Es muss nicht immer ein neues Fahrzeug sein: die Auftragsbücher füllen sich beim deutschen LKW-Retrofitter Clean Logistics SE. Nachdem die GP Joule Gruppe erst im August einen Rahmenvertrag für den Umbau von 5.000 LKW auf Brennstoffzellen-Betrieb unterzeichnet hat, ordern nun auch die Projektpartner des Wasserstoff-Hubs in Neumünster sowie Speditionsunternehmen in Speyer und Herzogenaurach. Zwölf weitere Bestellungen warten damit auf ihre Bearbeitung. Die Auslieferung ist bereits für das erste Halbjahr 2023 geplant.
Die Clean Logistics SE ist Teil der Logistik Initiative Schleswig-Holstein, deren Ziel der Aufbau eines nachhaltigen wasserstoffbasierten Drehkreuzes für den Güterverkehr in Neumünster ist – inklusive Produktion von grünem Wasserstoff in der Region bis hin zur Tankstelleninfrastruktur. Die Handelsunternehmen Edeka und Netto sind als Projektpartner mit an Bord. Clean Logistics wird sieben dieselbetriebene 40-Tonner der Projektpartner auf emissionsfreien Wasserstoffantrieb umbauen.
Auch die Speditionen Hans Wormser AG in Herzogenaurach bzw. Pflaum GmbH in Speyer erhalten insgesamt drei dieser konvertierten Sattelzugmaschinen. Bereits im April hatte Clean Logistics einen Liefervertrag für Wasserstoff-LKWs mit der DEVK-Tochter hylane geschlossen. „In den kommenden Monaten werden unsere emissionsfreien Fahrzeuge auch immer häufiger im Tagesgeschäft von Spediteuren auf den Straßen Deutschlands zu sehen sein„, freut sich Dirk Graszt, CEO von Clean Logistics.
Der Umbau dieser konventionell betriebenen LKWs wird aktuell vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) im Rahmen des ersten Förderaufrufs zur Richtlinie über die Förderung von Nutzfahrzeugen mit alternativen, klimaschonenden Antrieben und dazugehöriger Tank- und Ladeinfrastruktur gefördert. Clean Logistics konnte so insgesamt zwölf Aufträge an Land ziehen.
Clean Logistics geht also einen anderen Ansatz als LKW-Hersteller und schenkt den Bestandsfahrzeugen so ein zweites, emissionsfreies Leben. Kunden können damit die Lücke schließen, die sich durch die enorm langen Lieferzeiten für neue wasserstoffbetriebe Brennstoffzellen-Fahrzeuge ergeben. Vom Auftragseingang bis zur Auslieferung sollen maximal acht Monate vergehen. Außerdem arbeitet das Unternehmen über die Tochergesellschaften Clean Logistics Technology GmbH und XPANSE Drive Systems GmbH an der Serienfertigung von brennstoffzellenelektrischen Mobilitätslösungen.
Quelle: Clean Logistics – Pressemitteilung vom 19. Oktober 2022
Abseits der Wettbewerbsverzerrung durch Fördermittel des BMDV (Bundesministerium für Digitales und Verkehr – hier im Rahmen der Richtlinie über die Förderung von Nutzfahrzeugen) werden die H2-LKWs künftig an Ihren deutlich höheren TCOs scheitern.
Der rd. 3-fache Energiebedarf, der erhöhte Serviceaufwand und die geringere Zuverlässigkeit der Fahrzeuge sowie die weitaus höheren Kosten einer „grünen“ H2-Infrastruktur sind nur einige Teile des Problems dabei.
Da gehen sie hin unsere Steuergelder. Immerhin werden einige Kommunalpolitiker ein paar Bilder vor bunten Trucks und blauen Zapfsäulen machen können.
Die hartgesottenen H2 Wadenbeißer werden weniger. Die LKWs machen den Anfang – wie vor 100 Jahren beim Diesel für PKWs. Hoffentlich gibt es dann auch bald eine gößere Auswahl hier verfügbarer FCEVs; denn der Mirai ist zu luxuriös (für mich) und der tonnenschweren Nexo SUV Koloss kommt für mich ohnehin nicht infrage. Solange fahre ich also weiter begeistert mein Smart for 2 Cabrio BEV als Stadtwagen und meine treue Diesel C-Klasse als Reise- und Transportwagen.
Erstmal: Die aussterbenden H2-Pkws markieren den Beginn des Endes von H2 im erdgebundenen Verkehr in der EU, nach einigen Lkw-Rückzugsgefechten wird dann bis auf Nischenanwendungen nichts davon nachbleiben.