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Porsche Taycan Turbo S: So fährt er sich im Alltag

Stefan GrundhoffbyStefan Grundhoff
13. Dezember 2022
Lesedauer: 5 Minuten
Stefan GrundhoffbyStefan Grundhoff
13. Dezember 2022
Lesedauer: 5 Minuten

© Abbildung(en): Porsche Taycan Turbo S Cross Turismo | Porsche

Home Elektroauto Hersteller

Auch wenn andere Hersteller mit deutlich mehr Leistung anbieten: der Porsche Taycan Turbo S ist für viele Autofans das Maß aller Dinge, wenn es um eine elektrische Limousine geht. Doch wie schlägt sich das pfeilschnelle Luxusmodell im Praxistest?

Groß war der Aufschrei, als Porsche mit dem Turbo S das Topmodell seines Taycans präsentierte. Eine elektrische Luxuslimousine, die über vieles verfügte, jedoch über keinen Verbrenner und so eben auch keinen Turbolader. Selbst einige Verantwortliche im Volkswagen Konzern schüttelten damals viele den Kopf über die Nomenklatur, mit der man den Turbo S nicht zu einer Motor- sondern eine Ausstattungsvariante werden ließ.

Geschadet hat es dem Erfolg nicht – im Gegenteil, denn wer elektrisch mit vier Türen das maximale will, der entscheidet sich nicht für den Taycan 4S, einen GTS oder gar den Standard-Turbo, sondern gleich für den Turbo S, der mit einem Basispreis von 189.600 Euro zu Buche schlägt und damit das obere Ende der Preisskala darstellt. Zumindest so lange, bis die Zuffenhausener gegebenenfalls nochmals nachlegen, um sich vom Tesla Model S Plaid oder einem Lucid Air GT mit ihren mehr als 1.000 PS zumindest nicht auf dem Papier die Butter vom Brot nehmen zu lassen.

Porsche Taycan Turbo S mit Platz. Aber eben nicht ohne Ende…

Trotz einer Gesamtlängt von fast fünf Metern darf man vom Platzangebot des Elektroschwaben keine Wunder erwarten. Trotzdem ist der Taycan ein wahrer Viersitzer, in dem auch im Fond zwei Erwachsene sitzen können, wenn sie kein Gardemaß haben. Der dritte Sitz in der Mitte ist allenfalls als Notsitz für ein Kind zu gebrauchen. Eine elektrische Sitzverstellung im Fond gibt es im Unterschied zu dem hier allerdings deutlich komfortableren Porsche Panamera ebenso nicht wie eine Version mit verlängertem Radstand, die gerade in China punkten könnte. Die Fondinsassen haben ab Werk allein eine gemeinsame / getrennte Klimaregelung und die sinnvolle Sitzheizung.

Eine elektrische Verschattung von Seitenfenstern, Rückscheibe oder dem so beliebten Panoramadach – gerade für Sonne oder die Kälte des Winters allemal sinnvoll – gibt es nicht. Anders als bei so manchem Wettbewerber bietet der Taycan selbst in seiner Luxusversion weder vorne noch hinten beheizte Armlehnen oder ebensolche Türpaneele, was sich bei kalten Temperaturen ebenfalls angenehm bemerkbar machen würde. Das überschaubare Ladevolumen von 366 Litern lässt sich durch getrenntes Umlegen der Rücksitze nennenswert erweitern und kleinere Gegenstände lassen sich auch im vorderen Trunk mit seinem Volumen von 84 Litern unterbringen.

Sprintwunder – mit Potenzial nach oben

460 kW / 625 PS und ein maximales Drehmoment von 1.050 Nm hören sich ebenso gewaltig an wie diese einen in die Sitze pressen – lassen sich im kurzfristigen Overboost noch auf 560 kW / 761 PS steigern. Das reicht für einen spektakulären Imagespurt 0 auf Tempo 100 in atemberaubenden 2,8 Sekunden, die im Alltag allerdings keine Bedeutung haben. Die abgeregelte Höchstgeschwindigkeit von 260 km/h klingt für diese Motorleistung dagegen allzu überschaubar; insbesondere da so mancher Konkurrent mit deutlich höheren Tempi lockt. Das mag jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der 4,96 Meter lange Porsche Taycan Turbo S eine der sportlichsten Luxuslimousinen ist, die man derzeit bekommen kann.

Das spürt der Fahrer in den wohl konturierten Sportsitzen ab dem ersten Meter, obwohl der stattliche 2,4 Tonnen schwere Allradler alles andere als hart abgestimmt ist; es jedoch recht stramm liebt. Dafür sorgt insbesondere die variable Luftfederung, die sich nach Tempo und Fahrprogramm den Gegebenheiten anpasst und auch die Bodenfreiheit reduzieren kann. Die Lenkung liefert insbesondere für eine elektrische Unterstützung eine feine Rückmeldung von der Fahrbahn, auf der der Zwillingsbruder des Audi E-Tron GT RS gerade unterwegs ist. Das Beschleunigungspotenzial wenn es einmal kurz auf den Highway geht oder man vorausfahrende Fahrzeuge auch bei höheren Tempi überholen will, ist gewaltig. Aus jeder Geschwindigkeit heraus beschleunigt der sportlichste aller Taycan wild, spontan und ohne jede Verzögerung.

Der Zuffenhausener Stromer setzt Maßstäbe beim Laden

Doch wenn flott unterwegs ist, muss an der Ladesäule mit harter Währung schneller für den dynamischen Vortrieb bezahlen, als es ihm lieb ist. Denn die offiziell in Aussicht gestellten 440 bis 468 Kilometer elektrischer Reichweite sorgen selbst bei warmen kalifornischen Temperaturen für große Unterhaltung in der eng geschnittenen Fahrgastzelle. 320 bis 350 Kilometer sind drin – alles andere entspringt im normalen Alltag dem Reich der Träume und Wünsche. Daran ändert sich auch nichts, wenn der knallrote Taycan Turbo S bisweilen im Stadtverkehr von Los Angeles, Santa Monica oder Santa Barbara mitschwimmt, was den Realverbrauch nennenswert senken sollte. Schließlich wird die rechnerische Reichweite in der City mit bis zu 570 Kilometern angegeben.

Doch noch flotter als der stärkste aller Taycane aktuell seine Reichweite verliert, umso schneller kann er an der Schnellladesäule wieder erstarken. Während selbst die deutsche Elektro-Edelkonkurrenz mit BMW i7 oder Mercedes EQS gerade einmal mit 200 Kilowatt nachtanken kann, glänzt der Zuffenhausener mit ein paar Jahren auf dem technischen Buckel Dank der 800-Volt-Ladetechnik mit 270 Kilowatt. Bis an die 60-Prozent-Marke bleibt die Ladeleistung mächtig und auch danach geht es nur schrittweise herunter. Aber 80 Prozent Akkuladung wird es dann zäher, sodass man weitefahren sollte und lieber nochmals nachtankt.

Rundum-Sorglos-Paket erst ab 200.000 Euro aufwärts

Wer morgens lädt, bezahlt in den USA zumeist weniger und so kostet die Kilowattstunde in Downtown Santa Barbara oder nahe des Wilshire Boulevard von Los Angeles gerade einmal 0,30 Dollar. In rund 20 Minuten tankt das Akkupaket mit seiner Nettokapazität von knapp 84 kWh auf über 80 Prozent und so ist der elektrische Viertürer fit für die nächsten 250 Kilometer. Das sorgt sogar für Pete an der Ladesäule auf dem Bank-Parkplatz für Staunen, der seinen Mercedes EQS SUV gerade erst einmal vor zwei Wochen gekauft hat. „Meiner lädt schon schnell mit seinen 170 Kilowatt, aber der schafft ja mehr als 250 kW“, lacht er mit dem obligatorischen Morgenkaffee in der rechten Hand, „jetzt weiß ich, wieso meine Frau so einen will.“

Damit die vermeintliche Dame des Herzens genauso so beeindruckt ist, wie Pete sich dies wünscht, reichen die knapp 190.000 Euro (US-Preis: 185.000 US-Dollar) jedoch nicht aus, denn die Serienausstattung des Porsche Taycan ist selbst in der Topversion Turbo S sehr mäßig. Wer klimatisierte Ledersitze, Matrix-LED-Scheinwerfer, Doppelglas oder Abstandstempomat möchte, muss tief in die Tasche greifen. Sogar Selbstverständlichkeiten wie einklappbare Außenspiegel, Fahrerassistenzsysteme, Head-Up-Display, Logo-Projektion aus den Türen oder Kameras rundum drücken den Preis locker über 200.000-Euro-Marke. Dafür gibt es nicht weniger als eines der aktuell besten Elektroautos auf dem Markt.

Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff ist Firmeninhaber und Geschäftsführer von press-inform und press-inform consult. Er ist seit frühester Kindheit ausgemachter Autofan. Die Begeisterung für den Journalismus kam etwas später, ist mittlerweile aber genau so tief verwurzelt. Nach Jahren des freien Journalismus gründete der Jurist 1994 das Pressebüro press-inform und 1998 die Beratungsfirma press-inform consult.

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3 Comments
Läubli
Läubli
3 Jahre zuvor

Nicht mal Abstandstempomat, einklappbare Seitenspiegel usw. bei 190’000 für die Topversion ist Serie? Mammamia, Porsche will jedes Detail gut bezahlt bekommen. Aber das bekommen Sie ja. Nur, wann wird der Taycan autonom werden und was kostet das dann an Aufpreis noch dazu??

Ich denke nie, da die Kunden selber fahren wollen, die ja erfahrungsgemäß gereiften Alters sind und wohl Ihre Mühe mit so neuer Selbstfahrtechnik haben. Daher ist das verständlich, würde jeder so machen. ;)

Zuletzt bearbeitet am 3 Jahre zuvor von Läubli
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Smartino
Smartino
3 Jahre zuvor

Wer so viel Geld zu Fenster rauswerfen will für ein Auto, das ausser Power so wenig bietet, hat wohl vergessen, zuvor sein Gehirn einzuschalten. Aber er unterstützt immerhin die Wirtschaft. (Ich absichtlich „er“ geschrieben, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass ausser (vorwiegend älteren) Männern jemand auf die abstruse Idee kommt, so ein Ding zu kaufen. Wozu auch?)

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