Tesla hatte geplant, in seiner Gigafactory Grünheide, nahe Berlin, vollständige Lithium-Ionen-Akkus zu produzieren. Mitte Februar 2023 scheint es so, als habe der Autohersteller seinen Kurs radikal geändert. Tesla hat seine Pläne für die Produktion kompletter Batterien in Brandenburg auf Eis gelegt und wird stattdessen einige Produktionsschritte in den USA durchführen, wo es günstigere Steueranreize gibt, so das brandenburgische Wirtschaftsministerium am Dienstag in einer Mitteilung.
„Das Gebäude brummt, es ist voll“, bestätigte Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) erst vor kurzem gegenüber dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb). Dies hatte zunächst für Erleichterung gesorgt, denn noch im Herbst drohte Tesla seine Pläne für eine Batterieherstellung am neuen Standort nahe Berlin komplett zu verwerfen.
Nun wird lediglich ein Teil der Wertschöpfung in Deutschland erbracht. Ursprünglich hatte Tesla geplant, die gesamte Batterie in seinem Autowerk in Grünheide bei Berlin zu produzieren, mit einer Spitzenkapazität von über 50 Gigawattstunden pro Jahr. Da die US-Regierung den Herstellern von Elektrofahrzeugen, die Batterien aus den USA beziehen, jedoch Steuererleichterungen und Subventionen anbietet, hat das Unternehmen seinen Kurs geändert.
„Tesla hat in Grünheide mit der Produktion von Batteriesystemen begonnen und bereitet sich auf die Herstellung von Batteriezellenkomponenten vor. Das Unternehmen hat weitere Produktionsschritte in den USA priorisiert, weil die steuerlichen Rahmenbedingungen dort günstiger sind“, heißt es in einer Mitteilung des brandenburgischen Wirtschaftsministeriums. Von Seiten Tesla gab es bisher keine Stellungnahme.
CEO Elon Musk gab zuletzt im März 2022 zu verstehen, dass das Batteriewerk bis Ende 2023 die Volumenproduktion erreichen würde, aber das Werk und die Autoproduktionsstätte haben ihre Ziele später als geplant erreicht. Mag daran liegen, dass Tesla sich offenbar noch schwertut, mit der unternehmenseigenen Art des Mitarbeiterumgangs ausreichend Arbeitskräfte zu akquirieren.
Quelle: Automotive News Europe – Tesla scales back German battery plans, won over by U.S. incentives
„mit der unternehmenseigenen Art des Mitarbeiterumgangs“
ist sehr schöne Formulierung :-)
Ich bin allerdings gewisser Hoffnung, dass zumindest im deutschen Werk auch diesbezüglich noch Veränderungen, sprich Verbesserungen, auftreten werden. Andere US-Firmen pflegen mit ihren Mitarbeitern in Deutschland ebenfalls anderen, moderateren Umgang als in ihren US-amerikanischen Standorten. Das muss US-amerikanisches Mgmt. oftmals erst lernen und akzeptieren.
Das hat sich Tesla von A bis Z anders vorgestellt. Und das ist genau das größte Problem: Der Chef in den USA hat sich das so vorgestellt und der bestimmt alles selber. Er kennt sich aber mit Europa, deren Arbeitnehmerrechten und Genehmigungsprozessen absolut Null aus.
Er dachte, es geht dort zu wie in den USA zu, also dass er einmal herkommt, grüßt, mit einem Bündel Scheine winkt und schon sind Naturschutz und Wasserrechte eingetütet. Es soll ja sogar seine Leute angewiesen haben, die Wasserrechnung nicht zu bezahlen, um Druck auf die Untere Wasserbehörde auszuüben. Ihm war nicht bekannt, dass der Chef der Organisation, die jeweils Wasser verkauft, gar nicht nach Umsatz bewertet wird. Vor allem war ihm nicht bekannt, dass die Untere Wasserbehörde gar kein Wasser verkauft, das macht der Wasserverband. Und wenn Musk da nicht superkleine Brötchen backt, stellt ihm der Beamte auf Lebenszeit mit A 16 ganz stumpf das Wasser ab.
Bei den Arbeitnehmern hört man, dass sie bei Problemen gerne in den bezahlten Krankenstand flüchten. Auch das ist in den USA vollständig unbekannt. Entsprechend weiß die Zentrale natürlich nicht, wie man damit umgeht.
Herr Musk macht sich über alle lächerlich, wenn es um Naturschutz geht! Und moderne Sklaverei findet er wohl auch gut, wenn man das Personal hört. Geld regiert die Welt, einfach widerlich.
Ich nehme an, dass Tesla in sehr geringem Umfang Mitarbeiter von anderen Automobilherstellern für sich gewinnen konnte und kann. Zahlen dazu nennt das Unternehmen wohl nicht (aber das sagen andere Firmen natürlich ebenfalls nicht im Detail über ihre Hirings). Wer etwa Jahre bei VW in Wolfsburg, Mercedes in Berlin oder Ford in Saarlouis gearbeitet hat, der geht nicht zu Tesla Grünheide, dies nicht nur der Distanz zum bisherigen Wohnort wegen. Oder wenn er doch dorthin wechselt, wird er nicht lange bleiben. Da weht intern ein anderer Wind als beim „betreuten Arbeiten und Leben“ in den großen deutschen Automobilfirmen.