das ist nicht gleichwertig, denn die entscheidende Währung ist immer noch Reichweite wie bei Immobilien Lage-Lage-Lage….
Und M3 ist einfach veraltet (von 2016, null Upgrade in Sicht), keine 80 Volt Technik, kein Head UP, nur ein Monitor mit Monster- Menüs, kein Apple Car-Play und vor allem keine beliebte Form, tief sitzen und zu lang für die Stadt, dazu immer noch schlecht verarbeitet, kein Werkstatservice, wehe dem der mal einen kleinen Unfall hatte.
Und wer braucht Tempo 225 bei einem E- Auto? Tempolimit kommt sowieso bald.
Mit dem M3 geht´s bald abwärts. Die hohen Verkaufszahlen lagen nur an der Lieferfähigkeit von Tesla, VW hat auch 300.000 unbearbeitete ID- Bestellungen und konnte nur nicht liefern wegen Bauteilen.
das MY SR wird sich zum aktuellen Preis verkaufen wie geschnitten Brot.
fehlende USS hin oder her
Sehr gut, dass Tesla jetzt Druck auf die E-Autos ausübt. Dann kommen die Preise nach und nach in ein vernünftiges Niveau. Jedoch ist das noch nicht das Ende der Fahnenstange. Da sind noch weitere -20 % drin.
In den USA und China scheint die Preistaktik aufzugehen. Da haben sich die Verkäufe sofort deutlich erhöht.