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Strompreissenkung ist machbar: Mit Gas und Kernkraft

Wolfgang GomollbyWolfgang Gomoll
25. Januar 2023
Lesedauer: 4 Minuten
Wolfgang GomollbyWolfgang Gomoll
25. Januar 2023
Lesedauer: 4 Minuten

© Abbildung(en): shutterstock / 2185844183

Home Elektroauto News 2023

Obwohl die erneuerbaren Energien in Deutschland zugelegt haben, ist der Strompreis im vergangenen Jahr explodiert. Eine Studie zeigt: Um die Kosten bis zum Jahr 2025 entscheidend zu senken, braucht man Gas und Kernkraftwerke.

In einer Sache sind sich alle Experten einig. In den nächsten Jahren wird die Elektromobilität Fahrt aufnehmen. Auf diese optimistischen Vorhersagen folgen fast schon reflexartig die gleichen Fragen: Woher soll der Strom kommen und was kostet der? Die Skepsis ist nicht unbegründet, schließlich müssen viele Elektromobilisten bereits jetzt beim Stromtanken deutlich tiefer in die Tasche greifen als bisher. So erhöht der Energieanbieter EnBW ab dem 17. Januar seine Preise an den Ladesäulen spürbar. Auch Konkurrenten wie Allego und Ionity halten mittlerweile die Hand weiter auf, wenn es um das Laden der Pkw-Akkus geht. Sogar die Tesla-Fahrer müssen tiefer in die Tasche greifen.

Strompreise dürften mit Zuwachs an E-Autos steigen

Wenn also die Zahl der Elektroautos zunimmt, dann dürfte sich die Preisschraube weiterdrehen. Denn eines ist selbst den größten Optimisten der erneuerbaren Energien klar. Bei der Energieversorgung wird Deutschland nie autark werden. Dazu fehlt es an konstanter Wind- und Wasserkraft sowie Solarenergie. Wenn schon die komplette Selbstversorgung nicht machbar ist, sollte man doch die regenerativen Energiequellen nützen, so gut es geht. Da ist Deutschland offenbar auf einem guten Weg. Nach Untersuchungen des Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) haben die Wind und Photovoltaik bei der Nettostromerzeugung in Deutschland 2022 deutlich zugelegt.

Laut dem ISE haben die deutschen PV-Anlagen 2022 etwa 58 Terrawattstunden (TWh) Strom erzeugt und davon circa 53 TWh ins öffentliche Netz eingespeist. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zeigt Wirkung und trägt sein Scherflein bei, indem der Zubau der EEG-Anlagen mit 6,1 Gigawatt die Nennleistung dieser Anlagen zur Stromerzeugung (installierte Leistung) auf etwa 66 Gigawatt (Stand November) erhöht. Das entspricht dem höchsten Photovoltaik-Zubau seit dem Jahr 2013. Im Zusammenspiel mit dem sonnigen Wetter des vergangenen Jahres legt die Solarstromerzeugung im Vergleich zu 2021 um 19 Prozent zu. Bemerkenswert: Von April bis August und im Oktober war die monatliche Stromerzeugung der Photovoltaik-Anlagen höher als die von Steinkohlekraftwerken und von März bis September übertrifft die Kraft der Sonne sogar den Output von Gaskraftwerken.

Für die Windanlagen war 2022 ein durchschnittliches Jahr: Insgesamt produzierten die Windräder an der Küste und im Landesinneren rund 123 TWh, das sind neun TWh mehr als im Jahr zuvor. Damit setzt sich die Windkraft an die Spitze der deutschen Stromerzeuger, gefolgt von Braunkohle, Solar, Steinkohle, Erdgas, Biomasse, Kernkraft und Wasserkraft. Die Stromproduktion durch Wasserkraft ging aufgrund des heißen Sommers im Vergleich zu 2021 um drei TWh auf nurmehr 16 TWh zurück. Unterm Strich haben die erneuerbaren Energiequellen im Jahr 2022 etwa 244 TWh Strom erzeugt, das sind circa 7,4 Prozent mehr als im Vorjahr (227 TWh). Das wirkt sich auch auf den Anteil der regenerativen Energien an der öffentlichen Nettostromerzeugung aus: Der stieg um vier Prozent auf 49,6 Prozent (Anteil an der Last 50,3 Prozent).

Bei allen Fortschritten sind diese Stromerzeuger von der Autarkie noch weit entfernt. Da die Zahl der Elektroautos zunimmt, wird das Preisgefüge bei an den teutonischen Ladesäulen dynamisch bleiben. Zumal der Kampf um Strom damit noch härter wird. Hoffnung machen da die Analysten der Unternehmensberatung McKinsey, die in ihrer Studie „Zukunftspfad Stromversorgung“ zum Schluss kommen, dass bis zum Jahr 2025 eine Strompreissenkung auf wettbewerbsfähiges Niveau machbar ist. Eine zentrale Forderung, um dieses Ziel zu erreichen, ist ein massiv beschleunigter Ausbau der erneuerbaren Energien.

Die Begleitumstände zeigen, dass das nicht so einfach sein wird. Aktuell kommen 95 Prozent der Photovoltaik-Module aus China. Angesichts der zunehmend komplizierten geopolitischen Lage, ist daher eine Lokalisierung möglichst großer Produktionskapazitäten wichtig, um eine Versorgung mit diesen Stromspendern sicherzustellen. Diese Zwickmühle ist umso bemerkenswerter, da Deutschland gut zehn Jahren führend in der Herstellung von Photovoltaikzellen war. Doch der lange Atem fehlte, China nutzte die Chance und sprang in die Bresche. Jetzt muss man einen leichtfertig aufgegeben Vorteil mit großem und kostenintensivem Einsatz wieder wettmachen. Das Positive ist, dass nach Ansicht der McKinsey-Berater 180.000 zusätzliche Arbeitskräfte für die Umsetzung des Ausbaus der erneuerbaren Energien notwendig sind.

Dennoch ist nicht zu erwarten, dass die regenerativen Energien bis zur Mitte der Dekade die Last der Versorgung in einem Maße stemmen kann, um die Strompreise zu drücken. Die Konsequenz liegt nach Ansicht der McKinsey-Experten auf der Hand und dürfte bei einigen für Ernüchterung sorgen: „Gas wird als stabile und vergleichsweise emissionsarme Ergänzung noch für mehr als zehn Jahre ein wesentlicher Bestandteil des deutschen Energiesystems sein, denn der Energiebedarf steigt und der Ausbau erneuerbarer und konventioneller Erzeugungskapazitäten und Netze läuft noch nicht schnell genug“, heißt es in der Studie.

Gas spielt eine entscheidende Rolle, um den Strompreis zu senken. „Sinkende Erdgaskosten sind der entscheidende Schlüssel, um auch die CO2-Emissionen der Stromerzeugung zu reduzieren. Wenn die Erdgaskosten hoch bleiben, könnte zu viel Kohle zum Einsatz kommen“, erklärt Alexander Weiss, Leiter weltweiten Energieberatung bei McKinsey. Eine Reduzierung des Gaspreises ist nach Ansicht der Studien-Autoren nur durch langfristige Verträge mit Gasproduzenten möglich.

Eine bittere Pille für alle, die das Ende der fossilen Energien herbeisehnen. Die Auswirkungen sind eindeutig. „Bei einer signifikanten Senkung des Gaspreises auf den prognostizierten LNG-Preis von 28 Euro/MWh im Jahr 2025 könnte der Strompreis auf bis zu 75 Euro/MWh fallen“, stellen die McKinsey-Analysten fest. Sollte sich die Bundesregierung dazu durchringen, die Laufzeiten der Kernkraftwerke über den April 2023 hinaus zu verlängern, könnte 2025 den Großhandelsstrompreis zusätzlich um fünf bis 15 Euro/MWh senken. „Einzelmaßnahmen werden voraussichtlich nicht ausreichen, um die Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit in Einklang zu bringen – ein Gesamtpaket und eine konzertierte Aktion aller Akteure ist notwendig“, nimmt Alexander Weiss die Verantwortlichen in die Pflicht

Wolfgang Gomoll

Wolfgang Gomoll

Wolfgang Gomoll beschäftigt sich mit dem Thema Elektromobilität und Elektroautos und verfasst für press:inform spannende Einblicke aus der E-Szene. Auf Elektroauto-News.net teilt er diese mit uns. Teils exklusiv!

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16 Comments
Daniel W.
Daniel W.
3 Jahre zuvor

Ich habe nur diese beiden Teile gelesen und mir den Rest dazwischen geschenkt.

Eine Studie zeigt: Um die Kosten bis zum Jahr 2025 entscheidend zu senken, braucht man Gas und Kernkraftwerke.

…

„Bei einer signifikanten Senkung des Gaspreises auf den prognostizierten LNG-Preis von 28 Euro/MWh im Jahr 2025 könnte der Strompreis auf bis zu 75 Euro/MWh fallen“, stellen die McKinsey-Analysten fest.

75 Euro pro MWh (1.000 kWh), das sind (7500/1000=7,5) also 7,5 Cent pro kWh.
Der Ökostrom aus großen PV- und Windkraftanlagen kostet ca. 4 Cent pro kWh.
Und da bleibt sogar noch Spielraum für die Kosten von Stromspeichern übrig.

Die Überschrift erstaunt mich, wo doch die Gestehungskosten bei Ökostrom sehr viel günstiger sind als bei Atomstrom und mit dem teueren komprimierten Gas dürfte der Strom keineswegs günstiger werden.

Man sollte endlich die Energiewende mit PV- und Windkraftanlagen sowie die Verkehrswende mit E-Autos (BEV) und dem ÖPNV richtig umsetzen, dann kann man sich den teueren Atom- und Gasstrom sparen.

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Philipp
Philipp
3 Jahre zuvor

Ein unglaublich langer Artikel, der faktisch nichts sagt, warum Kernkraft zum sinken der Strompreise beitragen soll/kann/muss/wird.

Der Strompreis wird nach dem Meritverfahren gebildet (darüber schreibt der Autor NICHTS) und dadurch wird der Preis durch den Produzenten bestimmt, der am teuersten herstellt (das ist aktuell Gas).

Solange der Strom also mit Gas produziert wird, ist es egal wie er sonst noch hergestellt wird, also z.B. mittels Atomenergie.

Es wird Tage geben, wo Gasstrom nicht notwendig ist, weil genug aus PV/Wind/Kohle prodziert werden kann und weil Atomstrom vorhanden ist, kein zusätzliches Gaskraftwerk laufen muss, wieviele Moment das sind, sollte der Auto aber erst einmal darstellen. Auf die Gesamtbilanz vermute ich nämlich hat das Einfluss im millicent-Bereich.

Ich bin kein Atomkraftgegner per se, aber ich hätte gerne irgendwann einmal eine klare Aussage wie innerhalb des Meritverfahrens mittels Atomstrom irgendwo einmal der Stormpreis sinkt und dann bitte konkret mit Zahlen.

Dieser Artikel wirk daher einfach nur wie durch die Atomlobby und deren Befürwortern gesponsertes Werk. Wieder ein Grund für mich, gegen Atomstrom zu sein, weil von dort nur Lügen und Blendungen kommen.

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Tomas Angelus
Tomas Angelus
3 Jahre zuvor

Wer hat denen ins *** ? Solar und Batteriespeicher sind mit Abstand die günstigsten Formen der Stromgewinnung und nicht Gas und Atomstrom.

Edit: Bitte in Zukunft gewählter ausdrücken. Danke, die Redaktion

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Napoleon
Napoleon
3 Jahre zuvor

Da fällt mir nix mehr ein außer, dass CDU, SPD und FDP schuld an dieser Misere haben. Die deutsche PV- und Windkraftindustrie wurde von denen zerstört! Bevor wir aber schon wieder rumjammern sollten wir erst einmal unser Windkraft und PV Potential voll ausschöpfen. Parallel, Wärme-, Verkehrs und Agrarwende, dann sehen wir weiter. Ja wir werden (kleine) GuD Kraftwerke brauchen die mit Gas und H2 laufen aber ob wir tatsächlich im großen Stil H2 kaufen müssen? Ich habe dieses Jahr mit PV 1600kWh mehr hergestellt als ich verbraucht habe.

Hätten wir die ganze Sache nicht immer wieder verschleppt müssten wir jetzt nicht rumjammern.

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Arne
Arne
3 Jahre zuvor

Die ewig Gestrigen sterben einfach nicht aus. Lobbyarbeit übelsten Sorte. Aber von Sonne und Wind können die Herren nicht überleben, davon füllen sich ihre Taschen nicht.

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Norbert Seebach
Norbert Seebach
3 Jahre zuvor

Dieser unterirdische und grottenschlecht recherchierte Artikel zeigt, wie perfide – weil vermeintlich pro Erneuerbare daherkommend- dem geneigten Leser die Propaganda für Atomkraft untergejubelt wird. Das Fazit lässt sich in etwa so zusammenfassen: Egal wie viel Energie wir in D regenerativ erzeugen: wir brauchen trotzdem (und möglichst noch weitere) Atomkraftwerke. Dem gegenüber belegen Studien, dass wir keinesfalls auf diese Hochrisikotechnologie mit dem weltweit noch nirgendwo gelösten Problem der Endlagerung angewiesen sind! Die Intention der Atom-Lobbyisten ist indessen vollkommen klar: Energiemonopole erhalten, Subventionen einstreichen, Milliardengewinne privatisieren – und die Risiken (von Unfällen, aber auch die Lasten der Endlagerung des viele Jahrtausende strahlenden Mülls) gerne der Allgemeinheit überlassen…Last Not least zum Thema Strompreise: Auch hier wird deutlich, dass der Autor des Artikels offenbar keine Kenntnis von dem System der Preisbildung (Merit-Order) hat. Sonst wäre ihm bewusst, dass der derzeit hohe Strompreis allein vom Preis des teuersten Kraftwerks bestimmt wird, das gerade noch zugeschaltet werden muss: und das ist eben das derzeit im Preis extrem gestiegene Gas. Ebenfalls gibt es seriöse Studien, die nachweisen, dass der Mehrbedarf für das Laden von Millionen von E-Fahrzeugen mit einem intelligenten Lademanagement durchaus auch ausschließlich mit Erneuerbaren zu bewerkstelligen ist!
Anders als im Artikel unterstellt, sind wir noch weit davon entfernt, alle Potentiale im Bereich der Erneuerbaren ausgeschöpft zu haben! Entscheidend für eine wirkliche Energiewende ist es daher, die bisherigen Hürden und bspw unter Altmeier gezielt eingezogenen Ausbauhemmnisse und bürokratischen Hürden schnellstmöglich zu beseitigen!

Zuletzt bearbeitet am 3 Jahre zuvor von Norbert Seebach
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